Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 34 (23.8.1861)
- Date
- 1861-08-23
- Page
- Seite 300 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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300 3toei Midraschsteklen auf eine sehr witzige Weise gedeutet. S. 13 kommt der berühmte Redner auf die politischen Verhältnisse zurück. Gr spricht zu dem Brautpaare: ״Da die göttliche Vorsehung Sie geführt hat nach <inem Lande, wo dieses Licht noch nicht in seiner ganzen Schönheit und Helle leuchtet, wo es noch manchen dunklen Schatten für uns, für die Bekenner des Einzigen Gottes gibt, darum wollen Sie sich bestreben, daß ihr Haus, Ihre Familie bestehe als ein glänzendes Zeugniß. für Ihren Stamm, für Ihren Glauben, jeder der auf Ihr ehel. Leben sicht, muß unwillkührlich, muß laut und öffentlich bekennen: warum wollen wir nicht die Anhänger dieser Religion in unserer Mitte liebreich und wohlwollend behandeln, warum ihnen mißgönnen den Ort wo sie wohnen, die Stätte auf der sie arbeiten! Glauben sie nicht daß das Beispiel eines Einzelnen gleichgiltig sei: ״Abraham", sagt der Prosct, ״war ein einzelner Mann, es klang ihm fast märchenhaft als ihm die göttliche Verheißung zu Theil wurde, er werde der Stammvater eines großen Volkes werden. Ein einzelner war er als ich ihn berief, aber ich segnete ihn, weil er in sich selbst gesegnet war, ich vermehrte ihn, weil er daS Heil der Welt vergrößerte u. vermehrte." החלוץ• Wissenschaftliche Abhandlungen über jüd. Geschichte, Literatur und AlterthumSknnde. 5. Jahrgang. Breslau >860. Sulzbach's Buchdrnckerei. 8. 92. ״Alle, die mich kennen", sagt d. Herausgeber d. vorl. Jahrb., Hr. Osiaö I. Schorr in Brvdy, ״werden mir das Zeugniß geben, daß mich die schärfste Kritik nicht verlezt, und mir Gottlob auch nicht den geringsten Nachtheil bringen kann. Ich bin weder Rabbiner noch Prediger, ich bin Kaufmann, und beschäftige mich des Tages mit meinem Geschäfte, des Nachts mit der Wissenschaft. Nun weiß ich zwar sehr gut, daß mein Loö kein sehr glückliches zu nennen ist. Die Thalmudisten sagen, die Wissenschaft sei bei Kaufleuten nicht zu finden, und die Kaufleute sprechen den Gelehrten Geschäftskenntniß ab. In der That wollte ich schon der einen oder der andern Beschäftigung auf immer entsagen; es ging aber nicht! Der kaufmännischen Thätigkeit konnte ich aus Rücksicht auf meine Familie nicht den Rücken zu wenden. Eben so wenig konnte ich aber dies in Bezug auf meine Studien thun; denn was sollte dann aus dem Chaluz werden? Was würden die Zeloten sagen, wenn derselbe cingeht? Ich sagte mir also, daß mein Planet, die Sonne, mich in meine Zwitterstelluug brachte, nach dem Ausspruche der Thalmudisten: ״Wer unter der Sonne steht, ißt und trinkt von dem Seinigen, und seine Geheimnisse sind offenbar!" Ich entschloß mich daher, in meinem Dualismus zu verharren. Gott möge mich, wie bisher, so auch in der Zukunft unter seine Obhut nehmen, und mir enthüllen helfen, waS Anderen verborgen blieb (76, 77)!" Wir stimmen in diesen Wunsch aus vollem Herzen ein. Was nun die zahlreichen Gegner d. Hrn. Herausgeb.'s betrifft, so können dieselben weder dessen Gelehrsamkeit, noch seine eminente stylistische Gewandheit in Abrede stellen. Er handhabt die hebr. Sprache, wie eine lebendige, und seine Satyre ist voll Witz und Humor. In dem vorliegenden Jahrg. ist der erste Aufsatz (1—11) der Satyre gewidmet. Sowol die Orthodoxen Polnischen Pilpulisten, als die modernen Doktoren, besonders die Romantiker, werden scharf mitgenommen. Der Aufsatz hat dialogische