Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 4 (24.1.1935)
- Date
- 1935-01-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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24. Januar 1935 Der Israelit Nr. 4 Seite 9 ständigen Korrespondenten in Mexiko eingeholten Informationen die in der jüdischen Presse veröffentlichten Mitteilungen über eine Aenderung der mexikanischen Einwanderungsbestimmungen verfrüht sind. Bisher wurden die betreffenden Bestimmungen in keiner Weise abgeändert. Allerdings liegen der neuen Regierung verschiedene Projekte vor, bezüglich derer sie demnächst eine Entscheidung treffen wird. Zypern. Juden in Cypern willkommen — aber nur als Unternehmer. Athen, 16. Jan. Die angesehene Athener wissenschaftliche Wochenschrift „Ergassia", die vor kurzem in einem Artikel die Leistungen der jüdischen Kolonisation in Cypern lobend hervorgehoben hat, veröffentlicht einen zweiten Artikel über diese Frage, in dem auf die Gefahr einer Verdrängung des griechischen Elements auf der Insel hingewiesen wird. Den Juden, die nach Cypern einwandern, schreibt das Blatt, sagen wir: Ihr seid willkommen, wenn Ihr Euch darauf beschränkt, Geld zu bringen und Unternehmungen zu schaffen. Wenn Ihr aber auch Menschen zur Ansiedlung bringt, werden die Cyprioten dagegen revoltieren, Der englischen Regierung wird in dem Artikel vorgeworfen, sie fördere jüdische und armenische Kolonisation, um die ethnographischen Verhälthisse auf der Insel zu ändern und ihre historische Verbindung mit dem griechischen Volkstum zu lösen. Palästina. Brief aus Kibbuz Kfar Saba. Kfar Saba, 18.' Jan. Etwa 25 Kilometer von Tel Awiw entfernt, liegt Kfar Saba, eine größere Moschawah, in der Ebene Scharon. Vor mehr als einem Jahr wurde hier auf dem Boden , des Keren Hajischuw ein Kibbuz der Poale Agudath Jisrael gegründet. Ein schöner und geräumiger Zrif (Baracke) wurde errichtet, eine Brause- und eine Bewässerungsanlage für den ganzen Komplex aufgestellt. Die Voraussetzungen für einen mehr auf Eigenwirtschaft eingestellten Betrieb waren gegeben. Die Entwicklung des Kibbuz erfüllte aber bis vor zwei Monaten nicht die auf ihn gesetzten Erwartungen. Die „Kinder-Krankheiten" vieler anderer Kibbuzim blieben auch ihm nicht erspart. Nichtgenügendes und schlecht zusammengepaßtes Menschenmaterial und mangelnde Erfahrung gefährdeten oft die Existenz des Kibbuz. Wir sind jetzt 12 Chawerim mit einer Mischpacha, erweitern uns aber ständig. Die meisten Chawerim kommen aus Deutschland, alle waren auf Hachschara. Natürlich sind die hiesigen Arbeitsbedingungen andere als die, welche wir auf der Hachschara hatten, so daß man hier, bis man ein wirklicher Mumcha ist, noch eine Hachschara durchmachen muß. Unser Meschek, d. h. unsere Eigenwirtschaft, ist durch eine intensive Bearbeitung in einen guten Zustand gebracht worden. Auf 24 Dunam guten Boden, die uns zur Verfügung stehen, ist hauptsächlich Gemüse angebaut. Der Rest ist mit Grünfutter bepflanzt. Es ist das Futter für zwei Kühe, für die wir uns jetzt einen Stall bauen. Eine Gemüsewirtschaft ist hier außerordentlich lohnend. Kunden haben wir mehr als genug. Von den Kibbuzim, von der Moschawah, ja von der Tnuwah, der allgemeinen Verkaufsgenossenschaft, die Landprodukte in die Stadt fuhrt, haben wir Kunden, die unser „koscheres Gemüse viel lieber als das arabische kaufen, Ueberhaupt spielen die Araber in diesem wichtigen Zweig noch immer die weitaus größere Rolle im Lande. Da es hier keinen Winter gibt, ist eine Bearbeitung des Bodens das ganze Jahr hindurch möglich. Eine Ruhezeit im Winter, wie sie die Bauern in Europa haben, kennt der Landmann hier nicht. Unser „Lul" beherbergt vorläufig 100 Hühner. Es, sind alles weiße Hühner von der amerikanischen Leghornrasse, die man hier am besten hat heimisch machen