Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 13 (24.3.1932)
- Date
- 1932-03-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2450704-2450717--78652-2536354- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
MKMsUN a. VJLf Sen 16. Weadar 5692 UverlMieL kill Centralorgan für du orthodoxe Judentum Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. mm -Abonnement ab Juli 1829: Deutlchland ILO Mark monarlich: Ausland: Vierteltabrvrene (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Österreich: Schilling 8.—; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1 Juli Frankreich s Fr.; Belgien ab 1.7.27. BelgaS. Holland 3fl.; Italien ab 1.1.33.18 Lire; Iugo. slavien 85 Din.; Litauen 7.50 Lit.; Rumänien ab 1. 7. 37. 160 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 5 Fr.; Tschecho-Slowaket W Kronen; Ungarn Pengo 5 ab 1. Juli 1937; Dänemark 3.50 Krön.; Norwegen 3.50 Krön.; Schweden 3.60 Krön. Einzelnummer vierzig Toldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 50 Toldpf. für die stebengesp altenr Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familtenanzeigen nur 40 Pf. Die 75 mm breite Reklamezeile: letzte Textseite 3.— M!., vorletzte Textseite 350 Mk.; Chiffcegebühr in Höhe einedopv. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bet laufenden Inserataufträgen tarifm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Inseratenannahme durch den Verlag des Israelit (8. m. b. H., Frankfurt a. M , Rechneigrabenstratze 7, Tel. Hansa 31084 fow. durch samt!. Annoncen-Exprd. d. In- und Auslands. Alleinige Inferatenann. für Franks. Eeschäftsan,.: Jul. Schmidt, Oitendflrabe 83 Tel. 45888. Platzvorfchr. ohne Berbindltchk. direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt lillatn) Nr. 193)2. — Argecoem an: Poitipackasse Äcen Rc.?980ä.—Poitioarcaifenamr Buoavert Rr. 18424. — Poststzeckkonto arschau Nr-190757. -Postscheckamt Zürich Nr. VIII7-254. — Postscheckamt Amsterdam Nr. 31889 - Postscheckamt Prag Nr. 79.080 — Rumänische Kreditbank Bukarest und "ihre sämll.' Filialen Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten sich ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit" für den Monat April Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten. Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg. Verlag des Israelit G.m.b.H., Frankfurt a.M. Erez Zisroel-Problematrk. Seitdem durch die weltgeschichtlichen Umwälzungen/ die der Krieg gebracht, das heilige Land aus seiner zweitausendjährigen eschatologischen Verhüllung in das grelle Tageslicht der Politik und der wirtschaftlichen Interessen gezerrt worden ist, haben sich die inneren und äußeren Beziehungen der einzelnen jüdischen Gruppen, ja der Individuen, zur alten Heimat des jüdischen Volkes in einem kaum übersehbaren Maße vermannigsaltigt. Diese Mannigfaltigkeit der „Einstellung" zu Erez Isroel, um das abgegriffene Wort zu gebrauchen, geht nicht nur über die ganze Breite der jüdischen Diaspora und schattiert sich nach Ländern, Kulturmilicus und religiöser Gesinnungsgemeinschaft, vom Ehasstöim-Rabbi bis zum kommunistischen Ehaluz, sondern sie rollt auch kinematographisch im zeitlichen Ua ch einander des G es ch e h e n s seit nunmehr anderthalb Jahrzehnten in merkwürdigstem Stimmungswechsel ab. Auf d^n naiv-zionistischen Halleluja-Sturm der San-Remo-Tage sind die Zeiten unbegrenzter Zuversicht in die Erlöserkraft des amerikanischen Dollars, dazwischen Perioden tiefster politischer Depression, die Jahre der wilden spekulativen Hoffnungen aufs Gelöverdienen mit Erez Isroel-Boöen, Rückfälle in völlige Resignation bei vielfach vorgetäuschter Siegeszuversicht gefolgt, und es wäre, rein psychologisch, eine reizvolle Aufgabe, diesen ganzen Reichtum an Stimnmngen, die noch dazu nur aus dem Hintergrund ihres Negativs: der Europamüdigkeit, des religiösen und kulturellen Zweifels, der wirtschaftlichen Krisen und gesellschaftskritischen Erneuerungssehnsucht, voll verständlich werden, in einem großen Kunstwerk festzuhalten. Der Dichter, der es schafft, wird wohl noch kommen. Für den Augenblick scheint es uns an der Zeit, die Aufmerksamkeit der gesetzestreucn jüdischen Welt auf die bemerkenswerte Tatsache zu lenken, daß wir uns wieder einem Wellenberg der Eretz Isrocl-Sehnsucht in den besten Kreisen der Jugend nähern, und daß Gefahr im Verzüge ist, wenn die innersten Triebkräfte dieser wiederum ganz neuen Situation nicht verstanden oder