Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1937-12-09 · Heft 49 (9.12.1937) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 49 (9.12.1937)
Date
1937-12-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2450961-2451008--83402-2541400
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

raelif Ein Centraiorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Maina Frankfurt a. M. 9, Dezember 1937 5. lebet 5698 Nummer 49 Der neue High Conimissioiier für Palästina London, 5. Dez. Der König hat Sir Harold" Mac- .M i c h a e 1, den derzeitigen Gouverneur von Tanganyika, zum High G.o mmissioner von Palästina ernannt Der neue High Commissioner wird seinen Posten in Tanganyika im Januar verlassen und das Amt in Jerusalem im Februar antreten. Mit der Ernennung des neuen Hochkommissars, der, im Gegensatze zu seinem Vorgänger, aus dem. englischen Kolonialdienst kommt, soll wohl die Trennung zwischen der Zivil- und militärischen Macht in Palästina vollzogen werden. Sir Harold MacMichaei, der jetzt 55 Jahre zählt, hat seine" Laufbahn im Polizeidienst begonnen und war seit 1905 in verschiedenen hohen Aemtern im Sudan tätig, von wo er 1934 als Gouverneur und Höchstkommandie- ■x ender nach Tanganjika kam. x Der Eindruck in Jerusalem, Die Haltung in Jerusalem ist zunächst eine abwartende. Sowohl in den hebräischen wie in den arabischen Zeitungen wird der neue Hochkommissar als ein aufrechter Engländer geschilfert, dessen politische Einstellung man zwar iioch nicht kennt, auf dessen Gerechtigkeitssinn rnän aber einiges Vertrauen setzen darf. Die Araber sprechen die Hoffnung aus, daß MacMichaei von seiner Tätigkeit ini Sudan her das Araberproblem genügend kenne, um ihm gerecht zu werden. In der j ü d i s c h e n Presse wird demgegenüber die Hoffnung ausgesprochen, daß der rrieue High Commissioner, der als Anhänger einer starken und unnachgiebigen englischen Kolonialpolitik bekannt ist, seine ganze Kraft darein setzen wird, dem Terror ein Ende zu ma,cheu und den Frieden anzubahnen, der, wie die Entscheidung in Palästina auch fallen sollte, dem Lande und seinen Menschen so bitter nottut. Wie weiter aus London gemeldet wird, soll ^auch ein neuer Oberkommandierender mit Generalmajor R. H. Haining in Palästina ■einziehen. Auch der neue Oberkommandierende ist 55 Jahre alt und zur Zeit Kommandant des Impereal Defeuce College. Mit dem Eintreffen des neuen High Commissioner in Palästina im Februar wird, nach Meldung der „Sunday Times", auch die Royal C Ö nxm i s s i b n ihre Arbeit wieder aufnehmen. Die,- lokalen Vorbereitungsarbeiten sind im Gange. Besondere Aufmerksamkeit wird dabei <deh WasserverKältnissen in. Beersheba gewidmet. und in ähnlichen'Distrikten, in denen Pläne zur Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit besonders in Erwägung gezogen werden, der neue High Commissioner für Palästina Sir Harold Alfred MacMichaei, Aus dem Inhalt_____ "" r"ri»?c *"*'Jir'^':^£1^,' Vorbereitungen auf den Judenstaat im gesetzestreuen Palästina . . S . Seite 2 Jüdische Fragen im englischen Parlamente Seite 2 Sperre der jüdischen Einwanderung in Brasilien ..........Seite 2 Wochenrundschau .........Seite 5 Der Judenstaat. Von Dr. Ph. Biberfeld Seite 6 Hille und Aufbau..........Seite 7 Agudistische Führerschule in Wien . Seite 7 Zur Frage der Sonntagsruhe in. der Tschechoslovakei .......Seite 7 Die Lage m Polen .........Seite 7 Erez Israel ............Seite S Aus der Agudas Jisroel-Bewegung . . Seite 9 Probleme eines Judenstaates. Von Dr. Isaac Breuer. Vorbemerkung : Die ohnedies eri£-begrenzte menschliche Fähigkeit zur Voraussicht kommender Dinge wird meist dadurch noch weiter beeinträchtigt, daß sich dem wägenden Verstand wünschende Gefühle beigesellen und ihn in die Richtung der von ihnen ersehnten Entwicklung ablenken. Die Quelle vieler Irrtümer ist nicht ein Fehler des Denkens, sondern ein Fehler des Willens, der die Subjektivität wünschender Gefühle nicht abzuwehren weiß. Die Thoratreuen sehen die Gefahren eines Judenstaats. Sie scheinen vielfach geneigt, mit ihm überhaupt nicht ernstlich zu rechnen. Sie könnten sich leicht verrechnen. Die Mandatarmacht hat ihren Entschluß deutlich genug erklärt. Der Völkerbund hat keinen grundsätzlichen Einspruch erhoben. Was sich inzwischen zugetragen hat, genügt bei weitem nicht, eine Aenderung der ganzen Konstellation anzunehmen. Auch das Gegenteil wäre mit triftigsten Gründen zu belegen. Zudem zeichnet sich die hohe Politik der Mandatarmacht ohnedies nicht durch Geradlinigkeit aus; eher durch Zähigkeit im Festhalten eines einmal gefaßten Entschlusses. Je größer die Gefahren eines Judenstaates für die Thoratreuen sind, um so mehr verpflichtet sie die Gewissenhaftigkeit, sich auf ihn einzustellen, ^die Beziehung dessen, was da sein sollte, zu dem, was leider nur sein kann, sorgfältig zu prüfen, hiernach Forderungen zu formulieren und für ihre Verwirklichung eine möglichst starke und umfassende Front ins Treffen zu führen. Man hat nicht den Eindruck, daß all dies im erforderlichen Maße geschieht. Die folgenden Zeilen wollen warnen, aufklären und aufrütteln. Bereitsein ist alles. I. Das Neue. Der wesentliche Unterschied zwischen den Zeiten der Galut und d^en Zeiten des Moschiach ist die Freiheit vom Joch fremder Gewalten. Dieser Satz ist uns allen geläufig. Unter seinem Einfluß haben sich unsere Väter einen Judenstaat im Heiligen Lande nur im engsten Zusammenhang mit der Erlösung vorzustellen vermocht. Sie durften sich darauf verlassen, daß der Erlöser die Probleme des Judenstaats zu bewältigen verstehen werde. Wie nun aber, wenn ein Judenstaat im Heiligen Lande, zwerghäft zwar, aber immerhin einer fremden Gewalt grundsätzlich nicht untertänig, noch vor des Erlösers Erscheinen sich bildet? Wenn die Zwerghaftigkeit dieses Judenstaats ihn deutlich genug als Galut-Judenstaat charakterisiertf die Entfernung fremder Gewalten aber ihn deutlich genug mit einem Hauch, doch wenigstens einem Hauch, geweissagter Zukunft, umfächelt? Hauch, der verwehen, Hauch doch auch, der bestehen und wachsen kann? Fortsetzung siehe Seite 2.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.