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Der Israelit · 1932-03-24 · Heft 13 (24.3.1932) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 13 (24.3.1932)
Date
1932-03-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 13 Der Israelit 24. März 1938 Wolf Tel. Hansa 27930 Schwierigkeiten zum Trotze, auf dem mühsamen Wege der „Hachschara" sich für ein Arbeiterleben in Crez Isroel rüsten. Allein so einfach liegen die Dinge nicht. Unter den beute aktuellen vier Motiven des Crez- Isroel - Triebes, die wir oben mehr angedeutet, als ausführlich charakterisiert haben, wird der Tieferblickende sofort eines vermissen, das Jahrtausende lang das entscheidende war für alle, die oft unter Lebensgefahr und im Angesichte unvergleichlicher (Opfer, die Pilgerfahrt nach dem heiligen Lande antraten: das religiöse. Cs wäre Heuchelei oder Kurzsichtigkeit, wollte man der Jugend, die heute mit allen Fasern ihres Herzens nach Crez Isroel strebt und sich darauf in harter Arbeit vorbereitet, eine hochgesteigerte religiöse Inbrunst andichten, die nur auf dein Loden der Schechina und der Prophetie ihre Sehnsucht nach der G'ttesnähe stillen zu können meint. Diese Jugend — wir unterschätzen wahrhaftig ihren ehrlichen, reinen Willen nicht und ihren sittlichen Idealismus — sucht zum allergrößten Teil in der Crez Isroel-Legeisterung einen Religions- Ersatz, ein Ueues, noch nicht Dagewesenes, nicht aber die a l t e religiöse Gefühlswelt, wie sie in Bibel und Talmud, in Midrasch und Kabbala, in Chassiöus und Mußar lebt. Und sie ist darum in der höchsten Gefahr, das Kapital an Demut und Treue, an weltanschaulichem Bewußtsein und vor allem an nnaK v'QvN'das sie besitzt, das sie sich erkämpft hat, auf dem Wege nach Crez Isroel oder in Crez Isroel selber auch noch einzubüßen. Auf dein Wege nach Crez Isroel — weil die gesetzestreue Inöenheit, trotzdem sie es an Bemühungen nicht hat fehlen lassen, in diesem kritischen Wendepunkt der Zeiten keine eigene von zionistischem Cinfluß freie Ausbildungsstätte für junge Menschen besitzt, die sich für eine arbeitende Tätigkeit in Crez Isroel vorbereiten wollen. Und in Crez Isroel selbst — weil dort kein einziger Stützpunkt der (Orthodoxie existiert, an dem sich auch nur zehn, von ungebrochener nKT durchglühte junge Juden zu landwirtschaftlicher, gärtnerischer, handwerklicher Kollektivarbeit oder Außenarbeit zusammenfinden und sich religiös in positivem Sinne ausleben könnten. Wir konstatieren die Tatsache, ohne damit irgendwem einen Vorwurf machen zu können. Denn an Voraussicht und Tatkraft hat es den Führern nicht gefehlt, und ihre Schuld ist es gewiß nicht, wenn das Lehrgut „Hirschhof" im (Odenwald so gut wie der herrliche, aber kostspielige Arbeiterbetrieb in „Machane Isroel" im Cmek leider nur Reminiszenzen an erfolglos aufgewandte ungeheure Mühen und Geldopfer darstellen. Was nun? Daß die zionistischen Veranstaltungen des „Hechaluz" und seine Ableger als Vorbereitungsstütten nicht in Betracht kommen können, ist für den, der seine Kinder nicht sehenden Auges sein will, klar. Run existiert allerdings seit Jahren ein „ B r i t h Chaluzim Dathiim" (Bund religiöser Chaluzim) in Deutschland, der auf a u s g e s pr o ch e n gesetzestreuem Boden steht, und dessen praktische Leistungen uneingeschränkte Anerkennung verdienen. Cr bildet auf dem dem „Misrachi" gehörigen Gute G e r i n g s h o f bei Fulda, außerdem in einer Reihe von privaten Bauernwirtschaften in Deutschland und Holland unter strikter Wahrung der rituellen Vorschriften Jungen und Mädchen für Crez Isroel aus; er sammelt diese dann in Crez Isroel in dem sogenannten „Kibbuz Rodges" auf einem, wenn wir nicht irren, ebenfalls dem „Misrachi" gehörigen Gute, soweit sie nicht anderweit Arbeit finden. Thorastudium bis zum tnai ii»b, auch jeschiwamäßige Ausbildung gehört zu feinem Bildungsprogramm sowohl bei der Vorbereitung als in Crez Isroel selbst. Nichtsdestoweniger kann der „Brith Chaluzim "Dathiim" in seiner heutigen Verfassung und in dem Geiste, der ihn derzeit beherrscht, der thoratreuen Iudenheit und dem gewissenhaften