wenn — was leider möglich scheint — die praktischen Konsequenzen aus solchem Verständnis wegen unserer wirtschaftlichen Schwäche nicht gezogen werden können. Zwar ist die politische und wirtschaftliche Lage in Erez Isroel wenig verlockend. Der Zionismus hat den Zenith feiner Erfolge längst überschritten und alle die auf Selbstüberschätzung, Rationalismus und politische Diplomatie gegründeten Illusionen seiner Frühzeit aufgeben müssen. Der Traum der goldspendenden erweiterten Icwish Agency war allzurasch ausgeträumt; mühsam nur lassen sich die gewonnenen wirtschaftlichen Positionen durch Anspannung aller Kräfte auf dem Wege der Sammelpropaganda aufrecht erhalten — auf wie lange, weiß niemand. Politisch ist kein Zweifel mehr daran möglich, daß England die auf ein Minimum gebrachte Formel von irgend eine m „Nationalheim" (von beliebiger Kleinheit) i n Palästina ebenso ernst meint wie die ängstliche Wahrung des Landbesitzrechtes und der politischen Mehrheitsrechte der Araber, daß also von einer rationalen „Lösung des Iudenproblems" durch Palästina in absehbaren Zeiträumen keine Rede sein kann. Daran vermögen auch die auf gelbem Papier gedruckten revisionistischen Proklamationen des Herrn Meier Großmann an die „jüdische Öffentlichkeit" mit ihrer formellen Kriegserklärung an das englische Imperium schwerlich etwas zu ändern. Es gibt keinen Zionismus mehr im politischen Sinne von 1918. ■ Im Lande selbst herrschen, äußerlich betrachtet, nichts weniger als rosige Zustände. In dieser Hinsicht brauchen wir nur auf die fortlaufenden Berichte unsrer Korrespondenten zu verweisen, unter denen sich optimistisch und pessimistisch gestimmte Seelen befinden, die aber über das primitive Niveau der Wirtschaft, den krisenhaften Kapitalmangel, die Uebcrsetzung der freien und kaufmännischen Berufe eben so wenig einen Zweifel lassen wie über die innere Zerrissenheit der jüdischen Gemeinschaft, ja der Orthodoxie selber, den trostlosen Zustand des Erziehungswesens und den zermürbenden, verzweiflungsvollen Kampf des um feine alten Heiligtümer gescharten W’n mit der Naivität oder Brutalität einer traditionslosen Jugend. Und dennoch! Man weiß das alles, keiner bestreitet es, im Lande oder außerhalb desselben. U n ö d e n n o ch dieser mit jedem Tage zunehmende Trieb immer weiterer Kreise nicht nur der Jugend, sondern auch gercifterer, bereits verwurzelter Menschen, die Zelte abzubrechen und im Lande der Väter „Zuflucht zu suchen" vor dem Elend Europas und Amerikas — auch aus Amerika beginnt der Strom der M e n s ch e n, statt des ehemaligen Goldstromes zu fließen —, ohne Rücksicht auf den ungewissen, geradezu abenteuerlichen Charakter dieses Zufluchtsuchens. vom Standpunkte des jugendlichen Denkens ist dieser Trieb begreiflich. Was hat unsre Jugend in Europa inmitten Millionen arbcits- und erwerbsloser Menschen, deren Armeen jedes Jahr durch den Zustrom neuer hunderttausendcr vergrößert werden, zu erwarten? Sie glaubt vielleicht mit Recht nicht an einen baldigen Wandel zum Guten. Mit der wirtschaftlichen Hoffnungslosigkeit verbindet sich der Ekel vor einer von Rassenhaß und niedrigstem Chauvinismus durchsetzten politischen Atmosphäre, der sittliche Abscheu vor dem in seiner eigenen Problematik bis zum Wahnsinn verstrickten Kapitalismus. Als viertes entscheidendes Moment aber tritt die halb unbewußte Ahnung hinzu, daß dort, inmitten einer angeblich rein jüdischen Umwelt, sich wirklich ganz von selbst eine selbstverständliche jüdische Kultur samt der dazu gehörigen Weltanschauung entwickeln und der aufreibende innere Kampf mit dem Skeptizismus Europas einer fröhlich-friedlichen inneren Ganzheit der Persönlichkeit 'Platz machen werde. Diesen vierfachen Triebkräften, die aus der tiefsten Innerlichkeit emporsteigen und die verstärkt werden durch die immer wieder vom Jordan herüberklingende Botschaft: „In Erez Isroel sind die ä r m - fielt Menschen glücklich, weil sie in Erez Isroel sind" — diesen magnetisch wirkenden seelischen Kräften gegenüber können verstandesmäßige Erwägungen nicht standhalten, gewiß nicht bei der Jugend. Man könnte nun glauben, cs bestehe kein Grund, sich über diese 'Entwicklung irgendwelche Gedanken zu machen. Im Gegenteil sei es ja nur zu begrüßen, wenn in steigendem Maße auch aus gesetzestreucn Kreisen Europas junge Leute beiderlei Geschlechts ihre Lebensbahn in die Richtung all unsrer Gebete einmünden lassen und in herber Entschlossenheit, allen