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Der Israelit · 1935-07-18 · Heft 29 (18.7.1935) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 29 (18.7.1935)
Date
1935-07-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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18. Juli 1935 D er. .1 s r a e. l.i t Nr. 29 Seite 7 20,000 Juden sind gegenwärtig in diesenr Wirtschaftszweig tätig, und sie würden, ihre Existenz verlieren Der jüdische Kaufmännische Verein hat in dieser An gelegenheit wiederholt beim Ministerium vorgesprochen;, bisher haben seine Bemühungen keinen Erfolg gehabt. Werden, sich die Juden Polens an den. Parlamentswahlen. beteiligen? : 'Warschau, 11. Juli. Nachdem der Staatspräsident den Sejm und Senat aufgelöst hat und die Neuwahlen zu den beiden Häusern" des polnischen Parlaments auf Grund der neuen Verfassung und Wahlordnung ■wahrscheinlich im September stattfinden werden, ist die Frage, ob die Juden Polens sich an den Neuwahlen beteiligen, werden oder nicht, besonders' akut geworden. Wie die ITA. bereits gemeldet hat, hatte der Zionistische Parteirat für Kongreß-Polen beschlossen, an den Wahlen nicht teilzunehmen. Demgegenüber hatte der Misrachi alle bürgerlichen jüdischen Parteien und wirtschaftlichen Organisationen aufgefordert, keine Wahlenthaltung zu üben,--vielmehr eine" jüdische Einheitsliste zu bilden. - Es hat den Anschein, als ob nunmehr auch das Zentralko mite e de r" Z i 6 n fs t i s eh e n Ö r - ganisation in Polen seine negative Stellung zur Frage der W a h lb e t e i 1 i.-... g u n g ä ri d e r n wird. Nach zuverlässigen -'Mittel-?; hingen ist; es 2U einer,Verständigung in dieser Hinsicht zwischen den drei zionistischen Zentralkomitees von Polen, dem in Warschau (Kongreßpolen),-in Krakau (Westgalizien) und Lemberg (Ostgalizien), gekommen. Als zionistische Kandidaten für die Wahlen zum Sejm werden Adv. Hartglaß, - J3r. Rosmarin und Rabbiner Rubinstein genannt; ials Kandidaten für die Senatswahlen Dr. Thon und Prof. Schorr.' ' -;• Frankreich- Oberstleutnant Alfred Dreyius gestorben. - 11 Paris, .12.' Juli.! Der ehemalige Oberstleutnant Alfred Dreyfus, der Angeklagte des größten Spionage-Prozesses der Vorkriegszeit, ist im Alter von 76 Jahren in Paris gestorben. Der damalige Hauptmann Alfred Dreyfus stand im Mittelpunkt einer Prozesses, der mehr als zehn Jahre lang Frankreich und die ganze Welt beschäftigte. Dreyfus, der als erster Jude in den, französischen Generalstab gekommen war, wurde beschuldigt, zugunsten Deutschlands Spionage getrieben zu haben, Im Oktober 1894 wurde er vor «in Kriegsgericht gestellt und zu Deportation und Degradation verurteilt. Hauptstützpunkt der .Anklage war ein Schriftstück, das sogenannte Bordereau, das Dreyfus hergestellt haben sollte, das sich aber später als eine Fälschung erwies. Der Oberst Henry vom Nachrichtenbüro .des französischen Generalstabes hatte dieses, Schriftstück selbst hergestellt, weil er glaubte, daß. nur durch,.die Verurteilung von Dreyfus die Ehre der Armeegerettet werden könnte. Nach vojlzogener öffentlicher .Degradation. wurde .Dreyes, "inj; p^bruax 1895 auf die '. Teufelsins.ei nadu