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Der Israelit · 1935-07-25 · Heft 30 (25.7.1935) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 30 (25.7.1935)
Date
1935-07-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Nr. 30 De r I s r a e 1 i t 25. Juli 1935 Dem kranken' Senator Mendelsohn wird seitens der Konferenz ein warmes Sympathietelegramm geschickt. Nach Erledigung eines Zwischenfalls, hervorgerufen durch diejenigen Delegierten, deren Mandate von der Mandatprüfungskommission annulliert worden waren, beginnt die erste Debatte, in der Unzufriedenheit mit der orthodoxen Presse in dem Kampfe um das Recht auf Arbeit und Kritik an der Agudo-Zentrale zum Ausdruck kommt, weil sie den kapitalistischen Ausschreitungen in der Provinz nicht genügend entgegentrete. Nach der Pause spricht S. S e n d i k über G e - meindewesen und Gemeindepolitik. Es kommen dabei insbesondere die Wünsche, der Arbeiterkreise hinsichtlich des Steuersystems, das die vermögenden Klassen zu Ungunsten der Arbeitenden bevorzuge, zum Ausdruck. Die Poalim müßten bei jeder Gemeindewahl versuchen möglichst zahlreiche Vertreter in die Verwaltungen' hineinzubringen. Hierauf erhält der Vertreter der Warschauer Agudo-Zentrale, A. S. Friedmann, das Wort zu längeren Ausführungen. Er verteidigt die Zentrale gegenüber der an ihr geübten Kritik, Man müsse sich davor hüten, einzelne Vorkommnisse in der Provinz, die eine arbeiterfeindliche Gesinnung oder ©inen Mangel an Verantwortungsgefühl zeigen, zu generalisieren. Komme ein Unrecht vor, so müsse man sich eben an die zentralen Instanten wenden, die darauf immer in gerechtester Weise realeren werden. Redner tritt für die Gründung von Fachk*rSen, Kooperativen für Handwerker, handwerkliche Er^hung der Jugend und Gründung zahlreicher Arbeitssvermittlungsbüros ein. Den sepencaiotiookon Strömunges^inn€rflalb der Poale A. J. könnte nui* durch . offene ehrliche Aussprache entgegen getreten werden. Das Bewußtsein der Größe der Aufgabe, die heute der Orthof^oxie obliege^ werde jeden gerade Denkenden zur unbfcdingten Aufrechterhaltung der Einheit zwingen. Nach dem Friedmann'sehen Referat ergreift im Namen der Opposition Herr Nathan NußbaunTdas Wort. Er verwahrt sich gegen den Verdacht, als ob die Opposition sich von der Organisation oder auch nur von der Konferenz trennen wolle. Seine Freunde seien treue Poale-Agudisten, obgleich sie mit der 'Paktik der Leitung im Verhältnis zur Gesamt-Agudo nicht einverstanden seien. Aber ihr Kampf werde stets innerhalb der Organisation geführt werden. Die Erklärung ruft starken Beifall hervor. Die vierte Sitzung, die am Dienstag früh begann, brachte zunächst eine Aussprache über die Organisation der Hachscharastätten, ferner über die Gestaltung der Selbsterziehungsarbeit, wobei über den Mangel an ausreichender ideologischer Literatur geklagt wurde. Hinsichtlich der Beziehung zur Gesamt-Agudo fordert ein Redner, daß die III. Landeskonferenz die statutarisch gewährleistete politisch-ökonomische Unabhängigkeit der Poale A. J. durch eine Resolution nochmals scharf betonen müsse. Er regt die Schaffung gemeinsamer Komitees mit den Zeiire Agudas Jisroel in den Aufgaben des Chinnuch und der Selbsterziehung an. Von Seiten der Leitung betont L. Fromm, daß die ökonomische und politische Unabhängigkeit derVoale Agudas Jisroel von Seiten der Agudo-Leitung nicht bestritten werde. Dr. Isaac Breuer betont, daß er nicht hierher gekommen sei, um Reden zu halten^ sondern um vor allen Dingen durch persönlichen Verkehr mit den Genossen der Poale A. J.-Bewegung möglichst viel zu lernen. Aber auch für die Partei selber dürfe das Reden nicht die Hauptsache sein, sondern es sei jetzt, nach der „Barmizwoh", Zeit zu praktischen Taten. In ideologischer Hinsicht müsse allerdings noch viel geschehen, bis alle Poale A, J. sicih über die Fundamente der Bewegung im klaren sind. Unklarheiten auf diesem Gebiete bedeuten höchste Gefahr. Wie man die Frage einer Lostrennung der Poale A. J.