Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 41 (15.10.1936)
- Date
- 1936-10-15
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450909-2450949--82475-2540431- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
15. Oktober 1936 Der I s r -a e 1 i-t Nr. 41 Seite 15 .Jüdische Frauenvereinigung und Agudistische Frauenortsgruppe Frankfurt a. M. Am Montag, den 19. Oktober, abends 8.45 Rhr, findet die Eröffnung des Wintersemesters statt. Frau Hulda Posen und Frl. Lucie -Rcisner werden Stücke aus Werken jüdischer Dichter. und Schrifts steller zum Vortrag bringen. Auch wird an diesem Abend das Winterprogramm bekanntgegeben. Gäste sind willkommen: In diesem Winter werden folgende Kurse abgehalten: Iwrith für Anfänger, Leiter Herr Willy Wolf, Iwrith für Fortgeschrittene, Leiter Herr Dr. S. Adler, Englisch: Leiterinnen Frau Helen Posen und Frl, Lotte Homburger. Schneidern: Leiterin Frl. Brunngässer, Mauerweg 30. Der Kurs von Frau Kella L'öwenthal: „Chumisch mit Rasch!" findet weiter jeden Montagabend um 8 Uhr in der Kanzlei, Friedberger Anlage 5, statt. Anmeldungen an Frau Meta Posen- Prins, Fichtestr.. 8 (Tel. 459 69). Chajim Eisenberg *j"2fr- In der Fremde, in Straßburg, wohin er vor einigen Jahren mit Familie verzog, starb zwischen den Feiertagen Chajim Eisenberg, eine sehr geachtete Persönlichkeit der Frankfurter Kehilla. Eisenberg kam in jungen Jahren nach Frankfurt a. M. und arbeitete sich in kurzer vZeit mit Hilfe der mit großer Klugheit und Umsicht ausgestatteten Gattin in eine allgemein geachtete Großkaufmannsstellung hinauf. Da mit 'dem materiellen Aufstieg sein tiefes G'ttvertrauen und seine glühende Liebe zur Thora Schritt hielt und er außerdem mit reichen Mitteln allen Liebeswerken der Kehilla zur Verfügung stand, erfreute* er sich allgemeiner Beliebtheit und Wertschätzung. Man sah ihn in den letzten Jahren, als. er sich vom Geschäfte zurückgezogen >hatte> bei allen Vorträgen und überall, wo er hoffen durfte, sich in die jüdische Lehre, die ihm Trost und Halt bot, noch. mehr zu vertiefen. Die Gattin, die ihm stets treu zur Seite stand, half ihm in 'diesem Bestreben und führte ein Haus*, in dem echte abrahamitische Gastfreundschaft und tiefe jüdische Frömmigkeit walteten. Zwei Söhne gingen aus 'diesem Hause hervor, die alle Tugenden des elterlichen Hauses in den eigenen Häusern beibe* hielten und sie im neuen Wohnsitz genau so betätigen, wie sie es hier innrhalb der Kehilla taten. Eigenes körperliches Leiden und schwere Krankheit der Gattin tpübten die letzten Lebensmonate EisenbergS'. Er ging nun plötzlich von dannen, aufrichtig beweint und betrauert von einem großen Kreise der Frankfurter Freunde, aber ebenso von der Gemeinde seines neuen Wohnsitzes, wovon die große Beteiligung an der Bestattung wie die herzliche Gedenkrede des Herrn Rabb. Dr. Bruns chwig Zeugnis ablegten. Möge das mar des Heimgegangenen den Seinen beistehen und eine nnVtf nsisn für die Gattin bewirekn. Uns allen, denen er im Leben so nahe stand, wird er unvergeßlich bleiben. msJn Das Jüdische Lehrhaus in Frankfurt a, M. Das Programm des Buber sehen Jüdischen Lehrhauses in Frankfurt sieht für das am 18. Oktober beginnende Semester u. a. einen Grundlehrgang für schulentlassene Jugendliche vor, in dem Lücken der Schulbildung in Deutsch, Rechnen, Erdkunde und Naturkunde ausgefüllt werden sollen. In Verbindung mit Wohlfahrtsorganisationeri werden im Sozialpädagogischen Seminar Fragen der Sozialarbeit und Auswanderungsvorbereitung