Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 20 (16.5.1935)
- Date
- 1935-05-16
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2450858-2450877--81276-2539158- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 14 Nr. 20 Der Israelit 16. Mai 1935 von Dr. Breuer. Zum Vortrag selbst. Die Gedanken waren in Form und Wirkung neu, unerhört neu, weil sie, man möchte sagen, so unerhört alt waren, alt im Sinne des D'H' priy, neu im Sinne des 'npa^> D'Enn Der Mittelpunkt, um den alle Gedanken des Vortrags kreisten, war die „jüdische Idee". Um sie gruppiert sich jedes Problem, das das traditionelle Judentum anfaßt. Um sie lagert sich der Zug aller derer, die Erez Isroel in Wahrheit suchen. Um ihretwillen haben unsere Väter cnpnn n-a pin überlebt, um ihretwillen haben sie im Mittelalter in dem Meer von Zorans gelebt, um ihretwillen wollen wir Erez Jisroel erleben. Dieser Gedanke ist letzten Endes das Programm des nationalen Aufbaues von Erez Isroel, und die Orthodoxie muß ihn verwirklichen — nicht aber mit den Mitteln von Möglichkeiten, die einer fremden Kultur entlehnt sind. Die Thora ist berufen, schloß der Redner, das Leben in Erez Isroel zu beherrschen. An uns ist es, dies zu beweisen. Der Vortrag war für Mannheim ein Erlebnis — er war noch mehr, er war ein Kiddusch haschem berabim. Dr. S. L. Altona, 15. Mai. Zum hundertsten Todestage des berühmten Altonaer Oberrabbiner Akiwa W e r t h e im e r fand in der Synagoge eine erhebende Gedenkfeier statt. Ein größerer Aufsatz über das Leben und Wirken dieses Rabbi aus der Feder eines Berufenen (Rabb. Eduard Dukesz) erscheint in der nächsten Nummer. Wiesbaden, 6. Mai. In Wiesbaden ist es üblich, daß am Abschluß eines Jahres, das zeitlich mit dem Schuljahr zusammenfällt, eine Abschlußprüfung in den Pirchim-Gruppen stattfindet, zum Zwecke der Prüfung der Kenntnisse der Kinder. So fand auch dieses Jahr am 28. 4. eine solche Prüfung statt. Schon vor der festgesetzten Zeit sah man Kinder sich vor der Türe drängen, die es nicht erwarten konnten, ihre Kenntnisse unter Beweis zu stellen. Nach einigen einleitenden Chören kam die mit Herzklopfen erwartete Verlesung der Namen mit der Nennung der Preise. Das Ergebnis war durchaus befriedigend sowohl für die Führerschaft als auch für die Geführten. Mit besonderen Leistungen warteten auf: Malw. Dachs, Rosel Förster, Ruth Sulzberger und Moritz Offen. Ebenfalls ausgezeichnete Ergebnisse erzielten Miriam Ehrenreich, L. Tiefenbrunner, B. Erteschik, J. Ansbacher, O. Tiefenbrunner, Harry Spett und Heinz Keh. Eine kurze Ansprache von „Jonti" bildete den Beschluß. Zugleich nahmen die Kinder von einem bisherigen Führer, der zur Jeschiwa ging, Abschied. Die letzten Worte dieses Bachurs, E. Rottenberg, gingen denn auch daraufhin, weiterzuarbeiten und die Arbeit der Esra Pirche, Agudas Jisroel nicht zu vernachlässigen. Damit nahm die harmonisch verlaufene Feier ihren Abschluß. Die Arbeitstagung der Pirche Agudas Jisroel. Hannover, 12. Mai. Der Besuch der sonst auf der Frankfurter Jeschiwa lernenden Bachurim und früheren Jungführer der hannoverschen Gruppe, war Anlaß zur Veranstaltung einer großen Arbeitstagung. Diese Tagung, die bewußt nicht die Abgrenzung nach außen in den Vordergrund stellte, sondern die Stärkung der inneren Arbeit, hat die gesamte Gruppenarbeit erfaßt, ihr neue Wege gewiesen und vor allem Anregung und Ansporn für die Zukunft gegeben. Nach drei Richtungen hin wurde die Arbeit besonders gerichtet: dem Lernen, der Erez Jisroelfrage und auf Fragen der praktischen