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Der Israelit · 1934-09-06 · Heft 36 (6.9.1934) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 36 (6.9.1934)
Date
1934-09-06
Page
– (sequence 17)
Language
German
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6. September 193^ Der Israelit Nr. 36 Seite 17 Kinderecke, Der „Kopf des Jahres-" t\iW7l heißt wörtlich „Kopf des Jahres", weil der Tag führend und bestimmend für das Jahr ist wie der Kopf für den menschlichen Organismus. Alte hübsche Bräuche am Roschhaschonoäbend werden mit dem Segensspruch begleitet: >22& S^l WXlb ">X2W V7P „Es sei Dein Wille, daß wir zum Haupte und nicht zum Schweife werden." Die Quelle dieser Segensformel ist in M. V (K13D 'D) enthalten, wo es in der Reihe der Segnungen heißt: hdö1? "»nn xbi rb?Kb pi rrvn 221b *6i p'rnV n "pn „Es mache Dich, G'tt, zum Haupte und nicht zum Schweife, auf daß Du immer oben und nie unten bist." Dieser Wunsch mag sich wohl für die, die den Sinn der Thora nicht verstehen, etwas überheblich anhören. Wie das aber in Wahrheit gemeint ist, sagt uns Rabbiner S. R. Hirsch in seinem Kommentar: Der Kopf führt die Füße auf den rechten Weg, der Schweif folgt nach. Wenn Israel die eigenen Wege aus dem Auge läßt und fremde Bräuche nachahmt und nachäfft, dann spielt es die traurige Rolle des 211' Wir aber wollen im religiösen Leben, unsere, das heißt G ' 11 e s Wege, ohne Rücksicht auf die Welt, gehen, darum unser Wunsch am Festabend: WKlb ViT»» Denn nur so können wir oben bleiben nach dem Segen der Thora: nbüttb pl fl"ni- Wir fliegen- Von Heinrich Einstädter. Wir fliegen! Kaum haben wir es richtig begriffen, da hat sich schon die Maschine in Bewegung gesetzt, hat uns emporgehoben über die alte Erde, der wir Tag und Nacht angehaftet hatten, seitdem wir leben, und hat uns entführt in weglose, hindernisfreie, unbegrenzte Höhen. So viel Neues stürmt auf unsre Sinne ein, daß wir keine Zeit finden, unsre Gedanken zu ordnen. Zu schnell wechseln die Bilder. Die vielen Eindrücke können gar nicht haften bleiben. Wir vermögen nicht, so schnell zu denken, wie die Wahrnehmungen einander folgen. Häuser, Bäume, Straßen, Städte und Wälder entschwinden unsrem Auge. Berge werden zu Hügeln, Hügel zur Ebene, während wir darüber wegfliegen. Was sich bisher uns entgegengestellt hat, ob Feld, ob See, ob hoch, ob tief, das alles breitet sich jetzt unter uns gleich einer Landkarte aus, über die wir in rasendem Fluge hinwegsausen. Aber während wir uns nun vergeblich nach einem Ziele umschauen, da alles um uns und unter uns in Nebel und Wolken zu versinken scheint, als wir gerade noch ängstlich nach einem Stern wie nach dem einzigen Halt und dem einzigen Licht zu suchen beginnen, da senkt sich plötzlich unser Flugzeug. Die Oberfläche der Erde erscheint wieder, noch schneller als sie uns entschwand, und ehe wir es noch erwartet haben, landet die Maschine, und wir entsteigen ihr wie einem Traum, der uns in unsrem halbwachen Zustande kaum richtig zum Bewußtsein kommen will. — Wir fliegen! Auch unser Leben geht dahin wie im Flug. Du warst ein kleines Kind, lagst Tag und Nacht in deinem Bettchen. Warst der Erde verhaftet, klebtest gleichsam am Boden. Doch wie deine Sinne erwachten, da erhob sich auch der Trieb, von der Erde loszukommen. Du wolltest getragen werden, lerntest gehen, springen, hüpfen, klettern. Immer höher hinaus wolltest du, bis du schließlich sogar nach den Sternen am Himmel griffest. Aber .wenn aus dem Knaben erst ein Jüngling, aus dem Mädchen eine Jungfrau wird, da wächst die Lust, aus der gewohnten Umgebung hinauszukommen, — ein Streben, das an und für sich gewiß nicht verwerflich ist. Doch wenn der junge Mensch erst die Heimat verlassen hat, dann fühlt er oft erst die Fesseln, die ihn am Boden halten. Er gewahrt die vielen Bindungen der Religion, und Sitte, die mannigfaltigen Gesetze und