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Der Israelit · 1934-07-19 · Heft 29 (19.7.1934) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 29 (19.7.1934)
Date
1934-07-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
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19. Juli 1934 Der Israelit Nr. 29 Seite 11 Vermischtes. Berlin, 16. Juli. Die Arbeitsgemeinschaft für jüdische Erbforschung und Erbpflege (Leiter Frauenarzt Dr. W. Nußbaum, Berlin W. 57, Potsdamerstraße 92) wünscht festzustellen, welche jüdische Familien bereits um das Jahr 1800 in De u t s c hland ansässig gewesen sind. Diese Familien werden gebeten, sich unter Angabe ihrer genauen Adresse bei der genannten Stelle zu melden. Karlsruhe, 16. Juli. Auf Einladung der Agudas Jisroel-Ortsgruppe und der Noar Agudati hier hielt im überfüllten Saale Herr Dr. Isak Breuer einen inhaltlich und rhetorisch glänzenden Vortrag über Erez Jisroel. In anschaulichen Bildern schilderte er des Landes Gestaltung und Aufbau. Aeußerlich betrachtet, biete es ein Bild des Blühens und Gedeihens. Innerlich aber sei es zerrissen und zerklüftet zwischen der Vergottung der Wirtschaft durch die Histadruth Haowdim und der des Nationalismus durch die Revisionisten. Assimilation an diese europäischen Doktrinen geben unserem Lande unjüdische Prägung und unjüdischen Geist. Die feinen Anspielungen eines Bialik werden nicht mehr verstanden. Der Rahmen der Nation sei nicht weiter als der der Thora, Nation und Thora seien kongruent, dies verkenne die Ideologie des Zionismus und des Misrachi. Nur ein thoratreues Geistesleben sichere das Land als jüdisches Land. Mit nicht endenwollendem Beifall dankten die Zuhörer für den Hochgenuß der fast zweistündigen Ausführungen. Dem Dank gab der Leiter der Versammlung, Herr Rabbiner Dr. M. Michalski, in herzlichen Worten Ausdruck. In seinen Begrüßungsworten hatte er die Worte awn bot jv>9 D-rcm^\ die in mächtiger Aufschrift das Podium zierten, als Motto der 9 Tage und der aw>n pp-Bewegung bezeichnet. Dem Vortrag folgte eine Diskussion, die erkennen ließ, daß die jugendlichen Diskussionsredner der zionistischen und misrachistischen Parteien den Mangel an sachlichen Gegenbeweisen mit Schlagworten persönlicher Bekenntnisse zu verhüllen suchten. Vor dem Vortrag hatte Herr Dr. Breuer in dankenswerter Weise mit der gesetzestreuen Jugend sich über das Verhältnis der Aguda zu Esra und Misrachi in zwangloser Form unterhalten. Bei Alt und Jung haben seine geistvollen Darlegungen nachhaltigen Eindruck hinterlassen und den Boden für die Sekundenverkaufsaktion, die am gleichen Abend begonnen wurde, geebnet. Weitere Berichte über Vorträge des Herrn Dr. Isaac Breuer gingen uns aus Leipzig, Mainz und anderen Städten zu. Schifferstadt, 15. Juli. Frau Julie Mayer geb. Wolff in Schifferstadt (Pfalz) begeht am 23. Juli ihren 9 0. Geburtstag. Wir wünschen der Jubilarin weitere Gesundheit. wmv Munkaczevo, 16. Juli. Auf Betreiben der Munkaczer Gemeinde hat der Stadtrat beschlossen, die Jehuda Halevi-Straße, der man diesen Namen vor längerer Zeit auf zionistischen Antrag beigelegt hatte, in Darke Tschuwa-Straße umzubenennen. „Darke Teschuwoh" ist bekanntlich der Titel des Hauptwerkes des früheren Munkaczer Raw, Rabbiner Hirsch Schapiro b'"S.v das sich in