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Der Israelit · 1930-10-17 · Heft 42 (17.10.1930) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 42 (17.10.1930)
Date
1930-10-17
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
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Der Israelit 17. Oktober' 1930 Nr. 42. Seite 13 Personalien. Dr. Max Calvary Vst* Berlin. 6. Oktober. Mit dem bekannten Posener Arzt, Dr. Max Calvary, ist vor. der Zeit eine starke Persönlichkeit der Orthodoxie aus-dem Leben reicher und vielseitiger Tätigkeit dahingegangen. Die Familie gehört seit vielen Generationen zu den führenden der Posener Kehillo. Der Urgroßvater war Dajon im Beth-Din des Rabbi Akibä Egerein Urahne hat im 18. Jahrhundert den Märtyrxrtod in Posen erlitten. Vater und Großvater waren in vieler Hinsicht Mittelpunkt des jüdischen Lebens. Der Heimgegangene hat gerade diese Familienkunde mit besonderem Stolz gepflegt, aber nicht um sich seiner Ahnen zu rühmen, sondern um aus dieser Herkunft die Verpflichtung zu einer ganz besonderen 'n jwt herzuleiten. Er selbst hatte seinen Vater, den Kaufmann Salomon Calvary, früh verloren und in jungen Jahren als Aeltester die jüngeren Geschwister mit liebevoller Fürsorge betreut. Die' geschlossene Weltanschauung, die heute in dem klar umrissenen Ziel des Tauro im Derech Erez-Strebens etwa in der Vereinigung jüdischer Akademiker zum Ausdruck kommt, war anfangs der 90er Jahre, in der Zeit seines Studiums, noch eine viel umstrittene Forderung. Zahlreiche hochbegabte Jünglinge sind damals Opfer mißverstandener Wissenschaftlichkeit geworden und haben mit den alten jüdischen Idealen modernes Denken und wissenschaftliches Forschen nicht zu vereinen vermocht. Er gehörte zu der vor vier Jahrzehnten kleinen Schar, die sich als. vmv S>x» yir „Holzscheit aus dem. Brande" des modernen Denkens gerettet betrachten durste. Die Tatsache, daß er sich selbst im Kampfe der Meinungen seinen eigenen Weg als Naturwissenschaftler und Jehudi suchen muhte, hat ihm eine außerordentliche Festigkeit verliehen und seinem ganzen Wesen eine starke Prägung gegeben. Dies zeigte sich, wenn er als ein treuer Gefolgsmann Hirfch'fcher Gedankengänge für die Ideen der Souveränität der Tauroh sich einsetzte. Deshalb verband er auch mit der beruflichen Geschicklichkeit, mit der er als Arzt wirkte und die ihn zu einer in der ganzen Provinz bekannten und geschätzten Persöillichkeit machte, eine außerordentliche Tätigkeit auf jüdisch-geistigem Gebiet. Er war es, der die „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" für die Provinz Posen und Norddeutschland organisieren half und der dadurch dem Hirsch'schen Judentum bei seinen Landsleuten Eingang zu verschaffen suchte, der in der abnp für die Erhaltung der alten Grundsätze Sorge trug und schließlich im Streben, der Judenheit auf der Grundlage der 'ja niin ein bestes Gefüge zu geben, in der Gründung der Agudas Jisroel an maßgebender Stelle mitwirkte. Als Arzt rühmen seine Patienten in Berlin und in Posen besonders seine vielfach übertriebene.Gewissenhaftigkeit. Stets war er sichrer hohen Verantwortung als Arzt bewußt i>»n “ins» «fcs 'irm- Weit über ärztliche Fürsorge hinaus war er als nmv, für das Wohlergehen seiner Patienten bemüht und half zahllosen ostjüdischen Menschen, die in Posen und später in Berlin ärztlichen Rat aussuchen mußten. Treu war er um das Los der ihm Anvertrauten besorgt. Welche Freude hätte er, wenn er ostjüdischen Brüdern mit seinem ärztlichen Können zur Seite stehen konnte und ihnen Linderung verschaffen durfte! i>*r bvvm 'ivrr Heil dem Menschen, der dem Dürftigen nicht nur die Gabe reicht, sondern mit!?av dem Wesen des Bedürftigen und des Armen und Kranken gerecht wird.. Den größten Teil seines Lebens verbrachte er in der Kehillo Posen, mit der er durch die Geschichte seiner Familie eng verbunden sich fühlte. Der Ausgang des Weltkrieges hat auch ihm das durch jüdisches Leben erwärmte Haus zerstört, das er als ein t>ya mpa zu führen verstand und in dem nach dem Worte der die Armen sich behaglich und zuhause