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Der Israelit · 1932-04-20 · Heft 17-18 (20.4.1932) · page 40

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 17-18 (20.4.1932)
Date
1932-04-20
Page
– (sequence 40)
Language
German
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Seite 4 Nr. 5 Set Israelit Blätter 20. April 1932 V. Einige Zahlen mögen den Stand der Äugendgruppe kennzeichnen: Gesamtzahl der Mitglieder: 301 davon Iugendgruppe: 207 Mädchengruppe: 94 Zahl der Schülergruppen.- 16 mit insgesamt etwa 160 Schülern und Schülerinnen. Die Schülergruppen umfassen die Schulklassen ab Sexta für Iungens und Mädels-, die ältesten Schülergruppen sind 17jährig Frankfurt a. M., den 20. März 1932. Agudas Jisroel-Iugendgcuppe (£. B. Der Vorstand. Aus der Bewegung. Berlin. Die Agudas Iisroel-Frauengruppe kann mit voller Befriedigung auf ihre Tätigkeit im Winterhalbjahr 1932 zurückblicken. — Herr Dr. Biberfeld hielt wiederum regelmäßig Schiurim ab und zwar je einen im Gemeindebüro Artilleriestraße und im Schulgebäude Sigmundshof. Er sprach über ^vaund rrux ’pns* Der Redner verstand wie immer, das Publikum für den Stoff, den er vortrug, stark zu interessieren und zur aktiven Teilnahme heranzuziehen. Seine Art war, die ewigen Weisheiten auf das moderne Leben anzuwenden und zu zeigen, daß auch der moderne Mensch als strenggläubiger Jehudi nur leben kann, wenn er diese Weisheiten beherzigt und praktisch betätigt. — Frl. Dr. Levisohn sprach in einein längeren Vortrags-Zyklus über die „Psychologie des Kindes". Sie verstand es, die zahlreiche Zuhörerschaft durch die fesselnde und anschauliche Art ihrer Ausführungen, die klare Dialektik, bis zuletzt im Banne zu halten. Die lebhaften Diskussionen waren der beste Beweis für die Fülle der gebotenen Anregungen. Für die Erhaltung des A. J.-K indergartens, der über 30 Kinder in oollftändigs Togssfürsorge nimmt, setzen sich verschiedene unserer Mitglieder mit großem Interesse ein. Als ein uns besonders am S)er$en liegendes Arbeitsgebiet betrachten wir die Krankenfürsorge. Die Versorgung jüdischer Patienten in den öffentlichen Krankenhäusern mit ritueller Kost, die Hilfe sur Wöchnerinnen, der Besuch alleinstehender Kranken, wird von den Frauen unserer Gruppe mit liebevoller Hingabe und großer Opferfreudigkeit ausgeübt. Um die Pflege der Geselligkeit, die wir in der heutigen Zeit schwerster Depression für wichtig halten, nicht zu vernachlässigen, haben wir verschiedentlich unseren Mitgliedern Gelegenheit zu froher ungezwungener ausführlicher Aussprache gegeben. — Unsere Vorsitzende nahm Gelegenheit, während ihrer Anwesenheit in Frankfurt am Main, mit den Damen der dortigen Ortsgruppe über viele Fragen, die uns bewegen, in Gedankenaustausch zu treten. — Für das Sommersemester nehmen wir die Arbeit mit vollen Kräften auf und rechnen auf die regste Mitarbeit aller an unseren Bestrebungen interessierten jüdischen Frauen Berlins. Duisburg. Auf Einladung der hiesigen Keren- Hatorah-Gruppe hielt Herr Lehrer M. Knoblewiez-Dortmund am 31. Mürz einen Vortrag vor der ganzen orthodoxen Jugend Duisburgs. Herr Knoblewiez sprach über das Thema: „Der jüdische Führer und das iüdische Gesetz". Das jüdische Gesetz, führte der Redner aus, ist ein geschlossenes Ganzes und umfaßt alle Gebiete des menschlichen Handelns. Der Ausspruch unserer Meisen, natu w» -ntna jk-12 /»“mn ist so zu verstehen, daß es nach unserer min kein Unterschied ist, ob jemand das 6. Gebot oder das 4. Gebot Übertritt. Beides find Gesetze, die G'tt am Sinai dem jüdischen Volle verkündet hat. In früheren Zeiten war es selbstverständlich, daß nur eine solche Persönlichkeit eine Führerftelle im Judentum einnehmen konnte, die tief in der Thora und im Judentum verwurzelt war. Auch der politische Führer mußte eine