Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1935)
- Date
- 1935-01-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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keite 6 Nr. 2 ' . *; 10.'Januar 1935 auf die Dinge beschränkte, welche allen Juden heilig sind, wenn es vor allem sich zur Aufgabe setzte, jüdischem Geschäftsübereifer und Erwerbs-Auswüchsen durch freundlich persönliche Zurede zu steuern, dann kann auch dieses Unternehmen bei allem Bedenken seine gute Seele haben.**) Wollte doch der Urheber dies s Projektes vor Jahren etwas viel Annehmbareres: einen Weltehrengerichtshof der Judenheit, der .bei gewissem Gebaren den Einzelnen mit Ausstoßung bedrohen könnte. Ein solcher Ehrenr.^t hätte uns, vor zwei Jahrzehnten geschaffen, manche Anfeindung erspart; vielleicht kann er es noch heute in Palästina? Die Hauptsache ist, daß wir uns dessen bewußt bleiben, daß jene G'ttnähe nicht mehr in uns lebt, die dem kontinuierlich seit Mose ordinierten Synhedrion und dem Patriarchat bis zu dessen Aufhebung innewohnte. Je bescheidener und profaner sich eine zukünftige .jüdische geistige Leitung selber empfinden, .wird, um so größer wird zu ihr die Liebe der Unsrigen und die Achtung der Anderen sein. Den Tag herbeizuführen, an welchem Israel wieder ein Volkskörper mit synhedrialem Zentral-Organ wird — das heißt nach Maimonides, den Tag herbeiführen, an welchem-alle Thoragelehrten des Heiligen Landes Thoragläubige und Thorabefolger sind und dazu sich völlig einigen. Die Vorarbeit hierzu aber. kann niemand leisten als der orthodoxe Siedler in oben angedeuteter Siedlung. Das orthodoxe Volk erst wird sich seine orthodoxe Verfassung geben. Erst dann wird uns weltbiologisch wieder eine Rolle zufallen. Und die Abtrünnigen Werden heimkehren und die fremden **) Daran würde das sogenannte „Synhedrion" zu allerletzt denken; sein Alpha und Omega wäre der Natur der Sache nach die „Ritualreform". Red. Religionen uns achten, — am meisten aber die heute Religionslosen, wegen unserer Jakobs- Armut, apya SJIPS »aiP^V Vor.' wenigen Jahren sagte mir ein persönlich orthodoxer Rabbiner von Ruf, die Aguda habe nicht das Recht, in Irgendjemandes Namen Forderungen zu erheben, besonders, in Erez Israel, weil sie nicht in dem Maße wie die zionistische Organisation über Geld und Beziehungen verfüge. Das gerade Gegenteil von dem, was dieser Mann gemeint, trifft zu. 'Nur solange, wie., .man zu den Verfolgten und Verspotteten dieser Welt gehört, — nur solange wie. man wirtschaftlich und gesellschaftlich sich Zurücksetzungen gefallen läßt, um nur nicht im Eifer für Thora und Mizwoth nachzulassen, — nur solange man'in- und außerhalb Erez Israels dem jüdischen Kinde von klein auf beibringt, daß in dieser 'Welt die Herrlichkeit den Anderen gehört und wir nicht Kapitalisten, sondern Kleinstbürger sind, — nur solange hat man ein Recht, im Namen des Thoravolkes zu sprechen. Auch außerhalb des heiligen Landes sollten unsere "irrenden Brüder sich nicht ihrer Macht (und gar ihrer Hilfe für uns!) rühmen; denn iii alledem sind sie die Prüfmittel in der Hand G'ttes für uns. Wenn sie einst m. G. H., hoffentlich aus freiem Antrieb und ohne schwere Heimsuchungen, zu unserer Thora heimgefunden .haben werden, dannwerden sie das gewiß nicht gewesen sein wollen, sondern mit uns in den Wettbewerb des G'tt- Vertrauens ohne Menschenzuversicht treten. Bis dahin sollte es für die Thorabefolger nur den einen Stolz in- und außerhalb des heiligen Landes *j*eben: Möglichst ohne Menschenhilfe und nur auf G^tt bauend das^.Leben zu gestalten und an Anspruchslosigkeit den Mann jedes Handwerks, an G'ttvertrauen alle Glaubenden der Welt zu übertreffen. Korrespondenzen. Deutsches Reich. Die Sitzung der Agudo-Exekutive in Basel. Frankfurt a. M., 7. Dez. ' Dem in1 Warschau erscheinenden Zentralorgan der Agudas Jisroel-Weltorganisation