Gebräuche, die ihn an der Erreichung vieler seiner Wünsche hindern. Wehe ihm, wenn er sich verführen läßt, seinen Augen und Ohren zu folgen und sich über die religiösen Pflichten hinwegzusetzen! Schneller, als er es gewollt, sieht sich der sündige Mensch seinem bisherigen Kreise entrückt. Die Lust nach Reichtum und Genuß führt ihn mit Windesflügeln über alles Hemmende hinweg. Berge und Täler entschwinden seinen Augen, wie eine Ebene scheint sich das Leben vor ihm auszubreiten. Doch wie schnell sieht er sich enttäuscht! Aus einem Taumel, dessen Sinn er nicht begreifen konnte, der ihm nicht die Muße zu ruhigem Ueberdenken läßt, wird er unwiderstehlich gerissen in eine Leere, die ihn erschreckt und ängstlich nach einem Halt und einem Lichtstrahl, der ihm den Weg zeigt, ausblicken läßt. Heil ihm, wenn es ihm noch gelingt, dem Verderben zu entrinnen, wenn er vermag, sein Lebensschiff mit starker Hand zurückzulenken zu dem sicheren Hafen. Wenn dieses „Zurück" ihn aus dem Taumel eines verfehlten Lebens hinführt zu stiller Besinnlichkeit, in der er die Irrtümer seines Lebens zu überdenken vermag und erkennt, was gut ist und was G'tt von uns fordert: „Nichts anderes als Recht zu üben, Liebe zur Tugend und bescheiden zu wandeln vor G'tt!" Hillel. Von Dr. med. J. Weigl s. A. (Fortsetzung.) VI. Der Strom, der des Menschen geistiges Ackerland befruchtet und zu gutem Gedeihen der Saat führt, ist das Studium der Thora. Es zu pflegen, war Hillel die wichtigste Aufgabe. Er sagt: „Sprich nicht: .Wenn ich erst einmal Zeit habe, dann werde ich lernen. Vielleicht gelangst du nie zu freier Zeit." Er sagt ferner: „Der Geistesleere kann nicht Furcht vor der Sünde haben, und der Unwissende kann nicht fromm sein, und der Schüchterne wird nichts lernen, und der Zornmütige kann nicht lehren; wer mit dem Erwerb sich allzuviel zu schaffen macht, kann nicht weise werden; an einem Orte, wo es keine Männer gibt, sei du bestrebt, ein Mann zu sein!" Er spricht weiter: „Viel Fleisch, viel Gewürm; viel Besitz, viel Sorgen; viel Weiber, viel tolles Gebahren; viel Mägde, viel Unsitte; viel Knechte, viel Raub; viel G'tteslehre, viel wahres Leben; viel Beschäftigung mit der Thora, viel Weisheit; viel Beraten, viel Verständigung; viel Wohltätigkeit, viel Frieden. Wer einen guten Namen erworben, hat für sich etwas erworben; wer sich aber die Worte der Thora erworben, der hat sich das Leben in der zukünftigen Welt erworben." „Zur Zeit, da man sammelt, streue aus! Zur Zeit, da man ausstreut, sammle! Siehst du ein Geschlecht, dem die Thora lieb und teuer ist, dann streue aus; im anderen Falle aber sammle!" Bezeichnend für Hilleis Bescheidenheit ist die Mahnung, man solle niemals durch seine Kenntnisse in der Thora zu ruhmsüchtigem, selbstgefälligem Prahlen sich verleiten lassen, denn warnend spricht er: „Wer seinen Namen weit zu verbreiten bedacht ist, verliert seinen Namen; wer in der Erkenntnis nicht zunimmt, nimmt ab; und wer nicht lernen will, der ist todeswürdig: wer sich aber der Krone der Erkenntnis der Thora dazu bedient, seine Eitelkeit zu befriedigen und mit seinem Wissen zu prunken, schwindet hin." Dieser letzte Ausspruch ist im chaldäischen Idiom überliefert; das dürfte wohl darauf hindeuten, daß ihn Hillel in seiner babylonischen Heimat bereits lehrte. Für das Lehren forderte er Klarheit und Deutlichkeit des Ausdrucks; man soll nicht darauf sich verlassen, daß der Sinn, den man einer Stelle unterlegt wissen will, vielleicht enträtselt werden könne; deshalb sagt er: „Denke nicht, daß etwas, was unmöglich ist, verstanden zu werden, am Ende doch noch verstanden werde." Um die Jugend für die Thora zu begeistern und sie mit Erfolg in das Lernen einzuführen, ist die liebevolle Anleitung notwendig. Nur durch Geduld und Liebe kann das Große erreicht werden. Das lehrt uns Hillel durch die gewinnende Weise, wie er drei