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Der Israelit · 1933-06-22 · Heft 25 (22.6.1933) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 25 (22.6.1933)
Date
1933-06-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Fksmkfukt H« bctt 28. Siwan 569; flR2\| Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum llfSSf V * i f I Begründet von Dr. Lekmmin Main». v\ A m Begründet von Dr. Lehmann in. Mainz. & ClES if.*#&£%*’!. W.?- V > Äöonirement ab Juli 1929; Deutschland 1.30 Mark monatlich; Ausland: Btertsltahrpreise (en sprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Österreich: Schilling 6.—; Amerika 1 Dollar; England 6 sh.; ab 1 Juli Frankreich 25 Fr.; Belgien ab 1.7.27. BelgaS. Holland 2 st.; Italien ab 1.1.28.18 Lire; Ingo» slavien 55 Din.; Litauen 750 Lit.; Rumänien ab 1. 7. 27. 150 Lei; Polen 4 brutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty: Schweiz 5 Fr.; Tschecho-Slowakei 25 Kronen; Ungarn Pengö 6 ab 1. Juli 1927; Dänemark 3.50 Krön.; Norwegen 3.50 Krön.; Schweden 3.50 Krön. Einzelnummer vierzig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 50 Goldpf. für die stebengesp alten» Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bet Stellengesuchen und Familtenanzeigen nur 40 Pf. Die 75 mm breite Reklamezeile: letzte Textsette 2.— Mk., vorletzte Textsette 250 Mk.; Ehtffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bet laufenden Inserataufträgen tarifm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Jnferatenannahme durch de« Verlag des Israelit G. m. o. H., Frankfurt a. M., Rechnetgrabenstratze 7, Tel. Hansa 21084 sow. durch sämtl. Annoncen-Exped. d. In- und Auslands. Alleinige Inseratenann. für Franks. Geschäfts««».: Jul. Schmidt, Oftendstratze 83 Tel. 45888. Platzvorfchr. ohne Verbindlich!. Zahlungen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Verlag des Israelit und Hermon G.m.b.H., Franlsurt (Main) Nr. 19802.—Außerdem au: Postsparkasse Wien Nr.79606—Postsparkassenamt Budapest Nr. 18424. — Postscheckkonto Parschau Nr. 190757. - Postscheckamt Zürich Nr. VIU 7251. — Postscheckamt Amsterdam Nr.24889 — Postscheckamt Prag Nr. 78.080 — Rumänische Kreditbank Bukarest und ihre sämtl. Filialen Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten stch ergebenden Zahlungsverpstichtungen ist Frankfurt a. M. Gin neuer Umweg der jüdischen Geschichte. Vor drei Monaten haben wir an dieser Stelle vor dem Glauben gewarnt, daß der Auflösungsprozess in dem stch der deutsch-jüdische Liberalismus unter dem Drucke der Zeitereignisse befindet, dem geschichtlichen Judentum, wie es die Orthodoxie vertritt» zugute kommen werde. Der Ruf zur Rückkehr ins Vaterhaus^ der aus dem Erleben der Stunde spricht und so manchen halb oder ganz Fahnenflüchtigen zur jüdischen Selbstbesinnung nötigt» er hätte vielleicht, solange religiöse Treue und religiöse Glaubens- und Lebenswillkür allein einander gegenüberftanden, die Kraft besessen, einen Grossseil der jüdischen 3 u - g e n d wenigstens an dieser Schicksalswende um die sturmerprobte Fahne des alten G'ttesgesetzes wieder zu sammeln und eine wahre jüdische Einheit, die nur Einheit des.Geistes und des Blutes sein kann, herzustellen. Da aber erhebt sich, wie wir damals bereits andeuteten, als eine Art A u f f a n g -- O r g a n i s a - t i 0 n vor den Heimkehrern die z i 0 n i st i s ch e Partei! Der Zionismus ist in der angenehmen Lage, den aus der Bahn geworfenen Brüdern aus dem liberalen Lager ohne jede unbequeme weltanschauliche Bindung die Pforte zu einer neuen Form jüdischer Heimat zu öffnen, die den vonr deutschen Rationalismus verstoßenen einen an sich wesensgleichen j ü d i s ch e n Rationalismus, den (Opfern der individuellen Assimilation die national e Assimilation als vollwertigen Ersatz bietet. Der Kern der eigenen Persönlichkeit — der Kern ist der Geist und nicht das Blut — erfährt dabei keine Verwandlung; der weg der echten Tschuwo mit ihren Erschütterungen, bleibt, von glücklichen Ausnahmefällen abgesehen^ vorerst vermieden. Ts ist daher wirklich nicht zu verwundern, daß die „Jüdische Rundschau" triumphierend zu berichten weiß, allein in Berlin habe die „Zionistische Vereinigung" im Monat Mai 445 neue Mitglieder gewonnen, 16 000 Menschen hätten die Berliner Beratungsstelle des zionistischen Palästina-2lintcs in Anspruch genommen, 5600 Bewerbungen um Hachschoro-Stellen lägen vor, 52 überfüllte Versammlungen hätten die Berliner Bezirksgruppen im Monat Mai zur Ausbreitung der zionistischen Gedankenwelt veranstaltet und mehrere hundert neue Abonnenten des parteiblattes täglich bezeichneten den Sicgesweg des Zionismus in Deutschland. . Wir wollen gewiß nicht behaupten, daß 'die 16 000 deutschen Juden, die zum Palästina-Amt gehen, deshalb schon Zionisten und für eine wahre Rückkehr zum G'ttesgesetz verloren seien. Ganz äußerliche, rein wirtschaftliche Momente spielen dabei eine große Rolle. Aber wenn diese (für die kleinen