können. Wenn',man bedenkt, daß im letzten Die Woche. Wien, Im Alter von 64 Jahren starb der bekannte Direktor der Bibliothek der Wiener Kultusgemeinde, Dr. Bernhard Wachstein. Der Verstorbene war bedeutender Historiker und Bibliograph und seine Forschungen sind grundlegend für die Erkenntnis der Vergangenheit der Juden in Oesterreich. Amsterdam. In einem soeben erschienenen Communique der holländischen Regierung wird mitgeteilt, daß Personen aus dem Saarlande, die nicht als unerwünschte Ausländer anzusehen sind, d. h. über genügende Mittel verfügen, ungestört nach Holland kommen können, — Aus der amtlichen Statistik ergibt sich, daß die jüdischen Akademiker in Holland nicht mehr als 3 Proz, ausmachen. — Nach einer Erklärung des holländischen Justizministers, Dr. van Schelk, wird zur Zeit von der Regierung ein Gesetz gegen antisemitische Propaganda in Holland vorbereitet. Riga. Die Stadtverwaltung hat zur Subventiönierung jüdischer Einrichtungen in diesem Jahre 10.000 Dollar bestimmt. Lodz. Im' jüdischen Armenviertel von Lodz entstand aus unbekannten Gründen ein großer Brand, der zwei Todesopfer forderte, und zwar die Greisin Sarah W e i s f e 1 d und Mosche Sandberg. Warschau. In der Woche vom 13. bis 20. Januar traten 1100 Olim aus Polen die Reise nach Palästina an. Dies stellt eine Rekordziffer der jüdischen Auswanderurig aus Polen nach Palästina dar. Der größte Teil der Transporte geht über den rumänischen Hafen Konstanza, ein Teil über Triest, Bukarest. Größtes Aufsehen erregt die Tatsache, daß das bekannte Mitglied des rumänischen Senates, Max Ausschnitt, zur rumänischen, d, h. griechisch-katholischen Kirche übergetreten ist. Ausschnitt, ein Großindustrieller, war wiederholt Gegenstand schwerer antisemitischer Angriffe. Hoffentlich wird man jetzt seine angeblichen Verfehlungen nicht mehr den rumänischen Juden insgesamt zur Last legen. Jerusalem. Der frühere Bürgermeister Nashashibi reist. im Auftrage seiner Gruppe nach Genf, um dem Völkerbunde die Forderungen der ultranationalen Araber zu überreichen. — Der Vizepräsident der Uniteds Synagogues, Sir Robert Cohen aus London, ist bei einem Autounfall in Palästina schwer verletzt worden. Er hatte sich nach Palästina zur Eröffnung der Petroleumleitung vom Irak begeben. Cohen ist als Philanthrop und auch als exponierter Wirtschaftsführer bekannt. — Im Gebiete von Waadi H a v a r i t h wurden jüdische Wächter von arabischen Hirten, die ihr Vieh auf jüdische Felder trieben, angegriffen. Einer der Wächter erlitt eine leichte Schußverletzung. — Der Stadtrat von Tel Awiw hat, gemeinsam mit dem Nationalfonds und der Zionistischen Exekutive, ein Informationsbüro für Bodenkäufer zwecks Bekämpfung der Spekulation eingerichtet. Haifa. An der am 15. Januar abgehaltenen Feier des 10jährigen Bestehens des Haifaer Technikums, die mit der Verteilung der Ingenieur-Diplome an die Absolventen der Anstalt und der Grundsteinlegung zu den mit Hilfe eines Regierungszuschusses von 10.000 Pfund zu errichtenden Erweiterungsbauten verbunder war, nahm auch der High Commissioner Sir Arthur Wauchope teil und hielt eine Ansprache. Tel Awiw. Der Bürgermeister von Tel Awiw, Meier Dizengoff, ist schwer erkrankt, sein Zustand ist besorgniserregend. Eine Bluttransfusion hat eine kleine, aber keine wesentliche Besserung gebracht. — In Rechowoth hat sich leider wieder ein tödlicher Unglücksfall beim Brunnenbau ereignet. Eine Wand des im Bau befindlichen Brunnens stürzte ein und begrub das Mitglied der Kwuzah, Naftali Sonnen berger, der vor einem Jahre aus Deutschland ins Land gekommen war. Er konnte nur noch als Leiche geborgen werden. — Im Hinblick auf den außerordentlich gestiegenen Postverkehr in Tel Awiw hat die Palästina-Regierung beschlossen, in dieser Stadt ein großes Hauptpostamt zu' errichten. Jahr