der ganzen jüdischen Welt Eingang verschafft hat. Weshalb es allerdings nötig war, dabei den Namen Jehuda Halevi zu beseitigen, leuchtet nicht recht ein. Vielleicht hätte man erreichen können, daß angesichts der großen Rolle, die die jüdische Bevölkerung in Munkacz spielt, eine andere Straße den Namen Darke Teschuwah erhalte, ohne daß man Jehuda Halevi beiseite schob, der gewiß für seine heutigen zionistischen Parteigänger nicht verantwortlich ist. Pystian, 12. Juli. In diesem freundlichen Kurort werden nicht nur prominente Gäste freundlich empfangen, auch der bescheidene Kurgast wird gern gesehen und betreut. Ein besonders warmes Interesse wird dem deutschen Glaubensgenossen entgegengebracht und dem mit Geldmitteln knapp Versehenen weitgehender Kredit gewährt. Restaurateure, Aerzte, Sanatorien wetteifern im Entgegenkommen. Auch die Badedirektion tut ihr Möglichstes, dem deutschen Gast den Aufenthalt zu erleichtern. Eine Fülle von Fragen über die Verhältnisse in Deutschland ergießt sich über den Neuankömmling, die unglaublichsten Gerüchte werden kolportiert, die unsinnigen Meldungen einer gewissen Tendenzpresse geglaubt, und man erfüllt gern vaterländische Pflicht, den Lügennachrichten den Garaus zu machen, immer von neuem zu versichern, daß Ruhe und Ordnung in der Heimat herrschen, und man kann schließlich mit Genugtuung feststellen, daß die Schwindelmeldungen jener Blätter als solche erkannt werden. Echtes religiöses Leben pulsiert in der hiesigen orthodoxen Gemeinde, die etwa 1000 Seelen zählt. Eine eigene Volksschule und ein Cheder mit fünf Lehrkräften werden unterhalten, fleißig wird von Einheimischen und Gästen gelernt; jeden Morgen ist von 5—8 Uhr Gelegenheit, mit Minjan zu beten und daß am Schabbos alle Läden geschlossen sind, ist selbstverständlich. Besonders rühmenswert ist die Tätigkeit des Dajans Rabbi Schlaumo Teichthal, Oberrabbiner von Groß-Kostolany, der im vergangenen Winter aus dem Nichts, nur auf die Hilfe 3"pn vertrauend, eine Jeschiwah gegründet und jetzt schon 35 Ba.churim um sich geschart hat, für deren geistige und leibliche Nahrung er unermüdlich sorgt. Zum Schluß sei noch erwähnt, daß als Nachfolger des so früh heimgegangenen Pystianer Raws Kaiman Weber der junge Rabbi Ungar, Sohn des Neutraer Raws, gewählt ist. Wilna, 16. Juli. Am Rosch Chodesch Elul findet hier unter dem Ehrenprotektorat von Rabbiner Chaim Ojser Grodzenski die erste Landeskonferenz der Agudas Jisroel in Polnisch- Litauen statt, an der sämtliche Rabbiner und Führer der litauischen Orthodoxie ihr Interesse bekundet und ihre Teilnahme angemeldet haben. Anschließend an die Konferenz findet eine Tagung ,,Chorew" und ,,Beth Jakob" statt. Warschau, 16. Juli. Nach langwierigen Interventionen gelang es endlich der Leitung der polnischen Agudas Jisroel, beim Warschauer Stadtschulrat durchzusetzen, daß jüdische Kinder am Schabbos und Feiertagen vom Schulbesuch dispensiert werden. Mlawa, 17. Juli. Dem Beispiel der Lodzer Benoth Agudas Jisroel, folgend, die in Lodz die erste Hachscharah eröffnete, hat nun, nach einer Meldung der AJPB., auch die Agudajugend in Mlawa unter Leitung einer bekannten agudistischen Persönlichkeit, Pinchas M o n d r y , die zweite Hachscharah für Benoth Agudas Jisroel eröffnet. (AJPB.) Die Frankfurter