Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 29 (21.7.1938)
- Date
- 1938-07-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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mm WM Ad-ß'K- E E Z Wiederum Bomben in Palästina. Jerusalem, 17. Juli. Der Freitag war wieder ein b 1 u t,i g e r Tag für Palästina, sowohl im Norden wie auch in Jerusalem. Im Basar der Davidstraße in der Jerusalemer Altstadt platzte eine Bombe just im Momente, als sich eine große Arabermenge nach dem G'ttesdienste in der Omarmoschee an dieser ansammelte. Es wurden dabei 12 Araber getötet und 45 verwundet. Der Menschen bemächtigte sich eine wilde Panik. Polizei und Truppen sperrten sofort den Platz ab und bargen die Toten und Verwundeten. Das Standrecht über die Stadt wurde verschärft, so daß das Ausgehverbot jetzt schon am Abend 6 Uhr beginnt. Am gleichen Tage explodierte auch in S a f e d eine Bombe, durch die drei Araber verwundet wurden. Als das unbegründete Gerücht sich verbreitete, Juden hätten das Attentat verübt, nahm die arabische Menge den Weg nach dem Judenviertel. Truppen stellten sich ihr in den Weg und mußten scharf feuern. -Dabei wurden wiederum drei Araber schwer verwundet. Allerlei aus Erez Israel. Jerusalem, 13. Juli. Ein bekannter jüdischer Philantrop in Indien, Raphael Ahron Gubay, hat letztwillig Lst. 20.000 für die jüdischen Wohltätigkeitsanstalten in Jerusalem hinterlassen, Bezüglich der Verteilung wurde in einer Sitzung, an der Advokat Dr. Buxbaum die Interessen der Thora-Anstalten der Agudas Jisroel vertrat, eine befriedigende Einigung getroffen. Große Erbitterung in der religiösen Bevölkerung Jerusalems rief eine Veranstaltung des „Roten Magen David" hervor, für die alle Vorbereitungen am Sabbat getroffen wurden. Das höchste Gericht in Jerusalem fällte ein Urteil in Sachen illegaler Einwanderer, das prinzipielle Bedeutung hat. Bisher galt es mindestens als Gewohnheitsrecht, daß „illegale" Einwanderer, die sich bereits zwei Jahre im Lande befanden, nicht mehr ausgewiesen werden konnten. Das höchste Gericht hat aber in einem konkreten Falle entschieden, daß die Ausweisung „Illegaler" ohne Rücksicht auf die Dauer ihres Aufenthaltes erfolgen kann. Oberrabbiner Herzog vor der Teilungskommission. Jerusalem, 10. Juli. Eine Abordnung des Oberrabbinats, geführt von Oberrabbiner Dr. Herzog, sagte am 7. Juli vor der Teilungskommission aus. Die Sitzung dauerte zwei Stunden und beschäftigte sich hauptsächlich mit der Notwendigkeit, gewisse jüdische religiöse Prinzipien in die Verfassung des jüdischen Staates einzuschließen. Die Abordnung bestritt in kategorischer Weise die in Umlauf befindlichen Gerüchte, daß die Juden Absichten auf die mohammedanischen heiligen Plätze haben. Ferner wurde die Position von Jerusalem im Zusammenhang mit einem jüdischen Staat besprochen. (Palcor.) ^§ R E L Bücherspenden. Jerusalem, 10, Juli. Im Lehrerseminar „Misrachi", in der Bezalelstraße in Jerusalem, befindet sich eine etwa 12.000 Bände enthaltende Bibliothek. Sie setzt sich — neben kleineren Zuwendungen — aus zwei großen Nachlässen zusammen; 1. der Büchersammlung des Privatgelehrten und Bibliophilen Lipmann Ph. Prins (gest. 191'5 in Frankfurt a. M.) und 2. der Bibliothek des sefardischen Raw B. A. Koenka (gest. 1936 in Jerusalem). Die Bibliothek wird von den Lehrern und Schülern der Anstalt benutzt, ist aber auch Jedem zugänglich, der jüdische Studien betreiben will. Wegen ihrer bequemen Lage mehrt sich die Besucherzahl ständig. Daher macht sich in der letzten Zeit der Mangel der Neuerscheinungen — an Büchern, Zeitschriften, Nachschlagewerken u. ä. — sehr bemerkbar. Deshalb wird an die Verfasser und Redakteure, sowie an alle Personen) die