allein 15 Millionen Eier nach Palästina eingeführt worden sind, wird man die Wichtigkeit solcher Betriebe im Lande verstehen. Wenn wir unsere Hühnerfarm vergrößern, werden wir eine Bachura speziell mit der Hühnerzucht, die immerhin nicht so einfach ist, tagsüber beschäftigen müssen. Ein Teil der Chawerim geht auf Außenarbeit in den Pardessim, den Orangengärten, als Tagelöhner oder als Festangestellte, Die Arbeitszeit ist 8 Stunden, der Tagelohn 20 Piaster, eine Bezahlung, mit der man, wenn man allein lebt, gerade auskommt. Jetzt ist hier der „Katif", die Orangenernte, die sich über drei Monate hinzieht. Oft machen starke Regenfälle das Arbeiten unmöglich. Die sonstigen Arbeiten im Pardeß: das Unkraut muß bedeckt werden, oder durch ,das Ackern herausgerissen werden, Beete werden rings um den Orangenbaum angelegt, um das Wasser an die Bäume zu leiten, die Zweige weredn gestützt und gebunden und a. m. Der Acht-Stundentag endet gewöhnlich um 4 Uhr. Wenn man von der Arbeit ermüdet nach Hause kommt, so ist das erste, was man tut, in die „Nicklachath", die Brauseanlage zu gehen und dort eine Dusche zu nehmen. Erfrischt kommt man heraus, wechselt die Kleider und wird wieder „Mensch". Das Abendessen ist die Hauptsache des Tages, denn mittags auf dem Arbeitsplatz macht man nur eine halbe Stunde Pause. Nach dem Essen wird gelernt. Wir lernen in zwei Gruppen. Gemoro mit Meforschim die einen, und die anderen Kizzur und Mischnajos. Schreiben, Gespräche füllen den Rest des Abends. Müde geht man dann um 9 oder ]410 Uhr zu Bett, um am nächsten Tag früh um 5 oder %6 Uhr aufzustehen. So vergeht die Woche, bis der Sabbat kommt. Längeres Schlafen, besseres Essen, mehr Lernen, Besuche sind an sich Dinge, die eine angenehme Stimmung erwecken, kommt noch hinzu, das Sabbatgefühl, das hier in einer harmonischen Gemeinschaft auf eigenem Böden im jüdischen Lande sich so sehr steigert. Wir denken, ungefähr in einem Jahr auf Aguda- Boden in Machne Jisroel angesiedelt zu werden. Unser Ziel wird dann erreicht sein. Bis dahin wird die Erziehungsarbeit im Kibbuz, werden die dauernd gesammelten Erfahrungen, das ihrige dazu tun, um uns die Voraussetzungen für ein Leben als Bauer in Erez Jisrael zu geben. Jüdische Konzession in der Amok-Ebene und Landkäuie im Libanon. Jerusalem, 16. Jan. „Le Commerce de Levante" meldet, daß mehrere jüdische Grundstücksmakler aus Haifa sich bei der Regierung des (im Rahmen der syrischen Republik selbständigen) Sandjaks Alexanfrette um die Uebernahme der Konzession der Entsumpfung des Amokgebietes, ganz im Norden Syriens in der Nähe der türkischen Grenze, bemühen. Der Antrag auf diese Konzession sei bereits im vergangenen Sommer an das Auswärtige Amt in Paris gerichtet worden, das seinerseits die Angelegenheit dem Oberkommissar in Beirut zur Erledigung zuleitete. Syrische und libanesische Abgeordnete sollen sich für die Konzessionserteilung an die Juden verwenden, die in dem Erwerb, der Entsumpfung und dem Wiederverkauf des Geländes bestent. Für das Projekt sind 170 Millionen Frcs, Unkosten vorgesehen. Eine jüdische Ansiedlung in diesen Gebieten ist ins Auge gefaßt. Ferner wird berichtet, daß elsässische Juden im Libanon 12,000 Dunam Land für 45.000 türkische Goldpfund (etwa 75.000 pal, Pfund) aus arabischer Hand erworben hätten, um dort Landwirtschaft nach modernen Prinzipien zu treiben. Aus dem Leben Erez Jisroels. (Von unseren Korrespondenten.) I, Die Olam- und Madhar-Angelegenheit. — Sabbatprozesse in Jerusalem. Jerusalem, 15. Jan. Bekanntlich hat die Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel in Verbindung mit der vierten Alijah in den Jahren 5684 und 5685 nach dem Erwerb des jg ttüiioi la Benzin 31 Pig. pro Liier fr la Oel 80 Plg. an $ Auto-ZuDehör $ Garagen Konsiaöier, Franhfurt a. m^GeiDCTrsctisir. 9