Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 49 (7.12.1933)
- Date
- 1933-12-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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7. Dezember 1933 D er Israelit Nr. 49 Seite 13 Die Woche. Streiflichter zur öffentlichen Sitzung der Gemeindevertretung der Israelitischen Gemeinde am 30. November 1933. Streiflichter. Nur flüchtige, dürftige Streiflichter, hie wir bieten können. Beleuchten kann man nur, was man kennt, was man vor Augen hat. Hier wurde ein Finanzbericht in Umrissen gegeben, der kaum Ziffern enthielt, sondern auf das jedem Gemeindevertreter vorliegende Etatexemplar verwies. Dem „Israelit" wurde kein solches ausgehändigt, weder vorher noch trotz Ersuchens nachträglich. Seltsam. Die Grundlage einer öffentlichen Sitzung brauchte ja wohl der Oeffentlichkeit nicht vorenthalten zu werden. Aber wir können den Schmerz verwinden. Werden versuchen, aus halben Andeutungen der Generaldebatte manches zu rekonstruieren. Beginnen wir mit dem Philantropin. Früher gingen dabei die Wogen der Erregung beträchtlich hoch. Tritt doch hier der alte unlösbare und unentwirrbare Widerspruch einer friedlichen Vereinigung von gesetzestreuem und sogenanntem „liberalen" Judentum am vollsten und'sinnfälligsten in die Erscheinung. Die Konservativen pochten ehemals herrisch, aus dem berechtigten Herrentum der Gesetzestreue heraus auf ihr Recht. Sie übten mehr oder minder herbe Kritik an der ungenügenden religiösen Gestaltung der Schule. Die Zeiwerhältnisse haben die Wogen der Entrüstung geglättet. Wohl fällt noch das charakteristische Wort, man solle die Schule zu einer jüdischen Schule machen. Wohl meint man schüchtern, es müsse in religiöser Beziehung noch besser werden, obgleich es bereits sich gebessert habe. Aber der ausbrechende Elan fehlt. Wozu auch in der Bedrängnis .der Gegenwart, die leider im Allgemeinen über der Aeußerlichkeit und dem Versuch ihrer Bessergestaltung die Innerlichkeit, die eigentliche Ursache der ganzen Bedrängnis, das mangelnde Festhalten am g'ttlichen Gesetz und seine Ausübung vergißt? Man hat ja jetzt 1020 Schüler im Philantropn, wobei allerdings die Oberschule schlecht besucht ist, man hat Handwerksunterricht und solchen in der neuhebräischen Sprache eingeführt. Man bereitet so, nach mancher Ansicht noch nicht ausgedehnt und ergiebig und freigebig genug auf die notwendige Berufsumschichtung in anderem Lande vor. Die starke Schülerzahl läßt erwarten, daß der ursprünglich veranschlagte Zuschuß nicht allzusehr überschritten wird. Insbesondere da die R e i ch s v e r t r e t u rr g bereits Mittel zur Verfügung gestellt hat und weitere in Aussicht stehen. Ja, diese Berufsumschichtung, dieses schwere und drängende Erfordernis der Zeit! Die Berufsberatung, die die Gemeinde in ihrer Verufsberatungsstelle, Fahrgaste 146, konsequent und systematisch durchführt, war eine der neuen an sie herangetretenen Aufgaben, von denen der jetzige Syndikus, Rechtsanwalt Geiger, der Nachfolger des in einen anderen Wirkungskreis in Palästina übergesiedelten bisherigen Syndikus Dr. Eugen Mayer fprich.t Engerer Zusammenschluß mit den Iugendverbänden, gemeinsame Arbeit mit dem Bund für jüdische Kultur, Uebernahme des Protektorats für das neueröffnete Buber'sche Jüdische Lehrhaus, das die Jugend enger an die Gemeinde ketten wird, find weitere Exponenten dieser neuen Anforderungen. Lassen wir den Scheinwerfer weiter spielen. In das Krankenhaus Gagernstraße. Es soll erfreulich gearbeitet haben. Wie weit mit dieser allgemeinen Aeußerur.g die tatsächliche Schließung und Zusammenlegung einiger Abteilungen in Einklang steht, wissen wir nicht. Ein ärztliches Mitglied der Gemeindevertretung stellt ihm kein sonderlich günstiges Prognoftikon für die Zukunft. Ein wenig Licht in die Jüdische Wohlfahrtspflege. Ihr Dunkel könnte viel Licht brauchen. Die Anforderungen sind ungeheuer. Steigern sich von Woche zu Woche. Rekonstruieren wir richtig, so war für das zweite Etathalbjahr eine Subvention von RM. 7500.