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Der Israelit · 1933-08-31 · Heft 35 (31.8.1933) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 35 (31.8.1933)
Date
1933-08-31
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 35 Der Israeli! weist uns aus dem politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Lcbensraum des deutschen Volkes heraus. Der totale Staat hat für jüdischen Stamm und Rasse kein Betätigungsfeld mehr. Und die Assimilation? Die seit über einem Jahrhundert bis zur Ueberspanntheit betriebene Assimilation, ist sie wirklich restlos — sinnlos gewesen? Es kam über uns die Hand G'ttes. Ls kam, ja es kam die — große Abrechnung G'ttes. Die Assimilation wurde uns allen tausendfach um die Ohren geschlagen. Der tausendfältige Verführer wandelte sich urplötzlich zum Ankläger . . . G'ttes Vergeltung kam über uns Rlaß um Alaß. Mit einer Deutlichkeit, die nichts zu wünschen übrig ließ. 0 ch ä ni e d i ch — mit Herzblut schreiben wir es nieder — schäme dich, d e u t s ch e I u d e n h e L t, daß du dies alles selbst verschuldet und doch nicht begriffen hast. Daß du auf all dieses unerhörte Geschehen sprachlos oder doch tatenlos reagiertest. Deine Minderwertigkeit, deine erbbiologische, casscmäßlge Minderwertigkeit, wird auf allen Gassen ausgeschrieen, — und deine verfallenen, unbrauchbaren Mikwoaus zeugen wider dich, deine Reformrabbiner, die Get und Lhalizo verwerfen, deine leichtsinnigen und eitlen Frauen und Männer, die in unficiligcr Ehe oder in Mischehe leben, zeugen gegen dich, welche jüdische Frau hat wohl seit dem Zusammenbruch der Assimilation unter dem Zeichen von G'tres großer Abrechnung, begonnen, thoragemäß über ihre eheliche Reinheit zu wachen, oder tbocagemäf; Körper und Haar zu verhüllen? welche? Schande über dich deutsches Judentum! Der geschändete Sabbat hat aber tausendfach gegen dich Zeugnis abgelegt, da deine wirtschaftliche Existenz auf Schabbasverrat gegründet war. G'ttes Vergeltung kam, deine wirtschaftlichen Möglichkeiten wurden dir zum großen Teil genommen, der geschäftliche Boykott an einem Sabbattage über dich verhängt. Soll G ' t t c t w a noch deutlicher sprechen? Und doch — man müßte aufschreicn: wieviele Geschäftsbetriebe haben seit diesem Boykottage am r>2V Türen und Läden geschlossen? Ist es ein Wunder, daß man uns den spärlichen. Verdienst oft neidet, da er dock in solcher Unbeiligkeit erworben ward? Schande dir, du deutscher Jude, der du die schreckhaften Zeichen dieser Zeit nicht verstehst noch deutest, wie oft hast du in deinem Haushalt, oder nur auf der Reise, Unheiliges, verbotenes über deine Lippen gebracht. G'tt hat dich geschlagen mit gleichem Maß. Die Schechito ist dir genommen; — doch was hattest du eiliger zu tun, als nun deinen Haushalt ganz offiziell auf trefoh —.gleichzuschalten, da ja auch deine liberalen Geistlichen dir ihre leichtsinnige Zustimmung gaben. wie wenige ahnen es auch, daß ein Morgen geschichtlicher Vergeltung herangebrochen ist, an - dem G'tt uns heimzahlt unsere und unsrer Väter Schuld. G'tt ahndet die Schmach und die Entartung der Assimilation. von der uns zur Last gelegten menschlichen Schuld fühlen wir uns frei, nicht mehr betroffen, als irgend andere Bürger in