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Der Israelit · 1934-01-11 · Heft 2 (11.1.1934) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 2 (11.1.1934)
Date
1934-01-11
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 4 Nr. 1 Der Israelit Keren H a j i s c h u w - B 1 ä 11 e r 11. Januar 1934 nistische Organisation, „der Baron" (Edmond de Rothschild) und der alte Jischuw. Die Leistung jedes dieser Faktoren sei so groß, daß keiner es nötig habe, scheel und mißgünstig auf den anderen zu sehen. Gerechtigkeit gegenüber allem, was im Lande geschieht, sei die Voraussetzung dafür, daß das Land seinen vollen Segen hergibt: Gerechtigkeit von Seiten derer, die durch die Presse die öffentliche Meinung beherrschen, gegenüber dem Alten, auf dessen Blut und Schweiß das Neue sich aufbaute und aufbaut. Durch erschöpfende Behandlung dieses Themas nach allen Seiten hin erweckte Dr. Deutschländer bei seiner Zuhörerschaft den Eindruck, daß er nicht als Sprecher einer Gruppe, sondern des ganzen Landes auftreten wollte. Der zweite Redner des Abends, Rabbiner Dr. Meier Hildesheimer, der ebenfalls vor kurzem von einer. Palästina-Reise zurückgekehrt ist, ließ durch die Wiedergabe zahlreicher bemerkenswerter Einzelheiten ein plastisches Bild des neuen Jischuw erstehen. Er erklärte, es liege an den religiösen Kreisen des Judentums, das neue Werden entscheidend zu beeinflussen. Nicht der Kritiker, der Mitarbeiter habe das Wort. Als letzter Redner sprach Rabbiner Dr. Moses Auerbach von dem ,.Dritten" Jischuw, der jetzt aus der Seele und dem Willen der gesetzestreuen Juden heraufsteige. Dieser dritte Jischuw solle ein Zeugnis werden für die Heiligkeit des alten Jischuw und von der Tatkraft des neuen Jischuw getragen sein. In ihm, der heute erst Versprechen und Hoffnung sei, lebe die ganze zum Heiligen Lande hinstrebende Seele der religiösen Judenheit. Der außerordentlich stark besuchte Abend wurde durch Worte der Vorsitzenden der Frauengrujrpe, Frau Henny Auerbach, eingeleitet. Dem warmen Appell Wolf S. Jacobsons, ihre Verbundenheit mit dem durch die Redner verkündeten Zielen durch Monatsbeiträge und Spenden für den Keren Hajischuw zu bekunden, wurde von den Anwesenden großzügig Folge geleistet. Ein Hachscharakurs für Bnoth Agudas Jisroel in Mlava- Auf Initiative des Präses unserer Gemeinde, Rabbi Pinchos M o n d r i, wurde vor kurzem hier die erste agudistische Hachscharah für Mädchen gegründet, in der ungefähr zwanzig Mädchen aus verschiedenen Städten in nützlichen Berufen ausgebildet und dabei geistig in jüdischem Sinne gefördert werden. Bei der Eröffnung waren alle Notabein der Stadt zugegen, und der Stadtrabbiner Rabbi Segalowitsch, sowie der Initiator, Rabbi Pinchos M o n d r i und der Viz^präses der Kehilla, Rabbi Israel Alexandrowitsch hielten Begrüßungsansprachen. Auch sachliche Referate und Berichte wurden von Schülerinnen und Lehrerinnen erstattet. Zu erwähnen ist noch, daß auch die K o f e r- Nefesch -Aktion für die Lubliner Jeschiwa, die von Lubliner Schülern kräftig propagandiert wird, in Mlawa einen guten Boden gefunden hat. Offener Brief von Sr. Ehrw. Herrn Kabb. Jacob Levmsohn, einem der Führer des amerikanischen Misrachi, Rabbiner der Gemeinde Chowewe Thora in Brooklyn (USA.). (übertragen aus dem hebräischen Original in der Zeitschrift „Hapardes" vom Cheschwan 5694.) An unsere Genossen, die Führer des Misrachi in allen Ländern, die die Rückkehr