deutsch-jüdischen Verhältnisse) imposanten Ziffern schon in ihrer Aneinanderreihung und in der Freude, mit der man sie verkündet, stark an die Massenziffern der nationalsozialistischen Propaganda vor der Machtergreifung erinnern, so ist auch nach der Innenseite des Problems aus dieser Analogie unsres Erachtens vieles zu lernen. Cs gibt grade in gutjüdischen Kreisen noch viele „Individualisten", die für die entscheidende Rolle des (Organisatorischen, der re ch t e n oder falschen (Organisation, in den höchsten Bezirken geistigen Lebens geradezu blind sind. Ihnen sollte eigentlich durch all das, was die Welt in Italien, in Deutschland, teilweise in Rußland erlebt hat, der Star gestochen sein. Nicht mehr und nicht weniger als das innerste wese n der Persönlichkeit wird mehr oder minder langsam durch die Organisation geformt, und auf die Dauer vermag das Individuum der gestaltenden, unterwaschenden oder aufbauenden Uebermacht -des Organismus, in dem er eine Zelle bildet, keinen Widerstand entgegenzusetzen. S ch e i nt die Organisation dem oberflächlich Urteilenden zunächst etwas Aeußerlich-Technisches, sie scheint es nur, denn alles organische und volkhafte werden ist letzten Endes Organisation, vom Kleinsten bis zum Größten. von diesem Gesetze ist die Tragödie des „Misvachi" bestimmt, dessen jüngere Generation sich dem von innen heraus wirkenden geistigen Umgestaltungsprozeß, der weitab wegführt vom geschichtlichen Judentum, eben so wenig entziehen kann wie alle die Tausende in Deutschland, die jetzt — meist sogar ohne nennenswerten geistigen Klimawechsel — den Ucbergang von der individuellen >in die nationale Assimilation, von dem liberalen zum zionistischen Freidenkertum vollziehen. Wir kennen die Ginwände, die man gegen diese pessimistische Auffassung der Dinge Vorbringen kann und wird. Man gewahrt, wie der Zionismus religiöse Symbole benutzt, wie er mit der hebräischen Sprache, willens oder nicht, den Zugang zur hebräischen Bibel erschließt, wie er gesellschaftlich den halb oder dreiviertel Getauften .in eilt jüdisches Milieu bringt und ihm. so unbewußt auch .religiöse jüdische werte injiziert, von dieser Feststellung bis zu dem glückseligen Glauben, 8er Zionismus sei der unbewußte, aber unmittelbare'wegebereiter des gesetzestreuen Judentums, ist nur ein Schritt. Aber wir vermögen diesen gefährlichen, weil die Wahrheit verschleiernden und den willen lähmenden Schritt nicht zu tun. Die zionistische Degradierung des G'ttesvolkos und seiner Lebensseele, des sinaitischen Einheitsrnfes, zu einer mit etwas religiöser Romantik ausgestatteten, dem modernen Völker-Rationalismus bis auf den I-Punkt nachgeahmten europäischen Ration, sie ist zu ungeheuerlich, sie stellt in Palästina wie in der Diaspora einen zu furchtbaren verrat an dem metaphysischen Schicksal der Welt dar, als daß wir in dieser Umkehrung des Judentums seine Erfüllung oder auch nur einen direkten weg zu seiner Erfüllung erblicken dürften. Sie ist höchstens ein langer, aus dem Unbewußten gespeister U mwcg der Geschichte, der als solcher von den zum Handeln bestimmten und berufenen Führern der Zeit erkannt werden Muß. Cs erhellt schon ans diesem Gedankengang, daß wir eg keineswegs für eine leichte Aufgabe halten, dem Ruf zur e ch t e n Tschuwo, wie er in den letzten Monaten wiederholt und wiederholt aus berufenem Munde von Kanzel und Presse erging, in weiteren, nicht heute schon prinzipiell zu uns gehörigen Kreisen praktische Auswirkung zu verschaffen.. . Der geistige Kampf mit der bequemen Massenlogik des liberalen Zionismus — wodurch keineswegs etwas gegen seinen-praktischen Idealismus gesagt sein soll — ist überhaupt nur auf dem Boden eines zum Organismus gestalteten und daher sein geistiges Eigenleben wahrenden gesetzestreuen Judentums zu führen, und nur das Feuer des aus einem solchen Organismus hervorbrcchenden religiösen Gemcinschaftswillens einen tatbereiten Jugend vermag den unhistorlschen, assimilatorischen Kräften widerstand zu leisten, die im modernen Zionismus wirksam sind. Ein solcher Organismus ist aber heute in Deutschland nur der Anlage nach vorhanden. Die agudistische Organisation Deutschlands, der heute eine providentielle Aufgabe von höchster Bedeutung gestellt ist, entbehrt der genügenden Anzahl entschlossener Führer; sie umfaßt nicht einmal als Mitglied die Gesamtzahl der nach Gesinnung und Tat als g e - fetzsstreu zu betrachtenden Menschen und sie verfügt darum nicht über das Maß der materiellen Mittel, das die Vorbedingung aller Leistung ist. Cs wäre niüßrg, die Schuldfvage zu stellen. Wir haben einige, wenn, auch nicht grade viele, rednerisch und intellektuell begabte Männer in. unsrer Milte, die, wenn sie ein paar Monate von ihren Amtspflichten und Berufsarbeiten befreit würden, wohl auch die physische Kraft besäßen; um durch die Lande zu ziehen und den Schosarton der Sammlung erschallen zu lassen.

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