Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 17-18 (20.4.1932)
- Date
- 1932-04-20
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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20. April 1932 Der Israelit Blätter Nr. 5 Seite 3 lichtest, junge Menschen, die ehrlich um „Klarheit" in diesen grundlegenden Fragen der jüdischen Gemeinschaft, wie sie Agudas Jisroel darstellt, ringen, zur Idee des Agudismus heranzuziehen, als indem sie hier die konsequenten und eindeutigen Ideen Breuers zum Ausgangspunkt nimmt. Folgende Veranstaltungen haben im Berichtsjahre (Sommer und Winter 1931 bis 1932) im Einzelnen stattgefunden: A. Veranstaltungen nur für die Jugendgruppe: I. Schiurim: a) öffentliche Schiurim: Gemoro Bowo Kamo (Rabb. Jos. I. Horowitz), Gemoro Schabbos (Louis Kahn), Mischna Maued (Gerson Schnerb), Minim (Leopold Oppenheimer), Dinim (Th. Spiegel), Schulchan Aruch Hilch. Schabbos (B. Rachelsohn), b) geschlossene Schiurim: Gemoro Makkaus, später Kiduschin (Herm. Bing), Genioro Berachoth, später Bezo (Rosenzweig), Genwro Bowo Mezio (Dx. Isaak Posen), Gemoro Bowo Kamo (Raftali Abrahams), Gemoro Kiduschin (Carl Zuntz). II. Arbeitsgemeinschaften: Religionsphilosophie (Dozent: Jul. Ehrentreu), Führerkurs (Dozent: Jul. Ehrentreu). B. Veranstaltungen nur für die Mädchengruppe: I. Schiurim: a) öffentliche Schiurim: Melochim, später Jehoschua (Julius Lewin), Tauroh (Konrektor A. Hirschberg), Dinim (Konrektor A. Hirschberg), Tefillo, gemeinsam mit der Frauengruppe (Jacob Rosenheim). , b) geschlossene Schiurim: Jeschajo (Studienrat Dr. Markus Lange), Schemuel (Manfred Neuberger). H. Arbeitsgemeinschaften: Hebräisch - sprachliche Arbeitsgemeinschaft (Jacob Landau), Pädagogische Arbeitsgemeinschaft (Frau Berthe! Strauß), Arbeitsgemeinschaft der Führerinnen (behandelte Breuers Judenproblem), Arbeitsgemeinschaft „Chaurew" (Frau Kella Löwenthal). HI. Ausspracheabende: Die politischen Parteien Deutschlands (Röse Lange), Die Todesstrafe (Irma Wohl), Die Stellung der Frau im Judentum (Erna Friedmann), Jugendbewegung (Leni Sänger). C. Gemeinsame Veranstaltungen der Jugend- und Mädchengruppe: l I. Arbeitsgemeinschaften: a) Sommersemester 1931: Erez Jisroel - Arbeitsgemeinschaft (Dr. Jsaac Breuer), Die Ideologie der Agudas Jisroel (Dr. Willi Hofmann), Die Ideologie der Agudas Jisr. (Jacob Landau). b) Wintersemester 1931—32: Die Idee des Agudismus (Dr. Jsaac Breuer), Die Geschichte von Erez Jisroel (Red. S. Schachnowitz), Sozialistische Arbeitsgemeinschaft (Erich Weill), Einführung in das naturwissenschaftliche Denken (Emil Klein). II. Ausspracheabende und Vorträge: Die Prinzipien der gegenwärtigen agudistischen Erez Jisroel-Politik (Jacob Rosenheim), Wie können wir praktische Erez Jisroel-Arbeit leisten? (Mosche Blau-Jerusalem), Meine Reise durch Erez Jisroel (Studiendirektor Dr. Elias Fink). III. Unterricht: Stenographie (Lehrer S. Adler), Französisch (Studienrat Jos. Kaufmann), Englisch (Studienrätin R. Labenski). IV. Gesellige Veranstaltungen: Schowuauslernen, Hauschano Rabbo-Lernen, Simchas Tauroh-Feier, Chanukkah-Spielabend, Freitagabend-Veranstaltungen gemeinsam mit „Mekor Chajim", an Schabbos Chanukka und 15. Schewat. V. Fahrten: Pfingsten 2 Tage gemeinsam mit Esra-Darmstadt in den Odenwald, Treffahrt mit Esra-Darmstadt, Alzenau (Bezirkstagung der Freien Vereinigung), Michelstadt (ebenso), Mainz (Agudistische Gruppentagung) u. a. m. Zum ersten Male hat es die Leitung der Jugendgruppe an den Weihnachtstagen unternommen, ein Arbeitslager außerhalb Frankfurts in der Jugendherberge Groß-Gerau zu veranstalten. Dieses Ferienlager verfolgte in erster Linie den Zweck, daß die Teilnehmer während