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Der Israelit · 1934-10-18 · Heft 42 (18.10.1934) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 42 (18.10.1934)
Date
1934-10-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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1934 18. Oktober 1934 Der Israelit Nr. 42 Seite 9 genommen, da sie an die Möglichkeit einer zwangs- , weise durchgefühften Unifizierung glaubten. Aus diesem Grunde begann ein jahrzehntelanger Kampf zwischen den leitenden Männern der beiden großen* jüdischen Lager. Diesem Bruderkampf bereitete der Weltkrieg ein Ende. Die gemeinsamen Pflichten und Leiden haben die beiden gegnerischen Lager einander nahegebracht, ohne indessen' — aus unüberbrückbaren prinzipiellen Gegensätzen heraus — die Vereinigung je zu ermöglichen. Moritz Mezey selber hatte als seinerzeitiger Präsident des Kongreßjudentums die Unifikationsidee aufgegeben und die Notwendigkeit der Sonderstellung des orthodoxen Judentums anerkannt, so daß das Verhältnis der beiden Landeskanzleien immer inniger wurde. Diese Lage ist auch nach dem Kriege und in der Gegenwart — unter den Präsidentschaften des Barons Adolf Kohner und derzeit des Hofrats Samuel Stern — erfreulicherweise unverändert geblieben. Die Einberufung des neolog-jüdischen Landeskongresses entspricht daher einem dringenden Bedürfnis. Auch die Orthodoxie wird daran gehen, ihre Autonomie auszubauen, und es ist für das gesamte ungarische Judentum wichtig, daß die beiden Autonomien aufgefrischt und ausgebaut werden. Jede hat ihre speziellen Aufgaben, wenngleich es naturgemäß gewisse Übereinstimmungen und gegenseitige Auswirkungen gibt. Wie gesagt, auch wir sind an dem bevorstehenden Kongreß interessiert, bestehen doch bestimmte Berührungspunkte, wo die Interessen der Orthodoxie tangiert werden können. Wir sind fest davon überzeugt, daß die Führer des neologen Judentums alles unterlassen werden, was die Rechte der Orthodoxie, schmälern könnte, um keinen neuen Bruderkampf heraufzubeschwören. Bei einigem Wohlwollen kann der Ausbau der beiden Organisationen unter Ausschaltung jeglicher Meinungsverschiedenheit so durchgeführt werden, daß sie zum Wohle des gesamten Judentums nebeneinander arbeiten können. Die Zeiten sind übrigens heute nicht danach, Differenzen zu suchen. Das gesamte Judentum lebt heute in einer so schweren Situation, daß man wenigstens nach innen den Frieden aufrechterhalten muß. Von diesen höheren allgemeinen Gesichtspunkten begrüße ich es mit Freuden — so schloß Präsident Kahan-Frankl das Interview — daß das neologe Judentum seine Autonomie in richtiger Erkenntnis der universellen jüdischen Interessen und in Berücksichtigung der unveränderten Sonderstellung der Orthodoxie, wie auch in Anerkennung ihrer separaten Autonomie, ausbaut. Holland. Edwin Samuel in Holland. Amsterdam, 10. Oktober. Der stellvertretende Leiter des ImmigfationsamteS der Palästinaregierung, Edwin Samuel, der auf seiner Inspektionsreise durch die Länder der jüdischen Auswanderer aus Europa nach Palästina im Anschluß an seinen Aufenthalt in Berlin Holland besucht hat, hielt dort Besprechungen mit Funktionären der englischen Gesandtschaft und mit dem holländischen Emigrationskommissar der Jewish Agency, Dr. I. Cohen, in Rotterdam ab. Edwin Samuel informierte sich über alle Fragen der Hachscharah in Holland und der Auswanderung von aus Deutschland stammenden Juden und holländischen Chaluzim nach Palästina. Weitere Besprechungen fanden zwischen Edwin Samuel und den Leitern des Hilfswerkes für deutsche Auswanderer, sowie dem Sekretär des Keren Hajessod in Holland, Dr. B. A. Kahn, statt. Polen. Um den Sabbat in Lemberg. Lemberg, 12. Oktober. In dem Maße, wie sich Lemberg in letzterer Zeit europäisierte, griff auch die Sabbatentweihung immer bedenklicher um sich. In manchen vornehmen