— vorgesehen und mußte diese notgedrungen auf etwa RM. 30.000.— erhöht werden. Freilich — bedingungsweise und großenteils vorschußweise. Es ist der Wohlfahrtspflege irgend ein Legat oder vielleicht auch einiges zugesagt worden, das die Gemeinde bevorschußt hat.. Nicht zu aller Entzücken. Denn von einer Seite wird der Meinung Ausdruck gegeben, man schränke damit die Gebefreüdigkeit ein, versperre ihr den Weg, wenn man die zur Erweiterung des Rahmens gedachten Legate dazu benutze, um Gemeindemittel zu sparen. Eine Aeußerung, die vom Vorstand nicht unwidersprochen hingenommen wird. Die Kultussteuern? Die Schätzung aus ihrem Eingang kennen wir nicht, haben wir recht gehört, fv sei sie 15 Proz. niedriger angenommen als vorher. Stimmt das, so scheint das einigermaßen optimistisch, wenn man den wirtschaftlichen Rückgang und die sich immer mehr vergrößernde Abwanderung in Betracht zieht, trotzdem eine neue Einnahmequelle neben dem bereits jetzt erhobenen Gemeindegeld (Kopfsteuer) in der Besteuerung der offenen Handelsgesellschaften erschlossen werden wird. Der Eingang der Steuern habe sich im Uebrigen'im letzten Halbjahr verhältnismäßig günstig gestaltet. — Der Posten „Schächtgebühren"-Eingang Mk. 3000 wird beanstandet. Woher jetzt Schächtgebühren? Besser, wie geantwortet wird, Fleischversorgungs-Gebühren. Auch die Religionsschule unterhandelt mit dritter Stelle um Subvention. Sie hofft. — Der vom Vorstand noch nicht genehmigte Etat-Entwurf wird nach zweistündiger Generaldebatte, die keine wesentlich neuen und ergiebigen Gesichtspunkte zutage fördert, der gemischj ten Finanzkommission zur Beratung überwiesen, an die ' auch Einzelwünsche gerichtet werden sollen. Es werden einstweilen zwei Etatzwölftel von RM. 1.045.087 bewilligt. Jüdische Feste und Veranstaltungen der Woche. Das Synagogenkonzert von Max Reumann am Sonntag abend in der Frankfurt-Loge war, äußerlich und künstlerisch gewertet, ein voller Erfolg. Voll besetztes Haus, vortreffliche Organisation, Kunsteifer aus der Bühne, Aufnahmefreudigkeit im Auditorium, Stimmung und Andacht, mithin alles, was man von einem Synagogenkonzert erwarten kann. Es zeigte sich, daß die Homogenität in der ernsten Kunst immer noch lohnender ist als ein sogenanntes „abwechslungsreiches Programm". Es war dieses Mal ein reines Synagogal konzert, bei dem von Anfang bis zu Ende das hebräische Wort und die hebräische Weise aus Künstlermund in vollendeter Form austtrahlte. Benno Ziegler und Janko Kaufmann, (früher am Opernhause), der uns wohlvertraute Lazar Fink elfte in und Heinrich B o r n st e i n als Baß-Solist, sowie Dr. Willy S a l o m o n und Max F i r n b erg am Klavier boten ihr Bestes und auch schlechthin das Beste, das man bei solchem Anlaß bieten kann. Aus Einzelheiten wollen wir nicht eingehen. Bemerkt sei nur noch, daß einige Piecen, so das mn, Herrn Finkelstein Gelegenheit gaben, j vortreffliches Chasonus zu entfalten und daß der gemischte Knaben- und Männerchor, in. dem zuweilen die Soli von I. Brand st ädter, H. Grünglück und K. * Joseph herrlich aufleuchteten, ganz auf der Höhe seiner Aufgabe war.! Wie uns mitgeteilt wird, soll das Konzert im Januarj mit den gleichen Solisten und nur wenig geändertem, Programm wiederholt werden. Der BarKochba feierte am Samstag abend in der Frankfurt-Loge fein 20jährrges Jubiläum bei ebenfalls ausverkauftem Haufe. Auch hier zeichnete sich der strahlende Bariton von Kammersänger Benno Ziegler in bekannten Arien aus. Andere Künstler von Namen schloffen sich ihm würdig an. Im vorangehenden akademischen Teil gab Dr. Sally Levy in einer Festrede einen Ueberblick über die Geschichte des Vereins. Der Turn- und Sportverein „Schild" mußte