Heiden unterrichtete. Wir werden später darauf zu sprechen kommen. Ein solcher Meister mußte Schule machen. In der Tat. Zu großer Zahl fanden sich um ihn Jünger ein. Heiliger Eifer für die Pflege der Thora durchglühte sie. Es begann eine Blütezeit des Gesetzesstudiums, welche trotz der politischen Wirren und trotz der unausgesetzten schweren Verfolgungen über Jahrhunderte anhielt. Eine Regsamkeit der fruchtbringendsten Art herrschte und schuf Großes. Um uns zu vergegenwärtigen, was für ein stattlicher Reigen studienbeflissener Schüler Hillel umgab, wollen wir uns des Wortes im Talmud erinnern: Von den achtzig Schülern Hillels waren dreißig würdig, daß auf ihnen, wie auf Mose, die Schechina ruhe; dreißig waren würdig, daß auf ihr Geheiß die Sonne stille stehe, wie auf Josuas Befehl; von den andern zwanzig wird erzählt, daß, wenn Jonathan ben Usiel mit der Thora sich beshäftigte, jeder Vogel, der über ihn wegflog, die Schwingen sich sofort versengte. Der geringste der Schüler aber war Jochanan ben Sakkai, und dieser hat im Traktat Sota des Talmud Jeruschalmi den ehrenvollen Beinamen „die Leuchte der Gelehrsamkeit". Er erhielt von Hillel die Ueberlieferung der mündlichen Thora. In Jabne errichtete er mit Genehmigung des römischen Feldherrn Vespasian, des späteren Kaisers, ein Lehrhaus. Er sprach: „Hast du viel Thora gelernt, so rechne dir das nicht als ein besonderes Verdienst an, denn dazu bist du erschaffen!" Wie ist dieses Wort ganz im Geiste Hillels, seines großen Lehrers, gesprochen. VII. Lieblich sind der Thora Wege und alle ihre Pfade Frieden. Darum war Hillel die verkörperte Güte. Sie umgibt, wie am Sternenhimmel die Schar der Gestirne die Sonne, ein reicher Kranz von Tugenden. Aber sie ist der Mittelpunkt, der in alle Aeußerungen des Verkehrs Hillels mit seinen Nebenmenschen Licht und Wärme spendete. Die Güte wirkte sich aus in unbesiegbarer Geduld, Einst hatten zwei Männer miteinander eine Wette eingegangen, deren Gegenstand war, ob es nicht dem einen von ihnen gelingen würde, Hillel doch einmal aus der Fassung zu bringen. Gelänge dem Betreffenden sein Vorhaben, so sollte er vom andern 400 Sus erhalten, Er machte sich also an einem Sabbatvorabend zu der Stunde, wo er wußte, daß Hillel mit der Pflege seines Körpers für den Sabbat zu tun hatte, auf, ging vor Hillels Türe und rief laut: „Ist Hillel zu sprechen?" Dieser warf sich das Gewand um, empfing den zudringlichen Besucher und fragte ihn gelassen, was er wolle? „Ich habe Dir eine wichtige Frage vorzulegen," sagte jener. „Laß hören, mein Sohn!" erwiderte Hillel. „Warum," fragte jener, „haben die Babylonier runde Köpfe?" „Die Frage ist allerdings wichtig," war Hillels Antwort. „Das kommt davon, daß sie keine geschickten Hebammen haben." Anscheinend zufriedengestellt ging der Besucher weg; jedoch nach einer kleinen Weile kam er wieder und rief in gleicher Weise, wie vorhin: „Ist Hillel zu sprechen?" Neuerdings warf sich dieser sein Gewand um, ließ den Rufenden eintreten und fragte: „Was ist Dein Begehren, mein Sohn?" „Ich habe abermals eine wichtige Frage an Dich." „Also frage nur!" „Ich möchte," sagte jener, „gerne wissen, warum die Tharmudäer so trübe Augen haben." „Mein Sohn," entgegnete Hillel, „deine Frage ist wichtig. Das kommt wohl davon, weil sie in sandigen Gegenden wohnen." (Fortsetzung folgt.) Hebräisches Rätsel. Es sind Worte zu finden, deren Anfangsbuchstaben von oben nach unten gelesen, die Bezeich" nung eines hohen jüdischen Festtages bedeuten. 1. Teil des Organismus, 2. Sohn Jakobs, 3. Jüdischer Monat, 4. Judenfeind, 5. Jüdischer Gruß, 6. Frommer Mann, 7. Jüdischer Lobgesang. (Verfaßt von den Kindern des Jüdischen Jugend- - bundes in Emden.) Briefkasten der Kinderecke. H. H—pf. Frankfurt a. M. diu dw ist gar zu unbestimmt. Vielleicht ein anderesmal. Gruß!

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