Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 46 (16.11.1933)
- Date
- 1933-11-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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16. November 1933 27. Marchefchwan 5694 ®j| Ein Centralorgan für dss orthodoxe Judentum ff[jSjjjJjjS II ©törünbet von Dr. LeMann in Mainz« KAU J Abonnement ab Juli 1829: Deutschland 1.30 Mark monatlich; Ausland: Mertel» jahrpretse (en sprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüqlich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Ssterreich: Schilling 6.—; Amerika 1.80 Dollar; England 6 sh.; Frankreich 23 Fr.; Belgien Detgaö. Holland 3fl.; Italien 18 Lire; Iugoklavien 85 Din.; Litauen 7.50 Lit.; Rumänien 150 Lei; Polen 4 deutsche Gold nark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz b Ir.; Tfchechy-Slowalet LS Kronen; ttngarp »engS v; Dänemark, Norwegen u. Schweden s Kror en. Einzelnummer 30 Pfennige. Im Falle von Streiks und höherer Gewalt keine Verpflichtung zur Rückzahlung von Abonnementsgebühren. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 50 Goldpf. für die stebengesp alten« Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 10 Ps. Die 75 wm breite Reklamezetle: letzte Tertseite 3.— Mk., vorletzte Textsette 350 Mk.; Ehiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Jnserataufträgen tarifm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Inseratenannahme durch den Berlag des Israelit (8. m. b. 55., Frankfurt a. M„ Rechneigrabsnstrahe 7. Tel. Hansa 91081 sow. durch sämtl. Annoneen-E«psd. d. In» und Auslands. Alleinige Inseratenann. für Franks. GeschLftsanz.: Jul. Schmidt, Ostendflrabe 83 Tel. 45866. Platzoorschr. obne Verbindi<kbk. Zahlungert direkt an den Berlag auf Postscheckkonto Berlag des Israelit und Hermon G.m.b.H., Frankfurt (Main) Nr. 19803.-Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr./8605.-Pcstsrarkaflenaml Budapest Nr 18431. —Postscheckkonto Warschau Nr. 190757. — Postscheckamt Zürich Nr. VM 7251. — Postscheckamt Amsterdam Nr. 31869 - Po>i»cveckamt Prag Nr. 79.000 — Rumänische _Kreditbank Bukarest und ihre sämtl. Filiale» Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten stch ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. Aulim oder Gaulim. Eine Schicksalsfrage der Judenheit. Von Rabbiner Dr. Hermann klein in Berlin. Unsere Mdraschweisen bemerken zu dem Prophetenworte des Jesajas 'la üw folgendes: 'Dvi nnab mnm wai nVya *|^ntp xmüa1? ■pann nn *mbs inavr :anb «nax 7^2 ixa nb na« xn D«nV max T>Vyn nn nb naxur jto vim inav j?ima i’aa- Q’Vwn’V nb anaix o’X’aan p na1?^ nn naaxn ix by T>mm ']r»x nn naw* maix X'ni ixa*» 73b» nb iiaxV p'vi min’ Jim mbAfi maix x'.i »na wx um nnW nn xn maix x'n 7V xa' „Der Ulamt, die Söhne und Schwiegersöhne einer Fürstin sind nach überseeischen Ländern gereiste und als man der Fürstin die Botschaft bringt: „Deine Söhne sind heimgekehrt»" meint sie, „da werden sich meine Schwiegertöchter freuen/' als man ihr aber sagt: „Dein Mann ist heimgekommen/' da sagt sie: „Das ist die wahre und vollkommene Freude." So verhält >es sich auch mit Zion. Die Propheten rufen Zion zu: „Deine Söhne kommen aus weiter Ferne//da antwortet Zion: „Ls freut stch der Bergj Zion"; „deine Töchter werden am Arme heimgeführt"» da antwortet sie: „es mögen die Töchter Judas jubeln," als mm ihr aber endlich kündet: „Siehe/dein König kehrt zu dir heim," da spricht sie: „Das ist die vollkommene Freude» jubeln will ich mit G'tt." An dieses INidraschrvort muß ich immer denken, wenn ich in diesen ersten» für das Schicksal 'des jüdischen Volkes so bedeutungsvollen Tagen den Strom der Heimkehrer in das Heimatsland beobachte» wenn ich nicht ohne Tieib die Aulim sehe» die aus Leid und Elend» aus Kummer und Kot sich erlösen» indem sie nach Zion hinaufzichen» uin dort auf historischem Boden ein neues Leben zu beginnen» um dort an dem -lusbau der Heimat mitzuwirken» um sich und den Ihrigen und mittelbar auch für die Uachkommcnden eine Heimstätte zu bereiten» auf der man sich in Freiheit voll und ganz als Jude ausleben kann. Der Sinn des jüdischen Golusleids scheint sich uns zu offenbaren. wir haben uns» so scheint das neue und vermehrte Goiusleid zu uns zu sprechen» allzusehr mit dem Golus abgefunden» uns für die Dauer» ja scheinbar für die Ewigkeit häuslich im Golus eingerichtet» wir fühlten uns ganz wohl in der Fremde» die uns gar nicht, die Fremde war; im Gegenteil» wer sich nicht selbst täuschen will» wird zugeben müssen» daß er sich hier beheimatet und heimisch fühlte» während er der alten Heimat sich inuner mehr und mehr entfremdete» und darum kam das verstärkte Golus» um uns die alte Wahrheit aufs neue einzuprägen» n* 'a Verlag des Israelit G.m.b.H. Soeben erschien! Licht aus dem Westen Erzählung aus der Zeit der Ghettodämmerung von 8. Schachnowitz. Preis broschiert RM. 3,—, in gediegenem Leinwandband RM. 4.