Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 6 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 276 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2542917-2543094-2543101--0896-2544585- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 276 — Straußen. — Wir sehen ״den reinen Aether in der Schwüle des Südwindes wie einen gegossenen Spiegel über die dürstende Wüste hingedehnt". Wo die Natur kärglich ihre Gaben spendet, schärst sie den Sinn des Menschen, daß er auf jeden Wechsel im bewegten Lustkreise wie in den Wolkenschichten lauscht, daß er in der Einsamkeit der starren Wüste wie in der des wellenschlagenden Oceans jedem Wechsel der Erscheinungen bis zu seinen Vorboten nachspürt. Das Klima ist besonders in dem dürren und felsigen Theite von Palästina geeignet, solche Beobachtungen anzuregen. Auch an Mannigfaltigleit der Form fehlt es der dichterischen Literatur der Hebräer nicht. Während von Josua bis Samuel die Poesie eine kriegerische Begeisterung athmet, bietet das kleine Buch der Lhrenlesenden Ruth ein Naturgemälde dar von der naivesten Einfachheit und von unaussprechlichem Reize. Göthe in der Epoche seines Enthusiasmus für das Morgenland nennt es ״das lieblichste, das uns episch und idyllisch״ überliefert worden ist 2)". Die Dichtungen Gabirol's und Moses Jbn Esra'ö bezeichnet er als edle Nachklänge der althebräischen Poesie 3). Alerander v. Humboldt freute sich aufrichtig des Aufschwunges, welchen Kultur und wiffenschaftliche Bestrebungen in neuerer Zeit unter den Juden nahmen. In einem wenig bekannten Schreiben, welches er am 12. Novbr. 1853 an den gelehrten Rabbiner Marco Mortara in Mantua richtete, sagt er: ״Da ich seit meiner frühesten Jugend die Ehre hatte, in Deutschland mit hervorragenden Männern unter Ihren Glaubensgenossen, welche in der Philosophie und Mathematik geglänzt haben, verbunden zu sein, und da einer unserer großen und ältesten Schriftsteller, der Freund Lessing'ö, Moses Mendelssohn, aus die Erziehung, welche ich und mein Bruder in vorsündflutlicher Zeit genossen, Einfluß ausgeübt hat; sehe ich mit sehr lebhaftem Vergnügen, wie sich in allen Theilen Europa's die Liebe zur Wissenschaft und zu ernsten Studien mannigfaltiger Art unter den Juden Bahn bricht inmitten der Hindernisse, welche das traurige Erbe vergangener Jahrhunderte und der religiösen Intoleranz des Mittelalters sind 4)". So dachte und schrieb Alerander v. Humboldt. Wir rufen ihm ans vollem Herzen nach: זכר צדיק ^כרכר, das Gedächtniß des Gerechten bleibt zum Segen! 2) Kosmos 2, 46 ff. 3) Das. S. 119. 4) Marc. Mort. Comp. d. Eel. Isr. Mantova 1855. XV.