Palästina-Nachrichten
- Journal
- Palästina-Nachrichten
- Volume
- 3 (1936)
- Issue
- Heft 1 (24.1.1936)
- Date
- 1936-01-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ZEITSCHRIFT FÜR WIRTSCHAFTSENTWICKLUNG IM VORDEREN ORIENT fjuuD «Ju j>- , l.:.U...\fr jU>.\ v^/Ji J tpusyi •VxnwpK riiyn' rrVabon mnnann1? pny •mpn mtnn Vff Palesfine News. Periodica! Jor the Promotion of the economic development of the Near East Verlag Ernst Kösienbeum, Barlin SW19, Neue GrünsfraFje 30, Fernsprecher t A6 Merkur 7413. — Generalvertretung für Palästina: Heinz Zeimann, Tel-Aviv, Dizengoftstr. 159. — Die P. N. erscheinen zweimal im Monat. Bezugspreis für Deutschland, Osterreich und Danzig RM 1,20 pro Quartal, alle anderen Länder RM 1.20. Postscheckkonto Berlin 37991. Anzeigen laut Tarif. Anzeigen-Generalvertretung: Herbert Hirsch, Berlin SW19, Neu» Grünstrafje 30 Jahrgang III Nr. 1 SchriJtleitung: Dr. E. F. Ascher Berlin, 24. Januar 1936 Ein Jahr Industrialisierung Von Dr. J. Adler, Tel-Aviv Im Jahre ig35 sind in Palästina insgesamt 1175 (Jahr 193/1: 1072) Firmen als „Goopcrative Societies", „Companies", „Partnerships" und „Limited Partnerships" amtlich neu registriert worden, wogegen bekanntlich für Firmengründungen von Einzelkaufleulen bis jetzt noch kein Handelsregisterzwang besteht. Unter den obenerwähnten Neugründungen befanden sich 290 (193/1: 3a6) Industriebetriebe. Während also die Gründungstätigkeit im allgemeinen von ig3/| zu 1935 um 9,60/0 gestiegen ist, hat die industrielle Gründungstätigkeit im besonderen sich um 11,00/0 abgeschwächt. Mithin ist der Anteil der Industrie an den Neugründungen von 3o,4°/o im Jahre 1934 auf 2/1,70/0 in 1935 gesunken^ Besonders interessant ist die Entwicklung, wenn man sie quartalsweise betrachtet (Tabelle Nr. 1). Tabelle Nr. 1 Industrialisierung im Jahre ig35 nach Quartalen: Palästinensische davon Firmenregistrierungen Industrieinsgesamt: betriebe : a) absolut b) relativ 1. Quartal 1935: 3oi 85 28,20/0 2. Quartal 1935: 292 65 22,30/0 3. Quartal 1 g35: 309 73 23,6o/o 4. Quartal ig35: 273 67 24,50/0 Der Quartalsvergleich zeigt deutlich, daß auf die Verminderung des industriellen Gründungseifers nicht nur, wie man sonst leicht annehmen mag, die im letzten Vierteljahr 1935 infolge der internationalen Mittelmeer-Spannung aufgetretene Depression hingewirkt hat, sondern auch — schon vorher I — noch eine Reihe anderer Tatsachen. Diese lassen sich zusammenfassend vor allem damit charakterisieren, daß die Wirtschaftspolitik der Palästina-Regierung dem industriellen Aufbau zu wenig Interesse bekundet hat. Durch ungenügenden Zollschutz sind wichtige Industriezweige, zumal der Textilindustrie, dem übermächtigen ausländischen Wettbewerb, hauptsächlich dem japanischen und tschechoslowakischen Dumping preisgegeben worden, so daß den Neugründungs-Interessenten der Mut entfiel. Durch die restriktive Einwanderungspolitik ist das Herüberbringen von Facharbeitern — die in den jüdischen „Hachscharah"-Zentren in Europa längst bereit standen — für die neu zu gründenden Betriebe außerordentlich erschwert worden. Auch die Verkehrspolitik der britischen Mandatsverwaltung und ihre eigenen Einkaufs- Dispositionen (viele Erzeugnisse, die schon längst in Palästina hergestellt werden, bezieht sie immer noch aus England!) haben auf den Fortschritt der Industrialisierung zu wenig Rücksicht genommen. Dabei sei ausdrücklich festgestellt, daß der industrielle Aufbau nach wie vor für Palästina eine dringende Notwendigkeit ist, um das produktive Fundament der Volkswirtschaft zu erweitern, die Arbeitskräfte und Kapitalien Die Orangen Verschiffung Bis zum 5. 1. 1936 wurden seit Erntebeginn 2319650 Mill. Kisten Zitrusfrüchte aus Palästina verschifft. Die Ziffer des Vorjahres lautete: i63io3o; der größte Teil ging wie üblich nach Groß-Britannien. Anfang Dezember 1935 wurde in Jaffa eine arabische Gesellschaft für den Export von Zitrusfrüchten gegründet. Preise Die Morgenpresse vom 10. i.3ö berichtet, daß die arabischen Orangenverschiffer mit Rücksicht auf die durch die starken bisherigen Verschiffungen herbeigeführte ungünstige Marktlage für Zitrusfrüchte beschlossen haben, die Ausfuhr ab 11. 1. 36 auf zehn Tage einzustellen. (Die genauen Preise siehe Kurszettel!) Absatzprobleme Rumänien: Vergeltungsmaßnahmen gegen Valutaaufschlag Während noch vor kurzem die Meldung durch die Presse Palästinas ging, daß der Außenhandel mit Rumänien in seiner Fortführung gesichert sei und dieses [.and das Einfuhrkontingent für palästinensische Zitrusfrüchte auf 200000 Kisten erhöht habe, sind die palästinensischen Pflanzer lebhaft durch die Nachricht beunruhigt worden, daß Rumänien außer dem Einfuhrzoll die palästinensischen Zitrusfrüchte mit einem Währungsaufschlag von 38"/o belegt, wodurch ihr Preis so gestiegen ist, daß der Absatz zu stocken begonnen hat. Anderen Ländern mit entwerteten Währungen gegenüber ist diese Maßnahme Rumäniens nicht angewandt worden. Die Mitglieder der Jaffa Citrus Exchange haben beschlossen, Gcgenmaßnahmen zu treffen und Kistenholz, Papier und andere Verpackungsmaterialien künftig nicht mehr in Rumänien zu bestellen. Der rumänische Beschluß gibt der palästinensischen Presse erneut Gelegenheit, die Beseitigung der Ohnmacht des englischen Mandatsgebiets auf handelspolitischem Gebiet zu fordern, die es einerseits ermögliche, daß Palästina zum geeignetsten Dumpingplatz der Welt gemacht werde, während seine Lieferantenländer sich andererseits der Aufnahme seiner Erzeugnisse verschließen.