fühlten, indem ..er auch als geistreicher Gesellschafter einen ausgedehnten Freundeskreis zu unterhalten verstand. Dr. Calvary sah sich, schon mit Rücksicht auf seine herangewachsenen Kinder (zwei Söhne und vier Töchter), gezwungen, die Heimat zu verlassen. Aber auch hier in Berlin scharten sich um ihn die aus der Provinz Posen Vertriebenen, denen er auch unter den neuartigen Verhältnissen ein treuer Freund und fürsorgender Berater blieb. Nun hat vor der Zeit — er hat nur ein Alter von 59 Jahren erreicht — der Tod diesen hochbegabten, geistig hochstehenden, guten Menschen aus einer Welt der Arbeit und des schaffensfreudigen Wirkens von uns genommen. In der ernsten Zeit der und der naivn ist er von uns gegangen wie eine Aufforderung zu eingehendem vsm viawn, eine Mahnung zu gewissenhafter Prüfung des eigenen Lebens, wie eine Mahnung, nach seinem Vorbild für alles Gute und Jüdische mit aller Kraft unseres Könnens zu leben und zu wirken. In der 1% jährigen Krankheitszeit ist fein wahres Wesen ganz besonders deutlich hervorgetreten. Die jüngeren. Ereignisse des Lebens sind in seinem Gedächtnisse verblaßt. Seine große Belesenheit aber in T'nach, zu welchem ihm stets geistreiche Erklärungen zur Verfügung standen und die er vielfach seinen Lehrern, dem Posener Rabbiner Wolf Feilchenfeld und dem Dajan Krause b"*r, an denen er mit der rührenden Liebe des treuen Schülers hing, nachsagte und sein reiches talmudisches Wissen hat auch die schwere Krankheit nicht hinwegzuwischen vermocht. Die wipan mna die Jugenderinnerungerr an sein Elternhaus, an den frommen Vater und die hochbegabte Mutter, Lea Calvary geb. Werner, haben ihn bis zuletzt nicht verlassen, so daß von ihm das Wort galt, das er selbst auf seinen Vater angewendet hat: - 'ira vnas tk ->vwy» innw „Ich würde in Elend und Krankheit zugrunde gehen, würde nicht das g'ttliche Gut, der kostbare Besitz der Tauroh mir Inhalt des Lebens bleiben." Auf dem ivnapn ma der Synagogengemeinde Adah Jisroel, deren treues Mitglied er war und für deren Ideen durch kampsfreudiges Eintreten er sich in seinen Berliner Jahren eifrig bemüht hat, hat er nun seine letzte Ruhe gefunden. Die Beerdigung war ein letzter tiefer und herzlicher Dankesgruß der Posener jüdischen Welt, die sich durch Schicksalsgemeinschaft mit ihm verbunden fühlte. Am Grabe sprach Herr Rabbiner Dr. Munk, der im Anschluß an Sidroworte das Wirken des Heimgegangenen als jüdischer Mensch kennzeichnete. Im Namen der Familie, der Kinder und Schwiegerkinder dankte Rabbiner Dr. Heinrich Cohn dem treusorgenden Vater. Im Trauerhause sprachen Herr Seminardozent Rabbiner Dr. I. Wohlgemuth, der in geistreichen Ausführungen über den Sinn der nairm darauf hinwies, wie der Heimgegangene mit Eifer und Hingebung die Ideale des Judentums in die Herzen seiner Kinder und seiner Familienmitglieder zu pflanzen suchte, wie er sich bemühte, mit großen Zeitopfern und viel Geschick für die Jeschiwaus zu werben und sie zu erhalten und die Taurohkenntniffe zu fördern. Herr Rabbiner Dr .Hartwig C a r l e b a ch rief in tiefen, eindrucksvollen Worten dem Heimgegangenen Worte des Dankes im Namen des großen Freundeskreises nach und schließlich gab Herr Rabbiner Dr. Klein in geistvollen Thoraworten den Gefühlen der Wehmut und des Schmerzes-beredten Ausdruck. So nahmen Verwandte, Gesinnungsgenossen und ein weiter Kreis von Freunden Abschied von einem großen, edlen Menschenfreund, der in Wahrheit ein aus aV besessen, der, von Liebe erfüllt, sich für andere bemühte, dessen Andenken aber weiterleben wird im Herzen aller, die ihn kannten. v"n nncipj onrv>»a o’pns. Mchel Neuberger Lengnau (Schweiz), 16. Oktober. Mit der Versöhnung des Jomkippur und der Freude an Sukkah und Lulow in der Seele, schlummerte plötzlich unser Lehrer Michel Neuberger in die Ewigkeit hinüber. Am Hoschanorabbo kam er auf dem uralten Friedhof Endingen-Lengnau, für dessen Restaurierung er sich so ungeheure Verdienste erworben hatte, zur Bestattung. Wer Neuberger als Menschen geliebt, als gehämmerten Jehudi verehrt, als treuen Diener G'ttes im Dienste der Gemeinde