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Der Israelit · 1934-01-04 · Heft 1 (4.1.1934) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 1 (4.1.1934)
Date
1934-01-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 1 Der Israelit 4.; Januar 1934 ner, die das Wesen und die Notwendigkeit der westeuropäischen Jugend verstehen, die Geist und Charakter dieser Jugend bilden halfen und die auch drüben die Sprecher für die Erfordernisse dieser Jugend waren, daß gerade sie mit aller Kraft und Hingebung die Brücke vom alten zum neuen Jischuw bauen wollen und bauen werden. Daß Fragen grundlegendster Bedeutung aus der Sphäre der Oeffentlichkeit herausgenommen und im stillen Beratungszimmer durch die maßgebenden rabbinischen und pädagogischen Führer Deutschlands behandelt wurden: die Frage des zukünftigen Chinnuch in Erez Jisroel, ist für jeden verständlich, der weiß, von welch entscheidender Bedeutung die richtige Lösung dieser Frage ist, weiß, daß zu einer Lösung nicht nur guter Wille, sondern auch feinster Takt und genaue Kenntnis der geschichtlichen Zusammenhänge gehört. Obgleich auch andere Kommissionen unermüdlich tagten, die Siedlungskommissionf die Kommission für geistige Hachschara, die Kommission für .Organisation und Propaganda war das Plenum immer beschäftigt: beschäftigt, obgleich keine Rede zum Fenster heraus gehalten wurde, sondern'alles nur auf die sachlichste Arbeit beschränkt blieb, die sachliche Arbeit, die dem einen Ziel galt, dem Wohl des Heiligen Landes. Die Tagung stand geistig auf außerordentlich hohem Niveau. Alle Diskussionsredner, zumeist Jugendliche, waren bemüht, die Höhe zu halten, die durch die Referate der Führer vorgezeichnet war, an deren Spitze das große politische Referat, Jacob Rosenheims stand. Wie gesagt, von Einzelheiten soll hier nicht die Rede sein. Es soll nur festgehalten werden, daß man während dieser zwei Tage den Blick so. nach, innen richtete, daß man die Sorgen draußen völlig vergaß, und wir sind dessen sicher, daß von dieser Tagung eine starke und andauernde Arbeit für alle Zweige der Tätigkeit für Erez Jisroel ausgehen wird. Wir sind dessen sicher, daß der große Gewinn dieser Tagung kein „Konjunkturgewinn ist, daß die innere Verbundenheit mit Erez Jisroel, die diese Tagung bei dem einen weckte und bei dem anderen neue belebte, von Dauer sein wird und sich auswirken wird in treuer Arbeit nach all den Richtungen hin, zu denen diese Tagung die Wege wies. Wenn wir hierbei noch ein rein Aeußerliches festhalten, daß die Tagung technisch hervorragend vorbereitet, daß sie gut besucht, zum Teil von ganz neuen jungen Menschen gut besucht war, daß kein Referat gehalten wurde, dessen Inhalt nicht durch Thesen später Gegenstand einer in die Tiefe gehenden Aussprache werden konnte, so bemerken wir dies, weil solch äußere Dinge zum reibungslosen Ablauf wesentlich, mit beitragen helfen. . Die deutsche Orthodoxie und all die, welche den Aufbau Palästinas im, Sinne der Orthodoxie erstreben, sollten sich nun wie ein Mann hinter die Palästina-Zentrale stellen, hinter deren Führer Dr. Salomon Ehr mann und Dr. Siegfried Oppenheimer, die ein '• Arbeit geleistet haben und leisten, deren Ausmaß nicht durch ein Wort des Dankes gekennzeichnet werden kann. Wir kennen die Männer, die an der Spitze der Palästina-Zentrale stehen, sie wollen keinen Dank und wenn sie einen begehrten, so ist es.Sier, daß wir ihnen bei ihrer Arbeit helfen. Daß dieser Wille bei allen, die da waren, vorhanden ist, ist unsere Ueberzeugung, daß er Tat wird, Tat im Dienst des Heiligen Landes, das ist unser innigstes Gebet und unser heißer Wunsch. W. S. J. Der Verlauf der Konferenz. Am Montag Morgen gegen 9 Uhr eröffnet Herr Dr. Ehrmann namens der Palästina-Zentrale die Konferenz und begrüßt die zahlreich erschienenen Delegierten, Vertreter des G.