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Der Israelit · 1937-04-08 · Heft 14 (8.4.1937) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 14 (8.4.1937)
Date
1937-04-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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-^'Ji'^-W^^T*-?«"^ "W"B« -9i?Rrf£22 . . . /■ Die N^ohrichten über, die Absicht der König^ liehen Kommission, der: britischen Regierung eine T e i 1 u n g Palästinas in Kantone oder in zwei Reichsgebiete vorzuschlagen, haben sowohl in jüdischen wie in arabischen Kreisen große Aufregung' hervorgerufen, die sich in Beschlüssen der zuständigen Stellen wie in der Presse spontan Luft macht. : Vertretern der Presse erklärte der Vorsitzende des jüdischen Nationalfonds, M.. iM> U s - s i s c h k i n , daß die Juden gegen die Verwirklichung des Planes mit der gleichen Entschlossenheit kämpfen würden, mit der sie seinerzeit das Uganda-Projekt bekämpft haben. Auf der Landeskonferenz des Misrachi in Jerusalem gab David Ben Ourion im Namen der Jewish Agency folgende- Erklärung ab: . „Wir können angesichts des bevorstehenden' Berichtes 4er Kgl. Kommission nicht ruhig bleiben. Wenn auch noch nichts Bestimmtes über den Inhalt dieses Berichtes bekannt ist, so ist doch der Verdacht begründet, daß er den Vorschlag einer Kantonisierung Palästinas enthalten wird. Wir werden einne solchen Vorschlag bekämpfen, bis die angebliehe Absicht einer Teilung Palästinas fallen gelassen ist." Die Tageszeitung „Haarez" nimmt in einem Leitartikel eingehend zu der Frage Stellung. Die Vorschläge, Palästina zu teilen, schreibt das Blatt, sind das beste Zeichen der Unfähigkeit des britischen politischen Denkens. Die britischen Staatsmänner irren, wenn sie glauben, über die gegenwärtigen Schwierigkeiten dadurch hinwegkommen zu können, daß sie versuchen, den Zionismus für ein Judenstaat . genanntes Spielzeug zu kaufen, das alles besitzt außer Böden. Das Nationalheim sei nicht ein Symbol, sondern eine sehr ernste Sache, bei der es um die Existenz der Juden geht. Der Kantonisierungsplan profaniere die jüdischen Ideale und verletze die Ehre des ewigen Volkes. Auch die arabische Presse lehnt eine *)■> •■■ . * ieiiung Palästinas, insbesondere die Kantonisie-, rungspläne, strikt ab. Es verlautet, daßeine Delegation des Obersten Arabischen Komitees dem High Gommissiöner ihre"-Bedenken gegen die Pläne geäußert hätte, worauf der High Commissioner den Herreh mitteilte, daß weder er noch anciere zur Stünde g e~n a u sagen könnten, was |s Königl, Kommission vorschlagen werde. Bei ieser Gelegenheit-; wies er auch die arabischen Wunsche auf Schließung des Tel Awiwer Hafens ^ruck <wnd erklärte,, die Gerüchte über Anegung eines neuen großen Hafens zwischen Jaffa U™ Tel Awiw als fälsch. (Siehe auch Wo-, chenrundschau.j .; ' ' ■ J; Und die englische Presse? ■. '• London, 5. April. Die „Mornihg-Post" geht in ihrer Ausgabe vom 5. April ausführlich auf den angeblichen Plan der Kgl. Kommission ein, Palästina in zwei voneinander unabhängige Gebiete zu teilen. Eine endgültige Entscheidung, so heißt es in dem Artikel, wurde noch nicht getroffen; eine ungeheure Menge von Einzelheiten müssen noch ausgearbeitet werden. Wenn aber die Ansichten der Kommission bis Anfang Mai sich nicht durchgreifend ändern sollten, dann besteht Grund zu der Annahme, daß ihre Vorschläge folgende Hauptzüge aufweisen werden. Teilung Palästinas: Ein Teil soll ein jüdisches iDominiön mit (Selbstverwaltung innerhalb des britischen. Reiches werden; der andere Teil ein Arabers^aat wie der Irak, mög- (Fortsetzung siehe Seite 2.) i Aus dem Inhalt: Dr. Nathan Birnbaum V'si . Seite 1,2, 3 und 4 Eine Peßachbotschaft von Paris nach Amerika . . . .' . . . . . ... Seite 2 Aus einem Memorandum an die Köhl gl. Kommission . .....Seite 2 Wochenrundschau ... .....Seite 5 Der dreifache Weg. Von Dir. Dr. M. Elias......Seite 6 Berichte aus Polen .. ........ Seite 8 Vertreter der britischen "Judenheit vor dem König ......... Seite 9 Brief aus Algier . . . . . . . . . . Seite 9 Berichte aus Südafrika .... ... Seite 9 Aufruf des Werbeausschusses für den Keren Hajischuw........Seite 10 Erez Israel-Berichte........ Seite 11 b"Xh Am Freitag nachmittag — es dtmkelte die Nacht zum letzten Pessachtage heran — saßen wir am Bette Nathan Birnbaums. Zu spät, um die kritische Unterhaltung, die er vor knapp drei Monaten vom gleichen Schmerzenslager aus, scharf und streng wie in letzten auflodernden Flammen, mit uns führte, fortzusetzen, denn seit Tagen war dem großen Rufer die Sprache genommen. Aber der Atem des Kranken ging ruhig, und die halbgebrochenen Augen im mächtigen Löwenkopfe starrten geradeaus. Als wollte der rastlöse Kämpfer sagen: Achron sc hei Pessach! Schluß! Ich h a b e gesprochen! . . . Und am Sonntag mittag — der Tag war noch von den letzten Strahlen des Festes verklärt — standen wir, einige hundert Menschen, auf dem weiten, wohltuend einheitlich und gleichmäßig angelegten Waldfriedhofe zwischen dem Haag und Scheveningen und senkten, was sterblich ist an Nathan Birnbaum, ins Grab. Mittagssonne fiel wie letzter Feststrahl schräg auf den kahlen Sarg, und beim "Kollern der Erdschollen hörten \ ° ■ .t wir Rufe, R u f e . . . Viele waren gekommen.'Es kamen alle Männer:' der Chässidimgemeinde, in deren Schul er betete, weil sie stets fühlten, wie nahe;.er ihnen stand; es kamen die Nö'täbeln der großen Haager Gemeinde, weil er ihr Gemeindebruder war; es kamen Rabbinen und. prominente Fuhrer aus Holland und Belgien, manche, weil sie ihm innerlich etwas abzubitten hatten. Ein Dutzend Menschen aber, Mitgänger, Verehrer, Freunde und ehrliche Gegner, unter ihnen auch junge Olim aus Hachschara und Hochschule, - standen feuchten Auges ganz nahe am offenen Grabe, mit einem Gelöbnis im Herzen: „Du warst uns Meister und Führer und sollst es uns bleiben!" Mit einem „ V o r w ä r t s! " begann der Zwanzigjährige vor fünfzig Jahren seine Führerlaufbahn. Er gründete damals den ersten jüdischen Studentehverein „Kadimah". Mit einem „ Au fwärts'! " — Olimruf — beendete er, dreiundsiebenzigjährig, seinen Lebensweg. Die Wege nach vorne, die der junge Birnbaum gewiesen, hat der reife iBirnbaum später zum Teile nicht mehr für gangbar erachtet. Die Wege nach oben werden uns ewig offen bleiben . . . Ehrende Nachrufe hat sich Nathan Birnbaum letztwillig verbeten. Aber seinem hochherzigen Freunde und dem treuen Teilhaber seiner Arbeit in Scheveriingen sagte er vor wenigen Tagen: „Nutzet meinen Tod zur Propagierung meiner Ideen ordentlich aus!" Es war das letzte Wort, das man aus seinem Munde hörte. Wir wollen in Würdigung dieses letzten Wunsches des heimgegangenen Meisters uns zunächst auf etliche Daten aus seinem Leben beschränken, um dann einigen berufenen Interpreten seiner Lehren und Rufe das Wort zu geben. (Fortsetzung siehe Seite 3.)

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