D a r k e j n u; entnehmen wir-folgenden Bericht über die Sitzung der engeren Agudo-Leitung, die Ende Dezember in Basel stattfand: In der Sitzung wurden alle Lebensfragen der Agudas Jisroel und die weitere Entwicklung der agudistischetr Arbeit behandelt. Auf der Tagesordnung ständen zuerst' Or'ganisationsfragen. Es wurde .ein ausführlicher Biericht'- über die Arbeit der. Agudas Jisroel Und ihre Entwicklung in a 11 e n Ländeipj/er- ^statfet. - Besonders'^befriedigend* klängen ü'die' fBe- *richfe "aus Rumänien; wö ätit- Delegierte' der!w*Elt- '■ Agudo, Herr 'SchWarzniann; ' einen starkeä cWideihall :iti*alleii Kreisen deV^Judehtuiris mit seinem- Atifruf 'zur 'Organisierung findet; Alsdann; wurden "die Pläne für die weitere Entwicklung der ägüdistis'chen Arbeit in der ganzen Welt für die Zukunft besprochen. Beschlossen wurde, alle Anstrengungen zu machen, um die Palästina-Zentrale der Gesamt-Agudo nach Erez Jisroel zu verlegen. Bis dies möglich Wiird, .soll die Paiästinä-'Zenträle für die. G e s a m t-Agudo in Warschau dimilizieren. Es1 soll feine' große 'Propaganda für den Keren Hajis'chuw In der gaözen Welt unternommen ' werden. Das B u d g e!t' f&rij die . Erez Jisroel-Arbeit der Agudo für dieses Kalenderjahr wurde festgesetzt'. ' :; / Man erstattete einen 'Bericht über die H;a.chs c h a r a s t ä 11 e'n in den verschiedenen Landern:' Von diesen Hachscharästätten entfallen 60 auf Polen.,,, Es wurde beschlossen; daß für die Zukunft die .Hach- ] scharptn entweder. hahäwerkMc^enjj j' oder- \daMwirt-;; "schaf fliehen Cnarakter trafen' müssen; "ferner 'ist" ein' genauer Plan des Zusammenwirkens zwischen allen Ländern in Bezug auf die Organisation der Hachschara-Arbeit auszuarbeiten. ' Im Laufe des Monats Schwat soll: eine Delegation von Führern der Welt-Agudo nach' Erez Jisroel gehen unter Leitung von J. M. Lewin und unter Teilnahme von Vertretern aus der Slovakei und Litauen. In der Sitzung wurden die Richtlinien für die Delegation ausgearbeitet, in allen Fragen, die auf der Tagesordnung stehen: es handelt sich dabei um das Problem der Beziehungen von Zeirim und Poalim in Erez Jisroel, ferner um die Neuorganisation der dortigen Landes-Agudo und die Abgrenzung der Kompetenzen zwischen den drei Gremien: a)1 Landes- Agudo in Erez Jisroel* b) Vertretung der Welt-Agudo, c) Waad hair Aschkenasi. Alle drei Instanzen sollen' naturgemäß mit vereinten Kräften arbeiten, aber ihre' Arbeitsgebiete sind voneinander zu scheiden. Zu diesem Zwecke soll zunächst die Landes-Agudo von Erez Jisroel neu organisiert werden. Man wird eine Versammlung des ganzen orthodoxen Judentums von :Erez Jisroel zusammen mit den Neüein Wanderern, die sder. Agudo,-zuneigen,1 j. einberufen, .eine, neue jjLeitung wählen und Abteilungen in. allen Städten und Kqlo- ' nien11 ErezT^Jisro'elS Runden. \ , ' ' ' ' | >■ Was die We.I £-[%. g ü d o Tbetrifft, So wird4 in J,e- '-Fus^ll&n -,em geson4ertes. Zeniralbürp mit. den]; Abteil lungen':'' Organisation;r Erziehungswesen, Politik,, Ein-,;W4nderurig| Kolonisation;- errichtet werden. Die wichtigsten Aufgaben; die in der nächsten Zeit bevorstehen, sind die Gründung einer Bank und die Schaffung einer Tageszeitung. Beides sind Lebensfragen..für die Erez Jisroel-Arbeit der Agudas Jisroel. ' ,,( . - Ausführlichi wurde .in der Sitzung über die bisherige* Jischüw^Ärbeit berichtet und mit Befriedigunig festgestellt,' daß die Arbeit zur Wiederbelebung.I der Kolonie Machane Jisroel Früchte trägt und daß bald auf Resultate gehofft werden>kann. Die, Vorbereitungsarbeiteh sind ausgeführt, ein Brunnen i ist gebohrt, ein Traktor erworben, die Felder ^gepflügt undnun ist . man mit dem Bau eines Zentraläe'bäudes ,'• - ' i .. ...... . /j.!lrv.ift " als,. Aufenthaltsort für die Arbeiter und zur Unterbringung deip1; •Gemeinscha^ Wär;0 1 ärn1; ü:n d;M äd^Wr'' befeff#»: sö> beMhdn jetzt