-A, der Agudas Jisroel, der Deutschen Landes- und Jugendorganisation, Rabbinat und Vorstand der Gemeinde Israelitische Religionsgesellschaft mit Hinweis darauf, daß die Tagung als Arbeitstagung gedacht ist. lieber -die Notwendigkeit und die Bedeutung: der Erez: Jisroel-Arbeit der Agudas Jisroel zu sprechen, erübrige sich, nachdem die Zeit und die Entwicklung der Dinge eine beredte Sprache führen. Die Augen der Orthodoxie sind heute auf die Agudas Jisroel und speziell deren Erez Jisroel-Arbeit gerichtet. Die Aufgaben der Konferenz sind dreifacher Art: 1. die Vorbereitung der in Betracht kommenden agudistischen Aulim für Erez Jisroel aus der Gola und alle damit zusammenhängenden Fragen, geistige und wirtschaftliche Hachscharah, Zertifikatserteilung, * Immigration, Unterbringung in Erez Jisroel, für produktive Tätigkeit. 2. der ganze religiös-kulturelle Fragenkomplex, welcher eine Lösung erheischt, die gleichzeitig die geheiligten Traditionen des alten Jischuw wahrt, aber auch den aus der Gola kommenden Einwanderern, besonders den Kindern orthodoxer Familien aus Deutschland, Möglichkeiten gibt, im Sinne ihrer religiösen Erziehungsmethoden auch in Erez Jisroel ihre Kinder zu orthodoxen Juden heranzubilden, 3. die;Mittelstandssiedlung, Schaffung . yon wirtschaftlichen Möglichkeiten für Familien und alle diejenigen Kreise, die bereits beruflich in Deutschland tätig waren und nunmehr eine Existenzmöglichkeit in Erez Jisroel suchen. . Die Grundlage für alle diese Fragen ist: aber auch die sogenannte agudistische Erez. Jisroel- Politik, für welche die Zentralleitung der Agudas Jisroel verantwortlich ist. Es ist deshalb an die Spitze der Tagung ein Bericht über die Erez Jisroel-Politik gestellt, welcher von dem Vorsitzenden der Agudas Jisroel-Welt-Exekutiye, Herrn Jacob Rosenhe im , nunmehr erstattet wird. , ,Erez Jisroel-Politik. Redner führt einleitend aus, daß die Palästina-Zentrale mit Recht an die Spitze der Beratungen der Palästina-Konferenz ein politisches Referat gestellt habe, weil alle praktische Arbeit, sei sie kultureller, sozialer oder wirtschaftlicher Art, von dem politischen Rahmen abhängig ist, der sie trägt und stützt. Gegenstand der politischen Arbeit der Agudo-Exekutive waren die Fragen der Einwanderung, der; Rechtsform, der jüdischen Gemeinschaft im heiligen Lande, die Pflege der Beziehungen zur Regierung in Jerusalem, zum Colonial Office in London und zum Völkerbund in Genf, sowie der Beziehungen zum Ar abertum. Redner gibt eine allgemeine Uebersicht über die durch das Abkommen mit der Jewish Agency .in deri(Z ,e r t i f i k a t s f ri;a g e geschaffene,;Lage. Im allgemeinen ist die Hoffnung tnicht unberechtigt, daß durch den Ausbau und die' Weiterentwicklung dieses Abkommens eine halbwegs befriedigende Lösung der Zertifikatsfrage für agudistische Aulim allmählich herbeigeführt werden kann. Die Palästina-Regierung verdiene jedenfalls Dank dafür, daß sie durch Ausübung eines starken Druckes auf die Agency diese zu dem lange Zeit verweigerten Entgegenkommen gegenüber den Wünschen der Orthodoxie veranlaßt habe. Während es in der Zertifikatsfrage einzig und allein auf die praktischen Wirkungen und weniger auf die Formen ankomme, sei dies in der Gemeindegesetz frage nicht der Fall. Nicht nur die praktischen Notwendigkeiten, sondern die ganze Würde der Orthodoxie und die Ehrfurcht vor der Taurohautorität in den Herzen der heranwachsenden Generationen sei davon abhängig, daß eine absolut paritätische Anerkennung der selbständigen orthodoxen Gemeinschaften im heiligen Lande g e s e t z 1 i c h v e ra n k e r t werde. Sonst wird das geschichtliche Judentum immer als etwas Minderwertiges erscheinen gegenüber der neuen weltlichen Form des Nationalismus. Es bleibt zu hoffen, daß der