Franz^sasch-paypnne, t.gebracht, >wi> er, bis .zum. Sommer^ r189?,,yerbljeb,.;. ~ ■ . ., ,? - Es; zeigte; "sich ibald; daiß1! antiseniitischeiiMotivfe' in ' der..gesamten Affare:,eine\Rollevspi;eIten,::BLe,merkens- * wert war »bereits? daß die V^rhetftuhjg voir .Dreyfus, .rdfe geheim' gehalten-werden ~'söllte> in der' antisemitischen ' Zeitung „Libre Parole" bekanntgegeben wurde. Die Freunde von Dreyfus begannen den Kampf um seine Rehabilitierung. Major Esterhazy, der Hauptbelästungszeuge gegen- Drpyfus. i wurde von - dem Bruder von Alfred Dreyfus,, Mathieu, beschuldigt, der wirkliche Schuldige,. z,u sein. vEsterhazy kam zwar. vo& ein Gericht, wurde jedoch freigesprochen. Da griff zwei Tage nach diesem Prozeß, am 13. Dezember 1897, Emile Zola durch Veröffentlichung feiner berühmten Anklageschrift „J'accuse" dn der von. Clemenceau geleiteten Zeitung '„Äurore" ein. Er beschuldigte den Offizier, der die Untersuchung gegen Dreyfus geleitet hatte, unsauberer, Machenschaften und andere Offiziere der Mitschuld an <Jer ungerechtfertigten Verurteilung von Alfred'Dreyfus. Zola wurde zu einer Ge- Neueste Wirtschaftsnachrichten aus Erez Jisroel. (Nach PalnewsJ J e r u s a 1 e m... Die Vorbereitungen zur [' Eröffnung der geplanten großen Agrarbank mit einem Kapital von Lst. 400.000, von dem die Hälfte einbezählt ist, ist im vollen Gang. Auch mit arabischen Kreisen sowie mit dem jüdischen -Pflanzerverband werden Verhandlungen zur Beteiligung geführt. Das eigentliche Kapital für die Tätigkeit der Bank wird durch Ausgabe von Obligationen in einer noch nicht feststehenden Höhe beschafft werden. Auch darüber besteht noch keine Klarheit, ob die Bank den jüdischen und arabischen Kleinbauern ihre Hauptaufmerksamkeit schenken wird, oder ob nur Großgrundbesitzer aus ihrer Tätigkeit Nut- Izen ziehen werden. Jerusalem. Der 9 j: km von-Jerusalem auf .dem Wege nach Tel Awiw befindliche Steinbruch zur Produktion •weißen Bausteins wird jetzt durch eine Gesellschaft-mit :Lst. 15.000 Kapital finanziert . werden. Die erste Bestellung erhielt der Steinbruch zum Bau des Schocken-Hauses. in Rechawia „und liefert auch den riesigen 12 ' Tönnengrabstein für das "Grab" Biäliks. h Die Gesellschaft beabsichtigt in anderen Teilen des Landes Steinbrüche zur Produktion von rötlichem Stein, Marmor und Gra- . nit" einzurichten.- 'Palästina besitzt vorzüglichen Marmor, weißeivgrüner und in rotlicher Färbe. Jerusalem. In den Monaten Januar bis Mai sind 26.640 Personen, davon 726 Nichtjüden, nach Palästina eingewandert, gegen 13.500 im Vorjahre. Unter den Einwanderern befinden sich 1851 Touristen, die nachträglich als Einwanderer registriert wurden und sich bereits längere Zeit fm Lahde aufgehalten haben. Den Hauptposten unter den Einwanderern ma- I chen, abgesehen von den "Kapitalisten (nebst Angehörigen] 5000 Personen, die Arbeiter mit 13.000 Personen und die Angehörigen mit 6000 Personen aus. ' Tel Awiw. Der „Mangel an Eis führt zu einem <Ungewöhn-. liehen; Verbrauch .an. elektrischen Kühlschränken.' In den beiden Monaten April und Mai wurden etwa 2Ö00 Kühlschränke ah -Privatwohnungen verkauft. Ein elektri-' scher Kühlsahrank kostet im Durchschnitt Lst. 35.