Geschäftsstraßen, in denen früher der Verkehr am Sabbat-ruhte, ist der Sabbat leider so gut wie gar nicht mehr zu finden. Das Rabbinat und der von der Aguda gegründete Schomre Schabbos-Verein führen einen schweren .Kampf gegen die Sabbatentweiher. Am rnitP TOBP setzte in einer der großen Schulen vor dem Ausheben der Thora spontan eine lebhafte Demonstration gegen die Pflichtvergessenen ein. Man ließ sämtliche Dajanim holen, und verpflichtete sie, daß sie selbst auf die Straße hinausgingen, um nach dem Rechten zu schauen und denen ins Gewissen zu reden, die selbst an den Sabbaten vor und zwischen den heiligen Feiertagen ihre Ware wie an Wochentagen ausbieten. Jüdische Fischhänd- Die Woche. Haag. Der Maler Isaak Israels, der Führer der holländischen Impressionisten und Sohri des berühmten Josef Israels, ist an den Folgen einer Verletzung, die er bei einem Autounfall erlitten hatte, 62jährig, gestorben. Warschau. Am Abend des 9. Oktober sind vom Warschauer Bahnhof zwei Züge mit insgesamt über 1100 jüdischen jungen Leuten . nach Palästina abgefahren. Der eine Zug nahm den Weg über Rumänien, der andere über Italien. Eine vieltausendköpfige Menge gab den Auswanderern das Geleite und ein großes Polizeiaufgebot wachte über die Ordnung. — Die Gattin des Marschall P i"l s u d s k i, Ehrenvorsitzender des städtischen Wohlfahrtswesens, hat angeordnet, daß für die jüdischen Kinder in den städtischen Wohlfahrtseinrichtungen rituelle Verpflegung besorgt wird. Das Rabbinat war an Frau Pilsudski herangetreten, nachdem all seine Bemühungen beim Stadtrat vergebens waren. Man wird diese Maßnahme richtig werten, wenn' man erfährt, daß 60 Prozent der jüdischen Schulkinder in Warschau unterernährt sind und ihr größter Teil auf die öffentlichen Wohlfahrtseinrichtungen angewiesen ist. Belgrad. In der slavonischen Hauptstadt E s s e g kam es infolge des falschen Gerüchtes, der Mörder des König Alexander wäre ein Jude, zu antijüdischen Unruhen. Die Polizei schritt energisch ein, und nach der Feststellung, daß der Mörder nicht nur kein Jude sei, Sondern sogar einer antijüdischen Terrorgruppe angehöre, beruhigte sich das Volk. Prag. Die Tschechische Akademie der Wissenschaften und Künste hat einen von Prof. Dr. K. W e i g n e r redigierten Sammelband erscheinen lassen, in dem die tschechische Wissenschaft zu den Ergebnissen kommt, daß es kein rassenreines europäisches Volk gibt und daß eine einseitige rassenmäßige Zuchtwahl biologisch nicht möglich sei. Paris. Ueber Unruhen in Siliana in Tunesien berichten französische Zeitungen. Auf dem Wochenmarkte wurden jüdische Kaufleute angegriffen und jüdische Bazare ausgeplündert, ein Jude wurde schwer verletzt. Ein weiteres Umsichgreifen der Unruhen verhinderte die Polizei. London. Sir Herbert Samuel mußte sich am 12, Oktober einer Operation unterziehen, die gut verlaufen ist. Das Befinden des Patienten ist zufriedenstellend. Haifa. Am 14. Oktober wurde durch die kürzlich fertiggestellte Rohrleitung das erste Erdöl aus den Quellen im Irak gepumpt. Das Oel wird vorläufig in den großen Tanks gelagert; Ende dieses Monats werden die ersten Verschiffungen vorgenommen. Jerusalem. Der Verwaltungsüberschuß der Palästinaregierung betrug nach soeben veröffentlichten amtlichen Ziffern Ende August Lst. 3,354,000, was einem vollen Jahresetat entspricht. ler verkauften sogar am Sabbat ungestört ihre Fische und fänden üdische Kundschaft. Am ö'Tfin n3W kam es auf dem Krakauer Platz zu einer großen Schlägerei zwischen Händlern und chassidischen Gruppen, die die ersteren wegen ihres Verhaltens zur Rede stellten. Am letzten Sabbat überfielen einige Händler sogar die Dajanim, die sich auf dem Markte zeigten. Einer von ihnen holte die Polizei herbei und zeigte den Dajan Rabbi Rapaport an, daß er ihn in seinem ehrlichen Handel störe.' Der Rabbiner wurde abgeführt, bald