deutschen Landen. Unseren Obliegenheiten gegenüber Staat und Mitmensch sind wir sauber und korrekt nachgekommen. Aber in G'ttes Augen sind wir treubrüchige Glieder Seines Volkes. was ist anders geworden in: Inneren Leben des deutschen Judentums in unfern unseligen Tagen? Hat ein Sturm der Entrüstung und Enttäuschung die liberal-jüdischen Geistlichen von ihren Kanzeln fortgefcgt? Hat man ihnen die Gefolgschaft versagt? Richts von alledem. . Selbigen Herren ist es recht wohl, sie machen in Zionismus. Sie erlauben weiter Verbotenes, segnen weiter unjüdische Chen ein und erfreuen ihre Rachbeter mit höchst modernen nationaljüdischen Phrasen. Der liberale Jude, der einstmals in Stuttgart oder, anderswo sein Jerusalem fand, das er aus seiner Liturgie gestrichen, abonniert heute ein zionistisches Blatt, das eine anders-' artige Assimilation, eine rein nationale Gleichstellung mit den Völkern predigt — also immerhin eine Assimilation — eine Scheinlösung, die stolz macht und die, weil sie G'ttes Willen nicht kennt, uns vor allem in keiner weise in unserer Bequemlichkeit hemmt. Die d e u t s ch t ü m e l n d e n Juden vergnügen sich aus ihre weise. Sie gründen Sportvereinigungen, sogar einen Kulturbund, auf daß wir um des lieben Himmels willen „nie wieder in ein Ghetto" kommen. Die Zionisten, die Parteigänger der nationalistischen Assimilation an die staatspolitischen Ideen und Gebilde der Umwelt sind in voller Emsigkeit. Sie werben und propagieren. Sie haben. es leicht. Eine zionistische Teschuwo ist keine Askese. Reu-Hebräisch schnell gelernt! Die Enkel derer, die Zion und Ierusalein einst aus ihren Synagogen verbannt hatten, drängeln heute vor englischen Konsulatsräumen. Jur Uebrigen denkt nran an Auswanderung, Berufsumschichtung, wirtschaftliche Selbsthilfe usw. Rlau ist zwar seelisch überaus gedrückt, abernickt zerknirscht; niedergeschlagen, aber nicht demütig. Am allerwenigsten G'tt gegenüber. wie jämnrerlich würdelos und kopflos hat uns doch G'ttes große Heimsuchung angetroffen. Die Schofartöne der Zeit, die Posaunen von G'ttes Strafgericht blasen zur Heimkehr. G'tt wartet auf sein todkrankes Volk. Vergebens? Doch der Prophet Amos fragt: „wird das Volk nicht erzittern, wenn das Schofar geblasen wird in der Stadt?" Rein, Amos, das - __ 31. August 1933 hast du wohl nicht gewußt, — das Volk wird weiter gedankenlos, tatenlos bleiben, wird — nicht erzittern! G'ttes Volk wird Auswanderung, oder Kulturbund propagieren, aber zittern vor G'ttes strafender Wallung wird es n i ch t. . . . Ist e s d a n n noch G t t e s v o I f?! 13057 VS27Q2 8271 *?8 83 4. DK- : .vi,' die gegenwärtige Situation des öeutf hen Judentums. Hilflos nach außen und selbstgefällig nach innen. Die Assimilation hat den Wurzelstock des deutsch-jüdischen Volksstammes bereits zu stark mit Fäulnis zersetzt, so daß der Sturmwind des. altneuen Golustums nur morsches Geäst knicken mußte. Die ganze verzweifelt-fatale Hohlheit und Haltlosigkeit unsrer innerjüdischen Verfassung erweist sich zur Stunde in schmerzhafter Deutlichkeit. Rur nicht schweigen wollen über all dies. Wir wollen uns weder abfinden noch hinwegtäuschen über all das Brüchige,. Schwankende, Sinnlose unsrer« jüdischen Gegenwart. Und doch, und