behandelt; außerdem medizinische Gebiete der Jugendpsychologie und Päda5 gogik. In Zusammenarbeit mit der Mittelstelle für Erwachsenenbildung wird in fünf Vorlesungen das Problem „Der Jude in der Welt" dargestellt. Weitere Vorlesungen und Arbeitsgemeinschaften sind für die Lektüre der Bibel und. Mischna, für die hebräische Sprache, jüdische Geschichte, Volkskunde und Pa- . lästinakunde vorgesehen. Sprachkurse in Englisch und Fransösisch und sogar Arabisch werden veranstaltet. Auch sollen Einblicke in weltwirtschaftliche Vorgänge vermittelt werden. Probleme der modernen Psychologie, Vererbungslehre und der Chemie werden in den naturwissenschaftlichen Lehrgängen erörtert. Am Jahrzeitstag seines Begründers, Franz Rosenzweig, dem 28. November, wird das Lehrhaus eine Gedenkstünde veranstalten. Einigung zwischen den Fraktionen in der „Israelitischen Gemeinde". Der Wahlkampf ist vermieden. Wie kürzlich von uns berichtet, waren für diesen Herbst in der „Israelitischen Gemeinde" Neuwahlen der Gemeindevertretung geplant. Um dieses zu vermeiden, waren verschiedentlich Verhandlungen gepflogen worden, die nunmehr zu einem Ergebnis geführt haben. Unter Vorsitz von Ministerialdirektor Dr. Hirsch führten die bis in die, Na cht währenden Verhandlungen am letzten Montag zu dem Ergebnis, daß; die Liberalen, zu Gunsten der Zionisten, auf die bisher innegehabte absolute Majorität verzichten, so _ daß sich folgendes Bild ergibt: Gemeindevertretung 18 Liberale, 9 Konservative mnd 9 Zionisten.— Der Vorstand der Gemeinde setzt sich zusammen aus 8 Liberalen, 3 Konservativen . und . 5 Zionisten. — Die Konservativen haben ihren alten Besitzstand, behauptet, und sind in verschiedenen wichtigen Kommissionen maßgebend vertreten. Ha. Jüdisches Heilpädagogisches Seminar im Frankfurt. Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden hat, wie schon gemeldet, in Verbindung mit dem Provinzialverband für jüdische Wohlfahrtspflege in Hessen=Nassau und dem Jüdischen/' Lehrhaus in Frankfurt a. M. ein Sozialpädagogisch es Seminar ins Leben gerufen, das der weiteren Berufsausbildung jüdischer Jugendbildner und Sozialbeamter dienen soll. Im Herbstlehrgang werden außer den von uns bereits genannten Kursen noch folgende Veranstaltungen stattfinden: 1. Gastvortrag von Prof. Dr. Curt B o n d y über Fragen der Auswanderungsvorbereitung Jugendlicher an Hand der Erfahrungen des Lehrguts Groß=Breesen. Do. 22. Okt., 20.30—21.30 Uhr Westendsynagoge T RM. 0.50. — 2. Fragen der jüdischen Sozialarbeit: Ernst Kantorowicz jnd Hilde Meyerowitz. Fortbildungslehrgang für Helfer der jüdischen Wohlfahrtspflege. Mi. 16—18. Jugendheim. Beginn: 14. Okt. RM. 2.25. Vortrag in der Staatszionistischen Organisation, Am Samstag, den 3. Oktober, sprach Herr Dr. Heidecker, Nürnberg, über das Thema „Neue Kräfte im Kampf um Erez Israel" in der Aula des Philantropins vor einem stark interessierten Publikum. Der Redner, der erst vor kurzem von einem Besuch des Landes zurückkehrte, gab eine kurze Schilderung der Entstehung und des Verlaufes der Unruhen. Die feste und geschlossene Abwehr des Jischuw fand in der zögernden und unentschlossenen Haltung der Regierung keine Stütze. Es habe sich jetzt gezeigt, daß die Auf ständigen größere Erfolge gegenüber Polizei und Truppenabteilung haben, als gegenüber den Siedlungen. Die weitere Entwicklung im Lande sei nicht mehr eine militärische Angelegenheit, sondern eine im höchsten Sinne politische. Die bis5 herige politische Leitung