infolge des gewaltigen Zuspruches für sein Turnuud Sportfest am Sonntag abend den großen Saalbau nehmen. Ueber 2000 Personen waren anwesend. Bei den Darbietungen trat hier mehr das Sportliche in den Vordergrund, wobei ganz Hervorragendes geleistet wurde. Aber auch der gemütliche Teil, der sich den sportlichen Vorführungen anschloß, verdiente seinen Namen voll und ganz.' Der starke Besuch, dessen sich all diese jüdischen Veranstaltungen erfreuen, ist ein Zeichen der Zeit und Beweis dafür, daß sich heute unter den gegebenen Verhältnissen Juden unter Juden wohl und heimisch fühlen. Daraus freilich erwächst den jüdischen Festveranstaltern auch die Pflicht, Juden stets gut Jüdisches zu bieten. Wir haben vorerst keine Veranlafsuno, in dieser Beziehung Kritik zu übeu. Ein Vortrag über jüdische Musik. Am Samstag abend hielt Herr Max N e u m a n n in der Aula der S. R. Hirsch-Schule, gewissermaßen zur Einführung in das Synagogalkonzert von Sonntag abend, einen Vortrag über Jüdische S y n a g o g e n m u s i k. In gut aufgebautem Referate führte uns der Redner durch die Entwicklung des Synagogengesanges. Nach einer kurzen allgemeinen Einleitung über den Zusammenhang und das Zusammenwirken von Kunst und Religion, zeigte er Uns, von der althebrärfchen Instrumentalmusik ausgehend, alle Entwicklungsphasen des Synagogengesanges in ihrer Abhängigkeit von der außenjüdischen Welt, ihren Weisen und Melodien. Man mußte nicht mit allen kritischen Bemerkungen über die alten jüdischen Gesänge einverstanden sein, um die wissenschaftlich durchdachten und aufschlußreichen Ausführungen mit Dank aufzunehmen, der sich in reichem Beifall bekundete. —n. Lhanukahseier in der S. R. Hirsch-Schule. Montag, den 18. Dezember findet, f. G. w., in der Aula der Schule um 8 Uhr abends eine Chanukahfeier statt, die am folgenden Abend um dieselbe Zeit wiederholt werden soll. Zu diesen Feiern, bei denen nur Schüler und Schülerinnen Mitwirken und in deren Mittelpunkt ein hebräisches Stück ausgeführt werden soll, lädt das Direktorat der Schule und die Vereinigung ehemaliger Realschüler ergebenst ein. Eltern der Schüler und Mitglieder der Vereinigung erhalten freien Zutritt, doch wird dann gebeten, die Eintrittskarten zeitig genug im Sekretariat zu bestellen, da die Raumverhältnisse nur eine beschränkte Ausgabe von Karten zulassen. Ehanukafeier im Henriette Besthoff-Hort für jüdische Mädchen. Der Henriette BesthosstHort für jüdische Mädchen lädt Freunde und Gönner — Große und Kleine — herzlich zu seiner Chanuka-Feier ein, bei der Schauspieler und Zuhörer auf ihre. Kosten kommen sollen. Am Mittwoch, den 13. Dezember, nachmittags 4.30 Uhr, soll's lustig werden in der Turnhalle der Israelitischen Volksschule. Macht Eure Kinder froh, schickt sie in den 3. T. B.l Man schreibt uns: Der Jüdische Turnerbund Frankfurt a. M. unterhüll neben seinen Abteilungen für Damen und Herren gut geleitete Kinderkurse für Knaben und Mädchen im schulpflichtigen Alter. Wir richten an alle jüdischen Eltern die Bitte: Schicken Sie uns Ähre Kinder! Wir fördern ihre körperliche Stärkung, erziehen sie zu Disziplin, Gemeinschaftssinn und Mut und bieten ihnen Freuden, Frohsinn und Geselligkeit. Die Kurse unterstehen Frl. Sitta Golde und Herrn Moritz R e i ch. Die Zeiten sind: Knaben: Montag oder Donnerstag 6—8 Uhr S. R. Hirsch-Schule: Mädchen bis 8 Jahre Mittwoch 2.30—3.30 S. R. Hirsch-Schule; von 8—11 Jahren 5.30—6.45 Uhr; von 11—15 Jahren 6.45—8 Uhr Israelitische Volksschule. Anmeldung jederzeit auf dem Tuvnboden. Nähere Auskunft bereitwilligst bvi Adolf Fiebermann, Rückertstraße 47 (48 396). Eine Chanukah-Feier der Jugend findet am Sonntag, den 17. Dezember, nachm. 