Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 10 (8.3.1934)
- Date
- 1934-03-08
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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8. März 1934 Der Israelit Nr. 10 Seite 13 Vermischtes. Stuttgart, 28. Febr. Ein lang gehegter Wunsch der Israelitischen Religionsgesellschaft wurde m.G.H. am 1. Februar 1934 erfüllt. An diesem Tage wurde nämlich die Einweihung der neuen Synagoge festlich begangen. Man kann ruhig behaupten, es war ein Ehren- und Freudentag für jedes einzelne Mitgled, insbesondere aber für den allseitig verehrten Rabbiner, Herrn Dr. Simon Bamberger. Der Einweihung voraus ging eine schlichte Abschiedsfeier im alten Lokal in der Rosenstraße. In zu Herzen ge- henden Worten gedachte Rabbiner Dr. Bamberger vor dem Verlassen des alten Betsaals jener braven und g'ttesfürchtigen Männer, die an dieser Stätte gewirkt haben. Ferner dankte Rabbiner Dr. Bamberger den Mitgliedern der Israelitischen Religionsgesellschaft für das ihm in so hohem Maße entgegengebrachte Vertrauen. Den anwesenden Gästen kam es bei diesen schlichten, tiefbewegten Worten so recht zum Bewußtsein, was für ein inniges Verhältnis zwischen Gemeinde und Rabbiner besteht. Anschließend daran fand die Einweihung der Synagoge in der Schlosserstraße statt. Nach einem von Frau Zippert einstudierten und Rechnungsrat W i ß m a n n dirigierten Männer- und Knabenchor wurde nach den mspn eingehoben. Alsdann begrüßte der Vorsitzende der Religionsgesellschaft, Herr Abraham K u 1 b , die Erschienenen, besonders die Vertreter des Israelitischen Oberrats und die Vertreter der Israelitischen Hauptgemeinde in Stuttgart. Der Redner dankte Rabbiner Dr. Bamberger für sein bisheriges hingebungsvolles Wirken und bat ihn, auch in Zukunft der treue Führer der Religionsgesellschaft zu sein. Nun richtete Dr. Bamberger tiefempfundene Worte an die Gemeinde. Seine Ausführungen gipfelten an der Feststellung: ~n!?x-i:?'< und wir auch weiterleben, wenn wir alle am Glauben unserer Väter treu und stark festhalten werden. Herr Stadtrabbiner Dr. Ringer sprach dann für den Israelitischen Oberrat und mit besonders herzlichen Worten Herr Oskar Rothschild für das Israelitische Vorsteheramt Stuttgart. Ferner sprachen noch Herr Rabbiner Dr. Bamberger sen. (Kissingen) und Rabbiner Dr. Neuwirth (früher Ichenhausen). Für die Israelitische Religionsgesellschaft Heilbronn überbrachte Herr Lehrer Flamm in gutgewählten, herzlichen Worten die Glückwünsche der Israelitischen Religionsgesellschaft Heilbronn. Für den Verein Linath Hazedek übermittelte David H o r o w i t z die Glückwünsche. Ein feierlicher a'nya-G'ttesdienst mit Chorgesang beendigte die wohl jedem in Erinnerung bleibende eindrucksvolle und würdige Feier. Herr M. Z a n g e r hat hier wiederum in hervorragender Weise, "wie seit langem ehrenamtlich als Vorbeter fungiert. Möge auch fernerhin G'ttes Segen auf dieser neuen Gebetstätte der Religionsgesellschaft und auf allen, die sich dort zum Gebet versammeln, ruhen. Am Abend des 4. Februar vereinten sich nochmals die Mitglieder der Religionsgesellschaft, um die Einweihung der - neuen Synagoge abschließend freudig zu begehen. Ansprachen mit heiteren Vorträgen wechselten ab und schufen bald eine Atmosphäre freundlicher Gemeinsamkeit. In freudiger Stimmung blieben so die Anwesenden noch lange zusammen. Berlin, 26. Febr. Im Einverständnis mit den führenden Organisationen der deutschen Judenheit hat die Reishsvertretung der deutschen Juden zum Zwecke der Beratung und zur Förderung der wirtschaftlichen Interessen deutscher Juden eine Gesellschaft gebildet, deren