Pädaoggik. Das Lernen wurde in den jüngeren Gruppen besonders gepflegt, wobei man mit der für Hannover neuen Methode begann, und an das Lernen zuweilen aktuelle Fragestellungen anschloß. Es wurde so den Einzelnen neue Aspekte, und für die Arbeit eine neue Methode gegeben, p Eine lebendige Gemeinschaft war der Platz dieser Arbeit, die in all ihren Beziehungen und Einzelheiten stets Wert darauf legte, sich nicht in Theorien zu verlieren, sondern die Lebensnähe zu behalten. So ist es nicht zju verwundern, daß der Stempel der Zeit vielen Diskussionen deutlich aufgedrückt war. Als einzelne hervorstechende Teile seien erwähnt: ein Referat von Salli Storch, das insbesondere die Frage deT Disziplin behandelte, ferner der Newiimschiur von Paul Klein. Dann eine mehrmalige Arbeitsgemeinschaft von Pinchas L e n g e r über die Gemeindefrage, wobei klar und deutlich für die Organisierung der Unabhängigen Orthodoxie Stellung genommen wurde. Den Höhepunkt der Tagung bildete der Besuch von Chawer Willi Wolf und Frau (Frankfurt a. M.}, der für die einzelnen Gruppen Musterheimnachmittage gab, über deren Methodik dann gemeinsam mit der Führerschaft gesprochen wurde und, die in ihrem Aufbau für diese Gruppe etwas Neuartiges darstellten. Währenddessen besprach Frau Wolf mit einigen Mädchengruppen den Sinn der bevorstehenden »Pessachtage. Mit der ältesten Mädchengruppe gab es eine Arbeitsgemeinschaft über die jüdische Familie, die insbesondere die Stellung des Elternhauses zum Bund und das Generationenproblem in meisterhafter Weise behandelte. Zum Abschluß des Besuches, in größerem Rahmen ein Referat über Elternhaus-Bund, an das sich eine längere interessierte Diskussion anschloß, die eine .Reihe praktischer Fragen behandelte und in der W. Wolf die einzelnen Führer in akuten Fällen beriet. Zum Schluß der Tagung sollte Abr. Wolf (Berlin) auf einer Chaluzischen Kundgebung sprechen, die aber infolge technischer Schwierigkeiten ausfallen mußte, statt dessen gab Wolf eine Arbeitsgemeinschaft. — Sport, Spiel und Ausflüge umrahmten die Tagung, die in ihrer Gesamtheit ein beredter Ausdruck lebendiger agudistischer Arbeit war, und deren Gesamteindmck für alle Teilnehmer ein bleibender sein wird. A. Budapest, 6. Mai. Innerhalb der Pester neologen Kultusgemeinde ist bereits seit Jahren eine neue latente Reformbewegung im Gange, die interessanterweise von den zionistischen und prozionistischen Juden geleitet wird. Für die zu gründende Reformgemeinde wird als Vorsitzender Baron Bertalan H a t - v a n y in Erwägung gezogen, der Mitglied des Jewish Agency ist. Am ersten Pessachabend fand in der Wohnung des Keren Hajessod-Präsidenten Ignaz Friedmann ein „Reform-Seder" statt, an welchem die Herren ohne Kopfbedeckung teilnahmen und die Hagadah in ungarischer Sprache lasen. Wiederum ein Beweis dafür, daß Zionismus und Reform sich ganz schön vertragen. Szeged, 6. Mai. Dem Jahresbericht der hiesigen neologen Kultusgemeinde entnehmen wir folgende Daten: Im Jahre 1934 wurden in Szegedin 26 jüdische Kinder geboren. Die Zahl der Todesfälle betrug dagegen 90 und die der Taufen 13. Simleulsilvanien (Szilagysomlyo, Siebenbürgen)1, 6. Mai. Der jüdische Friedhof wurde hier durch Demolierung mehrerer Grabsteine geschändet. Der in der Nähe dieses Städtchens auf einem Landgut wohnende Ministerpräsident a. D. Julius M a n i u beklagte sich in einer Versammlung der nationalzaranistischen Partei in Hermannstadt darüber, daß in Simleulsilvaniei am Samstag und an den jüdischen Feiertagen alle Geschäfte