Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 24 (15.6.1933)
- Date
- 1933-06-15
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Personalien. Würzburg, 12. Juni. Der in weiten Kreisen, auch im Auslände als hervorragender Gelehrter bekannte Seminar-Rabbiner, Herr Dr. Neubauer, wurde zum Rektor des großen Ravbinerfeminars in Amsterdam berufen. Mit Herrn Dr. Neubauer verliert die hiesige Israelitische Lehrerbildungsanstalt eine tüchtige Kraft. kiel, 11. Juni. Am Sonntag, dem 11. Juni, verließ Herr Rabbiner Dr. A. Posner unsere Gemeinde. In fast neunjähriger Tätigkeit hat er die Gemeinde und ihre Institutionen zur höchsten Blüte gebracht. Sein besonderes Verdienst war es, die Religionsschule und das Wohlfahrtswesen - neu organisiert und ausgebaut zu haben. — Am Freitag versammelten sich alle Schüler und Schülerinnen der Dr. Jacob-Schule im Sitzungssaal der Gemeinde zu einer schlichten Abschiedsfeier. Nach einem von einer Schülerin oorgetragenen Abschiedsgedicht zeichneten Herr Lehrer D o m o w i tz, der ehemalige Vorsitzende unserer Gemeinde, Herr M. I o - n a s, und ein Schüler ein Bild von der Persönlichkeit des scheidenden Leiters und Lehrers, der stets als Führer und Freund der Jugend auf ihr Wohl in- und außerhalb der schule bedacht war. Mit einer Rede des Rabbiners, die in der Mahnung an die Jugend ausklang, stets seine Lehren im Leben zu verwirklichen, schloß die eindrucksvolle Feier. In seiner Abschiedspredigt am an die vollzählig erschienene Gemeinde dankte Herr Rabb. Dr. Posner für das ihm während seiner Amtszeit entgegengebrachte Vertrauen und für dis tatkräftige Mitarbeit von Vorstand und Gemeinde, die es ihm erst ermöglicht haben, das zu schaffen, worauf die Gemeinde heute mit Stolz blicken kann. Er hoffe, daß das mit mühevoller Arbeit Aufgebaute auch fernerhin erhalten bleiben möge, zum Wöhle der Gemeinde und zur Ehre des Judentums. Danach ergriff der Vorsitzende der Gemeinde, Herr R.-A. Tannenwald, das Wort, um die Persönlichkeit des Herrn Rabbiners zu würdigen und ihm den Dank der Gemeinde auszusprechen für seine aufopferungsreiche Tätigkeit und für seine restlose Hingabe, die der Gemeinde über manche schwere Stunde hinweggeholfen haben. — Sein Fortzug ist um so bedauerlicher, als die Gemeinde finanziell nicht in der Lage ist, einen Nachfolger zu berufen. Aon der allgemeinen Beliebtheit und Wertschätzung zeugte der Abschied am Zuge. Eine große Menge fand sich auf dem Bahnsteig ein, um der scheidenden Rabbinerfamilie ein herzliches Lebewohl zuzurufen. ll'irxi na» *13?• . Würzburg, 9. Juni. Im Dienste der Jsr. Volksschule Würzburg stand der infolge Erreichung der Altersgrenze in den Ruhestand versetzte Direktor, Schulleiter und Oberlehrer Mandelbaum vom 1.Nov. 1886 bis zum 1. Juni 1933. In dieser fast 47jährigen Amtszeit entfaltete er eine überaus segensreiche Tätigkeit bei seltenem Pflichteifer und vorbildlicher Berufsfreude. Durch feine ihm eigenen besonderen Geistesfähigkeiten und seine hohen Erfolge im Unterrichte galt er seinen Berufskollegen als Autorität in pädagogischer Hinsicht. Dem Kinde war er nicht nur Lehrer, er war ihm weit mehr — väterlicher Freund und Berater. Die Israelitische Kultusgemeinde ließ es sich daher nicht nehmen, ihrem verdienstvollen Lehrer einen weihe- und würdevollen Abschied zu veranstalten. In ihrem geräumigen Sitzungssaals versammelten sich am letzten Maitag Vorstand und Verwaltung der Kultusgemeinde, Rabbiner, Direktorat