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Der Israelit · 1931-04-30 · Heft 18 (30.4.1931) · page 22

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 18 (30.4.1931)
Date
1931-04-30
Page
– (sequence 22)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 ' Nr. 19 Der Israelit Sprechsaal. i ■ ■! P! Jüdische Geschichte. An die Redaktion des „Israelit" ' Hier Rechneigrabenstvatze Sehr geehrte Herren! Zu der Notiz des Herrn S. Gris „Jüdische 'Geschichte" im Sprechsaal der Nr. 18 des „Israelit" bz merken wir Folgendes: Dozent Dr. Moses Au e r b ach in B e r l i n ist seit Jahren mit einer Neubearbeitung der Kotteck-schen „Geschichte der Juden" beschäftigt. Der erste Teil, vom babylonischen Exil bis zum Abschluß des Talmuds, ist fast druck fertig. Die weiteren Perioden bis zur französischen Revolution sind teils fertig bearbeitet, teils skizziert. Die Zeit von der französischen Revolution vis zum Weltkrieg ist viel ausführlicher behandelt, so daß dieser letzte Teil, der fast fertig, voraussichtlich gesondert erscheinen wird. Mit vorzüglicher Hochachtung Jüd.-Literar. Gesellschaft i. A.: Strauß. An die verehrliche Schriftleitung des „Israelit" Frankfurt a. M. In Nr. 10 des „Israelitischen Familienblattes" rr schien ein „Klagebrief von der Riviera" von Herrn Dr Kirsch, Berlin (5. 3. 1931), in dem der Unterzeichnete Verein durch falsche Behauptungen angegriffen wurde. Wir sandten unmittelbar nach dem Erscheinen des erwähnten Klagebriefes eine Erwiderung an das Israelitische Familienblatt, die aber wider Erwarten nicht in der nächsten Nummer Platz fand. Auf unsere mündliche und schriftliche Reklamation teilte uns das I. F. unter dem 27. 3. 31 mit, naß es wegen Ueberlastung mit aktuellem Stoff für „ausführliche Eingesandts" nicht gleich in der laufenden Woche, in der diese eingehen, Platz schaffen könne, daß es aber nicht verfehlen werde, unsere Erwiderung, zum mindesten im Auszug, zu veröffent- . lichen. Am 1. 4. 31 fyaben wir das Israelitische Familienblatt dringend gebeten, unsere Erwiderung vollinhaltlich aufzunehmen, wenn dieses aber nicht möglich sei, den auszunehmenden Auszug deutlich als solchen zu kennzeichnen. Auf dieses letzte Schreiben haben wir vom I. F. überhaupt keine Antwort bekommen. Wir bitten Sie daher, die oben erwähnte Erwiderung wie folgt in Ihr gesch. Blatt aufzunehmen: Herr Dr. Kirsch, Berlin, veröffentlichte in Nr. 10 des Israelitischen Familienblattes vom 5. 3. 31 einen „Klagebrief von der Riviera". Abgesehen von den lyrischen Ergüssen, die den Artikel einleiten, sowie weiter abgesehen von der Aufzählung der Orte, an denen sich Restaurationen unter Aufsicht unseres Vertrauensrabbiners befinden, enthält, der Klagebrief wohl kaum einen wesentlichen Satz, der nicht den Tatsachen direkt widerspricht. Das. ist auch weiter nicht verwunderlich, denn der Schreiber gibt Ja .Mtzy.tlich nur die „eine MeintM" der „jüdisch-einwandfreien und maßgebenden" Gastwirte ^wieder. Verwunderlich ist nur, daß Herr Dr. Kirsch es nicht für nötig befunden hat, die angegriffene Seite um ihre Meinung zu befragen, bevor er die "„eine Meinung" der Herren Wirte, die doch unzweifelhaft.parteiisch eingestellt sein müssen, veröffentlichte. Da Herr Dr. K. die Namen seiner Gewährsmännre nicht angibt, fehlt es uns an der Möglichkeit, uns über die von Herrn Dr. K. -attestierte Zuverlässigkeit der betr. Wirte, zu äußern. Was das von Herrn Dr. Kirsch geschilderte „System, H' Armburger Verein befolgt", anbetrifft, so ist dazu eigr-Mi^nur kurz zu bemerken, daß es nicht unser System rst, höchstens ein Zerrbild desselben. Es ist keineswegs so, v»ß -mir den Gastwirten an der Riviera oder sonstwo einen bestimmten Schauchet aufdrängen, der „nicht nur seine Frau, soUdern seine