Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 13 (30.3.1933)
- Date
- 1933-03-30
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Israelit Nr. 13 Seite 13 M.v März! 1933 Vermischtes. E... Derlin-Sleglitz. 26. März. Es gibt nur eine einzige ^jüdische Blindenanstalt in Deutschland. In diesem Jn- Atttut ist den jüdischen Blinden Gelegenheit gegeben, als Duden zu leben. Dieses segensreiche Werk, vor 22 Iah ^en geschossen, betreut ca. 50 Blinde und Taubstumm chlinde, Männer und Frauen, gibt ihnen Arbeit in de Eigenen Bürstenwerkstatt, in der Stuhlflechterei und in cher Hauswirtschaft; aber auch außerhalb des Hauses /betätigen sich mehrere Damen in der Bedienung der Schreibmaschine usw. E Die Erhaltung dieses Hauses macht es jedem Juden Zur dringenden Pflicht. Bürstenwaren aller Art. die ^bester Qualität in der Blindenwerkstatt unter Aufsicht eeines jüdischen sehenden Meisters angefertigt werden Zu bestellen. Damit dient man diesem lediglich auf Hu hnanität gestelltem Institute. Wir bitten weiter zu berücksichtigen, daß die Jüdische 'Vlrndenanstalt keine Einrichtung der Gemeinde ist. sondern von einem Verein unterhalten wird und auf die Debefreudigkeit gutherziger Menschen angewiesen ist. Wir /weisen auf das Inserat in dieser Nummer hin. $ Köln. 24. März. Die diesjährige Reifeprüfung am jReformrealgymnasium Jawne hat am Donnerstag, den 23. März, unter Vorsitz von. Oberschulrat Prof.' Dr. Ä u N g b l u t h und in Anwesenheit des Herrn Gemeinderabbiner .-Dr. R o f e n t h a l als Vorsitzenden des Kuratormms stättgefunden. 13 Oberprimaner erhielten das Zeugnis der Universitätsreife, darunter einer „Mit A'üszeichnung" und vier mit dem Gesamtprädikat „Gut". Es bestanden: Erwin R e i n i s ch (mit Auszeichnung); Jakob Hy man, Arnold Schleien. Samuel Weso l-owsky, Sara Stecher (alle mit „Gut"); Sally Aist'. Erich Baum, Leo Blau, Baruch Kellner, Jakob M o n e t a. Adolf Schawinsky, Erich 'Ster n. Ilse'G u tm a n n. Die Woche. Generalversammlung der Synagogengemeinde ..Israelitische Religionsgesellschaft". Die Generalversammlung fand am Sonntag nachmittag bei gutem, aber nicht übermäßigem Besuche statt. Sie begann mit der Verlesung des Jahresberichtes; der ein' klares Bild der Lage im abgelaufenen Jahre bietet. Es mar wieder ein Notjahr für die Gemeinde in erhöhtem Maße. Wesentliche Steuerrückgänge zwangen zu großen Ersparnissen und Kürzungen des Etats bis um 30 Proz. Trotzdem bietet das Bild auch viel freundliche und erfreuliche Momente. Die Einrichtungen der Gemeinde funktionierten auf allen Gebieten aufs -beste. Mit Wehmut wird des Heimganges des Rabbinatsassessors Gerfon Posen i>"xr gedacht. Die Lösung der Frage der Neubesetzung durch die Berufung von Herrn Dr. M. Schlesinger und Dr. E. Posen, die zusammen mit dem Herrn Rabbiner ein ysp rro bilden/ kann .als befriedigend und vielversprechend angesehen werden. Den Institutionen, denen die Fürsorge für das Geistesleben , und besonders für die Jugend obliegt, werden für ihre Leistungen Dank und Anerkennung ausgesprochen, ' in erster Reihe der S. R. Hi r s ch - S ch u l e. und der Israelitischen Volksschule, welch letztere vor kurzem ihr fünfzigjähriges Jubiläum feiern konnte, dann der Jefchiwah, einfchließlich^der Untergruppen. Der Synagogenbesuch war gut. der Fürsorgeausschuß arbeitete befriedigend. Einen Lichtpunkt bildet auch das R o t h s ch i l d ' f ch e Krankenhaus, däsfümgebaut und mit einer Röntgenabteilung eingerichtet wurde. Gedankt wird ferner dem M e k o