der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt hier, Schulvereinsvorstand, Schulpflege, Lehrerpersonal und Schülerschaft der Israelitischen Volksschule. Alle Redner — Justizrat Dr Haas, Rabbiner Dr. Hanover, Oberlehrer und jetziger Schulleiter Hellmann, Studiendirektor Stoll, Theo Adler — entboten herzliche Worte des Dankes und der Anerkennung und wünschten dem scheidenden Schulmann einen recht langen, glücklichen und freudvollen Ruhestand. Tief gerührt dankte Herr Direktor Mandelbaum in beredten Worten und beteuerte, nicht mehr und nicht weniger als seine Pflicht getan zu haben, was ihn befriedige und wofür ihm Anerkennung nicht zukomme. — Es war eine einfache, aber eindrucksvolle Feier, die den Beweis erbrachte, wie das Verdienst in Würzburg geehrt wird. Hamburg, 12. Juni. Am 13. Siwan wurde Julius Cohen in die Ewigkeit abberufen. Mit ihm ist ein Mann dahingegangen, in dem schlichte Frömmigkeit und Liebe zum Thoralernen in vorbildlicher Weise verbunden waren. In seinem Berufsleben vereinigte er die Lauterleit der Gesinnung mit der Reinheit der Tat. Als treuer Sohn der altehrwürdigen Altonäer Gemeinde wahrte er ihre Traditionen und die Lehren des Vaterhauses. In frommer Ergebung trug er das Lejden. das ihn jahrelang ans Bett gefesselt hat und unterließ auch auf seinem Schmerzenslager nicht, sich mit dem Thoraworte und seinen Erklärungen zu beschäftigen. Ein großes Gefolge gab ihm das letzte Geleite. Bei der n-mp würdigten die Herren Rabbiner Dukefz und L ö w I) die Verdienste des Entschlafenen und gaben dem Schmerz, den die Freunde und die jüdische Gemeinschaft erlitten haben, ergreifenden Ausdruck. nuxan Vermischtes. Berlin, 11. Juni. Das Patenschaftskomitee des Schulwerks der Adaß Jisroel, Berlin NW. 87. Siegmundshof 11 (Telefon: C. 9, Tiergarten 6913) veranstaltet augenblicklich zugunsten seiner Wohlsahrtseinrichtungen im Kreise der Eltern und seiner Freunde eine Sammlung mit anschließender Prämien-Auslosung. Es kommen zur Verlosung: eine Palästinareise (Geschenk des Lloyd Triestino), 12 Tage Gastein (H. Kokisch, Kurhotel Bristol), 11 Tage St. Moritz (H. Bermann). 14 Tage Marienbad (Hotel National, Leitners Haus), 12 Tage Scheveningen (Hotel Keyl), 14 Tage Cölerina Engadin (Jüd. Kinderheim u. Internat), 14 Tage Brückenau (Hotel Strauß), 10 Tage Gräfenberg (F. Grünbaum), 14 Tage Herrenalb (S. Weill-Stern), 14 Tage Nenndorf (Pension Adler), 10 Tage Oberhof (Hotel Blum), 11 Tage Pyrmont (Max de Haas), 14 Tage Schmitten (Hotel u. Pension Strauß). 14 Tage Suderode (Pension Goldschmidt). Die Auslosung findet am 25, d. Mts. statt. Nürnberg, 11. Juni. Das Landheim S u l z b ü r g (Opf.) der Esragruppe Nürnberg e. B. wird planmäßig in diesem Jahr Mitte Juli zum Sommererholungsbetrieb für Jugendliche eröffnet. Vorgesehen sind 2 Abteilungen von je 3 Wochen. Der tägliche Verpflegungssatz beträgt trotz Erhöhung der Lebensmittelpreise wie im Vorjahr Mk. 2.70. Meldungen wollen bis 25. Juni an die Geschäftsstelle Dr. Heinrich Klein, Nürnberg, Bauerngasse 36, ergehen. Sie sichern sich beste und prompte Erledigung Ihrer Inserataufträge wenn Sie dem wirklichen Fachmann diese übergebe.n Außer der Generalvertretung des „Israelit“ für Frankf. Geschäftsanzeigen übernehme auch Aufträge für die frankfurter Zeitung und allen anderen Tages- und Wochenzeitungen zu Originalpreisen. AHNOHCEH-BÜRO JULIUS SCHMIDT FRANKFURT-M., OSTENDSTRASSE 83 TELEFON 45866. Tagung der jüdischen Jugendverbände Ostfrieslands