der vier Tage dieses Ferienlagers einmal intensiv ein bestimmtes Gebiet aus Gemoro, Tenach, Schulchan Aruch usw. durcharbeiten. Daneben fanden Führerkurse und Arbeitsgemeinschaften statt. Im Einzelnen behandelten die Schiurim für Jungens Gemoro Pefochim, Gemoro Bezo, Gemoro Kidufchin (Hilchoth Kibbud Aw Woem) und Schulchan Aruch, sowie Chofez Chajim, Dinim und Chumesch. Die Schiurim der Mädels behandelten Koheleth, Schemuel, Dinim, Jona Kizzur Schulchan Aruch (Hilchoth Kibbud Aw Woem) und Tnach. Des weiteren bezweckte die Leitung mit diesem Ferienlager unsere Gemeinschaft zu festigen und durch gemeinschaftliches Erleben in diesen Tagen das uns umschließende Band zu festigen. Zu unserer Freude nahmen an diesem Ferienlager nur nur unsere Chawerim und Chaweroth aus Darmstadt und Wiesbaden-Mainz teil, sondern die Hamburger Organisationsleitung der AJJO. und die Gruppenvertreter der größeren und arbeitswilligsten agudistischen Jugendgruppen hielten im Rahmen dieses Ferienlagers eine Arbeitstagung ab. Die Kurse wurden von den Mitgliedern der Führerschaft und zum Teil auch von auswärtigen Gruppenvertretern geleitet. Ein Teil der dort begonnenen Schiurim wird heute noch fortgeführt. Die Leitung der Jugendgruppe glaubt sagen zu können, daß diese Veranstaltung für die Fortentwicklung der Jugendgruppe von außerordentlicher Bedeutung und größtem Wert gewesen ist. Eine besondere Schwierigkeit war in unserem Kreise von jeher die soziale Arbeit. Während andere agudistische Jugendgruppen, wie beispielsweise Fürth und Hamburg hier viel geleistet haben, ist in Frankfurt für eine soziale Betätigung mit Rücksicht darauf, daß die Wohlfahrtspflege durch die Gemeinden durchgeführt wird, nur wenig Raum. Die Stellenvermittlung hat naturgemäß eiche erhöhte Tätigkeit entfaltet und hat auch natürlich nur im Rahmen des Möglichen unter Leitung einiger Mitglieder der Agudistischen Frauenortsgruppe und der Jugendgruppe gute Erfolge zu verzeichnen. Daneben ermöglichten es uns zu unserer Freude, unsere Kassenverhältnisse kurzfristige Darlehen an unsere Mitglieder, soweit dieselben diesbezüglich an uns herantraten, auszuleihen. Auch das Limmudamt des Esra, mit dem ja die Agudas Jisroel - Jugendorganisation zusammenarbeitet, erhielt von uns regelmäßige monatliche Beiträge. Besonderen Raum nahm aber im Berichtsjahre die Arbeit für Erez Jisroel ein. Um eine größere praktische Tätigkeit entwickeln zu können, gründete auf Wunsch zahlreicher Mitglieder der Vorstand im Tammus des vorigen Jahres das „Erez Jisroel-Amt der Agudas Jisroel- Jugendgruppe". Im Anschluß an die Arbeitsgemeinschaften, Ausspracheabende und Vorträge, die von der Leitung systematisch auf Erez Jisroel zugeschnitten waren, bezweckte man zunächst neben der rein geistigen ideologischen Arbeit durch praktisches Tun für Erez Jisroel das Interesse für Erez Jisroel-Arbeit zu wecken und die Bedeutung einer agudistischen Erez Jisroel-Arbeit unserem Kreise nahe zu bringen. Wip sich aus der obigen Uebersicht ergibt, behandelten die Veranstaltungen des Sommersemesters fast ausschließlich die Problemkreise um Erez Jisroel. Ausgehend von einer ’ Anregung R. Mosche Blaus organisierte das E. J.-Amt zunächst eine Pfennigspende, um einen Fonds zu schaffen, der es der Jugendgruppe ermöglichen sollte, auf diesen Pessach einen oder mehrere ihrer Mitarbeiter nach Erez Jisroel zu schicken. Man erstrebte damit einmal die Gewinnung eines persönlichen Konnexes mit den palästinensischen Zeirei Agudas Jisroel, zum anderen wollte man aber durch unseren Vertreter die wirtschaftlichen Verhältnisse erkunden lassen und gegebenen Falles die Möglichkeit zu regelmäßiger Stellenvermittlung nach E. I. zu untersuchen. Als dann im Tamus, wenige Tage nach Beginn der Sammlung, in Hebron für die nach den Pogromen nach dort zurückgekehrten Kinder eine Schule gegründet werden sollte, glaubte das Erez Jisroel-Amt nach Uebereinkunft mit der Leitung der Jugendgruppe in heutiger Zeit mehr zu leisten, wenn es die Mittel von monatlich RM. 60.