r C h aj i m, . dem L i w j a t h Chen, der A. I. Jugendgr.up p e. den Sdjomer M iz woh -Ve re i n en u...u. a. Von den Toten des letzten Jahres, zu deren Ehren sich bie Versammlung erhebt, werden u. a. Frau Henriette V e st h o f f n°9 und der in den letzten Tagen Heimgegangene M. Hirsch b"xr, langjähriges Vorstandsmitglied. besonders genannt. Nach einem kurzen Revisionsbericht für den G e - meind'erat wird in der Diskussion eine Frage üben die' Versorgung mit rituellem Fleische kurz beantwortet. Eine längere Diskussionsrede hält Herr Julius L e w i n, derfzunächst bemängelt, daß der Bericht in seiner strengen Sachlichkeit der Zeit und ihren Nöten wenig Ausdruck verleihe. Er trägt dieses nach durch eine dringliche Mahnung zu hdiot und noi» und findet damit Beifall in den. Reihen der Versammlung.; Herr Jacob R osenhe i m antwortet im Namen des Vllrständes und berichtigt Herrn Lewin in einigen wenigen Punkten, ohne die Berechtigung des Aufrufs zur ra'.vn bestreiten zu wollen. Er unterstreicht das Friedensbedürfnis der Gemeinde und fordert alle auf, sich als erste Vorbedingung jeder mion einmütig hinter das geistige Oberhaupt der Gemeinde zu stellen. - .Nach Verlesung des Protokolls wird zu den W a h - lje n ' geschritten, wobei vom Vorsitzenden mitgeteilt wird, Lsaß Herr Jacob Rosenheim fest entschlossen sei, eine Wiederwahl nicht anzu nehmen. Herr P o s en knüpft an diese Mitteilung ein paar kurze herzliche Dankesworte an Herrn Nosenheim, sowie an die ebenfalls äüsscheidenden Herren Emil G o ld schm idt und Hermann F r a n k e n t h a l. Diesem Danke an Herrn Rosenheim schließt sich der Vorsitzende des Gemeinderats, Herr Josef Offenbacher, im Namen des Ge m e i n d e r a t e s an. Die Wahlen für den V o r st a n d ergaben die Wie derwahl bezw. Neuwahl der Herren Dr. med. Simon B a m b e r g e r, Dr. jur. Paul K u l p , Dr. med. Sieg fried Oppenheimer und Ludwig Strauß. In den G e m e i n d e r a t wurden wiedergewählt die Herren St. R. Dr. M. L a n g e ltnb Max Ster n. ^chiußfeier in der Thoralehranslalt Jeschiwa. Nach dem großen Schlußverhör ain Donnerstag und am Sonntag fand am Sonntag abend im großen vollbesetzten Hörsaal der Jeschiwa die S ch l u ß f e i e r und die Entlassung der abgehenden Hörer statt. Der Rosch Jeschiwa, Herr Rabbiner Dr. Josef V r e u e r. hielt im Anschluß an die Prüfuug eine zündeude Rede an die Versammlung und an die Schüler, um mit einer Fülle von schönen Gedanken und einem großen Aufgebot von Bibelsätzen in der ihm eigenen packenden und einprägsamen Darstellung den jungen Menschen den Weg in die jüdische Zukunft zu zeigen, den Wog, der. gerade, ohne Abschweise und ohne Abschwenkuugeu, zmn Ziele führt. -vnb vp2» ivn(srss) am p'ix 'wrm *6 Niemals ist der Gerechte verlassen, auch dann nicht, wenn seine Kinder um Brot betteln müßten! Der gerade und gerecht seinen jüdischen Weg wandelt, um die ihm gestellten Aufgaben zu lösen, ist nie allein. Eine Arbeitslosigkeit gibt es für den jüdischen Menschen nicht, der seine eigene jüdische Innenwelt hat. Mit dem Maarirvgebet schloß in gehobener Siim mnng der feierliche Akt. Schomer Mzrvoh. Die in der nix» iniv p>"n für nächsten Sonntag geplanten Veranstaltungen fallen ans technischen Gründen aus, was hiermit zur Kenntnis der Mitglieder gebracht wird. „Selbstbesinnung". Ueber dieses Thema sprach am letzten Sonntagabend in der Aula der S. R. Hirsch-Schule Herr Rabbinatsassefsor Dr. M. S ch l e s i n g e r. Davon ausgehend, daß die jüdische T s ch u w