Kampf der gesetzestretien Jüdehheit um ihre Gleichberechtigung, so wie unser Standpunkt bisher schon erfreulicher Würdigung im Schöße der Mandatkommissiön in Genf begegnete, schließlich zum endgültigen. Erfolge führen wird. Inzwischen haben in Jerusalem Verhandlungen eingesetzt, um zu versuchen; ob' auf dein' Wege der Verständigung zwischen Agudas Jisroel, Obefrabbinat und Waad Leumi nicht eine gemeinsame Plattform für die gesetzliche Anerkennung, der orthodoxen Gemeinde durch einen gemeinsamen Antrag bei der Regierung gefunden werden könnte. Leider sind es weniger Ägency und Waad Leumi, als gerade Misrachi und Oberrabbinat, deren Haltung diese friedliche internjüdische Verständigung bisher . erschwerte. In der Araberfrage wird nach;wie vor nur ein gemeinsames Vorgehen aller jüdischen Gruppen mit Ausnahme der Revisionisten die Möglichkeit, irgend welcher Erfolge bieten. Redner ging, alsdann dazu über, die innerpolitischen Ziele der Äguda-Arbeit in Erez Jisroel zu skizzieren. Sie lauten: Einheit aller thoratreuen Kr'e i s e und ihre Z usammenfassung in der Agud'as Jisr pel, friedliche Ab g re n z u n g gegenüber den h i c h t.r e 1 i g i ö s e n Kreisen und Herstellung einer gemeinschaftlich e'n Ä r b e i t auch mit diesen in wirtschaftlichen und p o 1 i t i s c h e n Angelegenheiten. . Der Referent schildert die verschiedenen Gruppenbildungen und Gegensätze der Orthodoxie in Erez Jisroel, altem und neuem. Jischuw, Polen, Litauen, Deutschen und Ungarn, Jugend und Alter, Arbeitern'und Kolonisten und äußert sich eingehender zur Kultur f r a g e. Die unbedingte Notwendigkeit, für die Kinder der gesetzestreuen deutschen Einwanderer ' ein Erziehungssystem zu schaffen, das den deutschorthodoxen Anschauungen entspricht, kann von niemanden in Abrede gestellt werden, und wird auch von den rabbinischen Führern des alten Jischuw in Jerusalem durchaus anerkannt. Auf der andern Seite erklärt der. Redner namens der Exekutive der A. J., daß diese niemals Erziehungsstätten in Erez Jisroel gründen werde, die die Kindervon vornherein in e i nen G e g e n s a t z z u r rabbinischen Autorität bringen müssen, wie es bei den Misrachi-Schulen der Fall sei. Man sei gegenwärtig bemüht, i m Einvernehmen mit den Mitgliedern des R a b b.i n i s c h e n R a t e s der A. J. i h Erez J i s r o e 1 den geeigneten Weg zu finden; der die Rettung der jungen Generation vor der K'firo gewährleistet, dabei aber die bedenkliche Uebertragung des europäischen Schulsystems nach dem, heiligen. Lande vermeidet. ... Nach einer Schilderung der besonderen Jugendprobleme Erez Jisroels, soweit die' Orthodoxie in Betracht .kommt, wandte sich der Redner den Fragen der Arbeiterorganisation ,,Poale Agudas Jisroel" zu, für die man jetzt 'in''Kfar Säba; einen siedlerischen Stützpunkt gefunden habe. Das Referat schloß mit dem.»Hinweis auf die Notwendigkeit, nach dem schmerzlichen Heimgang von Rabbi Mosche Mordechai Epstein s. A., eine baldige Ergänzung des Rabbinischen Rates der Agudas Jisroel in Erez J,isroel,. dem zurzeit Oberrabbiner Duschinsky, Rabbi Mosche Kliers in Tiberias und Rabbi Isser Salman Melzer in Jerusalem angehören, herbeizuführen, damit der Politik' der Agudas Jisroel bei der Lösung der schweren Probleme, denen sie 1 sich tagtäglich gegenübersieht, die berufene Wegweisung aüs dem Borne der G'tteslehre nicht fehle. Zertifikate. Derjenige Teil des politischen Referates, welcher die Zertifikatsangelegenheiten behandelt, wurde in seiner speziellen Auswirkung für Deutschland durch Herrn Wolf S. J a c o b s o n - Berlin, den Vertreter der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel beim Palästina-Amt in Berlin, behandelt. Der Referent sprach über die Zertifikatsbewilligungen von Mai bis Dezember

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