— für diese Schule bereitstellte an Stelle der vorgesehenen Reiselotterie. Man sah daher von der weiteren Propagierung dieser Reiselotterie ab und übertrug die gesamten Gelder auf den „Hebron- Fonds der Agudas Jisroel-Jugendgruppe". Vor kurzer Zeit entschloß sich das Erez Jisroel-Amt mit Rücksicht darauf, daß in Frankfurt von privater Seite schon für die Beth Jakob-Schule in Tiberias gearbeitet wurde, nachdem Hebron anderweitig versorgt war, die Arbeit in Zukunft nur noch dieser Schule in Tiberias zu widmen, mit deren Leitung das Erez Jisroel-Amt in ständiger Verbindung steht und von der regelmäßige Berichte einlaufen. Wir haben so im Lause des letzten halben Jahres etwa RM. 660.— aus kleinsten Spenden im engsten Kreise für das agudistische Schulwerk in Erez Jisroel aufgebracht. Es war uns so eine große Freude, daß das E. J.-Amt auf Grund der im Adar I für Tkberias eingezahlten RM. 200.— bei der Lotterie der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel eine Schiffskarte nach Erez Jisroel gewann. Ist doch so durch die Freundlichkeit der Palästina-Zentrale, der wir hierfür sehr dankbar sind, unser lange ersehnter Wunsch, den wir bei Gründung unseres Erez Jisroel-Amtes in erster Linie hegten, in Erfüllung gegangen und haben wir heute erreicht, daß wir ansehnliche Mittel für Hebron und Tiberias aufgebracht haben und nun auch noch der Führerschaftsleiter unserer Schülergruppen nach Erez Jisroel als unser Vertreter. fahren konnte. Das Erez Jisroel-Amt hat bislang davon abgesehen, auch geistige Anleitung für die Erez Jisroel-Arbeit der deutschen Agudo-Jugendgruppen zu geben und zwar aus folgendem Grunde. Wie bekannt, bestand bis vorigen Sommer ein gemeinsames Komitee der Agudas Jisroel- Jugendorganisation mit dem Brith Chaluzim Datiim mit dem Sitz in Frankfurt a. M., das den Zweck verfolgte, die Erez Jisroel-Arbeit der Jugendgruppen der Agudas Jisroel anzuregen. Durch langwierige Verhandlungen : wurde die positive Arbeit zu unserem lebhaften Bedauern seitens des Brith immer wieder hinausgezögert. Mit Rücksicht hieraus sah das Erez Jisroel-Amt zunächst davon ab, die durch dieses Komitee zu leistende Arbeit zu übernehmen. Nachdem nun heute aus dem Verhalten des Brith Chaluzim Datiim allerdings der Schluß gezogen werden muß, daß dieser an einer Zusammenarbeit mit der Agudas Jisroel-Jugendorganisation bedauerlicher Weise kein Interesse hat, wird daher das Erez Jisroel- Amt in Zukunft seine Arbeit — abgesehen von der rein praktischen Arbeit — auch auf Anregung zu geistiger Erez Jisroel-Arbeit einzustellen haben. Zu tätiger Förderung der Alijo ist es im Berichtsjahre leider noch nicht gekommen. Nachdem von der Leitung der Weltorganisation und auch dem Vorstand der deutschen Landesorganisation diesbezüglich keinerlei Unterstützung zu erwarten war, sind wir selbst mit in Frage kommenden Landgütern in Konnex getreten; die Verhandlungen waren aber mst Rücksicht darauf, daß es sich bei diesen Gütern nur um Stellen für höchstens zwei bis vier Eleven handelte, ohne Ergebnis. Wir sind nämlich auch mit Rücksicht auf die Lage in Erez Jisroel der Auffassung, daß wir nur dann eine Alijo zu fördern berechtigt sind, wenn die Gewähr dafür geboten ist, daß die Betreffenden sowohl in der Hachschara als auch in Erez Jisroel ein gut jüdisches Milieu geboten bekommen