Palästina-Nachrichten
- Journal
- Palästina-Nachrichten
- Volume
- 3 (1936)
- Issue
- Heft 1 (24.1.1936)
- Date
- 1936-01-24
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Nachbarländer Ägypten Die Einfuhr nach Ägypten steigerten gegenüber dem Vorjahre ganz besonders Japan (-j-3o°/o),die Sowjetunion (-j-/j3o/o) und Großbritannien (-j-7°/o), während die Lieferungen aus anderen Ländern stärk rückgängig waren, so z. B. aus Frank-t reich (—10%), Italien (—.r>«.i>). Rumänien —570/0), Belgien und Luxemburg (—und Australien (—800,0). Deutschland steigerte seine Einfuhr gegenüber dem Oktober io,3/j um 370/0 und gegenüber dem Vormonat um 5i»/o. Durch die großen Baumwollkäufe, die über 99,10/0 seiner Gesaintabnahme ägyptischer Waren ausmachten, war Deutschlands Außenhandel mit Ägypten im Berichlsmonal im Gegensalz zu den Vormonaten stark passiv. Die ägyptische Konserven- und Dörrobst-Industrie planleinen umfassenden Werbefeldzug im Irak und auf anderen Orienlmärkten, als Ersatz der infolge der Sanktionen ausgebliebenen italienischen Waren. Syrien Wie die syrische Presse mil teilt, haben libanesisch-syrische Kolonisten in Amerika die Errichtung eines Kurzwellensenders auf ihre Kosten im französischen Mandatsgebiet verlangt. Die Angelegenheil soll zur Zeil der Prüfung des Hochkommissars unierliegen. Als Ort, der für die Errichtung der Sendcslalion in Betracht käme, wird das hochgelegene Horns genannt. Cypern Der Export von cypriotischem Tabak nach England ist neuerdings stark gestiegen, dank des Erfolges einer umfassenden Propaganda für Zigaretten aus cypriotischem Orient- Tabak. Bekanntlich genießen die Produkte Gyperns in England das „Empire"-Zollprivileg. Immer wieder Unruhe um Japan Die palästinensische Presse beschäftigt sich immer wieder mit der Frage des japanischen Dumpings und erörtert, ob nicht irgendwelche Maßnahmen dagegen getroffen werden können, daß Japan den palästinensischen Markt mit seinen Erzeugnissen überschwemmt, während es andererseits nur verschwindend geringe Bestellungen in Palästina macht; die Einfuhr der letzten 6 Jahre aus Japan nach Palästina betrug 1 181 38a £P., die Ausfuhr nach Japan nur o,5°/o davon, nämlich 5635 £P. Japan genießt im englischen Mandatsgebiet auch nach dem Wirksamwerden seines Austrills aus dem Völkerbund die Meistbegünstigung, und zwar auf Grund des englisch-japanischen Handelsvertrages von 1911, der auf verschiedene englische Mandatsgebiete in seiner Anwendbarkeil ausgedehnt wurde. Die japanischen Lieferungen nach den übrigen Ländern des Nahen Ostens sind ebenfalls nicht unbeträchtlich. Nach einer Statistik der Handelskammer von Yokohama lieferte Japan im ersten Halbjahr 1935: Bestimmungsland für Yen Irak........ 11 169523 Syrien....... 5 5o:> 83g Palmtina...... 4250205 Türkei....... 2269045 Arabien...... 1808 990 Cypern....... 317 192 Ägypten...... 25763292 Die japanischen Bezüge aus diesen Ländern waren mit Ausnahme von Käufen aus Ägypten (Baumwolle) sehr gering; Japan kaufte in den ersten 6 Monaten ig35: Lieferungsland für Yen Ägypten...... 31999226 Türkei....... SZ13 891 Arabien...... 178 310 Cypern....... 76630 Syrien....... 17 go5 Irak........ 5 327 Palästina...... 