darauf aber wieder freigelassen. Das Rabbinat steht den gewissenlosen Händlern machtlos gegenüber. Es sucht nun einen moralischen Druck dadurch auf sie auszuüben, daß es durch in sämtlichen Synagogen angebrachte Bekanntmachungen strengstens verbietet, die Sabbatentweiher in Gemeindeämter zu wählen oder sie mit irgendwelchen Ehrenfunktionen auszuzeichnen. Ein Rabbinerverband im litauischen Polen, Wilna, 15. Oktober. Ein Verband der Rabbinen und Jeschiwaleiter im polnischen Randgebiet bekam nunmehr die Legalisierung und Genehmigung ihrer Statuten. Zweck des Verbandes ist die Hebung der Thora, der Jeschiwoth und des Rabbinerstandes. Die erste konstituierende Sitzung findet in Baranowicz, am Dienstag, den 16. ds. Mts., statt, zu der alle angesehenen Thoralehrer des Wilnaer Gebietes ihre Beteiligung zugesagt haben. Es werden auf der Konferenz mehrere Referate gehalten und die Statuten festgesetzt. Tsehechoslovakei. Landesversammlung der Agudas Jisroel in der Slovakei. Bratislava, 9. Oktober. Nach zehnjähriger Pause trat auf Grund gründlicher Vorbereitungen zu Beginn dieser Woche eine Delegiertenversammlung der tschechoslovakischen Ortsgruppen der Agudas Jisroel in Bratislava zusammen, um die Berichterstattung über das während der abgelaufenen Periode Geleistete entgegenzunehmen und eine Intensivierung der Arbeit in den Ortsgruppen sowie auch der Zentrale in die Wege zu leiten. Die Bedeutung der Tagung wurde insbesondere dadurch gekennzeichnet, daß die Exekutive der Agudas Jisroel-Weltorganisation eines ihrer führenden Mitglieder, den Präsidenten der polnischen Agudas Jisroel, J. M. L e w i n aus Warschau, beauftragt hatte, an der Tagung teilzunehmen. Außerdem war vom Wiener G. A. der Agudas Jisroel der greise Rabbi Wolf Pappenheim erschienen. Die führenden orthodoxen Rabbonim des Landes sowie zahlreiche Delegierte aus den meisten Ortsgruppen füllten den Versammlungssaal, als Marcus Fürst, der Präses, der Ortsgruppe in Bratislava, die Tagung am Sonntag Nachmittag eröffnete. Als erster hielt Oberrabbiner Schreiber, Bratislava eine anfeuernde Begrüßungsansprache. Wenn 10 Jahre seit der vorigen Delegiertenversammlung verflossen seien, so müsse man sagen, daß die ideelle und organisatorische Notwendigkeit der Agudas Jisroel in diesem Dezennium um das Zehnfache gestiegen sei. Der bisherige Vizepräsident der slovakischen Landesorganisation, Oberrabbiner S. D. U n g e r , Nitra, rief vor allem die Jugend zu einer echt jüdischen Hachschara auf, einer Hachschara zu jüdischer Lebensweise, jüdischer Ueberzeugung, zur Anerkennung und Heilighaltung der Thora. Als Vertreter der Jugendorganisation legte Akiba Ungar im Namen von 2500 organisierten Jugendlichen das Bekenntnis zur Agudas Jisroel ab. Die Jugend wolle mitarbeiten und wolle insbesondere für den Jischuw Erez Jisroel, den sie als Thoraideal betrachtet, ihr Scherflein beitragen. Der Generalsekretär der Organisation, Jacob Joel Braun, Bratislava, dessen eifriger Vorbereitungsarbeit das Gelingen der Veranstaltung insbesondere zu danken war, erstattete ein ausführliches Referat über die bisherigen Erfolge der Landesorganisation und ihren zukünftigen Weg. Schon die beiden uns heiligen Worte „Agudas Jisroel" bedeuten ein Programm: die Einigkeit und Einheit des Judentums, aber die Einigkeit und Einheit auf dem Boden echt jüdischer Treue und Glaubensstärke. Der während des Braun'schen Referates aus Warschau eingetroffene Vertreter der Exekutive, Herr J. M. Lewin, ergriff dann das Wort. Aus seiner Rede, die Beifallsstürme entfesselte und die inhaltlich und rhetorisch ein Meisterwerk war, sei folgendes wiedergegeben: Noch nie befand sich das jüdische Volk in einer solchen Bedrückung wie heute. Eine Wirtschaftskatastrophe von ungeahnten Dimensionen, eine po- » ■■mmmm rmmmw,

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