Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 12 (1.12.1860) 1.Hälfte
- Date
- 1860-12-01
- Page
- Seite 656 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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656J'— dunkeln Schachten des Thalmuds die Ideen gefunden und gesammelt zu einer neuen Wissenschaft: ״Die Geschichte der Juden." Bald zweitausend Jahre hindnrch, seit Josefus, hatte das Judenthum, außer mehreren, mitunter * sehr schätzenswerthen Darstellungen einzelner Zeitabschnitte und Begebenheiten, keineu Geschichtsschreiber mehr gefunden, Hr. Dr. Jost ist nach ihm der Erste wieder. Jener hätte nur biblischen Stoff zu ordnen, den glücklichen Freiheitskrieg der Juden gegen die Syrer und den unglücklichen gegen die Römer darzustellen, Jost aber hat aus den verschiedensten uud oft unklaren Quellen die jüdischen Kulturzustände' von zwei Jnhrtausenden beschrieben Hr. Dr. Jost löste die Aufgabe in seiner Geschichte der Juden vollständig. Während so der Verblichene sich ein Ruhmesdenkmal in den gelehrten Kreisen des Vaterlandes und Europa's errichtete, setzte er sich nicht ein mindergroßes in den Herzen seiner Mitbürger, und besonders in der Gemeinde, an deren Schule er zu wirken berufen war. Dr. Jost, sagte Hr. Oberlehrer Dr. Stern, war ein Lehrer, Bildner nnd Erzieher der Jugend im schönstrn Sinne des Wortes; trotz seiner hohen Gelehrsamkeit verstand er es denttoch, sich in den Erfahrungskreis der Jugend hineinzuleben, Dr. Jost's Name wird neben dem Mendelsohn's glänzen, denn wie er hat er die Thora deutsch, d. h. deutlich gemacht. So hat Dr. Jost die Aufklärung gefördert', Vorurtheile beseitigt nnd sich damit ein bleibendes Denkmal unter uns gesetzt. Was er als Mensch, als Freund den armen Waifeit war, zeigt der jüdische Frauenverein, der durch ihn in's Leben trat. Die reinen Thränen der Unschuld, von den Waisen an seiner Bahre geweint, sind eben viele sprechende Zeugnisse, daß sie in ihm ihren zweiten Vater und Wohlthäter verloren. — Möge dem Ehrenmanne die Erde leicht sein!" Noch bin ich ohne Nachricht über die letzten Tage seines der Wissenschaft und der Ehre Israels gewidmeten Lebens nnd über seine Todesart. Ein ausführlicher Nekrolg wird auch hierüber Bericht erstatten. Am 8. d. M. schrieb er mir noch in gewohnter jovialer Weise;/ die literärischen Anzeigen in den vorliegenden Blättern sind wol das Letzte, das von ihm gedruckt wurde. Die Freunde Ben Chananja's werden mit uns den wegen seiner unverwelklichen literärischen Verdienste, wie wegen seines herrlichen Charakters gleich verehrungswürdigen Jost aufrichtig betrauern. Sein Andenken wird ein gesegnetes bleibeu! Inhalt. Offenes Sendschreiben an den Herausgeber. — Abraham Abli aus Gumbinen, vom Bezirksrabb. Dr. M. Duschak. Literärische Anzeigen: Die Scholien zum babilon. Thalmud, von Rabb ׳ L. Wiesner. — Bericht über den zweiten Theil der bibl. Geschichte, von Leop- Breuer. — Salomo b. Gabirol, von Leop. Dukes. — Bespr. von Dr. I. M. Jost. — Vom ersten bis zum zweiten Tempel, von G. Wolf. Besprochen vom Herausgeber. — Beiträge zur thalmud. Sprachforschung und Alterthumskunde, von Dr. B. Beer in Dresden. Korrespondenz (Ausland.) Trier. — (Inland.) Wien. — Prag. — Lemberg. — Pest. Csakathurn. — Bemerkung. — Arad. Neuestes: Dr. Jost's Todes-Nachricht, vom Herausgeber. Herausgeber und Redakteur: Leopold Löw, Oberrabbiner in Szegedin. Druck von Sigmund Burger in Szegedin 1860.