—, so daß im Laufe von zwei Monaten nicht weniger als Lst. 70.000 für ausländische Kühlschränke bezahlt wurden. Es wird daher in industriellen Kreisen dringend die Errichtung einer elektrischen Kühlschrankfabrik im Lande befürwortet. Es gibt bereits Fabriken, die in der Lage wären, solche Kühlschränke zu fabrizieren. Haifa. Am 27. Juni wurde die öffentliche Versteigerung . der 'Pacht von Bauplätzen in der trockengelegten Zone des Häifaer Hafens 'abgeschlossen. Unter den "Pächtern befinden sich viele. .Banken.- Der 3000. qm umfassende Platz für den Bau. eines Hotels ist unverpächtet geblieben, Es soll an eine . ägyptische Hotelgesellschaft verpachtet werden. Tel Awiw. Die rumänische Nationalbank wird die Auszahlung von Lstr ,60.000 für .Schulden an : palästinensische Im-; pprteure in den nächsten 14 Tagen bewirken. Der rumänische Import nach Palästina' 1 erreichte'-1934' fast eine Million PLst.,-wäh-' 1 I r rend nur PLsti 60,000 nach Rumänien ausge*.J führt, ^wurden. j/I^el^A w i w. Die Belgo Pa-J lästihe Bank hat ihr Äktienkäpital auf LsiV ,'5ÄÖ(W^v'erdQp^elt. Die' Bank richtet;'in;d^r Nähei'von . G'edera die' Wirtschaft von Herrn - Fettfer; ein, was Lst. AOfiOO1erfördert. Auch. I die- .neue; Versicherungsgesellschaft. Zion ist I auf'Initiative der BaÜlc gegründet worden, I 'in-'dߣ Direktion - der Bank, der bisheFdie- Herren Abraham Arton, Josef Fetter, J. I Wohlmann , und Schachne Richter angej hörten, ist Herr Max Cohen, ehemals in der I Bankfirmä J. A. Schwarzschild Söhne in I Frankfurt M., eingetreten. Jertis alem, I 1' Unter den Druckereibesitzern und Drucke- I reirArbeitern herrscht große, Erregung* wegen I der von der Regierung beschlossenen Eröff- .1 nung einer eigenen Regierungsdruckerei. Die I aus England bestellten''Setz- und Druck- I masöhinen für die drei* offiziellen Ländes",] ■sprachen! werden in ejnigen Wochen "in Pa- I lästina, eintreffen. Man nimmt an, daß die - j r Druckerei etwa 80 Arbeiter beschäftigen I wird. Jaffa. Von "den'sechs palästinensr1- I sehen Fabriken für die Produktion1 von-A1-1 koho l .-.und. Kohlensäur e sind drei I stillgelegt,. .weil. keine Exportmöglichkeiten I bestehen. * -"' I fängnisstrafe verurteilt und verließ Frankreich. Im „Temps" erschien darauf ein Artikel des Oberleutnants Picquart, des Chfes der Nachrichtenabteilung des Generalstabes, in dem er zur Affäre Stellung nahm. Er wurde verhaftet, schwieg aber nicht, sondern bezeichnete diejenigen, die an der Verurteilung von Dreyfus Schuld haben sollten. Nachdem der Obrest Henry als der Fälscher des Dokuments, das der Verurteilung von Dreyfus zugrunde lag, verhaftet worden war und Selbstmord begangen hatte, kam die Wiederaufnahme des Prozesses in Gang. Eine neue Kriegsgerichtsverhandlung in Rennes fand statt. Dreyfus wurde aber im September 1899 abermals wegen Landesverrates zu 10 Jahren Gefängnis und Degradierung verurteilt, jedoch begnadigt. Nunmehr versuchten die „Dreyfusards" die vollkommene Rehabilitierung des Verurteilten zu erreichen. Im Jahre 1903 wurde auf Betreiben von Jaures eine .Parlamentskommission eingesetzt, um ein erneutes Revisionsgesuch von Dreyfus zu prüfen, Sie führte die