Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 37 (13.9.1861)
- Date
- 1861-09-13
- Page
- Seite 318 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Fragen wir nach Der Ursache dieser Erenmon, so ist diese in den Statuten des heimlichen Gerichts nicht augegeden, woher es kömmt, daß die über das Vehmgericht Handelnden Schriften in der Bezeichnung derselben sich vielfältig widersprechen. Beruf sagt a. a. O. S. 276: Juden, Heiden und Nichtchristen werden als Unwürdige erimirt. Der Dortmundische Koder gibt S. 68 als Ursache an: Darumb sy deö Gerichts nit würdig seien. Ebenso wörtlich die Arn'sberg. Vers, bei Senkenberg Seite 97. Allein, wenn Juden und Heiden nickt vor das Vehmgeeicht gezogen werden sollen, so ist dies ja ein Widerspruch, da die Vehmgerichte nach der so häufig ansgesprochenen Idee hauptsächlich zur Aufrechthaltung und zum Schutz des Christenthums konstituirt sein sollen. (Vergleiche Wigand a. a. O. S. 498.) Meißner gibt in Nr. 587 S. 618 des westfäl. Magazins vom I. 1786 an, daß sie in den mittleren Zeiten, da die Ertheilung des Judenschutzes ein kaiserliches Regale war, unmittelbar unter der Gerichtsbarkeit des Kaisers gestanden, eS leuchtet uns daS aber nicht reckt ein, da die Vehmgerichte unmittelbar kaiserliche Kommissarien waren. Nach C. G. W ä ch t e r'S Beiträgen zur deutschen Geschichte war der Grund, daß Juden nicht vor die Vehme geladen wurden: ״sintemal in der h. Schrift und in dem Christenglauben verboten ist, daß die Christen und Juden keine Gemeinschaft haben sollen, die Inden an die Freiengeeichte nicht kommen mögen." In der Folge arteten bekanntlich diese Gerichte aus, sie richteten sich weder nach eigenen noch fremden Gesetzen und Vorschriften und so kam es, daß sie sich um die Bestimmung der Ausschließung der Juden von dem heimlichen Tribunal auch nicht kümmerten; sie zitirten mehrfach einzelne Juden, wie ganze Judengemeinden, wie Lersuer in der Franks. Chronik 1. Th. S. 558 ein Beispiel von einem Frankfurter Juden erzählt, der wider die Vorladung des heimlichen Gerichts zu Lichtenselö appellirte. Auch Beruk bemerkt, daß die Praris der Freigerichte nicht selten über ihre AuSnahmögesetze hinweggeschritten und sich die Freigrafen über Geistliche, Juden, hohen Adel und selbst den Kaiser Kompetenz anmaßle. S. 277 und S. 401. lieber Juden sollte zwar bei keinem Freigerichte gerichtet werden, aber man lud sie dennoch ein, wo es vortheilhaft schien " Ein Arnöb. Weist Hein sagt, daß man auch Juden an den freien Stuhl heischen möge. Hahn S. 642. ״besonders wenn der Geheischene, Geladene, Verklagte auf Kelche, Meßgewand und andere geweibte Gotteszierde, so zu der Kirche gehören, geliehen oder sie gekauft hätte, in solchen Fällen soll der Thäter nach freiem Stuhls Reckt derumb fürgenommen werden." Daß diese Zitationen ein späteres Verfahren waren, beweist folgende in Wigand's bereits genannter Schrift mitgetheilte Urkunde, die wörtlich also lautet: Wy Goddert grcve von ArenSberg und voert all׳' unse rechte erven bekennt und betughet alle den ghenen dep, dessen brief scpn unde Horen lesen, dat uns unse Hern bev Kaisern von Rom hevnt enboden, dat men ^over neyeschen juden richten en sal vor den vrigen Stuhle und dat dev veme eS gheheten, wante dat an vun aldeS recht hewnt ghewesen, hir mimte, want uns unse Here bep Kaiser vom Rome alsikö hevnt enbden, so sy wy des to rade worden myt willen und myt volburt al unser Nachkommelinge unde unser rechtet! erven, myt rade unser vront: Dat wy tavet und sinkcrt in guden truwen in diesem openen breive siede uud vast to haldene, dat men over neyneschen juden richten en sal vor unsen vrigen grascapen unde vor unsen vrigen ftulen, dat gheheiten iS dey Veme unde bidden vortmer alle dey andern dey vrige graschap hebben in unsem Lande, dat sey bat selve Bovol myt uns Halden wollen, also ar uns unse Her de Keyser von Rome hevet enboden. Urk. v. 1348. (Mattinkrodt neuestes Magaz. 1, 3 S. 302). In ähnlicher, fast wörtlicher Weise erklärte schon früher (i. I. 1345) und der Graf von Liinpurg (im Jahre 1350) dem Verbote des Kaisers keine Juden vorzuladen, willfahren zu wollen. Unter den einzelnen Fällen der Vorladung der Juden vor den Freistuhl interessirt der desHcnßlitt v. Speyer, welcher einen Fehdebries an die Stadt St.-Goar sandte, worin er in wilder drohender Weise um Recht gegen den Juden Gottschalk bittet, der ihn um das Seinige gebracht und gegen den Zollschreiber, der seine Frau hat verfuhren wollen. Wir lassen zum Schlüße den betreffenden Schriftwechsel hier folgen. Reinhard Schenk, Oberamtman 11 in Der Grafschaft KatzenelIenbogen berichtet an die F ü r ft l t ch e 11 R ä l h e zu Kassel, daß H e n ß l i n v o n Speyer einen Juden zu St.-Goar, Namens G o t t s ch a l k vor das F r e i g e r i ch t z u Neustadt im Sauerlande habe laden lassen. (Aus dem Original 1548 den 5. August.) Mein freuntwillig Dinst mit erpietung alles guten znuor .Edelen ernesten hochgelarten vnd erbaren günstigen und guten Freunde. Cß hat fick verweilter Zeit bei Vulpreckten Riedesols Amptsnerwaltung zwischen Golsckalk Juden alhir vnd einen gewesen schiffmann Henßlin von Speyer genannt ein Umwillen etlicher Lundischen tucher vnd wäre halber, den kaufflendten zustendig, so Henßlin dem Juden versatzt zugetragen darauß soniel geuolgt das Heus!-