und Emslands. Aurich, 11. Juni. Der Vorsitzende des Jugenübundes Aurich eröffnet die Tagung und begrüßt die Erschienenen. Er verliest eine am Vormittage in der Delegiertenversammlung angenommene Resolution, die. unter Berücksichtigung der politischen Ereignisse folgendes beschließt: „Erstens: die gruppenweise Einrichtung von Kursen zur Erlernung von Sprachen, in erster Linie Neuhebräisch und Englisch. Zweitens: die gruppenweise Einrichtung von Kursen zur Schnellerlernung der Grundlagen verschiedener Handwerkszweige. Drittens: die gruppenweise Einrichtung sportlicher Kurse zum Zwecke der weiteren körperlichen Ertüchtigung des Jungjudentumcs. Vorerst beschränkt sich die Arbeitsgemeinschaft auf die Ueberwachung dieser drei Ziele." — Diese Resolution wurde von den Delegierten der Vereine Aurich, Esens, Leer, Papenburg und Wilhelmshaven angenommen. Hiernach werden die Erschienenen noch von Herrn Lehrer Moses, zugleich im Namen der Ortsgruppe Aurich des RjF. und von Herrn Jacob W o l f f, dem Vorsitzenden der Gemeinde Aurich, begrüßt. Dann ergriff Herr Landrabbiner Dr. Blum, Emden, das Wort zu seinem Vortrage über das Thema: „Situation und Ausgabe der jüdischen Jugend im jetzigen Deutschland". Redner beleuchtete die gegenwärtige Situation. Am meisten leidet unter all den Zurücksetzungen die Jugend. Sie muß sich daher ernstlich mit dein Gedanken der Berufsumschichtung und Auswanderung, in erster Linie nach Erez Israel, vertraut machen, um jedoch die größere seelische Not zu beheben, hat die Jugend eine dreifache Aufgabe: 1. Selbstachtung, 2. Zusammenschluß, 3. Pflege jüdischen Wissens, jüdischen Empfindens und jüdischen Lebens. Wir dürfen nicht neutral fein, wie wir es früher waren, sondern müssen uns gesamtjüdisch betätigen! und zwar in subjektivem und objektivem Sinne. Die lebhafte Diskussion drehte sich hauptsächlich um die Frage, wie das in der Resolution vorgesehene Sofortprogronnn durchgeführt werden könne. Zu diesem Zwecke wurde die Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Jugendvereine Ostfrieslands und Emslands gegründet und Herr Ino Weinberg, Esens, einstimmig gum Führer gewählt. Herr Weinberg übernahm sogleich mit Energie die Tätigkeit; sein erstes Bestreben wird es sein, die vorhandenen Jugendvereine zu konsolidieren und zeitgemäß umzugestalten und neue zu gründen, damit in unserem Bezirke eine neue jüdische Jugend erwachse, die die Zeichen der Zeit versteht und ihrer ungeachtet aufrecht und stolz, zielbewußt und selbstsicher durchs Leben wandeln will. H. B. Emden. 12. Juni. In seinem schmucken Jugendheim hielt am Mittwoch, den 7. ds. der jüdische Jugendbund Haschachar in Emden einen sehr gut besuchten Heimabend ab. Nach kurzen Begrühungsworten gab die Führerin, Frau Iba P o l a ck, bekannt, daß der bisherige Vorstand in seiner Gesamtheit zurückgetreten sei und ihr die Vollmacht gegeben habe, in ihrer Eigenschaft als Führerin sich selbst ihre Mitarbeiter im Vorstande zu bestimmen. Frau Polack berief in den Vorstand: Gerdi ten Brink, Hugo Blum und Kurt Hartogsohn. Anschließend folgte ein kurzer Bericht über die 1. Tagung der jungjüdischen Bewegung für Ostfriesland und Emsland, die am 5. Juni in Aurich stattfand, durch Hugo Blum und Arthur Hartogsohn. Der Führer der jungjüdischen Bewegung, Herr Jhno Weinberg. Esens, berichtete über deren Ziele und Zwecke. Bad Soden i. Ts.. 12. Juni. Die Kuranstalt für Israeliten in Bad Soden i. Ts., die bekannte Heilstätte für Erkrankung