Eintragung in das Handelsregister bereits beantragt ist. Bei rein privatwirtschaftlicher Grundlage ist der gemeinnützige Charakter dieses Unternehmens, das unter fachmännische Leitung gestellt wird, dadurch gewahrt, daß laut Gesellschaftsvertrag keinerlei Gewinne verteilt werden dürfen, etwaige Ueberschüsre vielmehr gemeinnützigen Zwecken zuzuführen sind. Das Gründungskapital ist der Gesellschaft durch eine Anzahl von Banken zur Verfügung gestellt worden, die dem Unternehmen beratend zur Seite stehen. Berlin, 26. Febr. Der Bund jüdischer Akademiker (B. J. A.) macht uns Mitteilung, daß in einigen Mittel- und Kleinstädten Deutschlands Niederlassungsmöglichkeiten für jüdische Aerzte bestehen. Interessenten wollen sich an den Verein für Stellenvermittlung „Schomre Schabbos", Berlin C, Heidereutergasse 4, wenden. Würzburg, 4. März. Die im Jahre 1864 von dem damaligen Distriktsrabbiner Seligmann Bär Bamb e r g e r gegründete, staatlich anerkannte Lehrerbildungsanstalt, die bis jetzt nahezu 1000 Schüler ausbildete, kann im Laufe der nächsten Monate die Feier ihres 70jährigen Bestehens begehen. Nürnberg, 28. Febr. Die Salamander A.-G., die bisher nicht zu den rein deutschen Unternehmungen gerechnet werden konnte, gibt im „Stürmer" bekannt, daß sie nunmehr völlig in arische Hände übergegangen ist. Die im Besitze von Juden befindlichen Aktien wurden durch vertragliche Abmachungen der Dresdner Bank als Treuhänderin übergeben und dem Börsenhandel zugeleitet. Die im Betriebe befindlichen Angestellten der jüdischen Rasse werden laufend abgebaut und durch deutsche ersetzt. Die Gesamtleitung des Unternehmens ist nunmehr in deutschen Händen, Bocholt, 5. März. Die Arbeitsgemeinschaft jüdischer Lehrer am Niederrhein tagt am 18. März, 16 Uhr, im israelitischen Gemeindehause zu Mülheim (Ruhr). Lernen D'nos 'oa — Keine besonderen Einladungen. Briefkasten. M, A, in Flörsheim. In Frankfurt a. M. wird nach W5? kein K a d d i s c h gesagt, und das hat seine guten historischen Gründe, auf die einzugehen hier nicht der Platz ist. Das Gebet wird hier mit dem Tagespsalm tnv <>v -v») verbunden und dann Kaddisch gesagt. Der Minhag muß, wo er besteht, also auch bei Ihnen in Flörsheim, unter allen Umständen respektiert werden. S. M. in Freudental. Geburtstag 11. November, m o is-. ks'v M. G. in Eschwege. Geburtstag 22. November rtno ist nVen L. R. in K. Betrag eingegangen. Das Postscheckkonto heißt: Deutsch-Holländische Palästina-Verwaltung, Frankfurt a. M. Nr. 9553. M. W. in G. Es ist für eine Redaktion nicht möglich, sich in solche Kehillaangelegenheiten einzumischen. G. R. in N. Am Fasttage zu Mincho (außer am 9. Aw) werden keine Tefillin gelegt. Am Purim abend beginnt man mit mm xinv S. W. Der Junge wird xsn '3 '3 a-a am 7. September. Geburtstag 4. September. Die Frankfurter Woche, Synagogengemeinde „Israelitische Religionsgesellschaft". Auf die am Sonntag, den 11. März, nachmittags 3.30 Uhr in der Aula der Samson Raphael Hirsch- Schule stattfindende Generalversammlung mit anschließenden Ergänzungswahlen wird hiermit nochmals aufmerksam gemacht. Künstlerischer Abend der Samson Raphael Hirsch- Schule. Die Festsäle der Frankfurt-Loge vollgefüllt, Stuhl an Stuhl, Kopf an Kopf. Kunstandacht, nachhaltende Purimfreude und nicht zuletzt Elternstolz — von der Bühne herab winkten unsere Kleinen — taten sich zusammen, um etwas zu bieten, was heute bitter nottüt: Entspannung und Aufrichtung. Max Neumann am Dirigentenpult zwischen seiner Musikerschar und vor seinem Massenkinderchor; die „Habimah" im zweiten Teil mit ihrem Reichtum an Farben und Tönen, mit der Kraft des orientalisch gesprochenen hebräischen Wortes! Man durfte sich schon etwas versprechen und erhielt noch weit mehr als man sich versprochen hatte.