-Be-. wegung von der Agudas Jisroel auch nur diskutieren könnef begreife er nicht. Solange die Bewegung den Namen Poale Agudas Jisroel trägt, ist ihre innere und äußere Verbundenheit mit der Agudas Jisroel ja eindeutig festgelegt. Redner ermahnt, in allen Fällen, in. denen die Arbeiter berechtigten Grund zur Be-. schwerde zu haben glauben, sich mit dem Waad hapoel der Welt-Agudo in Verbindung zu setzen, der den besten Willen habe, den-besonderen Bedürfnissen der Poalim entgegen zu kommen. Jedes Aufkommenlassen einer Gegensätzlichkeit gegenüber dem. Gesamtkörper der Agudo bedeute bei der heutigen Lage 'im heiligen Lande eine Herabwürdigung der Ehre der Thorä und eine ungeheure. Stärkung der thoragegnerischen Elemente im Lande. Auch die noch in der Gola befindlichen Genossen sollten sich heute schon als Erez Jisroel Arbeiter fühlen und sich dazu erziehen. Aufgabe der Partei sei es allerdings, innerhalb der Agudas Jisroel nach dem größtmöglichsten Einfluß zu streben. So wie die zionistische Organisation eigentlich - durch ihre Arbeiter groß geworden sei, so dürften auch Pöale Agudas Jisroel den Ehrgeiz haben, die Welt- Agudo groß und stark zu machen und damit den Namen G'ttes zu heiligen (Stürmischer Beifall}. Ueber die kulturellen Aufgaben der Poale ,A, J.. referiert N. S z u p a z , worauf die vierte Sitzung geschlossen wird. Auch das Szupaz'sche Referat bedarf einer besonderen Berichterstattung. Die. Schlußsitzung der Konferenz fand Dienstag nachmittag 5 Uhr statt und brachte zunächst die Fortsetzung und das Ende der Generaldebatte. Raumrücksichten verbieten die Wiedergabe der überaus zahlreichen Anregungen, die im Rahmen der Debatte, der Leitung gegeben wurden. Im Mittelpunkt stand die Frage der Beziehungen der Poale A. J. zur Welt- Agudo. Namens der oppositionellen Gruppen sprachen die Herren Silberberg und Nußbaum und reichten den formellen Antrag ein, sich v o n der Agudas Jisroel zu trennen und die Poale A. J, zu ein er'selbständigen Organisation zu deklarieren. Die Redner unterstrichen, daß ihr Antrag nicht etwa irgendwelcher Gegnerschaft gegen die Agudas Jisroel entspringe; sie selbst seien treue Agudisten. Aber die Poale A. J.¬ Bewegung könne erst dann ihre eigentliche Expansion erleben wenn sie sich als vollkommen unabhängige 'Arbeiterpartei vor der Welt präsentieren könne. Solange dies nicht der Fall sei, werde man sie unter •dej^^rbeiterklasse immer als verkaufte Knechte der religiöse». Kapitalisten denunzieren. Gegen den Antrag sprach Heri David Bomatz, indem er die Argumente der Antragsteller., in sachlicher Weise widerlegte. Er wies insbesondere darauf hin, daß ja in allem, was die spezifischen Arbeit^rinteressen betreffe, Poale A. Jr auch heute schon vollkommen autonom sei, daß aber der Wesensgrund der Bewegung., doch gerade in~ dem beruhe, was sie unauflöslich an v die"*Gesamt-Agudo kette, nämlich in der Treue.. _zui=— - Thora. Die mit Spannung erwartete Abstimmung über den Vorschlag der Opposition ergab, daß überhaupt nur - vereinzelte Stimmen für den Antrag votierten und fast die gesamte Konferenz geschlossen gegen den Vors c h lag stimmte. Ein längeres Referat von Advokat Lubinski Über Satzungsänderung hatte nur internes Interesse, ■ da es sich hauptsächlich um Formalitäten handelte. Aus der weiteren Debatte ist bemerkenswert eine Anregung von Genosse Freund sich an den Mauezes Gedaule, Hathauro zu wenden und ebenso auch an die Agudas horabonim, diese Körperschaften möchten grundsätzlich keine Genehmigung zu Verkaufsurkunden erteilen, die den Zweck haben, orthodoxen Juden den Weiterbetrieb ihrer Fabriken oder kaufmännischen .Betriebe am Schabbos zu ermöglichen. Weitere Anregungen betreffen die Festsetzung der Hachschara-Zeit auf drei Jahre, die Gründung von A r b ei t e r in n e n g r u p p e n , -die Ausgestaltung der Kulturarbeit und die Produktivierung der jüdischreligiösen Jugend, Das Schlußwort erhält Herr Dr. Isaac Breuer, der die in der Konferenz gewonnenen Eindrücke in einer ebenso offenherzigen wie geistreichen Rede zusammenfaßt. Er ermahnt die Poalim, das marxistische Schlagwort vom „Klassenkampf";ns Jüdische zu übersetzen und einen rückhaltlosen Kampf zu führen gegen eine „Klasse" innerhalb des jüdischen Volkes, nämlich gegen die Klasse 1 der Amhaarez, die aus dem Gesamtbereiche der Poa- ' lim-Gemeinschaft ganz und * gar . ausgerottet werden ' sollte. Unter dem Eindruck der Breuer'sehen Schluß- } rede schloß die r-Konferenz in, größter. Begeisterung. n Namens des Präsidiums dankte Herr Deut s ch den ' : Delegierten und Gästen, insbesondere Herrn- Dr.