Vater nicht die ausreichende Gewähr dafür bieten, daß die durch seine Schule gegangenen jüdischen Menschen wahrhaft jüdische Menschen sein werden, wie sie Crez Isroel dringender alsje braucht. Wir sehen hier von allem (Organisatorisch-Politischen ab, obgleich man auch von ganz jungen Leuten die Cinsicht verlangen dürfte, daß es ein ungeheurer Widerspruch ist, auf der einen Seite absolute Neutralität gegenüber den Parteien zu beteuern und sich auf der anderen Seite resolutionsmäßig „auf'den Boden desZionismus" zu stellen. Aber — und das ist viel, viel wichtiger — die Briefe, Aufsätze, Berichte, die man in den Kundgebungen des Lundes findet, verraten zwar sehr viel Ehrlichkeit, Liebe zum Boden und zum Lande, auch einen gewissen programmatischen Konservativismus, nur eines vermißt 'man: den Schwung jugendlicher Begeisterung für den Sieg der Thorawahrheit, die (Offen sivkraft der Liebe zur Wiederbekehrung des ganzen jüdischen Volkes für seinen G'tt und vor allem das Bewußtseindergefühlsmäßigen und weltanschaulichen Solidarität mit dem alten Iischuw und seinen großen r a b b i n i s ch e n Führern. Wie aber soll es ohne diese Vorbedingungen psychologisch möglich sein, gerade in Crez Isroel den furchtbaren Kampf mit der mn» rnvo, mit dem auf die Bundesgenossenschaft einer ganzen Kulturwelt gestützten kritischen Unglauben zu bestehen? Wird nicht schon durch die lieblose, verständnislose Art, mit der man allem Alten, allem Aguöistischen, unter der Ausrede, hier laure die böse Politik (o über den harmlosen unpolitischen Zionismus!), gegenübersteht, der Keim des Aufruhrs in die jugendlichen Herzen gesäet und damit der inneren Entfremdung von der Tradition der Weg bereitet? Auch hier ist über niemand der Stab zu brechen. Diese jungen Leute sind, wie sie geworden sind — alles lebt und sproßt in ihren Seelen: die Chibar hoorez und der nationale Wille, eine grenzenlose Gpferbereitschaft und die Sehnsucht nach sozialer Gerechtigkeit, nur das tradiert Religiöse erweckt den Eindruck des Unlebendigen, eine» Wertes zweiten Ranges. Für eine solche Seelenstimmung aber. fehlt naturgemäß. wiederum im palästinensisch-orthodoxen Lager jedes mild verzeihende, Annäherung suchende Cinfühlungsvermögen. Wie dem auch fei. Zwei Tatsachen bestehen. Cin großer Teil der westeuropäischen, auch der aguöistischen gesetzestreuen Jugend, drängt nach Crez Isroel, drängt auf Vorbereitung für Crez Isroel. Wird dieser Jugend die Kläglichkeit versagt, ihrem Sehnen iznipn mnu ^pzu genügen, so wird nur ein kleiner Teil die sittliche Kraft besitzen, zu resignieren und in niLvi min Ersatz zu finden für ihr aktuelles Ideal. Die Mehrheit wird den oben angedeuteten Gefahren zum (Opfer fallen. Was also soll geschehen? Wie uns scheint, ein doppeltes. An die polnische „Zeire Agudas Isroel "-(Organisation ergeht unser Ruf, die Schaffung einer landwirtschaftlich-gärtnerischen 'Ausbildungsstätte in Polen für junge Agudisten mit der oft schon bewährten Energie in die Hand zu nehmen; sie müßte ganz von chasfldischem Geiste erfüllt sein und von vornherein alle Feld- und Gartenarbeit als Enipn mm begreifen lehren. Ihr könnten die „ B n o s Agudas Isroel" ein analoge» Institut für Mädchen an die Seite stellen, das auch rein pädagogisch den Töchtern der polnischen (Orthodoxie zuträglicher wäre als das Cinmünöen der Bes Jakob-Bildung in eine gymnasiale Spitze. Dann hätte auch die westeuropäische aguöistische Jugend ihre Ausbilöungsst ä t t e n. Und sollte es wirklich nicht möglich sein, ein Klinjan qualifizierter, ö. h. physisch arbeitsfähiger Ieschiwojünger in Crez Isroel auszuwählen, die Anmerkungen zur Rofenheim-Festschrifk. Bon Rabbiner Dr. Kaatz in Hindenburg O. S. Das ans zwei Abteilungen, einer deutschen und einer hebräischen, bestehende Standardwerk „Festschrift für Jacob R o s e n h e i m" (Frankfurt a. M. 1931) zeichnet sich durch einen vielgestaltigen und interessanten Inhalt ans, der nicht nur dem Laien, sondern auch den Fachleuten auf den mannigfachsten Wissensgebieten Anregung und Belehrung in reichem Matze bietet. Ein bei aller