Israels nach seinem Lande, das aufgebaut ist auf der Thora, auf ihre Fahne geschrieben haben, wende ich mich mit diesem Schreiben! Es ist uns allen das System und das Bestreben des Misrachi vom Tage seiner Gründung an klar. Wir wissen und haben es überall verkündet, was unser Ideal und Ziel in Erez Jisroel ist: Wir wollen, daß das Land, das Volk und die Thora Hand in Hand gehen soll, und so steht es klar auf unserem Panier, daß ein jeder von uns in jedem Lande und in jeder Provinz erhebt: „Erez Jisroel l'am Jisroel al pi Thorath Israel!" Die ersten Gründer, an deren Spitze der Gaon Rabbi Jizchok Reines s. A. stand, fanden es richtig und notwendig, daß wir zur Verwirklichung unserer heiligen Absicht einen Weg einschlugen, der ein Für und Wider hat: Den Weg nämlich, der Vereinigung aller Kräfte und Parteien. Von jener Zeit an wurden wir eine Ab- , teilung des allweltlichen Zionismus, eine orthodoxe Fraktion innerhalb der zionistischen Organisation. Von Anfang an wußten sie, daß manches Schwere bei der Sache ist, und daß Streitigkeiten und Kämpfe mit den Thoralosen entstehen werden. Trotzdem erwählten sie den Weg der Vereinigung mit dem Motto: „Friede sei die Maxime", und sie glaubten aufrichtig, daß in naher Zukunft alle Gruppen der Nation sich verbinden und einer Ansicht werden, Uemoewcfef WÜQud.a~Q(Vlat*fa<B>m * €vft3ff(icfi in alten Ortsgruppen. und daß durch die gemeinsame nationale Arbeit die Orthodoxen die Gesetzesuntreuen beeinflussen würden, und auch diese verstehen würden, daß Erez Jisroel nur auf Grund der Thora und ihrer Tradition aufgebaut werden könne. Ich will die Gründer des Misrachi wegen dieses Versuches nicht tadeln, jeder neue Gedanke muß zuerst einen Leidensweg durchlaufen, bis man das Richtige erkennt. „Kein Mensch versteht die Thora, bevor er einmal gestrauchelt ist." Auch wir in unserer Zeit haben dieser Ansicht gehuldigt. Auch wir dachten, daß dies der richtige Weg sei, um unsere Theorie verwirklichen zu können. Wenn auch die Gesetzeslosen unsere Ansicht noch nicht angenommen hatten, schließlich glaubten wir, daß es nur noch kurze Zeit dauern würde, bis sie sie anerkennen werden, und wir hatten das Gefühl, daß jede andere Ansicht, die sich gegen diese unsere Auffassung wendet, auch wenn sie von Menschen ausgesprochen wurde, die sonst geistig uns nahestehen, nur in schlechter Absicht gesagt würde aus Streitsucht und Mangel an Verständnis. Und so vergingen Jahrzehnte und wir gingen gemeinsam mit unseren zionistischen Genossen. Wir haben dem Frieden zuliebe ihre Kämpfe mitgeführt und zu Ehren der Thora, die sonst keine Politik duldet, haben wir uns in das ganze Spiel der Politiker mit eingelassen, haben Kongresse voll Mühsal und Streit und Demütigungen ertragen, alles im Namen von „Erez Jisroel l'am Jisroel al pi Thorath Israe L" Und nun frage ich Euch, meine Genossen im Misrachi und frage mich selbst: „Wie lange noch? Hat der letzte Kongreß in Prag nicht genügt, um unsere Augen zu öffnen, um zu sehen, daß unsere Hoffnung umsonst war, als ob wir die anderen Parteien in der zionistischen Organisation beeinflussen können! Haben wir nicht genug Arbeit damit, daß wir nicht von ihnen beeinflußt werden! Was nützt es, wenn wir noch warten und unsere Kräfte zum Protest verschwenden gegen Sabbatentweihung, trefene Arbeiterküche, Chomezgenuß am Pessach und man hört uns nicht an! Wir sind auch dieses Mal wieder hinausgegangen beschämt und mit dem