3.30 Uhr in der S. R. Hirsch-Schule statt. Alle Jungens und Mädels sind eingeladen. Gesellschaft für jüdische Volksbildung e. v. in Frankfurt. Am Sonntag den 10. Dezember,'20.30 Uhr, findet der erste B ü h n e n a b e n d im großen Saal der Frankfurt Loge statt. Zur Aufführung gelangen Werke jüdischer Autoren in der Bearbeitung und Regie von Alfred Auerbach. Die Bühnenbilder sind entworfen und angefertigt von Carlo Goldschmidt und Willy Löwenstein. — Sonntag den 17. Dezember wird ein Kammermusik- Abend stattfinden; Montag, dött 18. und Dienstag, den 19. Dezember spielt nachmittags das K a s p e r l e t h e at e r von Liefet S i m o n. Einzelheiten werden noch bekannt gegeben. Amlsjubiläum. Am 1. Dezember 1933 sind es 25 Jahre, daß Herr Josef Farkas bei der Israelitischen Religionsgesellschaft als Schachet tätig ist. Bon Haus aus ein tüchtiger min n hat er der Gemeinde in einem Bierteljahrhunderl bei Ausübung der ernr naxVn treue Dienste geleistet. In schwerer Zeit hatte er sich für unzählige jüdische Brüder als *biii non bau betätigt. Wir wünschen ihm weiteres Wirken bei voller Gesundheit. --pias Kundgebung des Eeniralvereins. ' Eine große Kundgebung des Frankfurter C e n t r a l v e r e i n s fand am Montag, den 27. November statt. Schon lange vor Beginn war der große Saal der Frankfurt-Loge überfüllt und mit besonders herzlichem Beifall wurden die Redner des Abends, Herr Justizrat Dr. B r o d n i tz und Herr Rechtsanwalt Dr. Callmann, begrüßt. Herr Justizrat Dr. i Brodmtz, der alte Kämpfer für die Rechte der deutschen; Juden, erklärte unter lebhaftem Beifall der Versammlung, daß der Centralverein im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten dafür arbeiten werde, daß die Rechte der deutschen Juden erhalten bleiben. Er wandte sich gegen alle Splitterbestrebungen und unwürdigen Einzelaktionen bestimmter Gruppen, welche die notwendige einheitliche j Führung des deutschen Judentums beeinträchtigen. Gei rade zu diesem Thema konnte sich Herr Rechtsanwalt Dr. : C a l l m a n n, das erste Mitglied der Reichsvertretung, j welches in einer jüdischen Versammlung in Frankfurt a. M. das Wort ergriff, ausführlich äußern. Er appellerte an die deutschen Juden, dafür zu sorgen, daß die; Reichsvertretung mit der notwendigen Autorität versehen werde, welche erforderlich sei, um nicht nur in Fra- : gen der wirtschaftlichen und rechtlichen Gestaltung, son- , dern auch insbesondere im Hinblick auf die notwendige; seelische Haltung, eine starke Vertretung der gesamten deutschen Juden darzustellen. (Dies ist die Reichsverlrctung zur Zeit nicht. Red.). j Die Versammlung, wie auch die übrigen Veranstaltungen, legten Zeugnis davon ab, wie notwendig es in , der heutigen Zeit ist, daß jeder Jude und jede jüdische * Organisation zu ihrem Teil dazu beitragen, die notwens dige Hilfsarbeit nicht nur auf den engeren Kreis zu be- , ziehen, sondern sie einzuordnen in die Berantwortung für die jüdische Gemeinschaft in Deutschland? Fritz Weiß', Friseur, Damen- und Herren-Salon, empfiehlt sich für Chanukah. Alle Haararbeiten werden bestens und billig ausgeführt. Für Kinder am Chanukah extra billige Preise. Es ist das einzige Friseurgeschäft am Platze, das am v"'i nav streng geschlossen ist. Ein Novum für Wien und Oesterreich ist das neu eröffnete streng rituelle Semmering-Sanatorium und die Kurpension unter Leitung von I. Eisenberg. Bon 1040 Meter Höhe bietet sich ein herrlicher j Fernblick auf Schneeberge. Alle Zimmer haben sonnigen ' Balkon und fließendes Wasser. Liegehalle, Gesellschaftsj räume und Turnplatz find nach allen Gesetzen der Hy- ' giene angelegt. Ein bewährter Arzt (Dr. Erber) überwacht die Kureinrichtungen (Elektrotherapie, Röntgenj apparat, Diätküche) und betreut die kurbedürftigen Gäste, j Kinder haben, unter zuverlässiger pädagogischer Aufsicht j und Leitung Gelegenheit zu rodeln, Eis- und Skilaufen. Die Preise sind sehr mäßig. Auskunft erteilt der päda- ' gogische Leiter und Direktor des Betriebes, I. Eisenberg, Wien, Gr. Pfarrgasse.8.