Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 48 (29.11.1934)
- Date
- 1934-11-29
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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29. November 1934 Der Israelit Nr. 48 Seite 13 Vermischtes. . Frankfurt a. M., 25. Nov. In der „Frankfurter Zeitung" vom 16. Nov. 1934 lesen wir: Deutsche Rohstoffe für Speise-Eis. Bei der Herstellung von Speise-Eis dürfen nach den geltenden Bestimmungen außer Stärkemehl nur "Tragant und Obstspektion zugesetzt werden. Bei den beiden letzten Bindemitteln handelt es sich im wesentlichen um ausländische Erzeugnisse. Der Reichsminister hat angeordnet, daß in Zukunft auch die Verwendung von Gelatine für die Bereitung von Cremeis, Fuchteis und Rahmeis zugelassen ist, da bei der Herstellung von Lebensmitteln nach Möglichkeit auf deutsche Roh- und Zusatzstoffe zurückgegriffen werden soll. (Gelatine ist bekanntlich trepha. Red.) Briefkasten. «» E. N. Gießen. Die Barmizwoh ist am ru 'B. J. Gr. in Darmstadt. Die Zählung beginnt nach der nö'aer, so daß als Jowel das fünfzigste Jahr gilt. Russisch-Jiddisch. Ihre Unterschrift ist vollkommen unleserlich und Ihre Anfrage daher nicht direkt zu beantworten. Sie können sich ohne weiteres an die hiesigen jüdischen Buchhandlungen, deren Firmen ja bekannt sind, wenden. O. K. in London. Sie haben recht, die Erzählung steht im Talmud „Taanith" und darf nicht als „Fabel" bezeichnet werden. Diese Bezeichnung bezieht sich auf eine Serie anderer kleiner Erzählungen, der der Autor auch diese Agada eingereiht hat. Familien-Nachrichten. Barmizwoh: Jacob, Sohn des Herrn Mendel Hasenkopf, Ffm., Rückertstr. 52, rar, Synagoge Hans Handwerkstraße 31. — Sigmund, Sohn des Herrn Max Wolf, Ffm., Schützenstr. 12, Seitenbau, na» p,;r3, Synagoge Friedberger Anlage. Verlobte: Perl Jwanier, Karlsruhe/B., Schmiel Brodmann, Rotterdam, i5>03 '"n. 6 0. Geburtstag: Frl. Rosa Bär, Hanauerlandstraße 30, 29. November 34. Die Frankfurter Woche. Die Freitagabendveranstaltungen der Israelitischen Religionsgesellschaft. Man schreibt uns: Die Erwartungen, die man an den Verlauf des ersten Abends dieser Neueinrichtung geknüpft hatte, wurden in jeder Beziehung erfüllt und teilweise sogar übertroffen. Eine schabbosgestimmte, von viel Jugendlichen und auch älteren Herren zusemmengesetzte Hörerschaft war bereits kurz nach 8 Uhr versammelt, als Sally Ansbacher namens der Jugendlichen den von Ha'rtog H a r t o gs o h n geleiteten Abend mit herzlichen Worten eröffnete und die Anwesenden, besonders aber unsern Raw und den Kehillopräsidenten, Herrn Philipp Posen, willkommen hieß. Unser Herr Rabbiner bewies dannin einer kernigen Ansprache, wie notwendig es gerade heutzutage sei, den unverfälschten Kehillogeist zu pflegen; denn nicht schöne Formulierungen allein könnten uns lichteren Zeiten entgegenführen, echtes Judentum müsse man leben! Dr. S. Ehrmann, temperamentvoll und treffend wie immer, griff die zurzeit wieder aktuellen ,,Oneg Schabaf'-Zusammenkünfte auf und bewies, eine Stelle aus Rabbiner Hirschs Gesammelten Schriften zitierend, daß — entgegen einer Angabe in einem jüdischen Wochenblatt — daß die sogenannte „Separatorthodoxie" nicht allein ein „Blättchen Gemore" lerne an diesem Tage, sondern es immer verstanden habe, echten Schabbosgeist in sich aufzunehmen und in " die Woche zu verpflanzen. Redner gab dem Wunsche Ausdruck, daß weite Kreise der