große Hoffnungen, daß dieser nahezu 20.000 Dunam umfassende Boden wieder in jüdische Hände gelangen wird. >' '•-■•' In der Frage der Zertifikate wurde festgestellt, daß der bisher für die Bedürfnisse der Agudas Jisroel zur Verfügung gestellte Prozentsatz zu klein ist. und man wird alle Anstrengungen unternehmen, um .diesen Prozentsatz zu steigern. Es wurde beschlossen, die Anstrengungen zur Erlangung der öffentlich-rechtlichen Anerkennung der ortho d o x e n G e m e i n d e n in Erez Isroel -zu verr stärken und es wurden in. dieser Hinsicht Richtlinien ausgearbeitet. Es wurde beschlossen, Talmud Thora- und Beth Jacob-Schulen an allen Punkten des Jischuw zu gründen, um das Netz des orthodoxen Chinnuch nach Möglichkeit zu vergrößern. Weitere Beschlüsse betrafen Anregunigen zür Verstärkung der Sammlungen für die hungernden Deklassierten in. Rußland. Auf der Tatsache fußend,"daß die Bemühungen um das Zustamdebrangen eines jüdischen Weltkongresses glücklicherweise jetzt wohl zunächst überwunden sein werden, beschloß man auf die Schaffung eines Komitees von Vertretern der großen Organisationen hinzuarbeiten, um bei ' der Bekämpfung der wirtschaftlichen Not der Juden ein Neben- und Gegeneinanderwirken zu vermeiden.. Die Teilnehmer an der Sitzung gaben ihrer Befriedigung über die Herausgabe und die Entwicklung des Darkejnu als Zentralorgan der Agudas Jisroel- Weltorganisation Ausdruck und es wurde beschlossen, den» Agudas Jisroel-Organisationen in allen Ländern die Propaganda für dieses Zentralorgan zur Pflicht zu machen. Die Baseler Beratung hat der Arbeit der Agudas Jisroel einen kräftigen Stoß vorwärts gegeben, insbesondere! soweit es sich um Erez Jisroel-Arbeit handelt. ' '. Der Anteil der Nichtarier an der Aerzteschaft. Berlin, 1. Jan. ■ Das „Deutsche Aerzteblatt" veröffentlicht Zahlen. über die nichtarischen Aerzte. Danach gab es bei Beginn der, ^nationalen Revolution 6488 jüdische Aerzte in Deutschland oder 13 Proz. der Gesamtzahl. Im. Jahre 1933 wanderten 578 jüdische Aerzte aus. 1667 nichtarische Aerzte sind von der Kassenpraxis ausgeschlossen worden; von ihnen wanderten fast 50fr aus. 1199 sind in-.Deutschland noch ärztlich tätig, 3641. sind zur Behandlung der pflichtversicherten Bevölkerung zugelassen.. Die restlichen 1070 nichtarischen Aerzte setzen sich aus solchen zusammen, die ihre Zulassung beantragt haben, aus, alten Aerzten oder aus solchen.,, die aus irgend eine^ Grunde schon früher keine Kassenpraxis, gehabt haben. Von den 5900 nichtarischen Aerzten, die heute, noch in Deutschland. leben, sind.2400 Fachärzte, 3500 allgemein praktische Aerzte. Der durchschnittHche Anteil der nichtarischen Kassenärzte an der Gesamtzahl beträgt heute 11,4 Proz. Nach Ausschluß der 1667 nichtarischen Aerzte sind noch 3641 oder 60; Proz; als'KassenärzteT!tatig. ' '"• :-''•: :'* ■■' ''• rt : V C^j'.U'-' ' , : •;; J Jüdische Kassenärzte wieder .bei der Berliner t, jiStädtisqh^ Kranken^ersicher^ :. - * r zttgeiassejr., M .: .<ilV: / "•••(?:' - . t< ■.. B.erilin, 4, Jan. Nftch dem;Mitteilungsblattnder. Städtffjsqhen Kran- .kenV(ersicherungsans.talt,;zu Berlin hat; die{] Hauptver-; Sämmlung der vKrankenversicherungsa^stalt . am 26.. November 1934 einen Beschluß gefaßt, wonach ab f. Januar 1935 die zu den gesetzlichen Krankenkassen zugelassenen oder für diese Kassen zulassungsfähigen- Aerzte, Zahnärzte und Dentisten zur Behandlung der Versicherten der Krankenyersicherunigsanstalt berechtigt sind. .Durch.1 diesen Beschluß sind auch, wieder die;jüdischen: Kassenärzte,, die», zu /gesetzlichen Krankenkassen; zugelassen\sind, •.berechtigt, .Mitglieder der Berljiner., iKrankenversicherungsanstalt zu?- behandebi. '•.??:• , V; .. >1 - . . .;• ■ Die Wiederaufbau-Kredite der, Foundation. Berliji, 4; Jan. Wie der ITA. mitgeteilt wird, wurden in der letzijtßn'|}§itzüng desr:5 ^u^dnoElW&Ä ''hr', -292