Kürze und Schlichtheit besonders bemerkenswerter Beitrag ist z. B. der Aufsatz nipviin'a von Dr. Michel Schlesinger (hebr. S. 115), welcher das Rätsel des vielbehandelten Satzes 3 M. 11, 23 rprm pp i>ai yain ib iDn in geistreicher und überzeugender Art löst. Der Verfasser bemerkt am Schlüsse, datz die von ihm gebotene Lösung den Ausdruck ya-m bv der in anderen Sätzen dieses Kapitels angewendet wird, nicht berühre. Hierzu sei mir nun folgende Ergänzung gestattet: Die Vorschriften über epyn pv sowohl in 'i'nv vv-w als auch in nana schließen sich unmittelbar an die Bestimmungen über die verbotenen Vogelarten, an deren letzter Stelle ql>vy „Fledermaus" genannt wird. Obwohl nun die Fledermaus zu den Vögeln gehört, könnte man sie gleich anderen sogenannten Flattervögeln wegen der eigenartigen Bildung ihrer Flügel und Kriechwerkzeuge in einem gewissen Sinn mit qiyn pv vergleichen. Dieser Umstand dürfte m. E. vielleicht mitgewirkt haben, datz, da die Vorschriften über rpyn pv unmittelbar aus die Nennung der Fledermaus folgen, welche vier Beine hat und eine gewisse Zwitterstellung zwischen Vogelart und Kriechtier einnimmt, auf die geflügelten Kriechtiere der Ausdruck ya-ia by -stin angewendet wird; obwohl die geflügelten Insekten auf mindestens sechs Fützen kriechen. Auf sin anderes Gebiet führt uns der Aufsatz von Rabbiner Dr. A. Klein „Rambam oder Maimonides" (deutsch S. 212). Der gelehrte Verfasser behandelt darin in scharfsinniger Weise die scheinbaren Widersprüche zwischen Mischne Tora und More nebuchim und legt dar, wie diese Widersprüche auszugleichen seien. Zu den von ihm behandelten Problemen gehört auch das vielumstrittene Thema fy nnn py „Auge um Auge", hinsichtlich dessen Maimonides im More sagt, seine Absicht sei „die Vernunftgründe der Schnftverse anzugeben". Auch zu diesem Punkte möchte ich zur Unterstützung der Argumente des Verfassers einen Hinweis hinzufügen, der -uns die Stellung ganz deutlich macht, die Maimonides im More zur überlieferten Deutung von „Auge um Auge" einnimmt, einen Hinweis, der in Wohlgemuths Jeschurun XIH S. 46 von mir erwähnt worden ist. Maimonides behandelt nämlich im selben Kapitel des More (III 41) einige Zeilen weiter die tpaaiT v'iy, die „lügenhaften Zeugen", und legt dar, datz ihnen das geschehen solle, was sie zu tun beabsichtigten, sei es datz sie eine Verurteilung zum Tode oder zur Geißelstrafe oder zu einer Geldstrafe herbeiführen wollten. Er zählt also die Arten von Bestrafung auf. Von irgend einer anderen Vergeltung an den falschen Zeugen ist dort nicht die Rede, obwohl die betreffenden Vorschriften auf dem Schriftvers „Auge um Auge" (5. M. 19, 21) beruhen. Maimonides rubriziert also die wegen der falschen Beschuldigung einer Körperverletzung zu verhängende Strafe unter das Schema „Geldstrafe", wobei er noch besonders betont, datz dies dem Wesen der auf Gleichsetzung von Vergehen und Strafe beruhenden Gerechtigkeit entspreche. Er interpretiert also auch im More den Ausdruck „Auge um Auge" völlig im Sinne der Traditon. Zuni Schlüsse eine kleine Anmerkung, die an den Satz des Sabbatpsalmes (Ps. 92,8) airy isa D’ycn msa anknüpft, der von Z. H. Fnber in seiner erbaulichen Betrachtung v'van iiaa (hebr. S. 123) in Drasch-Form ausgelegt wird. Dieser Satz wird in der Regel übersetzt: „Wenn aufblühen die Frevler wie das Gras". Ich möchte nun auf eine ziemlich unbekannt gebliebene Erklärung Hinweisen, die von A. B. Ehrlich gegeben wird. Er übersetzt: „Wenn aufblühen die Frevler, so sind sie wie das Gras". Diese Auffassung des avy i»a als eines verkürzten Nachsatzes ergibt einen guten Sinn, und darauf könnte auch die Regina und der Trennungsstrich zwischen v'yvi und *>»a hi iwe'sen. Kleines Feuilleton. Stehkragen-Proletarier. Bruder! Du irrst," begreife mich recht. Zeit und Not haben mich beirrt. Achte nicht auf meinen Staat. Ich bin von Kopf bis Futz maskiert. : : [• M 1; 1!; i j ■ : 1 , Schaue tiefer in meine Augen! Höre meinem Herzschlage zu! Auch ich mutz schwer arbeiten Und leide nicht weniger als Du!

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