religiöse Persönlichkeit sein. Etwas anderes war bei uns Juden undenkbar. Man denk enur an Samuel hanagid, Abarbanel, Manaffe ben Israel und viele andere. Heute ist es leider bei einem großen Teil des jüdischen Volkes und sogar bei einem großen Teil der Orthodoxie anders geworden. Der starke religiösgeistige Verfall, der sich in jetziger Zeit so sehr bei uns bemerkbar macht, ist zu einem großen Teil auf dieses Konto zu buchen. Der Redner schloß mit einem warmen Apell an die Jugend, sich nur solche Führer zu wählen, die tief in nxi’i mm verankert sind und sich nicht solchen Jugendoereinen anzuschließen, die die Jugend auf Unrechte Wege führen und dadurch unsere Zukunft zerstörten. Die von Herzen kommenden Worte fanden bei allen Anwesenden eine begeisterte Aufnahme. Stettin. Die Talmud-Torah-Schule, die in: Dienste von Keren-Hatorah steht, hatte am Sonntag, den 27. März, wieder eine öffentliche Kinderprüfung in ben Schulräumen der Adaß-Israel-Gemeinde stattfinden lassen. Die Prüfung wurde von Herrn Rabbiner Dr. Michael Munk-Berlin, der im Aufträge des Krren-Hatorah ehrenamtlich von Zeit zu Zeit von Berlin aus zur Inspektion der Schule auf einige Stunden nach Stettin kommt, geleitet. Zahlreiche Gäste waren erschienen, u. a. von der Synagogengemeinde Herr Rabb. Dr. Elk, sowie verschiedene Herren und Damen vom Vorstand resp. der Repräsentanz der Synagogengemeinde sowie viele andere ehrenwerte Gäste. Allseitig wurden anerkennende Urteile darüber laut, daß die Schule sich auf dem besten Wege befände und große Erfolge trotz der kurzen Dauer ihres Bestehens auszuweisen habe, sodaß inan immer wieder die vortreffliche Arbeit des Lehrers der Schule, Herrn Rabbiner Tarfis, hervorheben muß. An der von Herrn Rabbiner Dr. Michael Munk geleiteten Prüfung ließ sich sofort erkennen, Daß alle Schüler mit regem Eifer bei der Sache waren und fast immer die richtigen "Antworten auf die gestellten Fragen wußten. Herr Siegmund Schreier als Vorsitzender der Talmud-Torah-Schule richtete zum Schluß der Prüfung einige Worte des Dankes äN alle Erschienenen. — Am gleichen Tage des Abends fand dann eine Abschlußfeier der Talmud-Torah-Schule statt. Es wurden verschiedene Reden gehalten und zwar sprach die Begrüßungsworte Herr Schreier: alsdann ergriffen die Herren Rabbiner Dr. Michael Munk und Rabbiner Tarsis das Wort, welche großen Beifall ernten konnten. Anfckließend fand dann eine Kinder-Aufsührung eines Purimstückes statt, um deren Einstudierung sich Herr Hans Paul besonders verdient gemacht hat. Es wurde auch hier reichlicher Beifall für die gelungene Ausführung gespendet. Es sei noch erwähnt, daß Herr Kantor Cohn nebst Sohn durch Vorträge geistlicher Lieder erfreuten. Die Danten trugen dadurch zum guten Ausfall der Veranstaltung bei, indem sie für das leibliche Wohl durch die Spende köstlicher Backwerke Sorge trugen, so daß das Fest einen vortrefflichen Verlauf genommen hat. Dmocndcf HgudA'dltavken * fjpfiäftlidi in allen Ortsgruppen Hamburg. Wir lesen in der Deutsch-Israelitischen Zeitung: Die Agudas-Jisroel, Ortsgruppe Hamburg-Altona veranstaltete am 31. März eine Abschiedsfeier für Herrn Wolf S. Jacobson, zu der ein zahlreiches Publikum erschienen war. Der Abend wurde eingeleitct durch den Gesang des 'ibv ',t von einem Schülerchor unter Leitung von Herrn Lehrer M. Golds ch m i d t. Alsdann ergriff Herr Rabbiner Duckesz -- Altona, nach einer kurzen Begrüßung seitens des Vorsitzenden der Ortsgruppe, das Wort zu seinen Ausführungen über die „Leistungen der Hamburger Gemeinde für Palästina im 17. Jahrhundert". Zu Beginn feiner Ausführungen gedachte der Redner in einem tiefgefühlten Nachruf des am Schabbos, dem 26. März, in Jerusalem verstorbenen Rabbi Chajinr Sonnenseldi>"pi27. Zu seinem eigentlichen Thema schilderte der Referent an