und der Jugend verehrt hat — und es waren so viele, die es taten, — wird eine stille Träne dem stillen Manne nachweinen, der in einem Leben emsiger Arbeit wie ein Säemann manch Saatkorn in den dunklen Boden versenkte, das später zur vollen Blüte aufging. Und weint der Kleine ßruder- ^ommt Cottchen gfeich und spricht Mama dann weint er nicht! Zwanzig Jahre war Michel Neuberger Lehrer und Kantor der jüdischen Kultusgemeinde zu Baden in der Schweiz, Rechnungsführer und Verwalter der Gemeindefinanzen, eine in der Schweiz wohlbekannte und beliebte Persönlichkeit. Die Freuden an Nachkommenschaft blieben ihm versagt, Michel Neuberger und seine Frau, die ihm vor einigen Jahren in den Tod voranging, suchten und fanden ihr Seelenglück in stillen mannigfaltigen Wohltaten. Im Jahre 1905 verließ Neuberger freiwillig Amt und Gemeinde, um sich einer höheren Ehesed-Aufgabe in Fürth zuzuwenden. Die Ehegatten sahen sich in ihren Erwartungen getäuscht, -und nun begann für die Menschen, die ein Bild der Ruhe und Stabilität waren, ein Wanderleben, unruhig und unstet. Sie wohnten vorübergehend da und dort, eine längere Zeit in Halle, dann in Frankfurt, und überall betätigte sich Neuberger als Lehrer der Kleinen und der Großen mit hingebender Liebe und gutem Erfolg. Besonders in Frankfurt erwarb er sich ein großes Maß von Liebe und Achtung. In den schweren Jahren des Krieges und des Nachkrieges standen die feinbesaiteten Menschen den Kämpfen des Tages zu schwach gegenüber. Es zog sie wieder nach der Schweiz, wo Neuberger in der ach so klein gewordenen Muttergemeinde Lengn a u die Kantor- und Lehrerstelle annahm. Auch dort schuf er eine kleine Insel echter Jüdischkeit um sich, und die Herzen der alten Schweizerfreunde stürmten ihm zu. Vor einigen Jahren wurde ihm die treue Gattin und Wegebegleiterin seines Lebens genommen. Er baute den zweiten Tempel seines Glückes auf, aber leider nur für kurzen Zeitraum. Michel Neuberger ruht auf dem alten Friedhof, den er in den letzten Jahren mit der ganzen Liebe seines Herzens betreut hatte, als ivn f'i-a für feine Gemeinde und Gemeinschaft. v"axm. Vermischtes. Haigerloch, 30. Sept. Am 21. September fand die feierliche Einweihung unserer renovierten Synagoge statt. Das G'tteshaus, das im Jahre 1783 erbaut, 1839 erweitert und 1904 neu instandgesetzt worden ist, hatte in den letzten Jahrzehnten durch Witterungseinslüfse derart gelitten, daß eine gründliche Auslassung unaufschiebbar geworden war. Eine Subvention des Preußischen Landesverbandes und die Spenden zahlreicher ehemaliger Haigerlocher ermöglichten der verarmten Gemeinde die Ausführung ihres Planes. Nach mehr als zweimonatiger Arbeit ist nun das Werk vollendet und das G'tteshaus bietet in seinem neuen Gewände, mit seinen einfachen, gut abgestimmten Farbflächen und seinen neuen Beleuchtungskörpern einen stimmungsvollen Eindruck. — Zur Einweihungsfeier waren von seiten der Behörden ein Vertreter des Landratsamtes sowie der gesamte Stadtrat zur Stelle, von jüdischer Seite Herr Leopold Levi-Stuttgart als Vertreter des Oberrats sowie Vorstandsmitglieder der jüdischen Nachbargemeinden. Ferner nahmen der katholische wie der evangelische Kirchenvorstand unseres Städtchens an der Feier teil. Das Lewandowski'fche Mah tauwu in F-Dur eröffnete die Feier. Dem Anzünden der Ewigen Lampe folgte eine Ansprache des Gemeindevorsitzenden Alfred Levi, der den Gästen wie den Mitarbeitern Dank sagte und das gute Einvernehmen der Konfessionen des Städtchens hervorhob. Herr Leopold Levi-Stuttgart überbrachte Glückwünsche des Oberrats der Israelitischen Religionsgesellschaft Württembergs. Nun erfolgte unter den Klängen der Gebete der Einzug der Thorarollen und der Umzug mit denselben. Nach dem Einheben hielt Rabbinatsverweser Spier die Weiherede. Psalmworte und der Gesang des „J'hi scholaum b'chelech" (Lewandowski) schlossen die stimmungsvolle Feier. £ül.! Lose Preuß.-Südd.-Klassenlotierie 114 Mill.RM. Gewinne! je 1/8 lU lh Vi 5.- 10.- 20.- 40.- 1. Klasse Ziehung: 24. und 25. Oktober Staatl. 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