Nachrichtendienst
- Journal
- Nachrichtendienst
- Volume
- 1926-1927
- Issue
- Heft 7 (August 1927)
- Date
- 1927-08-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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— 15 — will, wie er selbst sagt, nicht die ostjüdische Frage mit der verdienten Gründlichkeit behandeln. Er will auch nicht zur Lösung dieser, namentlich in der Wohlfahrtspflege beunruhigend und brennend empfundenen jüdischen Frage beitragen; jedoch weckt seine liebevolle und psychologisch einfühlende Schilderung der „Menschen, die das Problem ausmachen", das Interesse für den Ostjuden und vergrößert das Verständnis für ihn bei denjenigen, die bei Ausübung der Fürsorge hinter dem ostjüdischen Menschen immer einen Hintergrund von weltfremdem Idealismus, großen Ideen, Heimlosigkeit, Leid und Elend und oft törichter Hossensseligkeit aus eine bessere Zukunft gespürt haben. Jeder Wohlfahrtspflege!', der „Durchwanderer" und „Auswanderer" zu besürsorgen hat, sollte das anschaulich geschriebene Buch lesen. I ü d i s ch e Bauern- Siedlung in deutscher Heimat. Drei Aussätze mit einem Geleitwort von Pros. Tr. Franz Oppenheimer. Verlag „Ter Schild", Berlin, 3l S. In dem Vorwort der vom Reichsbund jüdischer Fronte soldaten herausgegebenen Werbeschrift weift Pros. Dr. Franz Oppenheimer darauf hin, daß für^das Bestehen und Emporkommen des deutschen Volkes die Siedlung d i e zenkrale Aufgabe bilden muß. Der Gedanke der Siedlung ist aus dem besten Geiste des Judentums geboren. Und was die alten Volksgesetze über den Bodenbesitz vorschreiben, das soll in neuer Rechtsform in die Tat umgesetzt werden. Tr. Leo Löwenftein, Rittergutsbesitzer Rudolf 2. Mofse und Domänendirektor S. Dyk führen in der kleinen Schrift den Siedlungsplan des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten im einzelnen aus. Dieser besteht in der Verwirklichung von Franz Oppenheimers Siedlungsideen: auf einem Gute jüdische Landwirte und Gärtner, deren Eignung durch Arbeit auf dem Gute festgestellt worden ist, nach einer gewissen Probezeit an dessen Peripherie anznsiedeln. Wir wünschen der kleinen, bevölkerunqs- und sozial-politisch bedeutsamen Schrift recht weite Verbreitung und wir wünschen nicht zuletzt dem Reichsbund jüdischer Frontsoldaten den zur Durchführung seiner Pläne erforderlich großen Interessentenkreis. Wir verweisen in diesem Zusammenhang auch auf die August-Nummer der K. E. - B l ä t t e r , die Dr. Ludwig Holländer zum 50. Geburtstag zugeeiguet ist. und in der unter anderem Aufsätze von Dr. Julius Brodnitz „Zur Frage der jüdischen Ostsiedlungen" und von Dr. Leo Löwenstein über „Die landwirtschaftliche Vergangenheit und Zukunft des deutschen Judentums" zu finden sind. Die Zeitschrift erschein! im Philo-Verlag, Berlin. F e st s ch r i f t zu m 7 0. G e b u r t s t a ge v o n Al o r i tz Schaefer, herausgegeben von Freunden und Schülern; Philoverlag G. m. b. H., Berlin. 273 S. Preis Mk. 10, . In dem Vorwort zu der Festschrift heißt es. daß man alle jüdischen sozialen und philanthropischen Bestrebungen der letzten Dezennien aufzählen müßte, um der Förderung derselben durch Professor Schaefer gerecht zu werden. So finden wir unter den zahlreichen Beilagen auch einige Aussätze, die für die soziale Arbeit vou Juteresse sind: z. B. von San.