Judenheit hoffentlich bald den alten und wahren Schabbos leben mögen. Die Ausführungen der Redner waren umrahmt von Sologesängen des Herrn Luai und gemeinsam gesungenen Semiraus. In den kleinen Pausen tat man sich gütlich an den gereichten Erfrischungen. * . * * Am kommenden Freitagabend, 30. November, abends 20.15 Uhr, spricht im Hörsaal Friedbergeranlage 6, neben Anderen Herr Redakteur Schachn o w i t z. Erneut laden wir besonders die Jugendlichen dazu herzlich ein. Auch Nichtgemeindemitglieder sind herzlich willkommen. Schiurim des Gemeinderabbmers. Im Rahmen des regelmäßigen Talmud - Schiurs des Herrn Gemeinderabbiners ist a nos 'on beendet und mi rniay 'on nunmehr begonnen worden. Der Schiur findet regelmäßig zu folgenden Zeiten statt: Sonntag Morgen 9 Uhr, Dienstag und Donnerstag Abend 8.30 Uhr im Hause des Gemeinderabbiners, Fichtestr. 5. Der Beginn des neuen Traktates bietet Gelegenheit zum Hinzutritt neuer Teilnehmer. Vorträge des Gemeinderabbiners, Der Agada-Vortrag des Herrn Gemeinderabbiners im Hörsaal fällt wegen des Chanuka-Lichtanzündens am Sonntag, den 25. Kislew, aus. Am Sonntag, den 3. T e w e s , spricht der Herr Rabbiner im Rahmen dieser Agada-Vorträge nach dem Maariw - G'ttesdienst in der Synagoge selbst über: „Ein Wort des .Chanuka- Liedes". Am Samstag, den 9. T e w e s (Vorabend des Fasttages) um 8.30 Uhr abends hält Herr Rabbiner den zweiten seiner religiösen Vorträge dieses Wintersemesters über: ,, G'tteswaltung und Erzieh u n g". Dieser Vortrag findet in der Turnhalle der Realschule, Am Tiergarten 8, statt. Zu den beiden Vorträgen haben auch Damen Zutritt. Schüleraufnahme in die Israelitische Volksschule. Die Anmeldung schulpflichtiger Kinder zur Einschulung in die Grundschule iindet vom 3. bis 7. Dezember von 12—13 Uhr im Amtszimmer, Röderbergweg 29, 1., statt. Bei der Anmeldung sind Geburts- (Familienstammbuch) und Impfschein vorzulegen. Pädagogische Woche des Philanthropins. Das Philanthropin veranstaltet vom 25. bis 30. November eine Pädagogische Woche, in der an Hand des praktischen Unterrichtes durch Ausstellungen, künstlerische Darbietungen und Vorträge Sinn der Schularbeit gezeigt und zugleich das Jubliäum des 130jährigen Bestehens der Anstalt begangen werden soll. Ein akademischer Festakt in der überfüllten Aula der Schule leitete die Woche ein. Der Leiter der Anstalt, Direktor Dr. Driesen, begrüßte insbesondere die Vertreter der Gemeinde und Verbände, brachte eine Botschaft des Präsidenten der Reichsvertretung der deutschen Juden, Rabbiner Dr. B a e c k , Berlin zur Verlesung und konstatierte — trotz des Fehlens jeglicher offiziellen Vertreter der gesetzestreuen Judenheit Deutschlands — daß die Versammlung ein Spiegelbild der Gesamtheit der deutschen Judenheit darstelle. Heimat, Glaube, Menschheit stehe auf dem Banner der Schule geschrieben. Kraft, Einheit, Tiefe sei das Motto der Woche. Anschließend an die Worte des Direktors überbrachte San.