gewöhnlich vielköpfige Familie" mitbringt. Es wäre interessant, von Herrn Dr. Kirsch zu erfahren, wo ein solcher Fall sich ereignet haben soll. Richtig ist, daß unser Vertrauensrabbiner, wie jeder Sachkundige zugeben muß, genötigt ist, die Anerkennung der von den Gastwirten anzustellenden Schochtim usw. von einer eingehenden Prüfung der Zuverlässigkeit abhängig zu machen, denn der Vertrauensrabbiner, und somit unser Verein, kann und'' muß sich ja in den betr. Fällen lediglich auf die Gewissenhaftigkeit des Schauchets und des üörröfen Aufsichtspersonals verlassen. In solchen Fällen, wo der G a st w i r t s e l b e r im Sinne dos Religionsgesetzes zuverlässig ist, bedarf es selbstverständlich nicht so umständlicher und kostspieliger Maßnahmen. Herr Dr. Kirsch hält es ferner für verfehlt, daß der Gastwirt nicht nur den „Schauchet mit vielköpfiger Familie" versorgen, sondern auch das Reisegeld vergüten muß. Wir wären Herrn Dr. Kirsch zu Dank verpflichtet, wenn er uns angeben würde, bei wem sonst wir auf eine Vergütung der genannten Unkosten rechnen dürsten. Ferner wäre es interessant, von Herrn Dr. Kirsch zu erfahren, wann die mehrmaligen Reisen des Vertrauensrabbiners stattgefunden haben. Schließlich sei hinsichtlich des an unfern Verein zu leistenden Beitrages bemerkt, daß auch inländische Wirte einen solchen — nach dem Umsang der Unternefytmn abgestust — zahlen und die Berechtigung dieser Zählung auch durchweg einsehen und zugeben, ferner Laß dieser Beitrag kaum ausreicht, um die direkten Spe fen unseres Vereins zu decken, die ihm aus der Rege lung der Aufsicht entstehen. Der Beitrag ist übrigens verhältnismäßig ss -gering, daß er für die Rentabilität eines - Unternehmens überhaupt nicht in Frage' kommen, geschweige denn den Zusammenbruch einer Gaststätte zur Folge haben -kann. Wir sprechen natürlich hier von den Beiträgen, die von uns gefordert werden, nicht etwa von denen, die tatsächlich eingehen. (!) Wenn Herr Dr. Kirsch am Schluffe feiner Ausfüh rungen an den Preußischen Landesverband jüdischer Ge meinden sowie an die Grohgemeinden Deutschland appelliert, so können wir es eigentlich den Genannten überlassen, ob sie sich zu der Aufforderung des Herrn Dr. Kirsch äußern wollen. Wir möchten aber nicht unerwähnt lassen, daß der Preußische Landesverband feit einigen Jahren und auch einige Großgemeinden uns noch in den letzten Jahren Beiträge zugewendet haben Diese Geldgeber^würden es aber sicherlich nicht gut heißen, wenn wir ihre Subventionen zu gunsten der Gastwirte an der Riviera verausgaben würden. Verein zur Förderung ritueller LpeisehLufer e. V. Hamburg 11. Die Woche. tn Elternabend. Am Montag, den 11. Mai, pünktlich 8.45 Uhr, findet der Israelitischen Volksschule ein Elternabend statt über das Thema „Die Angst in der Kindes feele". Referent: Nervenarzt Dr. Arnold Merzbach Verein Tftetor Ehajim e. V. Wie bereits mehrfach mitgeteilt, findet die Doppel sijum-Veranstaltung der Herren R.-A. Gerson Posen und Herz Halpern s. G. w., am Sonntag, 17. Mai (1. Siwan) in unserem Vereinslokal, Langestr. 18, nachm. 5.30 Uhr statt. Bis Mittwoch, den 13. Mai sind noch Karten a Mk 2.50 bei den Herren Fritz Stern und Jos. Rosenthal zu haben. Mit Rücksicht auf das zur Verabreichung gelangende warme Menu, bitten wir um frühzeitige Besorgung der Karten, da an der Kasse ein Kartenverkauf ausgeschlossen ist. Ostendstraße 16. X“nn JDte-im Jahre 1916 gegründete v"v man hatte bis 1919 den hervorragenden Gelehrten v"n nvv am Ratzker zum Dozenten für den gemeinschaftlichen iw- Seit 12 Jahren wirkte 'n am Weber Dozent. Am Jahrzeitstage des ersten Dozenten Sonntag, 16. verband der Lernkreis mit dem rwi'v aüf tu nao» im engeren Kreise die Abschiedsfeier für ihren Dozenten, der im