bei etwaiger Aullösung ihrer Büchersammlungen ihren Besitz gern der Allgemeinheit zugänglich machen wollen, die Bitte gerichtet, auch an die Bibliothek des Lehrerseminars zu denken. Jedes Buch wird den Namen des Spenders tragen, so daß seine Förderung jüdisch-geistiger Arbeit ihm im hei1 ligen Lande einen unvergeßlichen Namen schaffen wird. Zusendungen erbeten an POB 7008, Jerusalem. Aus Petach Tikwahs Jugendtagen. Nacherzählt von Helene Wolf in Petach Tikwah. (Schluß.) Währenddessen meldeten sich noch einige Araber. Sie seien Mitbesitzer des Bodens und erlaubten den Kauf nur, wenn noch 500 Napoleons zugezahlt würden. Nach langen, durch den Makler geführten Verhandlungen waren sie schließlich mit 300 Napoleons einverstanden; es würde auch alles beschleunigt, sodaß Barnett nach zwei Monaten Mitbesitzer des Bodens wäre. Eines schönen Tages aber erschienen bei diesem einige Herren aus Kairo, die mit ihm ebenfals wegen des Bodens verhandeln wollten. Ihre Väter seien die ursprünglichen Besitzer desselben, also gehöre er durch Erbrecht ihnen. Sie verlangten 800 Napoleons! Da sie von dem Preis nicht heruntergehen wolten, verzichtete Barnett auf das ganze Geschäft. Aber die Aegypter blieben in Jaffa, Vor hurxem erschienen! DER JÜDISCHE STAAT Von Dr. PH. BIBERFELD Das a u ß e r o r d e n 11 i c h aktuelle Buch enthält eine tiefschürfende Erörterung der Probleme des staatlichen Zusammenlebens vom traditionellen Standpunkt. Die Grundlagen eines jüdischen Staatswesens, wie es sein soll und sein kann, werden in meisterhaft klarer Diktion en{wickelt- Preis: brosch. RM1.50; geb. RM2.— Zu beziehen durch: ISRAELIT u. HERMON Jüdischer Buchverlag G. m. h. HL, Frankfurt a. M., Schützenstraße 12, 1, Im Zusammenhange mit diesem neuen Werke kann vom genannten Verlag auch die Schrift des Verfassers EINFÜHRUNG IN DIE JüD. GESCHICHTE zum Preise v. RM 1.50 bezogen werden. kamen nach einigen Wochen wieder und wollten mit der Hälfte zufrieden sein. Aber jetzt war Barnett gewitzigt; er wandte sich an einen Bekannten in Alexandrien, der ihn über die Ansprüche der Erbberechtigten aufklären sollte. Da stellte es sich heraus, daß noch eine ganze Reihe sogenannter Erben vorhanden sei! Unter diesen Umständen fiel Barnett der Kaufverzicht nicht schwer. Die angezahlte Summe war natürlich verloren und den Verdruß hatte er obendrein. Wieder mußte er nach London zurückkehren. Er arbeitete dort mit glänzendem Erfolg und brachte 1897 eine große Summe Geldes mit nach Erez Jisroel. Jetzt kaufte er fünf große Geschäftshäuser von Arabern, die er dann in jüdische Hände gab. Das jüdische Viertel in Jaffa entwickelte sich so gut, daß Barnett beschloß, seine Geschäfte in London endgültig abzuwickeln. Er ging auf anderthalb Jahre dorthin und kam 1900 nach Jaffa zurück. Er baute Newe Schalom weiter aus; die geräumigen Wohnungen fanden jetzt leicht Mieter. Ein Grundstück von 2000 Quadratellen spendete er für eine Talmud Thora-Schule. Zusammen mit R. Mosche Todrossowitz reiste er in die jüdischen Städte und Siedlungen, um Geld für den Bau dieser Schule zu sammeln. Was fehlte, legten die beiden Freunde zu. Dreimal mußte R. Sorach noch nach London, bis dort alle Geschäfte abgewickelt waren; dann hatte er sein ganzes Vermögen in Erez Jisroel. Er konnte nun die Schechunah Newe Schalom wesentlich erweitern, Auch das Beth Hakeöesseth „Schoneh Halachoth" entstand damals. Ein großer Balkon sollte den Bau verzieren und Barnett trat heraus, um die Arbeit zu prüfen. Da gaben die Balken nach und R. Sorach stürzte ab. Zwanzig Minuten lag er bewußtlos auf dem Boden. Herbeigerufene Aerzte hielten ihn zuerst für tot. Aber es gelang, ihn durch künstliche Atmung ins Leben zurückzurufen. Ein