-Rat Dr. E 111 i n g e r die Grüße des Schulrates. Justizrat Dr. Blau sprach namens der Jüdischen Gemeinde, die das Philati thropin als eines ihrer liebsten Kinder betrachte. Für die Reichsvertretung der deutschen Juden sprach Ministerialrat Hirsch, Stuttgart und schließlich Rektor Dr. Stern, Berlin für den Reichsverband jüdischer Lehrervereine Deutschlands. Orgel- und Chorvorträge, dargeboten von Schülern und Schülex-innen unter dem Dirigentenstabe von Frank Rothschild, umrahmten die Feier, die den Auftakt zu einer Woche der Schau einer jüdischen Schule darstellen soll, einer jüdischen Schule in dieser Zeit. Hoffen wir, daß die Woche mehr Jüdisches zeige als die Eröffnung. Unmittelbar an die Eröffnungsfeier schloß sich die praktische Arbeit an. Den Reigen der Referate eröffnete Studienrat Siegmund Hirsch über „Den Geist des Philanthropins im Lichte der Schriften seiner Lehrer". Der Nachmittag war einer Tagung der Mitglieder des Reichsverbandes der jüdischen Lehrervereine Deutschlands gewidmet, während abends ein Kunstabend „Jüdisches Erleben im deutschen Kulturkreis" stattfand, in dem u. a. ostjüdische Lieder von Herbert Fromm uraufgeführt wurden. Die weiteren Tage waren der Einführung in die Unterrichtsmethoden des Philanthropins gewidmet. Neben Deutsch-Kunde, lebenden Sprachen, Erziehung zur Freude als sittlicher Grundhaltung wurde jüdische Bildung behandelt. Den Höhepunkt der Woche bildete die Uraufführung eines „König Saul" betitelten Spieles, geboten von der Spielschar der Schule. Zum Abschluß der Woche findet am Freitag zwischen 6 und 7 Uhr ein „Freitag-Abend" unter Leitung des neologen Jugendrabbiners Dr. L e m 1 e statt, über den zu berichten der Berichterstatter sich ersparen kann, da das Programm dieser Veranstaltung Bericht und Kritik zugleich ist: An den Sabbat von Jehuda Halevi — Weihespruch über die Kerzen (Sabbatbeginn 4.00 Der Ber.) — Scholaum Alechem — Kiddusch — Euren Ruf im Herzen von K. Wolfskehl — Jaum seh lejisroel — Ansprache — Am jisrael chai — Träume Josephs von Thomas Mann — Schir hamaalos. (Wir kommen auf die historische Grundlage dieser Philanthropin-Feier noch zurück. Red.) Aufnahme in Hachschara des Noar Agudati. Vom Noar Agudati werden wir gebeten, alle Bewerber und Bewerberinnen um Aufnahme in eine Hachschara des N. A. 'für nächsten Frühling aufzufordern, jetzt schon der Leitung davon Mitteilung zu machen, damit die entsprechenden Vorarbeiten rechtzeitig geleistet werden können. Diejenigen, deren Meldung erst in letzter Minute erfolgt, müssen damit rechnen, daß ihre Unterbringung nicht mehr erfolgen kann. Die Zulassung von Jungens und Mädels zur Hachschara-Ausbildung ist neben der allgemeinen charakterlichen Eignung und jüdischen Zuverlässigkeit von einer gewissen jüdischwissensmäßigen Grundlage abhängig, die, falls sie noch nicht vorhanden ist, erworben werden soll. Es sei auf die Notiz in voriger und auf den Artikel in dieser Nummer verwiesen. Alle Einzelheiten werden wir auf Anfrage gerne mitteilen. Chanukafeier im Verein Mekor Chajim. Der Verein Mekor Chajim veranstaltet am Mittwoch abend — nsian — 8.30 Uhr abends, im Vereinslokal Hans Handwerkstr. 18 ein Gemütliches Beisammensein (bei freiem Eintritt). Es sind eine Reihe von heiteren und musikalischen Darbietungen vorgesehen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht eine Chanukaansprache des Herrn Redakteur S. Schachnowitz. Für eine gediegene Ausgestaltung des Abends wird beste Vorsorge getroffen. Herren und Damen sind herzlich willkommen.' Synagogalkonzert. In der großen Reihe der Veranstaltungen dieses Winters wird das Max Neumann'sche Synagogalkonzert am Sonntag abend im Vereinshause seine Stellung behaupten. An der Spitze stand ein „Lecho Daudi" mit Kantor (Benno Ziegler) und Chor, eine Komposition von Max N e u m a n n , die alte Lecho daudi-Motive in neue, gut geschliffene