>; c Breuer, für ihr'Erscheinen und .schloß die Konferenz um 6 Uhr früh, nachdem die letzte: Sitzung ununterbrochen vom vorangegangenen Nachmittag an durchgedauert hatte. Trotzdem schlössen eich an da* Absingen der Hymne „Nicht verzweifeln" noch fast zweistündige chassidische Tänze. ...... x v Beschluß des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisfen zur Uebernahme der Schulen der Histadruth auf den Waad Leumi. Krakau, 14. Juli. Die Leitung des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten hat einen Beschluß angenommen, der die Stellungnahme des Weltverbandes zur Eingliederung der Histadruth-Schulen in das Schulwerk des Waad Leumi bekannt gibt. In ihm heißt es daß die Bedingungen, die die Histadruth für die Uebernahme der Schulen gestellt habe, geeignet seien, 'die Vereinheitlichung des Schulwesens in ihren Wirkungen aufzuheben. Der Weltverband protestiert energisch gegen das Abkommen und spricht die Hoffnung aus, , daß der Waad Leumi sich mit allen Kräften der Fiktion eines einheitlichen Schulwesens in Erez Israel entgegenstellen und von sich aus bestrebt sein werde, ein wirklich einheitliches nationales Schulwesen für die jüdische Gesamtheit in Erez Israel aufzubauen. Um die Teilnahme der polnischen Juden an den Sejm-Wahlen. Lemberg, 22. Juli. Auf eijier Tagung von jüdisch-wirtschaftlichen Organisationen und Vertretern agudistischer Kreise ist in Lemberg die Frage der Teilnahme der Juden an den bevorstehenden Parlamentswahlen in Polen zur Sprache gebracht worden. Es ist beschlossen worden, in Lemberg einen jüdischen Kandidaten zu den Wahlen aufzustellen. Als Kandidat ist der Lemberger Vizestadtpräsident, Viktor Heus, nominiert worden, Rumänien. Generalversammlung der orthodoxen Organisation in Siebenbürgen, OTuj (Klausenburg)', 1. Juli. Unter Vorsitz von Oberrabbiner W e s e 1, Turtta. fand am 24. Juni die Generalversammlung, der Repräsentanten der orthodox-israelitischen Gemeinden Siebenbürgens .statt. Das Budget der Zentralkanzlei ist ins Gleichgewicht gebracht worden und der Kostenvoranschlag fand volle Deckung, Für diese erfolgreiche Wahrung der wirtschaftlichen Interessen der Organisation wurde der Leitung Dank votiert. In Sachen, der Vertretung der Juden im Senat faßte die Versammlung eine Resolution, worin erklärt wird, daß die Orthodoxie im Senat nur durch eine Persönlichkeit vertreten werden könne, die ihrer Organisation angehöre. Weitere Beschlüsse galten der zentralen Versorgung mit Pesachmehl, Die jüdischen Hospitäler in Großwardein und Klausenburg wurden der Oeffentlichkeit .wärmstens .empfohlen. Zu den Streitigkeiten in einer siebenbürgischen Gemeinde nahm die Repräsentanz zu Gunsten der chassidischen Partei Stellung, weil die Gegenpartei sich dem Din Thora nicht unterworfen, die bereits übernommenen Verpflichtungen nicht erfüllt und zudem noch sich an außenstehende Faktoren gewendet habe. Endlich wurde gegen die Presseorgane Verwahrung eingelegt, die durch Entstellungen die Orthodoxie bekämpfen. England. Die Tagung des Verwaltungsrates des Auswandererhilfswerkes in London. London, 21. Juli. Unter dem Vorsitz von Viscount Cecil of Chelwood trat in den Räumen der Royal Society in London am 17. Juli der Verwaltüngsrat beim Oberkommissariat für Auswandererfürsorge zusammen. Völkerbundskommissar James G. Macdonald erstattete einen ausführlichen Bericht über die bisherigen Aufgaben und Arbeiten des Oberkommissariats und erörterte in umfassender Weise den gegenwärtigen Stand des Aüswandererprobienis, v .. Oberkommissar Mäcdonald betonte, einleitend, daß . die jetzige' Tagung des VerwaltungsrateS' einen/Bericht

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