schwerer Oberschenkelbruch zwang den Unermüdlichen, zwei Monate lang mit hochgebundenem Bein im Bett zu liegen. Es war eine schwere Prüfung für diesen Mann aber „Alles ist zum Guten", dachte er und benutzte 'die unfreiwillige Muße zum Ueberdenken seines ganzen Lebenswerkes. Er fand darin jetzt eine große Lücke. Wohl hatte er nach besten Kräften für den Aufbau von Erez Jisroel gearbeitet, aber sein „Lernen" hatte er dabei vernachlässigt. Bei einem Manne wie R. Sorach bedeutete das Erkennen eines Fehlers zugleich den Versuch, ihn zu verbessern. Es wurden regelmäßige Lernstunlen in dem neuen Beth Haknesset eingerichtet. Aber gleichzeitig wurde mit dem Bau einer Jeschiwa begonnen, der noch glücklicherweise bald nach Beginn des Weltkriegs, Anfang 1915, beendet wurde. Denn dann begannen die Judenverfolgungen seitens der türkischen Regierung. Barnett war als geborener Russe „feindlicher Ausländer". Seine Freunde drangen in ihn, Erez Israel zu verlassen-, nicht nur er und seine Familie seien gefährdet, sondern auch sein ganzes Aufbauwerk, das als sein Eigentum galt. Sehr, sehr schweren Herzens gab er diesem Drängen nach „bis zu einem Augenblick, wo der Zorn vorüber sein würde". Er ging nach Alexandrien. Sehnsuchtsvoll aus dem Galuth Mizraim den Blick nach Erez Israel gerichtet, wartete er auf den Augenblick seiner Geullah. Die traurigen Nachrichten aus Erez Israel gaben dem Rat seiner Freunde nur zu recht. Kurz vor Pessach 1917 mußten alle Judeft Jaffa verlassen. Es war eine schwere Aufgabe für die übrigen Juden im Lande, die doch selber große Not litten, die Vertriebenen, noch dazu kurz vor Pessach, bei sich aufzunehmen. Die Hilfsbereitschaft war aber noch größer als die Not. Die erste Siedlung, die weit über 1000 Flüchtlinge aufnahm, war Petach Tikwah, das sich ja inzwischen zur größten und im besten Sinne jüdischsten Kolonie entwickelt hatte. Die Opfer an Gut und Blut der tapferen Begründer, die nicht einen Augenblick das Vertrauen zu G'tt verloren hatten, trugen und tragen noch schönste Früchte, Sobald wie möglich kehrten einige Juden nach Jaffa zurück, und R. Sorachs Jeschiwa „Or Sorach" entfaltete ihre segensreiche Tätigkeit. Ein Festtag in größtem Ausmaße war es für das jüdische Jaffa, als am 16. Aw 5680 (1920) die Beendigung des „Schaß (Talmud)-Durchlernens" gefeiert wurde. Es war wohl noch niemals ein solcher Sijum in Jaffa so gefeiert worden seit seiner Gründung. In seinem großen und heiligen Glücksgefühl spendete damals Barnett der Jeschiwa einige Gebäude, deren Ertrag die Kosten für die Unterhaltung bestreiten konnten. Am fünfzigsten Jahrestag seiner ersten Landung in Erez Israel veranstalteteten Barnetts Freunde ein großes Jubelfest. Es war eine Feier, berechtigt wie selten eine, nicht nur für den Jubilar, sondern für den ganzen Jischuw. Auch die englischen Behörden beteiligten sich daran. Aber am meisten Freude machten ihm die herzlichen Glückwünsche der Thoragrößen aus Je.ruscholajim; Raw Kuk, Raw Sonnenfeld und Raw M. M, Auerbach. Niemand fehlte unter den Gratulanten; die Rabbiner von Tiberias, von Safed und von Hebron und alle die Vertreter der Moschawoth wollten den edlen Mann begrüßen. Und auch wir, die wir die Arbeit seines Lebens genießen, dürfen den Namen Sorach Barnett nicht vergessen, auch nicht den seiner Mitarbeiterin, seiner Gattin Rachel Lea, ohne deren Hilfe er, nach seinem eigenen dankbaren Wort, nie das Große hätte leisten können. Ein hohes Alter war ihm beschieden, es war ihm noch vergönnt, die Entwicklung seines geliebten Petach Tikwah zu erleben, das durch eine großzügige Unterstützung des Baron RothschitH aus der Not gerettet wurde, und die Eingemeindung seines „Newe Schalom" in die reinjüdische Stadt.