o h - Verwirklichung, obwohl auf die kleinen Bausteine eines jeden Einzelnen basierend. doch bei der Gesamtheit Widerhall finden müsse, ging Redner aus die Bedeutung des Satzes über: 12'»' cnn N21V21 y'tm 'n 122'vn Dieses mpa bedeutet nicht, nach der Ueberlieferung unserer Weisen, die Zeit des Tempels, da der jüdische Mensch durch die Opferdarbringung für seine Sünden Sühne erwirken konnte, sondern ousta bezeichnet den kur zen Zeitabschnitt, in dem der erste Mensch in Reinheit und Helligkeit fern der Sünde vor G'tt gelebt hat. Nach dieser Stufe der G'ttesnähe zu gelangen, ist der Wunsch, der in dieseni Satze zum Ausdruck kommt. Wenn heute die Welt ein Trümmerhaufen voll von Elend und Pein ist, dann ist vom idealen Standpunkte aus erst recht die Pflicht geboten, sie zu bezwingen zu versuchen. Allch Adam konnte sich aus die Dauer nicht der Sünde enthalten und verursachte daher die Entstehung des endlosen menschlichen Kampfes gegen die Materie und die Sinnlichkeit. Uns aber, die wir mitten in diesem Kampfe üehen, soll G'tt Helsen, uns zurückzufinden zu unerem rein geistigen Selbst. Zwei Wege zu diesem Ziele gibt es. Der eine ist der der Kasteiungen mit dem Zwecke der Befreiung von all den uns belastenden Schlacken. Diese Methode ist äußerst schwer lind für uns eine unmögliche. Der zweite Weg dagegen steht uns ganz offen, und den sollten wir beschreiten. Wir müssen einen Strich in a ch e n durch unser ganzes bisheriges Sündenregister und haufenweise „Bündel von r-nxn" den Bündeln von ünden gegenüberstellen. Und hierin besteht heute die Aufgabe für unser Geschlecht, da es endlich gilt, in Wart, Taten und Gedankeil ein Leben der Teschuwo zu führen. Das L e r u e u rrmß bei uns eine tiefere Verankerung bekommen und kein jüdisches Kind dürfte trotz Ausbildungsgründen und dergl. mehr auf den I e s ch i w a h - besuch Verzicht leisten: ist uns dach die n in ein wundersames, kostbares Geschmeide, dessen Vorenthaltung dem jüdischen Menschen den Tod bedeutet. Wenn mau im Lügenreich der G'ltessremden es gewagt hat, einen Fünfjahresplali gegen G'tt aufzustellen. dann muffen wir ein F ii n f j a h r e s p l a n für die E m u n o h und das G'ttliche und gegen alles, was nicht g'ttlich ist, verwirklichen. Wir müssen es in 5 Jahren so weit gebracht haben, daß jedes Kind in Deutschland wenigstem, die schriftliche Lehre kennt. In Rußland führen drei Millionen Brüder ein Heldendasein für ihr jüdisches Ideal, fürchterlich ist es — Redner konnte es an der Grenze selber beobachten — wie diese Menschen zu Tode gehungert werden. Für uns aber ergibt sich die Frage: Haben" wir wirklich genug getan für diese Unglücklichsten'? Jetzt ist die strafende Rute G'ttes über uns gekommen, schreien mir zu Ihm um Hilfe, d a n n k o m m i Hilf e! Die mit Midraschgleichnissen und Talmiidzitaten durch- 'lochtene Mussarrede. die der Redner mit glühender Begeisterung und hohem ethischen Pathos vörtrug. hinterließ auf die zahlreich erschienenen Zuhörer einen sichtbaren, tiefen Eindruck. Einaeleitet nnö beendigt wurde der Abend mir eindrucksvollen Worten von Herrn Leopold Oppenheimer, dem Vorsitzenden der Frankfurter A g n d i st ich e n.O r t s g r n p p e, die die Versammlung einberufen hatte und von der wir nunmehr el'iisthaft Iivsfen wollen, daß auch sie in richtiger Deutung der Stlmde sich mit gesteigerter Aktivität den ihr in mannigfacher Gestalt zufallenden Ausgaben widmen wird. E. St. ANNONCEN-BÜRO JULIUS SCHMIDT FRANKFURTA. M. OSTENDSTR. 