Hand eines alten Pmkas (Sammelbuches) aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, wie bereits damals in Hamburg große Mittel aufgebracht wurden für Erez Jisroel, zweihundert Jahre vor Begründung des politischen Zionismus. Der Redner schloß seine Ausführungen mit herzlichen Worten des Abschiedes für Herrn Jacobson. Nachdem dann der Schülerchor den Psalm 128 gesungen hatte, ergriff Dr. Julius Möller das Wort, um namens der Agudas Jisroel, Ortsgruppe Hamburg-Altona, dem scheidenden Freund und Förderer der Ortsgruppe Worte des Abschiedes zu widmen. VvU starkem Beifall begrüßt, richtete alsdann zum Schluß Herr' Jacobson selbst eine Abschiedsansprache an die Versammelten. Er dankte den Vorrednern, der Ortsgruppe und auch dem Schülerchor und ihrem Leiter für die Ehrungen, die man ihm hat zuteil werden Iaffen, schilderte kurz die Männer, die ihin in Hamburg Leitstern und Richtschnur wurden, ausgehend von den Worten des Pajton des vergangenen Schabbos mn»2 wvin nsraix und ermahnte die Ortsgruppe, stets der ernenn nsnix Abraham. Jakob, Mose und Samuel eingedenk zu sein, einem Abraham und Mose stets gleich den Blick auf Klal Jisroel gerichtet, einem Jakob gleich nur „Tauroh" zum Leitstern zu machen und einem Samuel gleich kämpfen für ihre Ideale, aber nur „L'schem schomajim," dann wird sich auch das Schlußwort des Pajton erfüllen nm snm 'i^zn 1x212- Reicher Beifall dankte dem Redner für feine Ausführungen. Es braucht nicht besonders betont zu werden, daß der Wegzug des Herrn Jacobson für Hamburg einen Verlust bedeutet. Wir geben der Hoffnung Ausdruck, daß er in Berlin ein Tätigkeitsfeld finden möge, das ihn voll und ganz befriedigt. S. Kiel. Am Sonntag, den 20. März 1932, sprach im überfüllten Saale des Sitzungszimmers der Synagoge Herr Wolf S. Jacobson, Hamburg über das Thema:' „Was erwarten wir von deriüdifchen I u - Die Veranstaltung war als Abschieds-Veranstaltung des in Kiel sehr bekannten und anerkannten Redners gedacht und vom Landesdirektorium des Keren-Hatorah einberufen. Das Thema war parteipolitisch neutral gestellt. . Die Diskussion, in der mehrere Zionisten sprachen, verlief sehr fachgemäß. Selbstverständlich gelang es dem ausgezeichneten und. begeisterten Redner, dre gegen dir „Agudas Jisroel" polemisierenden Zionisten glänzend zu widerlegen. W. Zürich. Sonntag, den 3. April, lud die Agudas- Jisroel zu einem Vortrag von Herrn Rabbiner Dr. Mich alsk i aus Karlsruhe in den blauen Saal des Volkshauses ein. Es wäre zu wünschen gewesen, daß Thema (Agudahgeist und Agudapflicht) und Referent, der den Teilnehmern der Badener Agudah - Jugendtagung noch in bester Erinnerung ist, etwas mehr Anziehungskraft auf das Züricher Publikum ausgeübt hätte:,. Aber der erste schöne Frühlingstag scheint auch manchen Agudisten ins Freie gelockt zu haben. — Herr Dr. Lewenst e t n eröffnet«: den Abend mit einem warm empfundenen Nachruf auf den letzte Woche verstorbenen Rabbi Ehajim Sonnen seid ^"pin- In bewegten Worten schilderte der Redner Charakter- und Geistesgröße des heimgegangenen Führers der A. I. Die gewaltige Lücke, die durch den Tod dieses Großen in Israel nicht nur in die Reihen der A. I., sondern in diejenige der Gesamtjudenheit gerissen wurde, und ermahnte die Mitglieder der A. I. zu intensiver Arbeit im Geiste der Ueberlieserung. — Nach' Herrn Dr. Lewenstein nahm der Hauptreferent des Abends, Herr Rabbiner Dr. Michalski das Wort zu seinem eingangs erwähnten Referat. Der Redner versuchte in interessanten Vergleichen die Identität von Schöpfungsprogramm (wenn dieser Ausdruck erlaubt ist) und den: Programm der A. I. uachzuweisen. Viele Gedanken, die in den 10 Schöpfungsworten ihren Ausdruck finden, hat das Programm der A. I. übernommen. A. I. will die Lebensaufgaben im Geiste der Thora lösen. Sie erstrebt