Form. Der Herausg. deckt die Blößen der Pilpulisten auf, sein Gegner, ein polnischer Rabbiner, zeigt aus die ^Schwächen der deutschen Doktoren hin. Da jedoch dem polnischen Rab- Szegedin, Verlag von Sigmund Lurger. bincr die Schriften der Deutschen viel weniger bekannt find, als dem HeranSg. die der Polen, so ist es natürlich, daß letztere den Kürzer» ziehen. Wenn Hr. Schorr wieder einmal auf dieses Thema zurückkommt so empfehlen wir ihm folgende Spezialitäten. Ein berühmter Prediger läßt drucken, der מש1ה מלחמה sei ״ein gesalbter Feldherr!" Ein Rabbiner, der demselben seine Stellung verdankt, läßt aus Dankbarseit drucken, תנאי כפול sei ״ein gegenseitiger Vertrag." Und um neben seinen thalmudischen Kenntnissen auch seinen kritischen Geist zu zeigen, läßt er. und zwar zu wiederholten Malen, eine Untersuchung über die große Frage drucken, warum Simon der Fromme die Welt עולם nannte, und nicht חבל oder אדמה oder ארץ!! Ein anderer Rabb. verwechselt d. הלחם TO mit den □בכורי, und hält am Wochenfeste eine Predigt, in welcher er letztere als ausschl. Opfer des Wochenfeftes darstcllt: ein qui pro quo, welches er auch in seinem weitverbreiteten Katechismus wiederholt. Auch das □״ אהד האנשים ואחד הנשיjeder einzelne Mann und jede einzelne Frau" hätte beachtet werden sollen. In Ungarn berühren sich in dieser Beziehung die Extreme: manche kultuvirte Gemeinden und die Chaßidäer. Jene wählen vermöge ihrer konservativen Gesinnung gerne schwache Thalmudisten zu ihren gcistlichen Führern, um gegen die historisch-kritische Behandlung des Thalmud von Seiten der Rabbinen ״assckurirt" zu sein. Die Anschauung der Chaßidäer sprach R. Hillel Lichtenftcin vor Kurzem in der alten Synagoge zn Großwardein aus, indem er seinen Zuhörern zurief: ״Ja, meine Brüder, die ״gut lernen können" find die ärgsten Apikorßim!!" Der 2. Aufs. d. vorl. Jahrg. bespricht die Fylaktcrien (11—26). Trotz der sehr lehrreichen Spezialitäten, welche Hr. Schorr zusammenstellt, scheint er uns doch seine gewöhnliche Gründlichkeit zu verleugnen. Die biblische Zeit betreffend haben auch christliche Forscher, wie Rosenmüller und Winer, im Denteronomin 6, 9. die eigentliche Deutung vorgezogen. Dafür zeigt auch der Ausdruck טוטפות und die Sitte des Orients. Aber selbst das, was Hr. Sch. aus der thalmudischen Zeit anführt, trifft nicht immer zu. Namentlich ist ans die Berufung S. 17 Ans. die Regel anzuwenden: tzni vimiuw probat nihil probat. Aus dem das. angeführten Midrasch könnte nämlich der Schluß gezogen werden, daß die Thalmudisten auch die Schanfädcn nicht für pcntateuchisch geboten hielten, was offenbar unstatthaft ist. In der That wird aber in dem Midrasch nicht der pentateuchische sondern der sinaitische Ursprung der bezüglichen Gebote besprochen: אף הן בכלל מ ח ן חורה• Der Hauptgedanke des Aufsatzes, daß die Beobachtung des Psylakteriengebotes sich nur allmälig Bahn brach, ist nichtsdestoweniger vollkommen richtig, wie sich denn Aebnliches auch von anderen Observanzen Nachweisen läßt. Eine sehr gründliche Arbeit ist ״daS Wort zu seiner Zeit" v. HeranSg. (31—54). Auch die übrigen Beiträge v. Geiger, Dubs und D. T. Landesberg sind sehr interessant. Leider vermögen wir nicht zu sagen, wie daS Jahrb. im Wege des Buchhandels zu beziehen sei. Die Freunde desselben thun am besten, wenn sie sich an den Herausg. in Brody wenden. Korrespondenz der Redaktion. Herrn S. B—r in Sz. und Herrn I. H. L—w. in S.-A.-U. Herzlichen Dank. In der nächsten Nummer. Leipzig, Lommisjions-Verlag von £tm) Wagner. Druck von Sigmund Burger in Szegedm.