der zionistischen Bewegung habe jedoch durch ihre völlige Planlosigkeit und Ziellosigkeit keinerlei Grundlagen für eine politische Aktion gelegt. Ein entscheidender Fortschritt in dieser Hinsicht werde "durch das Eingreifen Jabotinski's und der Neuen zionistischen Organisation gebracht. Der von ihm veröffentlichte große Plan sieht die Einwanderung von rund 1% Millionen Juden innerhalb von 10 Jahren vor. Die Hälfte hiervon soll von Polen kommen. Hierdurch wird einmal das Gesicht Palästi* nas durchgreifend und endgültig in der Richtung auf das jüdische Nationalheim geändert und zum anderen die ungeheure Not des Judentums im Osten gelindert. Im weiteren setzte sich der Redner mit den Gegnern des Plans auseinander, die von verschiedenen Gesichtspunkten ausgehen. Jüdischer Photowettbewerb. Es ist seit langem als eine empfindliche Lücke empfunden worden, daß die Photographie, die im Kulturleben der Gegenwart eine so hervorragende Rolle spielt, in jüdischen Kreisen noch nicht die gebührende Achtung und Förderung fand. Wir haben in Deutschland wohl eine Anzahl tüchtiger Amateurphotographen, es fehlt aber der für 'die Weiterentwicklung unbedingt nötige Zusammenschluß. Nur in Frankfurt a. M. und in Mannheim befinden sich unseres Wissens Arbeitsgemeinschaften jüdischer Amateurphotographen, in denen fleißig gearbeitet wird und die sich in erfreulicher Entwicklung befinden. Mit Genehmigung und Unterstützung des Reichsverbandes Jüdischer Kulturbünde in Deutschland veranstaltet die Arbeitsgemeinschaft Jüdischer Amateurphotographen, Frankfurt a. M., einen Wettbewerb für die jüdischen Photo- Amateure in Deutschland. Aus den Bedingungen entnehmen wir: Teilnahmeberechtigt ist jeder jüdische Amateur mit bis zu 6 Arbeiten. Die Wahl der Motive ist völlig frei gestellt, doch wird es begrüßt, wenn besonders jüdische Motive intensiv bearbeitet werden. Die besten Arbeiten wenden durch Preise und Diplome ausgezeichnet; auch ist in Aussicht genommen, die prämiierten und sonstigen guten Arbeiten in einer Ausstellung der jüdischen Oeffehtlichkeit zugängig zu machen. Aeußerster Einsendungstermin ist der 15. Januar 1937. Die näheren Bedingungen sind erhältlich bei der Arbeitsgemeinschaft jüdischer Amateurphotographen, Frankfurt a. M., Savignystraße 6, pt. Mädchenhachschara. Der Noar Agudati teilt mit, daß in seinen Ausbildungsstätten für Mädchen (Jüngerenhachschara 14 bis 16 Jahre, Mädcbenseminare, Hachschara für Aeltere) noch einige Plätze frei sind. Umgehende Anmeldungen sind zu . richten an die Bundesleitung des Noar Agudati, Frankfurt a. M., Schwanenstr. 12. Kammermusik-Abend im Kulturbund. Am 29. September stellte sich der künftige I ei=, ter des auch in Frankfurt musizierenden <Kulturbünd- Reis:eorchesters, Prof. Julius P r ü w e r, in einem Beetho.ven-DuosÄbend dem Publikum als Pianist vor. Den Geigenpart betreute' Prof. Hans Bassermann. Die Künstler boten die Klavier-Violin-Sonaten op. 12 Nr. 3, op. 30, Nr. 1 und op. 47 Kreutzer=Soriate. Wenn es erst den Anschein hatte, als ob das künstlerische Naturell der Ausübenden ein' Verschmelzen der beiden Instrumentalstimmen zu einer Wirkungseinheit erschwere, so näherten sich im Laufe des Abends doch die beiden technisch auf hohem Niveau stehenden Einzelleistungen der Künstler einer gemeinsamen, auch gfühlsmäßig durchwirkten Ausdrucksform. Ihren Höhepunkt fand diese wohl in dem Andante car variazioni der Kreutzer-Sonate. Die zahlreich erschienene Zuhörerschaft gab ihrem Dank für die