geschlossen sind und der rumänische Bauer gezwungen sei, am Sonntag seine Einkäufe zu besorgen. Senta, 6. Mai. Nach langen Bemühungen ist es nunmehr gelungen, hier eine Agudas Jisroel-Orts- und Jugendgruppe zu gründen, der bereits 29 Mitglieder angehören. Beide Gruppen haben beschlossen, sich der Landeszentrale in Zagreb anzuschließen. Gleich nach Pessach fand hier die erste „Pegischah" statt, bei der sich Vertreter aus allen Gruppen trafen. Zagreb, 10. Mai. Sämtliche Gemeindemitglieder der hiesigen orthodoxen K'hillo, an ihrer Spitze deren Führer, der Iloker Rebbe, sowie viele geladene Gäste, hatten sich am Abend des 9. Nissan im Hause der Familie Rothstein eingefunden, um einen Chinuch sefer-Tauroh würdig und feierlich zu begehen. Nach Fertigstellung wurde das neue Sefer in großem Zuge unter Freudengesängen zur Schul geleitet. Psalmgesänge und eine in Hebräisch gesprochene Droschoh beendeten den akademischen Akt in der Schul. Der Feier zweiter Teil spielte sich in der Form einer S'udas mizwoh im. Hause Rothstein ab. Bei dieser Gelegenheit ergriff nochmals Herr Rabbiner Steiner aus Ilok das Wort, um in geistreichen Ausführungen auf die große Bedeutung des Anlasses hinzuweisen. Nach ihm sprach noch unser Dajan Jungreis. Das Sefer ließ die Familie Rothstein anläßlich der ersten Jahrzeit um den am 9. Nissan 5694 aus dem Leben geschiedenen Arje Löb Rothstein schreiben. Damit hat sie dem Heimgegangenen, dessen Tod in unser Gemeinde eine schwere Lücke gerissen hat, ein heiliges Andenken für alle Zeiten gesichert. Zagreb, 6. Mai. Der eifrigen Tätigkeit der hiesigen Jugendgruppe ist es zu verdanken, daß sich das geistige Niveau in unseren Kreisen in diesem Jahre bedeutend gehoben hat. In kurzer Zeit fanden vier Vortragsabende statt, die alle seitens der Jugend gut besucht waren. In seinem ersten Referat wies unser Präsident, Herr Dr. Milan Engelsrath, auf die Entstehungsgeschichte der Aguda und ihre Gegenwarts- und Zukunftsaufgaben hin. Unser Schiurimdozent, Herr Herrn. Adler, hatte zwei Referate über Rambam gehalten. Den Abschluß unseres Winterprogramms bildete ein Vortrag von Rafael F e 11 h e i - m e r über Samson Raphael Hirschs Leben und Werke. Die von uns unterhaltene Hachschara in Gjurdjevac ist nunmehr aufgelöst worden, nachdem etwa 15 Hachscharisten, meistens aus Deutschland, dort eine gediegene Ausbildung erhalten haben. Die reibungslose Durchführung dieses Unternehmens verdanken wir nicht zuletzt dem Entgegenkommen des Gutsbesizters Braun dortselbst, der unseren Wünschen in jeder Weise gerecht zu werden suchte. Während die meisten unserer Hachscharisten bereits in Erez Jisroel sich in den Arbeitsprozeß eingeschaltet haben, sind einige noch auf die Jeschiwa gegangen, um ihre geistige Ausbildung noch zu vervollkommnen. In der Hauptsache besuchen sie die Frankfurter Jeschiwa. Briefkasten. F. R. Eine nap-Flascbe erhalten Sie bei Eschwege in Fulda, Rhabanusstr. 7 und bei Westheim, Ffm-, Eckenheimerlandstr. 3. Die Frankfurter Woche. Thora und Mussar. Das Lehrprogramm der unter der Devise „Thora und Mussar" und unter Leitung des Herrn Gemeinderabbiner Josef I. Horowitz arbeitenden Ortsgruppe der Agudas Jisroel weist folgende Schiurim auf: Herr Gemeinderabbiner Josef J. Horowitz hält seine Gemorohschiurim für Baalebattim (r-y 'o») am Sonntag 9 Uhr, Dienstag und Donnerstag je 8.30 Uhr abends ab. Der Schiur des Herrn Rabbiner über die Mussarlehre des Rambam (für Jugendliche] findet am Sabbat 5 Uhr nachmittags und über die Grundlagen des Mussar Sonntag 8.30 Uhr abends statt. Herr Dozent J. Ehrentreu trägt aus C h u - misch mit Kommentaren vor am Sonnlag 9 Uhr abends. Herr Rabb. M. Feuerwerker hält seinen Gemorohschiur für Jugendliche (t"y 'od) am Sonntag eine Stunde vor Nacht und am Dienstag 8.30 Uhr abends ab. Dinim und Mussar für Jugendliche lehrt der gleiche Dozent am Sabbat 3.30 Uhr nachm. Der Gemorohschiur des Dozenten für Baalebattim inrjO findet je Montag und Donnerstag 6 Uhr nachm. statt. All diese Schiurim finden in der Wohnung des Herrn Rabbiner, Fichtestr. 