83 TELEFON 45866 Schlußfeier der Samson Raphael Hirsch-Schule. Wie schon mitgeteilt, findet Sonntag, den 2. April, morgens 10.30 Uhr. die akademische Feier in der Aula der Samson Raphael Hirsch-Schule, abends pünktlich 3 Uhr, e v e ii f a l l s in der Au l a der Samson N a p h a e I H i r s ch -Schule (also nicht wie vorgesehen, im Dr. Hochs Konservatorium) die musikalische Feier statt, bei welcher als Hauptwerk, das Chorwerk „Es war eiinna!" zur Aufführung gelangt. Karten hierfür sind im Sekretariat der Schale, sowie an der Abendkasse erhältlich. Mlgliederversammlung der Agndas Jisroel-Jugendgruppe E. V. Der Vorstand der Agudas Jisroel-Iugend- und Mädchengruppe lädt hiermit die Mitglieder zu der am Sonntag, den 23. April, 20.45 Uhr präzise im Heim (Schwanenstraße 12) stattfindenden ordentlichen Mitgliederversammlung ein. Tagesordnllng: Jahres- und Kassenbericht des Vorstandes, Entlastung des Vorstandes, Neuwahl. Es haben nur Mitglieder der Jugend- und Mädchcngruppc Zutritt. Schaustellung des Jüdischen Turnerbundes. Vor einem großen Auditorium in der Herderschule zeigten am letzten Sonntag die Kinder des Jüdischen T u rnerbundcs , was sic alles können. Graziös und elegant führten die kleinen Mädchen ihre Bewegungschioie und ihre Springkünste auf, die Knaben zeigten gewagte Kunststückchen der Gymnastik und im Geräteturnen. Mir Mut und Gewandtheit purzelten sie über alle Hindernisse hinweg. Pyramiden entstanden, fest und ragend wie aus Mosaik. Spiel und Scherz. Wettkämpfe nur kleine Tänzchen machten Turnern und Zuschauern gleiche Freude. Der zweite Teil wurde durch eine kurze Ansprache des Herrn Dr. Frei m a n n eingeleitot, der auf die Wichtigkeit der körperlichen Ertüchtigung gerade in dieser nervenausreibcnden Zeit hinweist. Die Veranstaltung wird dem Jüdischen Turnerbund neue Freunde und Förderer zugeführt haben. Verlosung der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel. Auf vielfachen Wunsch, insbesondere der ausländischen Gruppen, findet die Verlosung des Preisausschreibens erst am 5. Jjar 5693/1. Mai 1933 statt. Saminelbeträge. die bis zum 2. Jjar 5693/28. April 1933 einlaufeii. tverden hierbei noch berücksichtigt. Schaumre Schabbos Stellenvermittlung. Die Schaumre Schabbos Stellenvermittlung. Schwanenstraße 12, richtet an alle Firmen (Kaufleute und Handwerker), die sabbatfreie Stellen zu vergeben haben, die dringende Bitte um Aufgabe derselben. Vewerber(innen) sowie Lehrlinge können jederzeit empfohlen werden. Persönliche Anfragen an Frau Jeanette Kaufmann, Obermainanlage 22, Tel. 44472 und Frau Jenny D. Strauß, Palmstr. 9, Anruf 44773. Fmmiiennachrichlen. Geburt: Ein Sohn. Lehrer Bonn« Saffra und Frau, Gemen b. Borken/Westf. Bar m i z w o h : Otto, Sohn des Herrn Dr. Theodor Baer, Berlin N. W. 87, Levetzowftr. 21 am nos »'mn nats>- Die Firma Johann H eil. Hanauerlandstr. 64, Tel. 456 37, macht noch einmal darauf anfmeclsam, das; sie, wie jedes Jahr auch dieses, Petzachbleche billigst anfertigt. Wer Ritnaliengescbente zu den Feiertagen z» machen wünscht, sei auch daraus aufmerksam gemacht, daß die obige Firma U»Iow4ander in beiter Aussührung anfertigt. Wir weisen aus die unseren Lesern wohlbekannte L o t t e r i e - E i n n a h m e st eile Dr. G. S ch I e s s i ng e r. Rl a i n z , K a i s e r st r. 2 6 f ü r die P r e u sz. S ü d d. .N l a s s c n 1 o t f o r i o , hin. Die Ziehung der l. Klasse beginnt schon am 20. 2lpril, daher ist es^ ratsam, noch rechtzeitig vor Ianm Tanm dort sein Los zu kaufen. Siehe Inserat.