Wiederaufnahme des Gerichtsverfahrens herbei. Im Juli 1906 wurde Dreyfus endgültig freigesprochen, als Major wieder in das Heer aufgenommen und zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Er blieb jedoch nur kurze Zeit in der Armee. — 1907 nahm er seinen Abschied. Während des Krieges befehligte er einen Artillerie-Ersatztruppenteil und wurde zum Oberstleutnant befördert. — Im Juli 1930 wurde aus dem schriftstellerischen Nachlaß des deutschen Militärattaches in Paris von Schwarzkoppen endgültig festgestellt, daß Dreyfus, wie Schwarzkoppen durch ein 1896 im „Matin" veröffentlichten Faksimile eines Briefes erkannt hatte, unschuldig verurteilt worden war. Schwarzkoppen schwieg damals aus militärischen Gründen. Alfred Dreyfus verbrachte seinen Lebensabend in völliger Zurückgezogenheit.. Er ist gestorben, genau 29 Jahre nach dem Tage, wo seine endgültige Freisprechung erfolgte. Rumänien. Tagung der Bnos Agudas Jisroel in Rumänien. B a n i 1 a (Bukowina], 5. Juli. Am Montag und Dienstag fand in Sereth eine von der hiesigen Zentrale einberufene Tagung der Bnos Agudas Jisroel statt, -an der fast alle Bnos- Grüppen der Bukowina und fast alle Beth Jacob- Lehrerinnen des Landes neben den Mitgliedern des Zentralrates teilnahmen. Nach einer Reihe von Begrüßungen, in deren Rahmen das Gedächtnis der Beth Jacob-Mutter, Frau Sara Schenirer s. A., den Mittelpunkt aller Reden bildete, begann die Arbeitstagung. Ausführliche und gut vorbereitete Referate wurden über folgende Themata gehalten: Die Frau im Judentum, Erez Jisroel und die jüdischen Mädchen, Mittel und Wege der inneren und äußeren Propaganda, Wichtigkeit und Aufgaben . der Organisation Bnos Agudas Jisroel. An die Referate schlössen sich ausführliche-Aussprachen an, die mancherlei praktische Vorschläge brachten. Nach Schluß der Sitzung veranstaltete die Serether Bnos-Gruppe zu Ehren der Gäste ein prachtvoll verlaufenes Bankett im Garten der Serether Beth- Jacob-Schule,, In Fortsetzung der Konferenz; wurde ain Dienstag" Vormittag eine Reihe von Beschlüssen gefaßt, von denjen wir die wichtigsten hier], anf ühren.%. Jede Chawefa und Beth Jacbb-Lehreirin mußi.auf Verlangen der Zentrale die, umliegenden -Orte besuchen, Vorträge halten - find Bnös-Gruppen 'Organisieren; Schaffufig einer Wanderbibliothek; von der Ere^;.. Jisroel,-Zentrale jRumä)aiens. \vird die Vergrößerung der Bnos-Hachscharoth gefordert, um eine verstärkte Alijah zu ermöglichen. In^die Hachschara werden nur solche Kandidatinnen aufgenommen, die von der Zentrale empfohlen werden. Weitere Beschlüsse gelten der Regelung der Beltragspflicht der Ghafw'eröth. Eine verstärkte% Ärbefr^sröll iti den Gebieten Marmarosch und Transsylvanien vor sich gehen;;-Das Abonnement auf das Beth Jacpb^Journal wird für sämtliche Bnos-Gruppen obligatorisch gemacht- Besondere Beschlüsse gelten der Schmiras Schabbos und der Förderung des Kaschrus,- insbesondere der Unterbringung religiöser Arbeiterinnen in Stellen, die die Schabbosbeobachtung gestatten. Das Zentralsekretariat berichtete über, die Arbeit der Zentrale! die auf beträchtliche Erfolge hinweisen »darf.

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