5, statt. Herr Rabbiner Dr. Mannes lehrt die D'ana 'J'n am Sabbat vorm. nach Schul (Fichtestr. 5) und Sabbat nachm. 4 Uhr im Hörsaal, Friedberger Anlage. Der Gemorohschiur des Herrn Dr. Mannes <nap 'on) findet am Sonntag und Dienstag 6 Uhr nachm. und am Sabbat 6.45 Uhr nachm. in der Wohnung des Dozenten Hans Handwerkstr, 38, 1. statt. Der Schiur des Herrn Rabbinatsassessors Dr. E. Posen aus 'va mxn findet am Sabbat 6 Uhr nachm. in der Wohnung des Dozenten, Sandweg 44, statt. Herr Jacob Rosenheim liest aus D'ir r&'on je am Sonntag 11.30 Uhr mittags im Lokale der Jugendgruppe, Schwanenstr. 12 (beginnend übernächste Woche). Der Gemorohschiur des Herrn R.-A. M. Schlesinger für Baalebattim (nai? 'oc; findet je am Mittwoch 8.15 bis 10 Uhr abends in der Wohnung des Dozenten, Schwanenstr. 12, statt. Herr J. Sof er lernt das 'BT «p täglich um 12 Uhr und am Sonntag um 11 Uhr im Lokale der Jugendgruppe, Schwanenstr. 12. Herr K. Z u n t z hält einen Schiur in D"tr im* ab je am Sonntag 6 Uhr nachm. (Fichtestr. 5). Zeit und Ort für den: Schiur des Herrn Dr. Ehrmann über Mussar aus den Schriften von Rabb. S. R. Hirsch werden noch bekanntgegeben. Ferner wird auf den Gemorohschiur (t-y 'o») vor dem Morgengebet, von Herrn Rabb. Feuerwerker hingewiesen, der je am Montag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag, 5.45 Uhr morgens, im Sitzungszimmer, Friedberger Anlage 6, stattfindet. Auf den Vortrag des Herrn Redakteur S. Schachnowitz diesen Sonntag abend 9 Uhr im Hörsaal Friedberger Anlage über das Thema: „Die Mussarbewegung von Rabbi Israel Salanter bis Chofez Chajim" wird noch hingewiesen. Weiter wird uns geschrieben: Die Schiurim haben mit lebhafter Beteiligung begonnen, ein Beweis, daß sie einem dringenden Bedürfnis, das aus dem Geschehen der Gegenwart entspringt, entgegenkommen. Aber noch viele sind es, die in den Reihen der Lernenden fehlen. Sie in den nächsten Wochen zu erfassen und den Quellen der Tauroh zuzuführen, muß Aufgabe jedes Freundes unserer Bewegung sein. Ansprache des Herrn Gemeinderabbiners. Im Rahmen des Thora- und Mussarprogramms der Frankfurter Ortsgruppe der Agudas Jisroel wird Herr Redakteur Schachnowitz am Sonntag, den 19. Mai, um 21 Uhr seine Vortragsreihe beginnen. Thema: „Von R. Jisroel Salanter bis Chofez Chajim". — Herren und Damen sind herzlichst eingeladen. Der Herr Rabbiner Jos. J. Horovitz wird den Vortrag mit einer Ansprache über „Thora und Mussar" einleiten. Der Mussarschiur des Herrn Rabbiners fällt deswegen aus. Die Thoralehranstalt Jeschiwa im Sommersemester 1935. Die Eröffnung des Sommersemesters fand am 2. Mai in Anwesenheit der Dozenten, Vertreter des Kuratoriums und der Hörer der Jeschiwa statt. Sie stand im Zeichen der großen Zahl der Neueintretenden, (die Jeschiwa wird von 135 Hörern besucht) die an die Organisation der Jeschiwa außerordentliche Anforderungen stellen. Zu den bisherigen Lehrkräften, den Herren: R.-A. Dr. Posen, R.-A. Dr. Schlesinger, Dr. Moses Breuer, Ehrentreu traten die Herrens Rabbiner