- Die Kapelle spielte etwas aus Carmen (am Klavier Frau Klärchen Wohlfahrt) und leitete einen einprägsam vorgetragenen Vorspruch von Frl. Liesel Blumcnthal ein. Eine liebliche Mädchengruppe erschien auf der Bühne und erfreute mit einem schönen Tanze (einstudiert von Frl. Käte Leopold).. Und nun begann es richtig: „Es war einmal . . ." Natürlich ein Märchen und gut deutsch aus der guten alten Zeit. Aber wie wir die etwa 150 Schülerinnen und Schüler wie einen weiten wogenden bunten Blumengarten auf der Bühne sahen, wie sie da standen und strahlten und im herrlichen Massenchore zwischen den Deklamationen einer Solistin (Lucie Rosner) mit den Klängen des Orchesters wetteiferten, wie da kleine Mädchen und Buben vortraten und ihr Sprüchlein sicher und lieblich in den Saal warfen, wie eine kleine , Primadonna" und ein noch kleinerer „Heldentcr.or" das Edelmetall ihrer Stimmen durch die Chöre schillern ließen — wie wir das alles sahen, da v/aßten wir: Nicht „es war einmal", sondern es ist und wird immer sein! . . . Und damit erfaßten wir auch den eigentlichen Sinn dieses Festes, das sich von all den anderen, sich in unheimlicher Fülle übercHirzenden Festlichkeiten dieses Winters darin auszeichnet, daß es uns nicht über eine trübe Gegenwart hinwegtäuschen will, sondern mit dem Kinde uns den Glauben an die Zukunft wiedergibt!... Ein schönes Violinsolo des Herrn Theo R a t n e r leitete zum zweiten Teile über. Was die Aufführung' des hebräischen Stückes „Daniel" betrifft, so sind Stück und Spiel bereits nach der Erstaufführung in der Aula*an dieser Stelle gewürdigt worden. Es sei nur noch hinzuzufügen, daß hier in den festlichen Räumen der Frankfurt-Loge, auf der geräumigen Bühne und bei vortrefflichen Lichtwirkungen, das Spiel noch ganz anders zur Geltung kommt. Auch hat sich inzwischen das hebräische Wort bei den jungen Darstellern so heimisch festgesetzt, daß es schon nahezu ihre Herzenssprache ist und mit Hilfe der Gestik und der ganz ausgezeichneten Kostüme und Masken auch denen Gang und Sinn der Handlung vermittelt, die — es sind leider deren noch sehr viele — Hebräisch als fremde Sprache empfinden. Das Interesse wuchs von Bild zu Bild, und damit wuchsen auch die Freude und der Eifer der Spieler. Was diese jungen Menschen hier alles spielend gelernt haben, drängte sich jedem auf, der Zeuge dieses kleinen - Bühnenwunders war. Noch ein paar Jahre in diesem Tempo, und einer späteren Generation wird d i e Sprache der Thora und Propheten in Wort und Bild nicht mehr eine exotische Sprachesein. Es war lange nach Mitternacht, als der Vorhang über den letzten Akt, eine Vision, die Daniel die Zukunft seines Volkes in lebenden Bildern erleben läßt, fiel. Man schrie stürmisch nach Verfasser und Regisseur (Direktor Dr. Elias und Zeichenlehrer Herr Nathan J e i d e 1). Noch einige Mal mußte der Vorhang hochgehen und uns das bestrickende Bild der wogenden Spielerschar zeigen, mit dem im Herzen wir dann den Heimweg durch die Nacht antraten . . . Theaterabend in der Israelitischen Volksschule. Am 19. und am 20. März veranstaltet die Israelitische Volksschule einen frohen Abend für die Freunde der Schule. Die Kinderoper „Die Reise um die Welt" wird aufgeführt. Zur Deckung der Unkosten werden zu einem billigen Preise Eintrittskarten beim Schulhausverwalter, Röderbergweg .29 abgegeben; wer sich die Oper, die in der Turnhalle gespielt wird, ansehen möchte, wird gebeten, sich beizeiten die Karten zu bestellen. Konzert Alter. Es wird ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß das Konzert am Sonntag abend in der Frank* furt - Loge pünktlich um 8 Uhr beginnt. Karten sind an der Abendkasse erhältlich. Zweite Adarveranstaltung der Agudajugend. Zum zweiten Male versammelte sich in der Aula der S. R. Hirsch-Schule ein großes Auditorium, um der Purim-Aufführung der Schüelrgruppen beizuwohnen. Die ams W nn^vkam voll und ganz auf Ihre Rechnung. Der Auftakt ward durch ein kleines „Verhörspiel", das besonders bei den jüngerensehr viel Beifall fand, gegeben. Darauf kam ein Vierakter „Die Purim-Ssudo", der ebenso wie das darauffolgende Intermezzo in einem bayrischen Brauhaus große Lachsalven auslöste. Um die Stellung des Purim in der Reihe der Festtage zu festigen, bemühten sich kleine Schauspieler in dem Stück „Purim vor Gericht". Der „Purimkiddusch", der einem Purim-Stücke auf dem Fuße folgte, gab dieser gut gelungenen Purim-Feier den Abschluß. —gg. Purimfeier im J. T. B. Die Feier im purimmäßig dekorierten Heim, von den Mitgliedern W. Eldod und- L. Blumenthal geschickt .geleitet, war sehr gut besucht und fand allgemeinen Beifall. Besonders . hervorzuheben ist, daß die jüdische Note wie immer gewahrt wurde und jüdische Lieder und Vorträge die Veranstaltung umrahmtne. Außer den erwähnten Turnbrüdern gaben die Herren Fieb ermann, Walter Baer, Haar und Frl. A. Eldod sowie der Brith Chaluzim Dathiim ihr Bestes. Für Bewirtung war reichlich gesorgt, so daß jeder hier noch die Purimmizwoh erfüllen konte. Frohgelaunt trennte man sich am späten Abend. Wir machen nochmals auf unsere am kommenden Sonntag, den 11. März, abends um 8 Uhr Königswarterstraße 26 stattfindende Generalversammlung aufmerksam und bitten um recht zahlreiches Erscheinen der Mitglieder. Purimfeier des „Iii". Im vollbesetzten Saale der Frankfurt-Loge wickelte sich unter Mitwirkung der Tanzgruppe Erna J a - k o b y, der Sportabteilung der „Schild", von Erna Kanter u. a. m. ein buntes und reichhaltiges Programm ab, das gefallen konnte. Den Vorführungen schloß sich ein geselliger Teil an. A. K. Verein Mekor Chajim E. V,f Frankfurt a. M. Diesen Sonntag findet mit Rücksicht auf die Generalversammlung der I. R. G. ein Vortrag nicht statt. — Die Mikro-Vorträge, die bisher Freitag abend im Anschluß an Schul stattfanden, finden nunmehr regelmäßig na? nachmittags l/. Stunde vor awa im Vereinslokal statt. Die Leitung dieser Vorträge hat Herr Rabbiner H. Mayer übernommen. Im Anschluß an die Vorträge wird nrna gebetet. Wir erwarten zahlreiche Beteiligung. Der bisher zu dieser Zeit stattgefundene Thillim- Schiur entfällt einstweilen und soll zu geeigneter Stunde fortgesetzt werden, worüber besondere Bekanntmachung noch erfolgt. Vortragsabend des -Zentralvereins. Der „Centraiverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" hätte zu einer Veranstaltung am Samstag abend eingeladen, bei welcher Dr. Bruno Weil, Berlin einen formvollendeten Vortrag über das Thema „Wir deutschen Juden im Wandel der Zeiten" hielt. Referent konnte keine Lösungsmöglichkeit des Judenproblems für Deutschlands Juden geben. Andererseits aber warnte er vor Wiederaufrichtung eines Ghettos in der Form einer nationalen Minderheit. Irgend ein religiöser Hinweis fehlte in diesem Vortrag voll Optimismus vollkommen. H. St. Palästinafahrten. Die Vereinigten Italienischen Schiffahrtsgesellschaften teilen mit, daß in den Monaten März und April 1934 zehn Abfahrten nach Palästina (Haifa) stattfinden werden. (Näheres Inserat.) Eine große Reihe von Beiträgen und Berichten über Vorträge und Veranstaltungen mußte wegen Raummangels für nächste Nummer zurückgestellt werden.