-Rat Dr. Peyser: „Bevölkerungspolitik und Religionsgemeinde", von Dr. Wilhelm Reumann: „Ein nachdenklicher Fall aus der Fürsorge-Erziehung", von Dr. Josef Gutmann: „Pestalozzis Forderung einer lebensnahen Erziehung". V e r h a n d l u n g s b e r i ch t de r M i t g l i e d e r v e r - s a n: m l u n g des B u n d e s der j ü d i s ch e n K r a n - fenu n d P s l e g e a n st a l t e n Deutsch la n d s am 3. Juli 1927, herausgegeben vom Vorstand, Berlin, Oranienburger Straße 13 11. Außer dem Jahresbericht werden die 4 Referate zu dem Thema: „Wie werden Pfleglinge ritueller Anstalten nahrhaft, abwechslungsreich und dabei sparsam ernährt?" im Wortlaut veröffentlicht. Geheimrat 2 t r a u ß - B e r l i n behandelt besonders die Frage der Diätetik in den Krankenhäusern unter Berück sichtigung der Pessachwoche und verschiedener Fragen der Erfüllung ritueller Vorschriften bei den einzelnen ärztlichen Verordnungen. D r. Freima n n Frankfurt a. M. gibt Richtlinien für die Gestaltung der Ernährung in Altersheimen. D r. Stah l's (Berlin) Ausführungen über die Ernährung in Kinderheilstätten werden durch eine grundlegende Zusammenstellung von Nahrungsmitteln nach Menge, Nährwert und Preis besonders wertvoll. Diese Zusammenstellung ist nicht nur für Kinderheilstätten maßgebend, sondern auch für alle übrigen Kinderheime außerordentlich wichtig. Die kleine, 47 Seiten umfassende Broschüre wird nicht nur in allen Anftaltskreisen, sondern auch darüber hinaus für Aerzte, Rabbiner, jüd. Fürsorgestellen von größtem In teresse sein. lieber den neuen K a l e n d e r d e s I ü d i f ch e n F r a u e n b u n d e s für das Jahr 5683 (1927 28) (zu be ziehen von der Geschäftsstelle des Indischen Frauenbundes, Berlin E. 2, Rosenstraße 2 4, Preis vro Stück Mk. 2,50) wurde in der jüdischen Presse bereits berichtet. Der Kalender erfüllt nicht nur darin eine für das Judentum wichtige Aufgabe, daß er einen lieberblick über die jüdische Künstler schaft der Gegenwart und ihr Schassen vermittelt, sondern daß er uns auch in die außerhäusliche soziale Tätigkeit der jüdischen Frau einen Einblick gibt. Während im vor jährigen Kalender Bilder aus der vielgestaltigen Arbeit des Jüdischen Frauenbundes und seiner Ortsgruppen in Deutsch (aut) enthalten waren, findet man dieses Mal einige Repro duktionen aus der jüdisch-sozialen Frauenarbeit in Holland, Frankreich, England, Polen, Oesterreich, Palästina. Auch in dem Text, der jeder Woche gewidmet ist, finden sich viele alte und neue Gedanken zur sozialen Arbeit. In seiner ge schmackvollen Ausführung lBerleger Schick, Leipzigs dürfte der schöne Kalender allen jüdischen Heimen und Wohlsahrts stellen willkommen sein. I ü d i s che Arbeit s u n d Wände r f ü r s o r g e. Zeit schrift, herausgegeben von der .Hauptstelle für jüdische Wan derfürsorge in Gemeinschaft mit dem Arbeiterfürsorgeamt der jüdischen Organisationen Deutschlands nnd der Per einigten Zentrale für jüdische Arbeitsnachweise. 3 Hefte (5 Nummern) sind es, die bisher vou der neuen Zeitschrift erschienen sind, die mit ihrem vielseitigen Inhalt aus der Arbeit der genannten Organisationen und den von ihnen bearbeiteten Gebieten (Arbeils, Berufsfürforge, Aus länder-Recht und Ausländer-Schutz ufw.) außerordentlich interessant ist. Das l. .Heft enthält den Berhandlungsbericht über die im Mai d. I. stattgefundene Tagung der .Hauptstelle fürjüdische Wandersürwrqe. (Belicht siehe Nachrichtendienst vom April Juli 1927, Seite I I.) Im 2. .Heft sind Aufsätze von S. Adler-Rudel über „die allgemeine jüdische W a n d e r u n g" und von Dr. Map Kreutzberger über „Arbeitsvermittlung nnd Er werbslosenfürsorge" enthalten. Rudel geht davon aus, daß Deutschland das Durchgangsland der jüdischen Wanderung aus Osteuropa nach dem Westen und den transozeanischen Ländern ist. Ohne Kenntnis der allgemeinen jüdischen Wanderung, insbesondere ohne Kenntnis der jeweiligen Situation des jüdischen Lebens im Osten, ist eine Wanderfürsorge in Deutschland nicht denkbar, da jede Erschütterung im Osten Art und Umfang des Wanderftromes ändert. In dem Aufsatz wird dementsprechend die Wanderbewegung, ihre Ursachen, ihre Ziele nnd ihre Eigenart als Familienwanderung, sowie ihr Verlauf an Hand von Zahlenbeispielen geschildert. Ferner