Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 2 (11.1.1865)
- Date
- 1865-01-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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ffl.Wlwcuf- 11!nfi . •1' Ludwig Phl^ippson, Rabbiner in Magdeburg, i« der von ihm redlglrten ״Allgemeinen Zeitung deg JudevthumS^ eine Aufforderung an alle Israeliten Deutschlands zu Subskriptionen, um eine jüdische Fakultät und ein jüdische- Semiuar in Deutschland zu begründen." Diese Aufforderung, deren Gegenstand zuerst von Dr. Abraham Geiger in seiner wissenschaftlichen Zeitschrift für jüdische Theologie angeregt worden war, fand Anfangs auch in Ungarn so lebhaften Anklang, daß sich Dr. Philippson veranlaßt sah, unterm 28. November 1837 in seinem Blatte zu erklären, daß die projektirte jüdisch-theologische Fakultät ״auch für Uug a ra und überhaupt die Nachbarländer nicht allein geöffnet sein, sondern in dieser Bereinigung gerade ihren Glauz und ihre segensreiche Wirkung finden wird." Die projektirte Fakultät kam nicht zu Stande, indem die Unterzeichneten Beträge zur Deckung der muthmaßlicheu Kosten nicht hinreichten. Die Subskription war aber noch in vollem Gange, als den ungarischen Juden von Seite des königl. ungarischen StatthaltereiratheS verboten wurde, Geldbeiträge zu dem in Rede stehenden Zwecke inS AuSlande zu senden. Die moralische Wirkung des Philippsou'schen Aufrufes konnte durch dieses Verbot nicht beeinträchtiget werden. Vielmehr wurde eS allmälig der fromme Wunsch aller gebildeten un« garischen Juden, eine Rabbinerschule zu besitzen. Der Kreis derer, welche diesen Wunsch theilten, erweiterte sich von Tag zu Tag, nachdem die Ständetafel deö ungarischen ReichstageS von 1839—1840 die Judenfrage mit so entschiedener, die ungarischen Juden begeisternder Freisinnigkeit behandelt hatte. ES fand daher wirklich keinen Widerspruch, sonderneS erfreute sich deS allgemeinen Beifalls der Gebildeten, als der Schreiber dieser Zeilen in einem zu Gunsten der Emanzipation der Juden geschriebenen, in dem gelesensten ungarischen Blatte, dem ״Nesti Hirlap", am 2.Juni 1844 erschienenen Artikel die Gründung eines Rabbinerseminarö zur Sprache brachte. Der Vorschlag wurde nicht nur in jüdischen Kreisen, sondern auch iu KomikatS-Kougregationen ventilirt, und in Folge der Verhandlungen letzterer auch beim ungarischen Reichstage zur Sprache gebracht. In der am 6. September 1644 gehaltenen 280. Zirkularsitzung klagte ein Deputirter über die Unwissenheit der aus Galizien eingewanderten Rabbinen, und beantragte die Gründung eines Zentral-RabbinersemlnarS in Pest. Am darauffolgenden Tage wurde diese Motion in der Zirkularsitznng angenommen, und den ungarischen Juden die Gründung deS fraglichen Institutes zur Pflicht gemacht. Dieser Beschluß wurde ln der Reichösitzung der Stände am 28. September 1844 bestätiget. Von der Magnatentafel am 1. Oktober zurückgewiesen, konnte der Vorschlag nicht der königlichen Sanktion unterbreitet werden. Von den Juden selbst konnte zu jener Zeit ein spontane- Auftreten iu der Seminarangelegenheit nicht erwartet werdden , da ihre, ihren gemeinsamen Angelegenheiten gewidmete Thätigkeit bis zum August 1846 ausschließlich von der Ablösung der Tvleranz-Tare iu Anspruch genommen wurden Die öffentliche Meinung hörte indeß nicht auf, sich mit der Gründung einer Rabbinerschule zu beschäftigen. DaS ״Pesti Hirlap" brachte am 22. und 24, April, dann am 27. Akai 1845 warme Defürwortyngen deS zu gründendeu Institutes und der Bildung einetüchtigen RabbinersefflinarS von Dr. En och Ascher, Rabbiner zu KetSkemst. Einzelne Gelehrte dachten bereits an die Abfassung zweckmäßiger Lehrbücher für die künftige Rabbiuerschule. Ich erwähne hier nur den durch theologische und filosofische Gelehrsamkeit gleich auSgezeichueten Pester Rabbiner Löw Schwab, welcher Materialien zu einer talmudischen Ehrestomathie sammelte, um dem Talmudunterrlchte in dem künftigen Seminare durch methodische Kunst zu Hilfe zu kommen. In ein neues Stadium trat die Rabdiner-Seminarfrage durch die Bildung deö nngarifch-jüdifchen SchulfondeS. Die hierauf bezügliche Allerhöchste Entschließung Sr. Majestät deS Kaisers wurde von dem interimistischen Statthalter, Baron Geringer, unterm 30. Juni 1850 publizirt. Die Semiuarfreunde erwarteten mit Zuversicht, daß ein Theil der Zinsen deS SchulfondeS der Gründung und Erhaltung einer Rabbinerschule zugewendet werden wird. Von den auS jüdischen Vertrauensmännern behördlich zusammengesetzten Kommissionen, welche im Jahre 1850 über die Organisation deö jüdischen Schul- und KirchenwesenS Vorschläge zu machen hatten, riechen einige sehr nachdrücklich, die in Rede stehende Anstalt inS Leben zu rufe». Dasselbe tyat die Kom- Mission, welche im Herbste 1851 unter dem Vorsitze deö HosratheS Sacher über jüdische Schul- und Kultusangelegen- Heiken Berathungen pflog. Diese Kommission setzte die InSlebenrufung einer Rabbinerschule mit so vieler Sicherheit vorauS, daß sie die Motion stellte, ln jedem der damaligen fünf Distrikte eine VorbereitnngSanstalt zu gründen, anö welcher die Zöglinge inS Seminar treten sollten. Andererseits hatte aber auch die Orthodoxie ihre Anschauungen von 1806 nicht geändert. Der Ungvärer Rabbiuer, Mayer Eisenstädter, unbestritten die erste rabbinisch-orthodore Autorität in Ungarn, richtete am 5. August 1850 an die in Debreczin tagende Vertrauens,Kom- Mission ein in hebräischer Sprache abgefaßteS Sendschreiben, worin er mit aller Entschiedenheit vor der Gründung deS Seminars warnt, ynd unter Berufung auf große rabbinische Autoritäten geltend macht, daß nur derjenige Rabbiner sein kann, der sich seit seiner Jugend ausschließlich mit dem Studium deS Talmudbeschäftigt, und darauf sein ganzes Sinneu und Trachten richtet. Sein Sohn und Nachfolger fand eS vor einigen Monaten zeitgemäß, dieses Sendschreiben drucken zu lassen, und an — wirkliche oder vermeintliche — Gesinnungsgenossen zu versenden. Der Urheber dieses Sendschreiben-, Mayer Eisenstädter, perhorreSzirte aber nicht nur die Rabbiuerschule. In seinem am 15. April 1850 unterzeichneten Gutachten, welches sich unter den Verhandlung-- akten deS Jahreö 1851 befindet, und daS Schreiber dieseals Mitglied und Referent der Ofner Kommission von 1851 zu lesen Gelegenheit hatte, sagt er, daß die Gründung jüdischer Volksschulen ״theilS unnöthig, theilö unausführbar und zugleich nachtheilig ist." Wie jedoch die Remonstrationen gegen jüdische Volksschulen unbeachtet blieben, und die auS den Mitteln deS