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Der Israelit · 1937-05-27 · Heft 21 (27.5.1937) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 21 (27.5.1937)
Date
1937-05-27
Page
– (sequence 12)
Language
German
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des Festes wird das Buch Ruth gelesen, in dem uns erzählt wird, wie die Stammutter Davids sich nach Uebemahme aller Pflichten zum jüdischen Volke bekannt hat, im fl^a' die zugleich eine Beschreibung der Ernte und der Armenpflege zur Erntezeit gibt. Im vierten Monat — Tarnus — beginnen die drei Trauerwochen. Sie werden durch den Fasttag T1»ni IttW rwnw eingeleitet, der in diesem Jahre des Sabbat» wegen erst am 18, Tamus begangen wird. Fünf unglückliche Ereignisse trafen unsere Vorfahren am 17, Tamus. Die Gesetzestafeln wurden zerbrochen, das beständige Opfer wurde eingestellt, die Stadtmauer wurde durchbrochen, die Thorärolle wurde durch Posthumus verbrannt und ein Götzenbild im Tempel aufgestellt Die „drei Wochen" gelten der natio" nalen Trauer um den Verlust des Tempels- Es finden keine Hochzeiten statt, das Haarschneiden ist verboten. Man zieht kein neues Kleid an und genießt an den Wochentagen keine neue Frucht, weil man nicht Schehechijonu sagt. An den drei Sabbaten sind drei prophetische Strafreden als Haftaroth ausgewählt, 0, - Isak Abarbanel. . (Schluß.) Aber Undank ist der Welten Lohn. Neid und Unduldsamkeit brachten das große Unglück im Jahre 1492, wie es sich seit Zerstörung des Tempels nicht wieder ereignet hat. Die katholische Geistlichkeit wurde nicht müde, immer und immer wieder den König zu drängen, G'tt für die siegreiche Bekämpfung der Mauren ein Dankopfer zu bringen. Und das Dankopfer sollte die Vertreibung sämtlicher Juden aus Spanien sein. Der König willigte ein und gab den Befehl, daß alle Juden Spanien verlassen oder den .anderen Glauben annehmen sollten. Abarbanel eilte zum König, ihn zu bitten, den grausamen Befehl wieder zurückzunehmen. Fast wäre es gelungen, doch die Gegner waren zu stark. Gegen Abarbanel wollte man großmütig sein, man wollte ihm erlauben, im Lande zu bleiben. Doch er wies diese Gnade zurück. „Wenn die Brüder gehen." so sagte er, „gehe auch ich". Am 9, Ab des Jahres 1492 mußten alle Juden ihr Heimatland Spanien verlassen. Der Jammer war groß, Grabsteine rissen sie aus und nahmen sie mit. Abarbanel nahm den Wanderstab in die Hand, wiederum mußte er sein ganzes Vermögen zurück lassen. Doch er verzagte nicht, G'tt wird helfen. Er gang an den Hafen und schiffte sich nach Neapel ein, wo er 1493 ankam. Merkwürdig, es währte nicht lange, da ließ ihn der König rufen. Wiederum trat er in den Dienst eines KönigSi und in Treue und mit Einsetzung seiner ganzen Kraft widmete er sich jder tihm^.über.fräf.- genen Arbeit. Als Neapel von den Franzosen belagert wurde,-flüchtete er mit dem König-nach. Sicilien. Bücher und Vermögen waren wieder verloren. Nach dem Tode des Königs ging-hernach der Insel Korfu, dann 1502 mit seinem Sohne Jehuda nach-Venedig. Im Jahre 1508'starb er. Tausende von Menschen allen Glaubens standen an_ seinem Grabe, In Padua liegt er begraben. Das ist in kurzen Linien der äußere Lebensgang eines großen jüdischen Menschen." Ein Fürstendiener, der nach Weisung desPropheten das Wohl des Landes förderte, darinnen er wohnte. Aber er drängte sich nicht vor, sondern ging, wenn er gerufen wurde. Wäre er aber nur Fürstendiener und Staatsmann gewesen, wir würden heute, nach 500 Jahren, seiner nicht mehr gedenken. Aber für uns hat er Werke geschaffen, die einen Ewigkeitswert haben. Noch heute studiert man seine Kommentare, als - ob sie eben geschrieben wären. .- Wenn er frei war von iden Staatsgeschäften, setzte er sich an den Tisch;und arbeitete^aö seinen Büchern. .■.■"In Spanien begann;:er? Iseine Kommentare über die Bücher Josua, Richter und Samuel. In Venedig beendete er die Kommentare über den Pentateuch, die Propheten Jeremia, Jecheskel und die 12 kleinen Propheten. Eine wunderbar schöne Erklärung schrieb er auch über die Pessach-Hagada. Viele andere Werke blieben unvollendet Liebe Kinder, kennt ihr das Wort, das uns die Weisen gegeben? Die Geschichte unserer Erzväter im Kleinen ist die Geschichte unseres Volkes im Großen. Und das Leben Abarbanels, so fügen wir hinzu, gleicht dem Leben unseres Volkes. Immer den Wanderstab in der Hand. Heute eine Heimat gefunden, morgen sie wieder verloren. Heute ein Leben in Ruhe und Glück, morgen ein Leben in Sorge und Not. N * * * •. - .;■,:■.. Auf der Sederschüssel der Familie stand an jedem Pessach ein kostbarer silberner Becher, mit einer Harfe als Verzierung. König David trank daraus, wenn er das Lob- G'ttes sang: Wieder war es Pessach, man suchte nach dem Becher, doch er war und blieb verschwunden. Spät Abends stellte sich noch ein Gast ein, er wurde herzlich empfangen. Am anderen Morgen stand der Becher wieder auf der Sederschüssel. Der Gast war der Prophet Elijahu gewesen, er hatte den Becher wieder gebracht. Die Freude im Hause Abarbanel war groß. EMKA,

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