Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 7 (15.2.1934)
- Date
- 1934-02-15
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Keren Hajischuw-Blätter Herausgegeben von der Palästina-Centrale der Agudas Jisroel Frankfurt am Main. Der Keren Hajischuw ist das wirtschaftliche Instrument zum Aufbau Erez Jisroels im Geiste jüdischer Tradition. Er ruft das jüdische Volk zur Mitarbeit auf, von der Ueberzeugung durchdrungen, daß die überwiegende Mehrheit des jüdischen Volkes den wirtschaftlichen Aufbau in Erez Jisroel in einer Weise vornehmen will, daß das aufblühende Erez Jisroel zugleich ein religiösesj Zentrum für das jüdische Volk wird. *?k npsp (K'D /> /> nKtp iw> "ikw y-ttn in; 'K - 10. Jahrgang der A. J. Blätter 15. Februar 1934 / 30. Schebat 5694 Nummer 2 Das neue Zertifikatabkommen der AgudasJisroel mitder Jewish Agency. Auf Grund von Verhandlungen, die die Jerusalemer Vertreter der Agudas Jisroel- We.ltorganisation mit dem neuen Leiter der dortigen Einwanderungsabteilung der Jewish Agency," Herrn Grünbaum, geführt haben, ist am-29, Tewes ein neues Abkommen über die Ausgabe von Einwanderurigszertifikaten für Angehörige der Landesorganisationen der Ag u das Jisroel zustande gekommen. Während bisher die einzelnen Zertifikatbewerber aus den Kreisen der Agudas Jisroel in einer von den Palästina-Aemtern unter Teilnahme eines Agudo - Vertreters anberaumten Sitzung auf ihre Eignung geprüft und hiernach im Rahmen der verfügbaren Gesamtzahl von Zertifikaten, soweit wie möglich - als Einzelbewerber bedacht wurden, wird .» für die Folge der Agudas Jisroel-Weltor- ' ganisation aus der von der Palästina-Regierung der Agency zur Verfügung gestellten Zertifikatmenge ein pauschales Quantum von Zertifikaten;(im Verhältnis des seitens der Agudas Jisroel festgestellten Bedarfs) ausgehändigt werden. Die Agudas Jisroel-Weltorganisation verteilt diese Zertifikate im Einvernehmen mit der Jewish Agency auf ihre einzelnen Landesorganisationen, so daß also jede,, dieser Landesorganisalionen weiß, welche Gesamtzahl von Zertifikaten ihr zur Verfügung steht. Allerdings kann nach den Bestimmungen des Mandates auf eine Prüfung der einzelnen agudistischen Zertifikatbewer- : ber hinsichtlich ihrer Eignung von Seiten •der Palästina - Aemter der Agency nicht -verzichtet werden und diese Prüfung wird .sich nach wie - vor in Anwesenheit und unter Teilnahme eines Agudo - Vertreters vollziehen. Während aber bisher bei Ablehnung einer agudistischen, Zertifikatbe Werbung diese ganz ausfiel, so daß die, Pa,lästina- Aemter immer in i Versuchung waren, die ' agudistische Ze^tifikatziffer jimj eigenen Interesse möglichst niedrig'zu haltenj, tritt nunmehr an die Stelle des abgelehnten einzelnen agudistischen Bewerbers ein andere r ,! und die G e s.a ratzahl der agudistischen Zertifikate wird durch die Ablehnung des einzelnen nicht berührt. Es ist also um so mehr auf strengste Unparteilichkeit bei der Beurteilung der Zertifikatbewerbungen zu rechnen. Das Abkommen erstreckt sich sowohl auf die Kategorie C. (unbemittelte Chaluzim), als auch auf Kategorie A (Facharbeiter und Kapitalisten), als auch auf Verwandtenzertifikate (Kategorie D.). Um einen Ueberblick über den Gesamtbedarf zu erhalten, hat die P a 1 ä s t i n a -, Z e n t r a 1 e der Agudas Jisroel sämtliche Lande s o r g a n i s