immerhin ein Hoffnungsschimmer! Seht auf die Getreuen der Thora! Seht auf die Orthodoxie! Ihr war — das erkennen wir heute — doch die Assimilation nur Firnis, nur Tünche, niemals Eigenleben. In ihrem Reihen allein heute die — Tefchu w o. Auf ihren Gesichtern der heilige Ernst der Geschichte. In ihren Herzen brennendes Weh um die Entweihung, brennende Liebe zu G'ttes Gesetz. Kein geistloses Frömmeln mehr, sondern todesmutige Hingabe. Es ist vieles, vieles anders, besser, klarer geworden in den Kreisen der G'ttesfürchtigen. vieles, lange noch nicht Lilles. Das wiedererstandenc Golusleid brachte uns richtungweisende Entscheidungen. Die bisher Untreuen sind noch untreuer, die Treuen noch treuer geworden. Laßt uns nicht genügsam sein in diesen h e i l i g e n T a g e n. Laßt uns unzufriedener denn je fein mit uns und unsrer Leistung. Laßt uns erzittern vor G'ttes Tekiah. Heiliger Prophet Amos, — zu uns hast du gesprochen. Wir hören dich; das Gelöbnis der Tefchuwa auf unfern Lippen, die Träne der Tefchuwa in unfern Augen, und den Herzschlag der Tefchuwa in unserm Leben. Uns möge G'ttes große Abrechnung dieses Jahr vorbereiteter finden denn je. Laßt uns austreten aus d e r g ' t t f r e m d e n Kultur und e i n t r e t e n in G'ttes Kultur. Laßt uns täglich stundenlang Schüler werden von G'ttes Weisung, demütiger, eifriger als einst. Brüder, laßt uns wieder Kinder werden um G'ttes großen Tisch, vieles ist wieder gut,' vieles besser zu machen in unserm.jüdischen Hause. Und vergessen wir keinen Augenblick lang an die Verantwortlichkeit gegenüber den Irrenden und Entarteten unsres unglücklichen Volkes, an die uns immer noch eine geheime Liebe bindet, wöge s o das WAM Lllul-Betrachkungen. Von Elle Weisfisch in 7Nir-Hamburg. Die folgenden Ausführungen enthalten Gedankengänge, die zum größten Teil Vorträgen berühmter Autoritäten der heutigen 2vi» -Welt entstammen. Sie waren ursprünglich an einen Freund adressiert. In Anbetracht des nrnvn-Sturmes aber, der heute in unseren Reihen überall fühlbar ist, dachte ich, vielleicht könnten sie der Oeffentlichkeit nutzbringend dienen. Vielleicht werden sie den einen oder den anderen zum fruchtbaren Nachdenken über Wesen und Ziel unserer „Awaudo" anregen. Lieber Freund! Das letzte Mal übersandte ich Dir Ausführungen über das Thema "2®np„ und "nunpnru. Im Mittelpunkte jener Betrachtung stand der Ausspruch unserer Weisen (cr!>Kar); mmn im» ePEnpn — vyu insy *npn mr „Heiligt sich der Mensch (durch williges Bereitsein, den Willen des Schöpfers zu erfüllen) — wenn auch noch so wenig, so heiligt man ihn im Himmel um ein Vielfaches." — Ich nehme an, daß Du jene Worte bereits gut durchdacht hast, und daß Du nun aus dem Ausspruch der ‘«»in, das hsrauszulesen vermagst, was sie uns hiermit sagen wollten. Du bist Dir nun der wunderbaren Kraft bewußt, die unser nivipnn in sich trägt, — daß jenes in solch hohem Maße durch G'ttes Hand vergolten wird, daß es selbst 22122 n*?2p und G'ttesoffenbarung bewirken kann. Denn Du erkanntest ja, daß nur unermüdliches nivipm es war, das Jisroel an den Sinai führte. Und dann, als Du den Sinn jenes Ausspruches zum ersten Male in seiner ganzen Konsequenz erfaßtest, fragtest Du doch gewiß voller Bewunderung: was ist das doch für ein herrliches Band, das eine so zuverlässige Verbindung herstellt zwischen uns i>»2v' »y. und dem Schöpfer?! Nachdem Du nun, lieber Freund, alle diese Gedanken zu Ende geführt hast, wird sich Dir wie von selbst die Definition der 211s» als das geistige Band ergeben, das Jisroel mit n^apn in stetiger Verbindung hält. Und nachdem Du Dir auch der hohen Bedeutung der rnis» bewußt bist, wird es Dir nun einleuchten, was unsere Weisen sagen: •",2»v!