Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 1 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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— 9 aber in Deutschland, einen früher nie gekannten, vielversprechenden Aufschwung. In London fährt die Gesellschaft für hebräische Alterthümer fort, Schätze der jüdischen Literatur der Vergessenheit zu entreißen. In Paris widmet einer der gelehrtesten Juden, Salomon Munk, einem der reichsten Juden, Rothschild, eines der bedeutungsvollsten Werke der jüdischen Religionsphilosophie: den Führer der Verirrten von Majmonides. Jener edirt das Werk zum ersten Male in der Sprache, in der es der Verfasser schrieb (arabisch), mit französischer Übersetzung und tief eingehenden Erläuterungen; dieser bestreitet mit seltener Munifizenz die Druckkosten, und läßt das prachtvoll ausgestattete Buch an Gelehrte vertheilen. Samuel David Luzzato, der Meister der Schriftauslegung und der hebräischen Dichtung, wagt die Herausgabe seiner Bearbeitung des Profeten Jesajas, einer Frucht 24 jährigen Fleißes, kaum mehr zu erwarten; und stehe, der einzige Albert Cohn in Paris, unser rühmlich bekannter Landsmann, macht die Veröffentlichung möglich. Sollte nun der Anblick solcher Regsamkeit im Leben und in der Literatur nicht geeignet sein, die Klage über Jndifferentismus zu entkräften und eine gerechtere Würdigung der Gegenwart und ihrer Bestrebungen zu begründen? — Denjenigen, welche trotzdem die Vergangenheit aus Kosten der Gegenwart erheben, geben wir aber noch Folgendes zu bedenken. Die Zeiten hängen eng zusammen, wie eine Kette. Die Gegenwart bildet sich jedesmal aus der Vergangenheit heraus; geht aus den Faktoren derselben als Produkt hervor. Wer die Gegenwart schonungslos verdammt, hält daher auch Gericht über die Vergangenheit! Es ist mithin keine Geringschätzung, sondern eine Ehrenrettung der leztern, wenn Rapoport mit vieler Wärme der Anschauung das Wort redet, nach welcher die Geschlechter im Laufe der Zeit nicht immer tiefer sinken, wie manche wähnen, sondern immer höher steigen auf der Leiter der Vollendung. Diese Anschauung will Rapoport sogar in den Worten des Thannaiten R. Akiba entdeckt haben ')! — Hinweg also mit jeder einseitigen Über- ') Ker. Ehen,. V. 183.