Woche- Jahrzeitsgedenken für Rabbiner Dr. Salomon Breuer Am Dienstag abend fand sich, wie alljährlich zur Jahrzeit für Rabbiner Dr. Salomon Breuer b""üt, eine ansehnliche Gemeinde im großen Hörsaal der Jeschiwah ein, bestehend aus Bachurim und Dozenten, Vertretern des Kuratoriums und der Verwaltung und vielen Gemeindemitgliedern. Der Rosch Jeschiwa, Herr Rabb. Dr. Josef Breuer, ließ in einstündiger von großer Verehrung und Liebe zum Vater und seinem unsterblichen Werke getragenen Rede das Bild des großen Frankfurter Raw *?~iti noch einmal vor unseren Augen erstehen und legte besonders den Bachurim ans Herz, die vom Begründer der Jeschiwa vertretenen Ideale und die von ihm in Deutschland neu geweckte Ließe zum Thorastudium im Leben, wohin sie auch ihr Weg in dieser schicksalsschweren Zeit führe, zur vollen Geltung zu bringen. Herr Oberkantor Peissachowitsch beschloß die Feierstunde mit einem ergreifenden *v»s-Gebet. Im Mekor Chajim, dessen Ehrenvorsitzender Rabbiner Dr. Breuer V"Xi< lange Jahrzehnte war, sprach am Mittwoch morgen der Dozent im Anschluß an das Mischnahlernen innige Gedenkworte, die von der zahlreichen Lerngemeinde in stiller Ergriffenheit angehört wurden. Jüdischer Turnerbmnd E. V. Die Schüler-Fußballmannschaft des Jüdischen Turnerbundes E. V. hat bei den Verbandsspielen der Arbeitsgemeinschaft jüdischer Turn- und Sportvereine die Meisterschaft für Südwestdeutschland errungen. Dieser Erfolg ist um so höher zu bewerten, als sich der Jüdische Turnerbund bisher an Wettspielen niemals beteiligt hatte und mit dieser Schülermannschaft zum ersten Male an die Oeffentlichkeit getreten ist. Während der Ferien wird der Turn- und Sportbetrieb aufrecht erhalten, mit Ausnahme des Turnkurses für die Mädchen- und des Montagkurses für die Knabenabteilung. Aus dem Rothschild'schen Hospital. Die Verwaltungskommission des Spitals hat in ihrer Sitzung vom 16. 7., in welcher Personalfragen behandelt wurden, einstimmig beschlossen, Schwester Sarah Jameson in Anerkennung ihrer Verdienste mit dem Titel einer O b e r s c h w e s t e v auszuzeichnen. Schwester Sarah leitet seit Jahren als Stationsschwester die Innere Abteilung des Spitals und hat sich auch als vertretende Operationsschwester und Stellvertreterin der Oberin des Hauses bewährt. Vom Liwjath Chen. Diesen Sabbat fällt der Vortrag wegen «"an a"iy aus, ebenso in den kommenden Ferienwochen. Die Wiederaufnahme der Vorträge wird hier bekanntgegeben. Auch im Mekor Chajim fällt der Midraschvortrag vor Nacht aus. Der Mikrovortrag findet schon 12 Uhr vorm. statt. Heitere Müsik. Am Montag, den 23. und 30. Juli, abends 8.30 Uhr findet im Gesellschaftshaus Eschersheimer Landstr. 27 das letzte Orchester-Konzert vor den Ferien des Kulturbund-Orchesters Rhein-Main statt. Dirigent: Hans Wilhelm Steinberg. Zu dieser Sonderveranstaltung sind Karten zu Mk. 0.50 und 3.