zu diesem Zwecke den Zusammenschluß aller gesetzestreuen Juden. Dies ist einer der Hauptgedanken der A. I. Weil aber A. I. keine Partei bleiben will, weil vielmehr das Ideal der Agudah eine parteilos zusammengeschlossene gesetzestreue Judenheit ist, ist es ihre Pflicht, überall die Torah zu verbreiten. „Die Welt krankt an Üeberjlyh an männlichem Selbständigkeltsgefühl" erkannte Bismarck als Hinderungsgrund der Einigilng des Reiches. Diese Erkenntnis kommt auch in dem genannten Leitsatz der A. I. zum Ausdruck. Ileberparteiliche Einigung tut der Welt not. — Agudahgcift: Erhaltung des Bewußtseins der Eigenart des Judentums auf der Souveränität der Thora. Agudahpflicht ist Pflicht der Verbreitung der Thora. A. I. hat den Thorageist in ihren: Programm verankert, die Pflicht der Verbreitung und Erhaltung der -ichora liegt jedem einzelnen Agudisten ob. Keren-Hath.ora und Beth-Jakob- Schulen sind die Organisationen, die sich als Trägerinnen des 2lgudahpslichtgedankens bewährt haben. — Die A. I. kann, so sagt der Referent, aus künstliche Fahnen und Abzeichen verzichten. Ihre Fahne ist die Thora, ihr Abzeichen der Thorageist. Auch Herr Dr. Michalskk 'skizziert sodann in einem "kurzen, in sein Referat eliigeslochtenen Hesped die Persönlichkeit Rabbi Ehajim Sonnenselds b"pix7, dessen Größe darin lag, daß er trotz seines ungewöhnlichen Geistes und feiner übermenschlichen Seele, den Kontakt mit der Wirklichkeit nicht verlor. Er war die wahrste Verkörperung von Agudahgeist und Agudahpflicht, von Thorageist und Thorapflicht. Mit einem Mahnrufe an die anwesenden Agudisten, sich Thorageist und Thorapflicht zum Leitsätze zu machen, um wirkliche Mitglieder der A. I. zu bleiben oder zu werden, schloß der Referent. Herr Dr. Lewensteiu übersetzte den warmen Beifall der Hörer in herzliche Dankesworte und gab, nachdem sich auf seine Aufforderung hin niemand zur Diskussion gemeldet hatte, dem Wunsche Ausdruck, daß der Referent die Züricher Agudah nicht allzulange auf seinen nächsten Vortrag warten lassen möge. Subokica. Die Suboticaer Agudas Jisroel- Jugendgruppe, welche das Winter-Semester zur Pflege des Thoralernens durch Abhaltung verschiedener Schiurim gut ausnützte, ließ auch den Purim nicht unausgenützt vvrübergehen. Sie veranstaltete, einen glänzenden Purikn-Abend. Eine Fülle humorvoller und geistreicher Vorstellungen unterhielten die zahlreichen Zuhörer, wofür den Mitwirkenden reichlich applaudiert wurde. Besonders hervorzuheben sind die Leistungen folgender Mitglieder: Akiba Deutsch, S. Glück, Brüder Engel, M. Großberger, K. Holländer. Den Löwenanteil an dem Gelingen der Veranstaltung hatte der besonders beliebte und verdienstvolle Präses der Gruppe, H. Jenö Berger unter Mithilfe der Herren L. Pfeifer und A. Glück. Gurahumora (Rumänien). Die hiesige Beth Jacob- Schule veranstaltete anläßlich des Purimfestes eine Feier mit reichhaltigem Programm. Zur Aufführung gelangten einige historische Bilder wie der Segen Jsaks, Königin Esther, Abraham und die Götzen usw. Vor vollbesetztem Hause zeigten die kleinen Schauspielerinnen ihre Kunst. Ihre Leistungen machten der Leiterin der Schule, Frl. Hannchen B e r l i n g e r , alle Ehre und das Publikum spendete begeisterten Beifall. Unter der festen Leitung des Herrn Jacob Apter entfaltet das Schulkomitee, dem die Damen: Frau Rabbiner Ginsberg, Lauser, Scharfstein, Apter, Druckmann und Kahn angehören eine unermüdliche Tätigkeit, um die Anstalt trotz der furchtbaren Wirtschaftskrise als Bollwerk wahrhaft orthodox-jüdischer Mädchenerziehung in Rumänien zu erhalten und weiter zu entwickeln. Besonderer Dank gebührt für seine opferfreudige Mitwirkung dem Herrn Großindustriellen Lauser, der die Schule in größtem Maße unterstützt.

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