> rra rmvb »in? qinvi? 2»t?i- »in? i^'ss ms» nchiz- Äa, noch weitgehender ist die Kraft der ms»: Unsere Weisen sagen: -im» )’j«on 22vi> »2nferner dixi? qiia- "im» i'm^i» -st'i> nsn. Von solcher Feinheit ist jenes Band, daß es schon durch bloße gute 22112. die Absicht, den Willen G'ttes zu erfüllen, — m 2iv bewirken kann. Daher sagen unsere Weisen auch: •"Ttnvb xbv ms»» n»^ nmay rii-iir- So lobenswert ist eine gute 22112. die ausschließlich o’ner gemeint ist, daß selbst eine sie begleitende Tat, die an sich als nmay verboten ist, jenes wunderbare Band nicht zu zerstören vermag. Sieh, welch eine nviip strahlt von den m '222 aus, die uns die P~nm ba enthüllt! Würden wir doch nur immer des hohen Wortes eingedenk fein, mit dem 2"2p2 unsere 212112 wertet, — wahrlich, mit mehr Bedacht würden wir entscheiden, wag zu tun und was zu unterlassen ist! Die ('ni'2,2) »i»2 fragt bezüglich des pios in '> venn: ,"02 li>I?2' o'yvisi »2 12!" ll'P'2Si '2 '222 D’21?’ ’2" „Gerade sind die Wege des Ewigen; Gerechte wandeln in ihnen, — Frevler straucheln an ihnen," — wie ist so etwas vorstellbar? Zwei Menschen gehen einen und denselben Weg, vollziehen eine und dieselbe Tat, — der eine erfüllt hiermit den Willen G'ttes, der andere dagegen strauchelt hierbei und begeht eine m'2?! An welchem Beispiel können wir uns den Sinn dieses pivs erklärlich machen? Darauf antwortet die 'm: ,"22 12^’ D’p’2S" — ms» avb 121127121? m ,1'ni22 '7>t?1 »lV5> Wft Dvb '»2 Sin 2vi>21 ."22 li>t?2' D'ypisi" - m’25? avb 111222t? »IN Kt?’l" 2»»2 ,22'23? Öt?V N1N pivvn i>2 :Z2N1' '2 2»S?1112» N1S» "1'22» nt?» » vr\ T" — "1'2'y ns vli, Könnte ein Mensch sich je vorstellen'— wenn die 2212 es uns nicht offenbarte — weldje Kraft in der .-22112 liegt? Wieviel sie ausmachen kann?! Lot und seine beiden Töchter begehen alle eine und dieselbe Tat: Lot ist der vvis, von dem gesagt Wird: -22 ii>t?2' myvisi-.weil seine 22112 schon von dem Augenblicke an, da er sich von Abraham trennte, „seine Augen erhob und den ganzen Landstrich des Jordans sah usw.", bis die böse Absicht sich von selbst in die Tat umwandelte, nur 22123? uvb gemeint war (wie die '»3 durch Gegenüberstellung von mpiDB beweist; s. daselbst!); die Töchter dagegen ni'2p2s o’t?2, obgleich sie dieselbe Tat begehen, an der mb strauchelt, — weit ihre N2112 — für die Erhaltung der menschlichen Art chorsorgend — ganz und gar nt?$> gewesen ist: •'"Ö3 13i" Ö'p»2S— . . . . Das ist pmm; Derart die Wege G'ttes! usw y»v22l — Keine wto» keine konkrete Handlung, — die haarscharfe Schneide der 22112 allein, welche den abstrakten Gedanken entspringt, fällt die Entscheidung pi> v22'2 p2 st» - N25V2 V1N2 py ob p’2s oder yv->! Weil nun die 22113 von so entscheidender

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