Formen einzufangen sucht. Auf seine Wirkung wird das Opus erst dann richtig einzuschätzen sein, wenn wir es zur rechten Zeit und am rechten Orte: am Freitagabend in der Synagoge, hören. Es folgten noch andere Stücke von Heinrich Bornstein und Benno Z i e g 1 e r , alles hebräisch und alle neun Nummern, von Anfang bis zum Ende, lauter gute, altverträute Bekannte aus Tefilloh und Machsor. Der Synagogenchor war ausgezeichnet in Form und die kleinen Solisten, J. Brandstädter und Adolf Keßler, sangen sich, wie immer, hell und glockenrein in die Herzen des Publikums. Im Allgemeinen ist zu sagen: Benno Ziegler ist der Sprung von „Aida" zu „Lecho daudi" gar nicht schlecht bekommen. S o das „Mah tischtochachi", das „Wehogen bäadenu" oder das „Liwrochoh welau likloloh" im Talgebet kann nur einer singen, der nicht nur den Text versteht, sondern von ihm ganz durchdrungen ist. Heinrich Bornsteins Baß gewinnt von Mal zu Mal an Kraft und Schönheit. Er strahlt einen warmen Glanz aus, der in manchen Partien, so etwa in Raheis Klage um ihre Kinder, geradezu bestrickend wirkt. Der ausgezeichneten Schulung gesellen sich Impulse, die nicht vom Notenheft, sondern aus dem Inneren heraus kommen. Weiter ist zu bemerken, daß die Herren am Klavier und Harmonium (Dr. S a 1 o m o n und M. Firnberg) das Ganze nicht allein mit den Fingern, sondern auch mit der Seele begleiteten. Es war alles in allem eine Neumann'sche Leistung, und das bedeutet eine gute Leistung. Henriette Besthoif-Hort für jüdische Mädchen. Freunde und Gönner des Henriette Besthoff-Horles für jüdische Mädchen sind herzlich zu' einer kleinen Chanuka -Auf führ u n g eingeladen, die unsere Zöglinge am Montag, den 3. Dezember nachm. 4.30 Uhr, pünktlich in der Turnhalle der Israelitischen Volksschule, Röderbergweg veranstalten. Die Leitung bittet die großen und kleinen Gäste um pünktliches Erscheinen, da die Turnhalle nur bis 6 Uhr zur Verfügung steht. Künstlerischer Abend zu Chanuka. Samstag, den 8. Dezember, 20.15 Uhr, findet in der Frankfurt-Loge ein künstlerischer Abend anläßlich des Chanuka statt. Alfons Fink, früher am Kabarett der Komiker in Berlin, hat die Conference übernommen. Weiter wirken noch mit: Heinrich Bornstein (Baß), Theo R a t n e r (Violine), Sofie Seligmann (Rezitation). Am Flügel: Dr. Willy S a 1 o m o n. Ein Chanukakinderiest. Unter Leitung von Frl. Ilse Stern findet am Montag, den 10. Dezember im großen Saale des Vereinshauses, Eschersheimerlandstr. 27 ein Kinderfest mit reichhaltigem Programm statt. Außer Frl. Stern wirken noch mehrere kunstbegabte Damen mit der Vorführung von Kinderballets und Theaterspielen mit, die den Kindern und Erwachsenen echte Chanukafreude bieten werden. Beginn punkt 3.30 Uhr nachmittags. Karten zu 60 Pfg. sind in der Konditorei Grünebaum wie an der Kasse zu haben. Im Zigarrenhause J e i d e 1 , Sandweg 6, erhalten Sie Zigarren und Zigaretten in reichster Auswahl und allen Preislagen. Wer hier einmal seinen Bedarf gedeckt hat, kommt wieder. Das Geschäft ist am bti geschlossen und verdient schon deswegen volle Berücksichtigung in allen gut jüdischen Kreisen. Im Friseurladen von F. Weiß, Rechneigrabenstraße 17 finde« Sie nach wie vor erstklassige Bedienung. Es ist das einzige jüdische Geschäft am Platze, das am cvi nae? streng geschlossen ist und schon aus diesem Grunde, aber auch wegen seiner Leistungsfähigkeit weitgehendste Unterstützung verdient.