1007 Hypothekenwesen in Palästina Von Dr. M. Stein, Tel-Aviv Fortsetzung aus Nr. 23J24 Der Entwicklung des städtischen Hypolhekenkrediles widmete sich in erster Linie die General Morlgage Bank of Palesline Ltd., eine Gründung der Anglo Palestine Bank. Da aber in den früheren Jahren die Möglichkeit, in größerem Ausmaße die Pfandbriefe dieses Institutes zu plazieren, nur sehr bescheiden war, waren auch der Expansion dieses Inslilules recht enge Grenzen geselzt. Auch hierin haben die letzten 2—3 Jahre einen grundlegenden Wandel geschaffen. Die starke Einwanderung einer vermögenden Mittelschicht, die. von Europa her gewohnt war, Kapital in jederzeit mobilisierbaren Werlpapieren anzulegen, gab dem Pfandbriefmarkt einen außerordentlichen Auftrieb und verstärkte hierdurch die für den Grundstücks- und Baumarkt zur Verfügung stehenden Mittel. Ebenso sehr wie das Bankkapital, wenn nicht in noch stärkerem Ausmaße hat sich seitdem der private Geldmarkt dem Hypolhekengeschäft erschlossen, dem sich liier eine an europäischen Verhältnissen gemessen ungewöhnlich hohe Verzinsung bei absoluter Sicherheit des investierten Kapitals hol. Die Eroberung des privaten Kapitalmarktes für das Hypolhekengeschäft wurde auch dadurch erleichtert, daß Hypotheken im allgemeinen in Palästina ziemlich kurzfristig begeben werden. Es gibt zwar auch längerfristige Amorlisationshypolhcken, aber im allgemeinen bescliränkt man sich darauf, die Hypothek für einen Zeilraum von 3—5 Jahren aufzunehmen. Die Ablösung fällig werdender Hypotheken hat bisher zu Schwierigkeiten nicht geführt. Der Grundstücksbesitzer ist im allgemeinen auch gerne geneigt, das Geld aus privater Hand zu nehmen, da er hierbei meist volle Auszahlung der Valula erhält und das Verfahren weniger langwierig ist. Irak Bagdad benötigt 100 neue Omnibusse. Die irakischen Staalsbahnen wollen [\ neue Bahnhöfe bauen, sowie 9 Personenwagen 3. Klasse und Kranausrüstung bestellen. Iran 5 Slahl-Eisenbahnbrücken. (Kampsax-Konsorüum, Teheran, 12. Februar ig36.) Als Beleihungsgrundlage werden städtische Mictgrundslücke bevorzugt. Die Beleihungsgrenze ist recht vorsichtig bemessen. Beliehen werden 600/0 des reinen Bauwertes unter Ausschluß des Bodenwertes, so daß der Gläubiger einerseits das spekulative Risiko der stark überhöhlen Bodenpreise nicht mit trägt, andererseits aber im Boden selbst noch eine Sicherheilsreservc hat. Neben dem reinen Bauwert nimmt man als Bewertungsmaßstab noch die Zahl und Ausstattung der Zimmer, wobei man bei guten städtischen Renlenhäusern im Durchschnill pro Zimmer einen Beleihungswerl von bis zu £P. 80.—, in Ausnahmefällen auch von bis zu £P. 100.— annimmt. Bei dem starken Kapitalangebot hat sich in den lelzten Jahren der früher sehr hohe Zinsfuß für Hypotheken leicht gesenkt. Er schwankt heule noch in den Städten bei erstklassigen Objekten zwischen 7 und 8%. Da in den letzten Monaten die Intensität des Kapitalangebotes nachgelassen hat, ist nicht anzunehmen, daß noch in diesem Jahre eine Aveitere Reduzierung eintritt. Die von der General Morlgage Bank anläßlich der Konversion ihrer Pfandbriefe angekündigte Senkung des Zinsfußes der von ihr begebenen Hypotheken wird erst ab 1.7. ig36 wirksam werden. Das Inkasso der Hypothekenzinsen wird für den Gläubiger dadurch sehr erleichtert, daß der palästinensische Schuldner gewöhnt ist, im voraus für die Zinsen der Hypothek Wechsel zu begeben. Der Gläubiger hat hierdurch noch den Vorteil, daß er durch Diskontierung der Wechsel die Zinsen für ein oder mehrere Quartale im voraus liquidieren kann. Es ist üblich, daß die durch Begründung, Eintragung und Löschung der Hypothek entstehenden Spesen vom Schuldner getragen werden. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß die Anlage von Kapital in erstklassigen palästinensischen Hypotheken die Vorzüge der hohen Verzinsung mit denen der größten Sicherheit verbindet, so daß eine derartige Anlage auch für Kapitalisten außerhalb Palästinas von Interesse sein dürfte. 6