des Herzens und der Atmungsorgane, ist, wie uns mitgeteilt wird, in unveränderter Weise in Betrieb. Anfragen können direkt an die Anstalt gerichtet werden. Die Woche. Gedenkfeier für Rathan Sondheimer y'xt in der S. 2L Hirfch.Schule. Schulverwaltung, Lehrerschaft, Vorstand und Gemeindeverwaltung fanden sich mit den Familienangehörigen und vielen Freunden und Verehrern Nathan Sondheimers am Sonntag vormittag in der Aula der Schule zu einer schlichten Gedenkfeier zusammen. Ein Männerguartett unter Leitung von Herrn M. N e u - mann und Solo-Mitwirkung des Herrn L. F i n k s l - st e i n bereitete mit dem Vortrage des ib ’ni2T die Stimmung vor, worauf unser Gemeinderabbiner. Herr Rabbiner I. H o r o w i tz , das Wort zu einer eindrucksvollen Würdigung der Persönlichkeit des Heimgegangenen ergriff. 5int ii». Nicht der Trauer um einen Verstorbenen, sondern den heiligen Lichtsaaten, die der edle Mensch, ein würdiger Nachkomme des Hanauer Gaons, gestreut und die in all den pi ms bv nipwn noch ausgehen werden, die er betreut, wende sich unser Interesse zu. Der Redner hob die Verdienste Sondheimers für die Kehillah und ihre Institutionen, besonders aber um die beiden Tauroh-Jnstitutionen, um Jeschiwo und Schule hervor. Die Gedenkrede hielt Herr Direktor Dr. Elias. In der Verwaltung der Schule hatte Sondheimer den Boden, wo er die ganze Fülle seiner Menschlichkeit und Jüdischkeit und all seine guten Eigenschaften zusammenfassen konnte. Stets zugänglich für moderne Gedanken in der Schule, wußte er bei all den Sorgen der Zeit uns den Mut aufzurichten. Der Redner rühmte sein stilles Wohltun auch auf anderen Gebieten desni>'»» iw. zu dem er nicht nur die Mittel, sondern auch das Herz hatte. War er doch auch in den überseeischen Ländern. ob in Amerika oder Australien, darauf bedacht, fromme junge Menschen, und wenn sie gar aus Frankfurt stammetn, um sich zu sammeln und ihnen etwas von der wannen Heimat zu geben. Er gehörte zu den bevorzugten Menschen, die die Kraft haben, sich aus der Isolierung des Judeseins in die Heimat von Thora, Awoda und Gemillus Chesed zu finden und andere dahin zu führen. Zuletzt ergriff Herr Jacob R o s e n h e i m das Wort, um im Aufträge des Vorstandes der Kehillah. in welcher Körperschaft er achtzehn Jahre lang mit ihm Schulter an Schulter gewirkt hatte, Nathan Sondheimer den Dank auszusprechen. Sondheimer wurde kurz nach Kriegsbeginn an Stelle des unvergeßlichen Kommerzienrat Louis Feist b"2i, in den Vorstand gewählt, und Feist blieb ihm Lehrmeister und Vorbild allezeit auch in seiner öffentlichen Tätigkeit. Die Eigenschaften, die die fünf Schüler Rabbi Jochanans, jeder in seiner Art, als Lebensinhalt des jüdischen Menschen preisen, vereinigte Nathan Sondheimer alle in sich. Er war der „gute Genosse" den Freunden und Kollegen, aber auch der „gute. Nachbar" den Menschen im großen Lebensraume. Mit praktischem Sinne „sah er in die Zukunft." Sein „gutes Auge", vor allem aber fein „gutes Herz" machten ihn aber zu dem lieben, hilfreichen Menschen, als welchen wir ihn kannten. So schloß der Redner mit der Hoffnung, daß D’aa ’jaV irpmi '121 vi>is» n Tom- Den Reden schloß sich das i"»«-Gebet des Herrn Oberkantor P e i s s a ch 0 w i t s ch an. womit die sehr würdige Feier ihr Ende erreichte. Von der Agudas Iisroel-Jngendgruppe. Im Nahmen des neuen Arbeitsprogramms wurden bereits einige neue Arbeitsgemeinschaften eingerichtet, zu denen wir alle Interessenten herzlichst einladen.