Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 50 (16.12.1937)
- Date
- 1937-12-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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\y;i Der Israelit Ein Centralörgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mains M» Frankfurt su M. 16. Dezember 1937 12. Tebet 5698 a Nummer 50 Verständigungsversuche in Palästina. Jerusalem, 9. Dez. Der * ,,FaIastin" befürwortet heute in seinem Leitartikel Verhandlungen mit den J u - d e n auf Basis der Vorschläge von Viscount Samuel. Das gleiche Blatt berichtet, daß zwischen Dr. Weizmann und Nuri Pascha, dem früheren Außenminister des Irak, Verhandlungen über ein arabisch-jüdisches Kompromiß geführt worden seien. * # In London sprach gestern Mr. Husseini, ein Vetter des Muftis, in einer Versammlung, die von der 2ionistischen Sektion der Londoner Universität veranstaltet war, über „die Möglichkeit eines arabisch-judischen Zusammenwirkens." Husseini sagte, die Araber hätten nichts dagegen einzuwenden, daß Palästina das geistigkulturelle Zentrum für die Juden werde. Aber als Heim für 6 Millionen verfolgter Juden könne das Land schon im Hinblick auf seine Fassungskraft Unmöglich in Betracht kommen.. Die beste Lösung sei der Vorschlag von^Dr. Magnes, der eine Propottion ,: h^ic^iük^^'-,0^S^^^ßM'. fecnen Bevölkerun^zifjEer iestgesetzt und auf diese Weise einen homogenen arabisch-jüdischen Staat im Bündnis mit Großbritannien möglich macht. Unter diesem Plan könnte ein arabischer Staatenbund zustande kommen- und auch die außerpalästinensischen arabischen Staaten wären dann sicherlich gewillt, jüdisches Kapital und jüdische Arbeit in angemessenem Umfange aufzunehmen. Auch das wäre keine ausreichende Lösung für das jüdische Auswanderungsproblem, aber doch wenigstens die Basis für eine ruhige und gesicherte Entwicklung. Juden und Araber könnten geeint im östlichen und südlichen Mittelmeer eine bedeutungsvolle historische Rolle spielen. Husseini bemerkte, daß er nur für sich selber spreche. * * Die Londoner Wochenschrift „Great Britain and the East" bespricht in ihrer Ausgabe vom '9. Dezember das Verhältnis der Araber zum britischen Empire. „Sowohl in England wie in Frankreich ist man sich der Tatsache bewußt, schreibt das Blatt, daß die arabische Welt in Bewegung geraten ist und daß als ein Hauptmotiv „Palästina" herausklingt. Auch die Probleme des eigentlichen Arabiens zwischen 'dem Suezkanal und dem Persischen Golf beschäftigen die Gemüter. Die Freundschaft mit «der arabisch sprechenden Welt ist für das englische Volk nicht nur natürlich, sondern auch •ein Lebensinteresse des Empires. Im Augenblick ist aber diese (Freundschaft getrübt; Es ist eine lebhafte Propaganda am Werke, um; die englisch-arabischen Beziehungen zu unterminieren. _Aber dennoch -ist die Trübung der Freundschaft micht durch, diese Propaganda erfolgt;* sondern durch die Behandlung der Palästina-Frage. Wäre diese Wunde geschlossen, so würden die englisch-arabischen Beziehungen sicherlich wieder' herzliche sein. Hier geht es nicht um Sympathie oder-^Antipathie in der Sache des Zionismus. Der Zionis-. mus ist ein Problem, das nicht hü luftleeren Raum behandelt werden kann. Aber das Entscheidende in der Palästina-Fjrage ist das Verhältnis Englands zu der arabischen Welt. Ihr guter Wille muß gewonnen werden, weil dies eine Notwendigkeit ohne die die Zukunft des Empire wie ati£fh: Arabiens zweifelhaft sein muß. Die b rjjln sc h e P o 1 i t i k muß im Einklang 4i11 den briti seh en strategische n JF'n t e r e s s e n steh e'n<. Durch unveränderliche geographische Ueberlegusgen verlangt /jehe Strategie ein gutes Einvernehnieji mit der Arabischen Welt. Es ist zu hoffen,-daß "der neue High Comraissioner und der neue Oberbefehlshaber hierüber nicht hinweggehen werden." Aus dem Inhalt: Machsike Hadas-Jubiläum in Kopenhagen Seite 2 Wochenrundschau ........ Seite 3 Aufgaben und Ziele des Hilfsvereins der Juden in Deutschland . . . . Seite 4 Der jüdische Staat. Von Dr. Ph. Biberfeld .... . Seite 5 Aus Baden .......... . Seite 7 Die Entwicklung in Rumänien . . . Seite 7 Palästiöafragen im englischen Unterhaus Seite 7 Ein junger Falascha erzählt .... . Seite 8 Aus der Agudas Jisroel-Bewegung . Seite 9 Erez Israel ............ Seite 10 Bücherbesprechungen ..... Seite 10 Von Saly Geis in Jerusalem. Die jüdische Gemeinschaft eines Galuthlandes kann nur im Zustand der Autonomie, des Eigenlebens, bestehen. Sobald sie sich der Kultur des Mehrheitenvolkes anzupassen sucht, beginnt die Assimilation, der Zerfall. Vor allen Dingen muß das Erziehungswesen in den Rahmen der Tradition des jüdischen Volkes gestellt werden. Von der Volksschule bis zur Universität braucht die Judenheit eines jeden Landes um ihrer Erhaltung willen eigene Institutionen; In den gemischten Schulen gab es und gibt es selbst in sogenannten liberalen Milieus häufig genug Aeußerungen der Abneigung seitens Lehrer und Schüler, und manches jüdische Kind hat schon früh Angstgefühle kennen gelernt. Doch das Tragischste und alle jüdische Kinder Berührende ist die Zwiespältigkeit der Seele, die entstehen muß, wenn der Unterricht die Welt- und Lebensanschauung des Mehrheitsvolkes bewußt lehrt und unbewußt als Vätererbe die Traditionen der Thora mehr oder weniger wirksam sind. Das bewußte Begreifen und Erleben der Traditionen der Thora, so daß eine einheitliche, ihres Weges sichere Persönlichkeit entsteht, gelingt auch in den der Thora treuen Kreisen häufig nicht. Selbst, wo in den Galuthländern noch kompakte jüdische Massen vorhanden sind, strömt die geistige Atmosphäre der Umwelt in diese Massen, —und da entscheidet denn, wie stark der bewußte und unbewußte Fonds an jüdischen Traditionen ist, den der einzelne entgegenzusetzen hat. Die Neuzeit mit ihrem Zug der Uniformierung und Kasernierung, mit ihren Schnelligkeits¬ und Massenrekorden stört geistiges Erleben und hemmt daher die Entwicklung der Persönlichkeit. Wie soll bei dem den einzelnen zur bedeutungslosen Winzigkeit hinabdrückenden Getriebe der Großstädte, wie bei der ungeheuerlichen Entwicklung der Technik, wie bei der jedem Neuen und Neuesten dienenden Tagespresse usw. eine solchem wilden Tanze ferne Weltanschauung gleich der Thora die Kraft des Widerstandes finden, wenn nicht eine alle diese Eventualitäten berechnende, vorzügliche jüdische Erziehung vom ersten bis zum letzten Schuljahr an der Bildung einer festen, klar blickenden jüdischen Persönlichkeit gearbeitet hat? Die Judenheiten in den Ländern bürgerlicher Gleichberechtigung sind bisher gegen eigene jüdische Schulen eingestellt gewesen. Für die fünf Millionen Juden Nordamerikas könnten Dutzende jüdischer Lehrerseminare ständig tausende Lehrer ausbilden; in Wirklichkeit aber gibt es nicht ein einziges derartiges Seminar, denn die paar Jüdisch-Theologischen Seminare sind, wie ihr Name schon sagt, keine Lehrerseminare. Hunderttausende jüdische Kinder zah- Fortsetzung siehe Seite 3.