— bei den Verkaufsstellen: Büro des Kulturbundes Gärtnerweg 62 und bei den bekannten Firmen zu haben. Eine fristlose Entlassung. Eine Krankenschwester des Roten Kreuzes klagte vor dem Arbeitsgericht Frankfurt a. M. auf Zahlung von drei Monatsgehältern im Gesamtbetrag von 250 RM., weil sie zu Unrecht fristlos entlassen worden sei und daher noch Anspruch auf die Bezahlung der ordnungsmäßigen Kündigungszeit habe. Sie hatte, entgegen einer der Schwesternschaft voni Betriebszellenleiter gegebenen Anweisung, daß keine Rote- Kreuz-Schwester sich' von einem nichtarischen Arzt behandeln lassen dürfe, doch bei einem Augenleiden die Hilfe eines jüdischen Arztes in Anspruch genommen. Die Klägerin gab zu, daß sie sich beim Wiederauftreten ihres alten Augenleidens von dem fraglichen Arzt behandeln ließ; im übrigen bestritt sie, daß sie anwesend war, als das Verbot bekanntgegeben wurde. Die Parteien einigten sich vergleichsweise. Briefkasten. M. D. 300. Der 15. Aw 5657. C. A.-Str. Beitrag für */, Jahr empfangen. B. B. in M. fs. 50.— für Abonnement eingegangen. Familien-Nachrichten. Barmizwoh: Erich, Sohn des Herrn Walter Wohlfarth, Jahnstr. 5, Synagoge Friedberger Anlage Schabbos ianj mv. — Max, Sohn des Herrn Jacob Lonnerstädter, Mainz, Feldbergplatz 2, 28. 7. 1934. — Simon, Sohn von Rabb. Dr. Neuwirth, Berlin, Siegmundshof 16, pnnxi 's- Frankfurter Vereinskalender. Verein Mekor Chajim. Samstag morgen nach Schul im Hörsaal: Dinim, Herr R.-A. Dr. E. Posen — 11 LThr im Vereinslokal (ebenso Sonntag morg. 8 Uhr) Gemoro, Herr J. Soffer. — Der Mikro-Schiur unter Leitung des Herrn Rabbiner H.. Mayer findet diesen Schabbos schon um 12 Uhr mittags im Vereinslokal statt- — Eine Stunde vor Nacht fällt der Vortrag aus- Sonntag und Mittwoch morgens nach Schul, aix "n, Sonntag vorm. 9 Uhr, im Vereinslok. „Mögen Awrohom" Herr R.-A. Dr. Schlesinger. Montag morgen nach Schul (auch Donnerstag): Mischna- Mitgliederlernen, abends 7 Uhr im Vereinslokal (auch Mittwoch) Gemoro Herr Rabb. Dr. Jos. Breuer. Dienstag (auch Donnerstag) abends 6 Uhr Gemoro, Herr R.-A. Dr. B» Posen. Dienstag (auch Freitag) nach Schul: Mischna. Herr R.-A. Dr. E. Posen. Jahr Zeitsstiftungen. Montag, 23. Juli: Lehrer Mathias Apelt-Stiftung. Agudas Jisroel-Ortsgruppe. Daf Jaumi Sonntags, ll—12 Uhr. Montag bis Freitag 12—1 Uhr, Samstag 12^4 Uhr, Herr Sofer, im Vereinslokale, Schwanenstr. 12. Agudas Jisroel-Jugemdgruppe. Hilchaus Erez Jisroel: Herr L. Kahn, Schabbo 10.30 Uhr im Heim. Chaurew: Die Arbeitsgemeinschaft für Mädchen von Frau Dr. K. Löwenthal findet jeden Donnerstag um 19 Uhr statt. Hebräischer Sprachkurs: An dem Fortgeschrittenen-Kurs unter Leitung von Herrn Wollmann können sich noch Interessenten beteiligen. Anmeldungen an Frl. Adele Rosenheim, Königswarterstr. 11, erbeten. (Alles andere wie üblich.) Ortsgruppe Frankfurt a. M. des Jüdischen Frauenbundes. Donnerstag, den 26. Juli nachm. 4.30 Uhr, Arbeitssitzung, Hans Handwerkstr. 3. Gebetzeiten. trim rnw Freitag abend 7.35 Samstag naDC?n 6.35 Samstag morg. 7.45 Samstag nachm. 1.00 und 5.00 Samstag abend 9.20 Wochengottesdienst: Morgens 6-30 Nachmittags 7.15 Tefillinlegen am Morgen 3.40 Fasten-Beginn Samstag Abend 8.23 Sonntag morgens 6.15 Nachmittag 7.45 Fasten-Ende 9.12 Mit Ablauf der „drei Wochen" wird wieder in Erinnerung gebracht, daß hier ein jüdisches, am U"n rar streng geschlossenes Friseurgeschäft für Damen und Herren besteht, das, bei allem modernen Komfort und mit allen hygienischen Einrichtungen versehen, die Kunden gut und billig bedient. Wer einmal bei Fritz Weiß, Rechneigrabenstraße 17, war, kommt bestimmt wieder und reiht sich seinem festen, treuen Kundenstamm an.

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