a t i o n e n au f g e f b r d e r t, die Listen ihrer Zertifikatbewerbungen mit Angabe der Personalien unverzüglich einzureichen. Die Einreichung e i l t, da die Listen schon Ende Februar in Jerusalem sein müssen, wenn eine Berücksichtigung in Betracht gezogen werden soll. Bericht der Hachscharah Enschede. Was unter einer Hachscharah zu verstehen ist, darüber braucht man wohl nicht viel Worte zu verlieren. Jedoch unterscheidet sich eine Hachscharah der Agudas Jisroel doch in manchem Punkte von der Hachscharah, die nur da ist, um aus den Chaluzim nur Bauern zu machen. Steht doch bei uns an erster Stelle das Wort „Tauroh"! Denn ohne Hachschara Enschede: Beim Pflügen unsere Tauroh gibt es kein jüdisches Dasein. Es nützt uns nichts, und wir würden dem jüdischen Volke einen schlechten Dienst erweisen, wenn wir nur als Landwirte nach Erez Jisroel gingen. Das kann man" auch ohne Hachscharah. Und daß bei uns sowohl das. geistige wie auch das körperliche Schaffen nicht zu kurz kommt, davon soll nachstehende Schilderung berichten. In der,Frühe um 4;30 Uhr ist allgemeines Wecken. Eine halbe' Stunde später ist alles beim Dawnen angetreten. (Jetzt im Winter fällt dies weg, da' wegen des späten Tagesanbruchs jeder beim Bauern dawnet). Dann gibt es Kakao mit Butterbrot und um 5.45 Uhr hat der letzte Chawer das Haus verlassen; denn wir müssen um 6 Uhr beim Bauern sein; dorthin ist eine gute Viertelstunde mit dem Rad zu fahren. Unsere Arbeit beginnt mit dem Melken. Je nach Anzahl der Kühe, die der Bauer besitzt, wird gemolken. Der eine 4 Kühe, manche sogar noch mehr. Es erfordert dies sehr viel Kraft und Ausdauer. Denn eine holländische Kuh gibt in der Saison 25—30 Liter Milch im Tag. Da muß aber jeder Tropfen ausgemolken sein. Denn in Holland wird sehr viel Wert auf Milchwirtschaft gelegt, und sind deshalb die Baüern sehr genau. Ist das Melken beendet, so geht es an das Füttern der' Tiere. Die Kühe bekommen Heu und Kraftfutter und Knollen. Die Pferde Heu mit Hafer. Anschließend werden die Ställe ausgemistet, welches etwa eine halbe Stunde in Anspruch nimmt. All das ist nicht gerade eine leichte Arbeit; und so eine Mistkarre voll beladen ist kein Kinderspielzeug. Im Sommer fällt diese ganze Arbeit weg, da die Tiere Tag und Nacht auf der Weide sind. Um 8 Uhr geht es dann gewöhnlich mit dem Bauern und den Bedienten auf den, Acker. Momentan besteht die Feldarbeit aus Pflügen, Eggen, Säen, Miststreuen und Knollen drücken. Das Pflügen dürfte wohl die schwerste Arbeit sein, da sie erstens viel Kraft erfordert und dann auch ein gutes Auge, um jede Furche gerade zu ziehen, besonders wenn man noch zwei Pferde Vor dem Pfluge hat. Das Eggen geht etwas leichter, da hier das Pferd die Hauptarbeit verrichtet. Um 12 Uhr fahren wir nach Hause zum Mittagessen, das uns nach der langen und schweren Arbeit des Vormittags sehr gut bekommt. Um 1 Uhr wird Minchoh gedawent und um 1.30 Uhr beginnt unsere tägliche geistige Hachscharah. Wir lernen da in der ersten Stunde abwechselnd Mischnajoth, Kizzur und Mesilas Jeschorim. Einer der Chawerim, der am besten lernen kann, bereitet sich vor und leitet diese Stunde.' . In der zweiten -Stunde lernen wir Iwrith nach dem Buche von R^h. Die Leitung liegt hier wie bei der ersten Stunde bei einem Chawer. In der dritten Stunde, die dem theoretischen ,.Landwirtschaftlichen Gebiet" gewidmet ist, sprechen wir über alle für den Landbau in Erez Jisroel bestimmten Themen. Einer der Chawerim bereitat sich abwechselnd vor und hält dann über ein bestimmtes Kapitel, mit Hilfe verschiedener Lehrbücher, einen Vortrag mit zeichnerischen Erläuterungen. Diese drei Stunden sind zwar nicht sher viel, aber sie werden gut ausgenützt, da alle mit ganzer Seele bei der Sache sind. Um 5 Uhr müssen wir wieder zum Bauern. Das Vieh wird wie „am Vormittag gefüttert und um 5.45 Uhr beginnt das Melken. Anschließend wird Stroh geschnitten, welches dem Vieh für die Nacht untergelegt wird, und um 7.30 Uhr verlassen wir das Bauernhaus. Um 8 Uhr wird Maariw gedawnet und anschließend Abendbrot eingenommen. Meistens geht es dann sofort ins Bett, da man sehr müde ist und am anderen Tage wieder frisch sein soll. So vergeht ein ■ ■ . « Tag wie der andere. Wird nicht gepflügt, dann wird gesät, oder Mist gefahren und auf die Felder und Wiesen verstreut. Und alles freut sich auf den t\ivt der für uns einen Tag der Ruhe und Freude in des Wortes wahrster Bedeutung ist. Nachdem wir Freitag mittag alle im Bad waren, gehen wir in die hiesige schöne Synagoge. Zu Hause angekommen, wird „Scholaum Alechem" gesungen und dann gegessen. Während des Essens singen Wir die Semiraus. Nach dem Benschen wird die laufende Sidroh mit Raschi durchgenommen. Anschließend allgemeines gemütliches Beisammensein mit Aussprache über jüdische in Fragekommenden Themen. Um 10 Uhr hat alles im Bett zu sein. Am row nach der Synagoge, die etwa bis 11 Uhr dauert, wird gefrühstückt. Danach wird noch eine halbe Stunde die Sidroh von Freitag abend fortgesetzt.. Um 12.45 Uhr gehen wir zum Newiimschiur in die Synagoge.. Um 1 Uhr wird Minchoh in der Synagoge gedawnet. Um 2 Uhr nach dem Mittagessen ist allgemeine Arbeitsgemeinschaft; das heißt: Einer der Chawerim bereitet sich für ein jüdisch-geschichtliches Thema vor, über das er einen Vortrag hält. Nach Sabbatausgang ist Freizeit, welche zur Korrespondenz und Vorbereitung für die kommende Woche benutzt wird. Der Sonntag sieht uns, nachdem wir in der Synagoge wären und gefrühstückt haben, bei der Hausarbeit. Denn unsere Haushälterin könnte unter der Woche nicht alles allein leisten, wenn die 10 Jungen nicht etwas helfen würden. Wir bringen da , die Zimmer in Ordnung; einer hackt Holz, ein anderer trägt Kohlen, wieder einer schält Kartoffeln, und so hat jeder ein anderes Pensum zu arbeiten. Nachdem dies getan, fahren wir abwechselnd einen Sonntag zur Exkursion, wo wir landwirtschaftliche Mustergüter besichtigen, und in die hiesige städtische Gartenbauschule, wo wir das praktisch lernen, was uns an einem Wochentage in-einer Stunde der Lehrer dieser Schule theoretisch £ibt. Wir haben da unser Hauptinteresse an Obst, Gemüse Und Apfelsinenbau, mit besonderer Bevorzugung der Arten, die in Erez Jisroel gebaut werden. Wir haben nun versucht, einen kleinen Ueberblick über unser hiesiges Leben und Treiben zu geben, und glauben wir nach dem Urteil unserer hiesigen Agudaleitung und der Bauern feststellen zu können, daß die Arbeit, die hier geleistet wird, nicht umsonst ist. Noch dazu, daß wir das alles ohne irgend einen Führer zu haben, aus eigener Kraft bewerkstelligen müssen. Und es hat uns sehr viel Mühe gekostet, die Freizeit zu unserer jüdisch-