Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 2 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 83 — Was können wir von dem alten ״Che-er" lernen? Konferenzvortrag von D1\ Elster, Direktor der isr. Hauptschule zu Nikolsburg. Meine Herren! Wir sind nun heute wieder zusammengetreten, um die im verflossenen Monate auf dem Felde der Pädagogik gemachten Erfahrungen einander mitzutheilen; speziell auch, um für die uns anvertraute Schule einen Ruhepnnkt zu finden, von dem ans wir sowol rückwärts ans die bereits gethane Arbeit, als -auch vorwärts auf die noch zu erzielenden Resultate blicken können. Indem ich Sie nun zu unserer ersten Konferenz im Jahre 1859 Herzlich bewillkommne, gestatten Sie mir, daß ich Ihre Aufmerksamkeit für eine Schule in Anspruch nehme, aus der wir selbst bis auf'die Jüngsten von uns hervorgegangen sind, ich meiue auf das alte Cheder, um von dort eine Lehre zu holen, die unserer neuen Schule noch immer von großem Nutzen sein dürste. Ich weiß, m. H., daß vielleicht in dem Augenblicke mich der Eine oder der Andere von Ihnen einer Inkonsequenz zeihen wird, wenn ich, während wir die neuesten didaktischen Zeitschriften austauschen, Ihren Blick auf jene Vergangen- Heit richte, deren Opfer wir geworden und deren traurige Nachwehen noch heute so oft empfunden werden. — Mit Nichten, ich bin es mir durchaus bewußt, auf welche Stunde die Schuluhr 100 Jahre nach Moses Mendelssohn und Hartwig Wessely zeigen soll und muß, will ihnen auch weder das Benehmen des alten Rebbi als pädagogisch-klassisch, noch die Disciplin des vorwitzigen Cheder-Iüngelchens als mustergültig anpreisen; sondern auf Eines Ihr Herz richten — und hier wünschte ich, daß mich viele moderne Lehrer hören möchten — auf Eines, welches wir aus dem alten Chederwesen doch noch lernen mögen. Sie stimmen wol, m. H., in dem Punkte ganz mit mir überein, daß eine gute Schule Ihre Schüler zur Selbstthätigkeit erziehen muß; eine Schule wirkt desto natürlicher, je mehr sie darauf hinarbeitet, daß der Schüler seine eigenen in ihm schlummernden Kräfte erprobt und übt; je mehr sie den Zögling daran gewöhnt, die Krücken zu entbehren und auf eigenen Füßen zu stehen, desto mehr Reise giebt sie ihm für des Lebens dunklen Gang mit. Und nun, m. H., lassen Sie ein Kind, das aus irgend einer modernen Schule tritt, auf sich selbst beschränkt sein, und Sie werden die Erfahrung machen, daß es nicht allein nicht im Stande ist, sich aus״eigener Kraft heraufzuarbeiten; sondern es wird ihm auch niemals in den Sinn kommen, es nur versuchen zu wollen; es wird nicht daran denken, irgend eine fremde Sprache ohne Hülfe eines Lehrers aus der bloßen Grammatik erlernen oder in irgend einem Gegenstande Autodidakt sein zu wollen. Wie anders war dieses׳"bei dem aus dem Cheder tretenden jungen Bocherl der Fall! Kaum hat man es. buchstabieren gelehrt, als es schon mit kühner Hand nach dem Don Carlos griff und einen Sprung in die Wissenschaft that, den wir heute freilich ein 8a110 mortale nennen; doch der Sprung war oft sehr glücklich gemacht und die Männer zumeist, 6*