Begriffe ist, nach brriV' fix überzusiedeln und Montag Abend von hier abreisen wird, pbr ", Weber "3 hielt einen sehr schönen, geistreichen pm und dankte dem Lernkreise und dem Vorstande mit dem Wunsche, daß die immer größer werde. Den Dank für die 12jährige hingebungsvolle Tätigsprach Herr Emanuel Kaufmann im Namen des Vorstaüde's aus mit dem Bedauern, für die Folge auf die klare, glatte Lehrmethode Rabbi Salman Webers verzichten zu müssen, zugleich auf die Bedeutung der rom von r» rnyv-- hinweisend. Im Namep^ dss Lernkreises dankte Herr Josef Diamant, der Herr Räbb. Weber i im Vorlernen vertritt, -mit.-schönen nun Die d’tjw/ jetzt nviv nao», finden täglich-' Ostendstr. 18, abends 7—8.45 Uhr statt. Weitere Teilnehmer sind^jederzeit willkommen. Eröffnung des Sommerfemesiers an der hoffmann'fchen Rabbinischen Lehranstalt „Jeschiwa" in Frankfurt a.M. Zur Eröffnung des Sommerfemesters der Rabbiniichen Lehranstalt „Jeschirog", die am 2. Isar (19. April) tattfand, hatten sich im tziwßen Lehrsaal der Anstalt die gesamte Hörerschaft, d-s Dozentenkollegium sowie zahlreiche Herren des Kuratoriums versammelt. Der Leiter der Anstalt, Herr Gemeinderabbiner Dr. Jakob H o f f - mann wies in seiner Eröffnungsrede einleitend darauf hin, daß der Lehranstalt wiederum unerwartet viele neue Hörer zugeströmt find. Besonders groß fei die Zahl der Hörer, die aus den verschiedenen Gegneden Deutschlands stammen und vor dem Eintritt ins Berufsleben einige Semester an der Lehranstalt ausschließlich dem Thorastudium widmen wollen. Ein erfreuliches Anzeichen dafür, daß die Erkenntnis von dem unvergleichlichen und durch nichts anderes zu ersetzenden Wert gründlichen Thorastuöiums immer weitere Kreise ersaßt. Redner zeichnet die Zwecke, die eine Jeschiwa verfolgen muß: den Hörern den Weg zu zeigen, der sie zum tiefeindringenden Studium der Geistesschätze des Judentums führt und sie zu glaubensstarken und überzeugungstreuen Persönlichkeiten heranzubilden. Im Sommersemester studieren an der Rabbinischen Lehranstalt 60 ordentliche Hörer, die sich ausschließlich dem Thorastudium widmen und eine größere Anzahl außerordentlicher Hörer, die bereits im Berufsleben stehen und bloß einige aus die Abendstunden gelegten Vorlesungen mitnehmen. Einige ordentliche und außerordentliche Hörer besuchen neben der Lehranstalt auch noch die Universität. Der Unterricht, der sich auf sämtliche Disziplinen des biblisch-rabbinischen Schrifttums erstreckt (Hebr. Grammatik, Pentateuch mit Kommentaren, Bibel, Mischna, Talmud mit Kommentaren, Dezisoren) findet vorwiegend in den Vormittagsstunden statt, während'der Nachmittag für die Wiederholung des durchgenommenen Pensums unter Leitung eines Dozenten bestimmt ist/ Für einige besonders begabte und eifrige Schüler sind Unterrichtskurse eingerichtet, in denen unter Leitung von Studienräten für das Abiturientenexamen vorbereitet, wird. 1 Ein Achtzigjähriger. In voller geistiger Frische beging am vierunddreißigsten Omertage Herr Jacob Strauß, hier, die? Vollendung seines 80. Lebensjahres. Jacob Strauß ist anerkanntermaßen einer der nicht allzu zahlreichen wahrhaften Talmide Chachomim alten Schlages im Kreise: der Balebatim, deren sich die Frankfurter jüdische Gemeinschaft erfreut. Sein reiches Thorawissen, das er sich isi früher Jugend in seiner Heimat Burgpreppach und später in Fürth, durch fleißiges Studium, unterstützt!? durch ein glänzendes Gedächtnis und hohes geistiges Aüffaffungs vermögen erwarb, hat ihn feit Jahrzehnten befähigt, im öffentlichen Leben für mm und nmmehr als viele seiner Zeitgenossen zu leisten. Er gehörte zu den Gründern der Ägudas Jisroel und hat in den ersten kampfreichen Jahren in der obersten Leitung der Organisation mit Hingabe und Erfolg