dargebotenen Gaben lebhaften Ausdruck. ges. Erstes Orchester-Konzert im Jüdischen Kulturbund Rhein-Main, Man schreibt uns: Die tatkräftige- Unterstützung der Israelitischen Gemeinde Frankfurt a. M. hat es mit ermöglicht, daß aus dem früheren Orchester des Jüdischen Kultur* bundes Rhein-Main eine neue Orchestergründung zustande kam. Im Jüdischen Kulturbund Rhein=Main wird am Dienstag, den 20. Oktober, abends 8 Uhr, im großen Saal des Saalbaus das Erste Orchester- Konz e r t stattfinden. Dirigent: Generalmusikdirektor Prof. Julius Prüwer. Das Programm umfaßt folgende Werke: Mendelssohn: Meeresstille und glückliche Fahrt; Mozart: Symphonie; Beethoven: II. Symphonie. Feier in der Israelitischen Kuranstalt Bad Soden. Als Simchasthora=Nachklang wurde am Sonntag abend den Pfleglingen der Sodener Israelitischen Kuranstalt und den dortigen jüdischen Familien eine große Freude bereitet. Frankfurter Damen und Herren der Gesellschaft stellten sich bereitwilligst in den Dienst der guten Sache und brachten unter der sachkundigen Leitung von Herrn Regisseur B e r m a n n einen in jeder Weise gelungenen Abend auf die Beine. Herr und Frau Blumenthal erfreuten die Gäste mit einer Reihe von Liedern und Operetten- Duetten, und auch Herr Bermann, der Leiter des Abends, hatte mit seinen wohlgelungenen Vorträgen einen großen Erfolg. Ein Zauberkünstler, Herr Drei» k e r (ein Pflegling der Anstalt) versetzte die Zuhörer in ungewöhnliches Staunen. Trade Kanter brachte ihre Chansons formvollendet und mit großem Charme zum Vortrag. Ueber die kleine Margot Hirsch an dieser Stelle nochmals lobende Worte zu bringen, erübrigt sich, denn sie leistete, wie immer- Hervorragendes. Kurt Rosenbusch als Ansager verstand es, mit einer von allen Banalitäten freien Conference die Gäste ganz in seinen Bann zu ziehen. Frau Lorsch-Morgenstern erwies sich, wie so oft, als eine einfühlungsfähige und ausgezeichnete Begleiterin und Pianistin. Man sollte wünschen, daß vielen jüdischen Anstalten öfters solche sonnigen Stunden geschenkt werden, Chewrath Thillim. In Ergänzung unserer früheren Notiz über die Verlegung der Frankfurter Chewrath Thillim nach Haifa darf nicht unerwähnt bleiben, daß zu den Gründern und Förderern desselben auch die vielen Frankfurtern noch in bester Erinnerung stehenden Herren Moses Simon und Jacobson gehörten. Auch sie widmeten nicht minder wie Herr Lubowsky die karge Zeit, die sie ihrem schweren Berufe erbringen konnten, freudig der Chewrath Thillim in uneigennützigster Weise. Klingt es übrigens nicht wie eine bedeutsame Vorahnung der Gegenwart, daß diese drei sich in ihren Mußestunden der Thora widmenden Männern schlichte Handwerker waren? Eine Altersjubilarin. Frau Hanny Etamann im Altersheim, Röder-. bergweg 77, feiert ihren 8 6. Geburtstag. Wir wünschen der ehrwürdigen Matrone einen weiteren heiteren Lebensabend'. er*yiny Familien-Nachrichten. Geburten: Eine Tochter, Ludwig Blumenthal und Frau Berta geb. Mannes, Jerusalem, Geula by Gan Jeladim. — Eine Tochter, David Katz und Frau Julie geb. Bamberger ,Frankfurt a. M., Fichtestr. 18. — Ein Sohn, Rabb. Bayer und Frau Hilde geb. Jacobs, Euskirchen. Barmizwoth: Benno, Sohn des Herrn J. Schächter, Frankfurt a. M., Ostendstr. 3 pt. na» 1^~T^ 'S im Beshamidrasch Kol Jakow, Rechneigrabenstr. 12, II. — Aron, Sohn des Herrn Dr. Hirsch Auerbach und Frau Rosa geb. Kauffmann, Petach Tikwah. 'a tav. Vermählte: Heinz Weichselbaum und Frau Liesel geb. Oppenheimer, Tel Awiw, Pinskerstr. 22.