können. Einige unserer Freunde befinden sich heute auf dem dem Brith Chaluzim Datiim gehörigen jüdischen Üehrgut (Rodges) in Hattenhof, wo wir sie auch, soweit dies in unseren Kräften steht, unterstützten. III. Im Laufe des Berichtsjahres schlossen sich die Gruppen Wiesbaden, Darmstadt und in den letzten Tagen Hanau mit unserer Jugendgruppe gemäß den Groh-Gerauern Beschlüssen zu einem Rhein-Main-Kreis der AJJO. zusammen, dessen Kreislester seinen Sitz in Frankfurt hat und der gemäß den Groß-Gerauer Beschlüssen ausschließlich den Verkehr zwischen der Organisationsleitung in Hamburg und den Gruppen dieses Kreises vermittelt. Unsere Tätigkeit für diese auswärtigen Gruppen besteht darin, daß regelmäßig die Mitglieder der Führerschaft unserer Schülergruppen diese Gruppen besuchen und dort Arbeitsgemeinschaften und Schiurim, bezw. Heimstunden für die Jungens und die Mädels leiten. Die Tätigkeit in Hanau besteht in erster Linie in der Führung von Schülergruppen. IV. Mit der Organisationsleitung und den verschiedenen Kreisleitungen der Agudas Jisroel-Jugendorganisation standen wir durch Vermittlung unserer Kreisleitung in regelmäßigem Gedankenaustausch und wir haben uns bemüht, die Arbeit der übrigen agudistischen Jugendgruppen teils durch Beeinflussung einzelner ihrer Mitglieder, teils durch deren Leitungen in der Richtung und im Geiste unserer Arbeit zu beeinflussen. Zu unserer Freude haben sich jetzt doch schon eine größere Zahl von agudistischen Jugendgruppen zur Bildung von Schülergruppen entschlossen. Im Uebrigen hat die Groß-Gerauer Arbeitstagung der AJJO. entsprechend unserer Anregung für die ideologische Arbeit der Agudas Jisroel-Jugendorganisation das Breuer'sche sogenannte „Frankfurter Programm 1919" als richtunggebend erneut angenommen. Mit der Agudistischen Frauengruppe stehen wir.ebenfalls in ständiger Fühlungnahme. Es fanden im Berichtsjahre mit der Vorstandschaft der Frauengruppe Aussprachen über unsere Tätigkeit, soweit sie die Schülergruppen oder die Mädchnearbeit betrifft, statt. Auch stellten sich uns erfreulicher Weise einige Mitglieder der Agudistischen Frauengruppe zur Leitung von Zirkeln unb Arbeitsgemeinschaften zur Verfügung. Unsere Stellung zur Agudas Jisroel-Ortsgruppe hat sich im Berichtsjahre bedauerlicher Weise nicht gebessert. Nach wie vor bringt die Leitung der Ortsgruppe nicht das geringste Verständnis für unsere Arbeit auf. Obwohl nach der Verfassung der Agudas Jisroel es Pflicht der Ortsgruppe wäre, ihre besondere Aufmerksamkeit der Jugenderziehung zu widmen und die Jugend in dieser Arbeit zu unterstützen, hatten wir auch im Berichtsjahre nicht die geringste Unterstützung unserer Arbeit seitens der Ortsgruppe zu verzeichnen. Wir haben uns mit Rücksicht darauf, daß nach unserer Auffassung die Ortsgruppe unter ihrer derzeitigen Leitung, wie die Erfahrung lehrt, zu irgend welcher positiven Arbeit schlechterdings nicht fähig ist, durch persönliche Fühlungnahme verschiedentlich darum bemüht, an die Stelle der derzeitigen Leitung einen arbeitsfähigen Vorstand zu setzen. Wir taten das wahrlich nicht aus dem Gesichtspunkte heraus, daß uns etwa eine Pflicht träfe, auch noch für diesen Kreis, der sich so wenig um uns kümmert, sorgen zu müssen. Wir konnten aber diesen Zustand nicht länger mitansehen und haben auch in der Tat alles Interesse daran, daß die Frankfurter Agudistische Ortsgruppe sich endlich mal auf sich selbst besinnt und nicht ihre ganze Tätigkeit in ihrer Existenz sich erschöpfen läßt. Aus diesem Grunde hat die Leitung der Jugendgruppe es im Berichtsjahre grundsätzlich abgelehnt, irgend welche gemeinsame Veranstaltungen mit der Ortsgruppe zu unternehmen.