gewirkt. Höher nochsind seine organisatorischen und praktischen Leistungen zu werten bei der Reorganisation und dem Ausbau der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums," deren Geschäfte er als Schriftführer zwei Jahrzehnte hindurch leitete und innerhalb deren er namentlich die ungeheuren Lasten der Durchführung des Kriegshilfswerks der Freien Vereinigung auf sich nahm. Möge dem seelisch und geistig jugendsrischen Greise das r-voT zuteil werden, noch viele Jahre sich dem ganzen Glücke seines Lebens, dem L i m u d H a t h a u r o, in Gesundheit und Kraft zu widmen, mr? nnpyi ns» ay. Ein Jubiläum. Am mana na® begeht Herr Salomon Wolpert, Gwinnerstr. 22, sein 50jähriges Jubiläum als Religionslehrer, und außerdem wirkt der Jubilar seit 20 Jahren in segensreicher Weise als Hauslamden im Gumpertz'schen Siechenhaus. Wie sehr Herr Wolpert früher in den verschiedenen Landgemeinden sich als Lehrer betätigt hat, ist bekannt; darüber hinaus jedoch hat er sich durch seine hingebungsvolle Wirksamkeit für die „Kehilloh Gumpertz" besondere Verdienste erworben. Ein dankbarer Kreis von Patienten und Besuchern lauscht seinen Vorträgen und nimmt mit Interesse teil an seinen Schiurim, die er in der Anstalts-Synagoge abhält. Möge es Herrn Wolpert vergönnt fein, noch viele Jahre in voller Gesundheit sein heiliges Amt ausüben zu können. Das Lag-Bo-äumer-Tütchen. Die Vögel pfiffen viel schöner wie die Tage vorher, als ich heute Vormittag durch die Anlagen wanderte — kein Wunder — es ist lag bo-aumer, das mußte man merken. Ich ging neben ein paar klejnen Schulmädchen, ganz frisch gebackenen ABC-Schützen und sah zu, wie sie eifrig aus einem kleinen Tütchen Bonbons naschten. Eines der Kseinen sagte: „Mei Dutt is leer, schaaad" dabei sah es sich die' „Dutt" an und deutete die ihm bekannten Buchstaben, die darauf standen. „Se (wahrscheinlich die.-Lehrerin) hat gesagt, wege der Auguste Rosenheinp wärs." Mei, wege der Jahrzeit," sagte das andere Kind. Da nahm ich mir drei Minuten Zeit und sagte zu den Kleinen: „Die Vonbons sind aber fein; Ihr habt auch beide recht, die hat man Euch gegeben, weil heute Jahrzeit für Auguste Rosenheim ist. Als Ihr noch gar nicht geboren wart, an einem lag bo-aumer, ist dieses junge Mädchen gestorben. Weil es kleine Kinder sehr lieb hatte und so gut zu ihnen war, wollen die Eltern der Auguste, daß an ihrem Jahrzeitstage viele Kinder an ihr Kind denken sollen und deshalb bekommt Ihr diese vielen guten Bonbons." „Jahrzeit ist was sehr Trauriges, mein Papa hat als manchmal (!) für die Oma" sagte ein Kleines'. „Ich habb mei Dutt noch voll, da freut sich die Ilse daheim," sagte ein anderes. Ich ging sinnend von dannen und dachte daran, mit wie viel Tränen die Tütchen vollendet werden — damit Helle Kinderfreude sie lachend'leeren sollen — mnxvb ju’ß Th. H. Das Schwarzwaldhotel m Herrenalb- (Inhaber: L. Weill-Stern) hat seine Pforten wieder geöffnet und erwartet, daß der doch nun endlich herangekommene Frühling mit seiner lockenden Sonne zahlreiche Großstädter in die dunklen Wälder und aus die ragenden Höhen des Schwarzwaldes hinausführen wird. In dem lieblichen Herrenalb findet der auf rituelle Kost angewiesene Tourist und Kurgast behaglichen Aufenthalt und erstklassige Verpflegung in bem bewährten Hause, das in bester Lage gegenüber dem Kurhaus und den Anlagen gelegen ist und sich in der jüdischen Welt seit vielen Jahren des besten Rufes erfreut. Man darf wohl darauf rechnen, daß gerade jetzt, da die jüdischen Hotels unter, der wirtschaftlichen Depression schwer zu leiden haben, sich jeder gesetzestreue Kurgast zum Prinzip machen wird, in dem jüdischen Hotel nicht nur zu speisen, sondern auch zu wohnen.

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