—. Die Buchausgabe des bei seinem Erscheinen im „Israelit" mit außergewöhnlichem Interesse begrüßten historischen Meisterromanes des Autors liegt nunmehr vor. Sie sollte in keinem jüdischen Hause, in keiner Jugendybreins- oder Schulbibliothek fehlen, denn sie führt Jung und Alt in eine der wichtigen Epochen der jüdischen Geschichte ein und ist geeignet Verehrung und Bewunderung für die großen Meister der jüdischen Lehre in die Herzen der kommenden Generation zu pflanzen. Den Verlag des Werkes für die Länder Österreich, Tschechoslowakei, Jugoslavien und Rumänien haben wir der Agudas Jisroel Jugendgruppe in Bratislava übertragen. Bestellungen aus diesen vier Ländern sind daher ausschließlich an die Agudas Jisroel Jugendgruppe, Bratislava. Postfach 140, zu richten. In allen übrigen Ländern nehmen alle besseren Buchhandlungen Bestellungen entgegen. Der Verlag liefert direkt gegen Voreinsendung des Betrages oder gegen Nachnahme. Verlag des Israelit und Hermon G.m.b.H. Frankfurt am Rechneigrabenslrasse 7. Postscheckkonto M r. 19 8 0 2 vnh xh 7!N1 daß wir fremd bleiben müssen einen: Lande» das nicht das unsere ist» oder aber» wenn wir selbst nicht dieses Gefühl haben» foDvnjn Dmx usn» wird es uns von unserer Umwelt ganz eindeutig und nachdrücklich eingehämmert werden. Und das Gefühl der Fremdheit lenkt den Blick nach der Heimat, auf die sich nun alle Sehnsucht und alles Streben konzentriert. Wir hatten im Golus nur an unser Golus gedacht und nur unter unsere m Golus gelitten» und sobald unser Golus aufhörte oder sich nur milderte» haben wir an das Golus vergessen. Unter unserem Golus verstehe ich das leibliche» körperliche» das materielle und wirtschaftliche Golus. So lange uns» wie im Kttttclalter» fast sämtliche Crwerbszwoige versä)lossen waren» so lange wir gesellschaftlich geächtet und wirtschaftlich in unserem Fortkommen behindert waren, so lange uns der Zutritt zu den Hallen der Wissenschaft» zu den Stätten der Kultur der wirtsvölker versagt blieb» fühlten wir uns fremd und empfanden Golusleid. Als aber dieser äußere Druck wich» als die Ghettomauern fielen und wir als gleichberechtigte Bürger an dem Leben unserer Wirte teilnehmen konnten» als sich auch uns die Pforten der Universitäten und Hochschulen öffneten» als auch wir auf den Brettern» „die die Welt bedeuten" unsere Rolle spielen konnten; mit einem Worte» als auch wir gleich den Dnsa mx 'lYl^ öhlfcl |’X ÖVW1 von ihrem Brote aßen» als auch uns die gleichen Erwerbsmöglichkeiten offen standen wie den hinderen, und von ihrem Weine tranken, als auch uns die gleichen Duellen des Wissens und der Erkenntnisse» der Wissenschaft und der Technik sprudelten wie den minderen, hörte unser Golus auf. Die verstärkte Abfchließung unserer Umwelt von uns, oder richtiger gesagt, der erneute Ausschluß der Juden aus dem Leben der Umwelt» die Errichtung neuer» wenn auch unsichtbarer Gbettomaucrn, die verstärkte wirtschaftliche Abschnürung» die verstärkte gesellschaftliche Aechtung ließen das alte Golusleid aufs neue auflcben in weit stärkerem Waste als früher, denn wir sind empfindlicher geworden. Wir haben nicht umsonst Jahrzehnte in voller Gleichberechtigung gelebt. Der Sturz» der jähe Sturz aus der Höhe in den tiefsten Abgrund hat zn einem seelischen Zusammenbruch vieler Kreise innerhalb der Iudenbeit geführt» die an ein Golus nicht mehr dachten und nicbf denken wollten. Und nm diesem unserem Golusleid zu entrinnen» erinnern sich nun auch diese Kreise der alten Heimat» der sie bisher entfremdet waren und sicherlich auch jetzt noch fremd sind. Es sind dies die Gau -! i m» die das Golus in die alte Heimat treibt und die das Golus in die alte Heimat tragen. Cs sind 3 52852^