bedrückenden Gefühl, daß man uns keinen Teil in der Leitung der zionistischen Organisation gegeben hat. Inzwischen wächst in Erez Jisroel die Zahl der Revisionisten und anderer Parteien an, Schulen bestehen und weredn neu gegründet gegen unsere Weltanschauung, Generationen werden großgezogen, die nicht unser sind, und was haben wir davon? Lediglich der Welt die Schwäche der Orthodoxie zu zeigen, das fünfte Rad am Wagen zu sein, und Versammlungen von Protestlern zu organisieren und ein Jahr vor und nach dem Kongreß Krieg zu führen einmal gegen die y gesetzeslosen Zionisten und dann gegen unsere eigenen Gesinnungsgenossen: Die Leute von der Agudas Jisroel, die nicht von dem Wege der Tradition abgewichen sind." Die Zeit des Versuches ist schon vorbei, wir wissen, daß wir bei der Vereinigung mit den Zionisten kein Glück haben, nur Schmerz, Weh und Spott hat sie uns gebracht. Dabei drängt die Stunde und wir haben keine Zeit, ruhig zu warten. Unser bedrücktes Volk sucht ©ine Zufluchtsstätte für sich, und Erez Jisroel ist die einzige Stelle, wohin sich alle Augen wenden, und die Frage heischt sofortige Lösung und ein von Politik und Streit freies Denken. Nur Ar- 'beit, Arbeit! Und die ganze Zeit, in der wir in der zionistischen Organisation sind, und mit dieser kämpfen mußten, haben wir nicht gearbeitet. Es ist ein offenes Geheimnis, daß in den letzten Jahren, in denen der Misrachi kämpfen mußte, er in Erez Jisroel nichts leisten konnte und sein Einfluß dort nicht erkennbar ist. Nur Enttäuschung und seelische Bedrückung ist sein Los. Darum gibt es meines Erachtens für den Misrachi nur eine Rettung: sich von der zionistischen Organisation zu trennen! Die Trennung sei eine Trennung in Frieden, so wie zwei Geschäftsteilhaber, die lange zusammen gearbeitet haben, sich trennen, weil sie kein Glück dabei hatten. Die Zionisten werden sich möglicherweise nicht sehr über diese Trennung aufregen, und auch wir haben keinen Grund, es sehr zu bedauern. Unser Ideal hat gelitten und wer weiß, ob wir nicht tausendmal weiter in unserer Arbeit gekommen wären ohne diese Gemeinschaft. Nunmehr sollten wir stattdessen einen orthodoxen Kongreß für Erez Jisroel einberufen, in welchem die Führer des Misrachi und die Führer der Agudas Jisroel sich im Namen G'ttes und seiner Thora und seinem Lande die Hand reichen sollten und gemeinsam, nicht nur für Erez Jisroel, sondern auch für die Diaspora arbeitensollen, um bei unseren Brüdern wieder das Gefühl für Judentum und Thora zu erwecken. Ich erblicke hierin die Rettung der Nation in dieser Notzeit, und so wie ich die Menschen der beiden geeinten orthodoxen Parteien kenne, ist es leicht möglich, die Risse zu einen und den Bruch zu heilen und einen Frieden zu schaffen, wie er seit Jahren nicht da war, und nachdem sich alle unsere Größen, die Leuchten der Thora gesehnt haben. Mögen die Zionisten für ihr Ideal, das ihnen teuer ist — der Aufbau des Landes, der auch uns teuer ist —, weiterarbeiten. - Wir werden sie hierin nicht stören. Aber wir wollen im Namen des uns teuern und heiligen Ideales, für den Aufbau des Landes für das jüdische Volk auf Grundlage der Thora für uns arbeiten. Teure Genossen, verehrte Führer! Die Stunde ist gekommen, um Großes zu tun! Gehen wir den Weg unseres Vaters Abraham, der da zu Lot sprach: „Es soll kein Streit zwischen uns sein, und darum wollen wir uns trennen!"

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