Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 39 (26.9.1929)
- Date
- 1929-09-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 39 Der Israelit 26. Sept. 1929' wirkungslos verhallen. SHalten die in den „Poale Agudas Iisroel" organisierten Arbeiter m ihren Bemühungen um Brot und Recht alle Theorien eines künstlich gezüchteten Klassenkampfes aus, so darf ihnen von oben, von der Unternehmerseite, die Bruderhand nicht entzogen werden, es liegt dieses auch im ureigensten Änteresse der Unternehmer selbst. Und davon hängt zum guten Teile auch das Schicksal des S a b b a t s ab. Auch dahin wirkte sich die vom Gleichmaß der Thora bedingte Zentralisation des jüdischen Lebens aus, daß es für dieses Arbeitsparlament der jüdischen Glaub enstreue kein Außen und kein Innen gab. ijru inx nam» bsn- Alles kommt aus der gleichen Quelle und geht zum gemeinsamen Zentralpunkte zurück. Was nur eine Aeußerlichkeit scheint, kann tief ins jüdische Leben einschneiden und lebenswichtige Organe treffen; was im Herzpunkte pulsiert, strömt und strahlt bis zur letzten Peripherie aus. Es kann nicht wie bei anderen Organisationen eine getrennte Außenpolitik und eine Innenpolitik geben, alles greift ineinander. Ist die Kreditbank ein Instrument der Außenarbeit, so weist sie als Retterin des Sabbat doch nach innen. Die S a b b a t f r a g e selbst greift i-ns innerste Innere des jüdischen Lebens, ist aber zugleich eine Sache der Außenpolitik, da es gilt, den Sonntagsruhezwang zu mildern, Wochenmärkte und Zahltage am Sabbat zu verlegen. Die S ch e ch i t a muß nach außen hin verteidigt werden, ist aber Zugleich — und darauf legte der zweite Referent, Rabbiner Dr. Munk, sein Referat an — eine iirn e rjü di sche Frage von höchster Bedeutung. Es hängt von ihr das Schicksal der S p e i s e g e s e tz e ab, die C r - Ziehung des jüdischen Volkes zur g ö t t l ich e n Keduscha. Von diesem Zentralpunkte aus führt auch der Weg nach E r e z I i s r o e I. Er ist uns von Gott und Geschichte genau gezeichnet. Das Gebot der Besiedlung des heiligen Bodens in Palästina ist eines der 613 Gebote der Thora und kann durch keinen Araberdolch vernichtet werden. Darum Arbeit, getragen von der alten Liebe und Treue, auch, und erst recht, nach den fürchterlichen Ereignissen der letzten Tage. Die Liebe zu Erez Jisroel, als dem Lande der Thora zwingt den Blick auch nach den Parallelwegen, die nach Palästina führen, zwingt zum Erwägen und Ueberlegen, ob und in welchem Maße eine gemeinsame Arbeit für die gleiche heilige Aufgabe gegeben sei. Man wäre herzensgern bereit, für den materiellen Aufbau mitzuarbeiten, wenn nur die Andern sich dazu entschließen wollten, ihre Hand von den Dingen, in denen es um der Wahrheit willM keinen Ausgleich geben kann, zu lassen. Solange aber dieses Verständnis auf der anderen Seite nicht aufgebracht wird, ist, vom gleichen zentralen Gesichtswinkel gesehen, von dem alle Arbeit ausgeht, ein gemeinsames Arbeiten nicht gegeben. Die Welt weiß nun genau, wer die Schuld an der Brückenzerstörung hat. In diesem Punkte ist vollste Klarheit geschaffen. Wirkt sich diese Klarheit nicht dahin aus, daß man auf der anderen Seite die Forderungen der Aguda doch noch begreift und erfüllt, so muß sie alle, die sich, organisiert oder nicht organisiert, zur großen Schar unter der alten Gottesfahne zählen, um das orthodoxe P a l ä st i n a w e r k sammeln, daß sie mit ihrem Opferpfennig mich elfen, selbständig in Erez Jisroel eine, wenn auch kleinere, so doch sichere Heimstätte auch für den jüdischen Geist zu erbauen. Ansätze sind da, es wird nun darum gehen, mit den neuen Impulsen, die uns die Kenessio Gedaulo gegeben hat, weiter zu bauen. Sollte man noch vom äußeren Rahmen der Kenessio Gedaulo sprechen, von dem äußeren Bilde der „jüdischen Sammlung", vom gewaltigen Aufschlagen der jüdischen Volksseele in gehobenen Momenten der Verhandlungen; von der machtvollen Kundgebung der Trauer und der Teilnahme mit den Opfern in Palästina, mit den Religionshelden in Sowjetrußland? Man wird in späteren Stunden ruhiger Sammlung noch Gelegenheit haben, über das Eine und das Andere nachzudenken. Eine Reihe hochwichtiger Resolutionen, als Frucht arbeitsvoller Tage und Nächte, harren der Ausführung und erheischen den Einsatz unserer ganzen Kraft. Möge die zweite Arbeits-Kenessio eine Arbeitsperiode ein geleit et haben, an deren Abschluß eine dritte Kenessio zeigen wird, was auf den neugeebneten Wegen alles für die Gesundung von Israels Seele und Körper erreicht worden ist. * * * Weber die Montag Abend-Sitzung ist noch ergänzend zu berichten: Am Montag Abend verkündete Rabbi Meir Schapiro in anderthalbstündiger Rede, bei der man ein Blättchen zur Erde fallen hören konnte, Lei Kopfschmerz, Zahnschmerz Erkältung, Rheuma hilft Bestandteile: Phenac. Phenyldimethylp., BJ f An Acetylsai., Coff.HI. 1.41) in allen Apotheken die V 6 schlüsse des Ra b b i n i f ch e n R a - tes. Erging aus von dem erschütternden' Freitags-Referat I. L. Orleans und erklärte, daß der Rabbinische Rat sich mit dem schweren Problem der durch n->'2v ’iB» vor die Gefahr des Verhungerns gestellten thoratreUE jüdischen Arbeiter ernst beschäftigen werde. Dann teilte er mit, daß der Rabbinische Rat seine eigene Konstitution nunmehr fertiggestellt habe. Der aus den Rabbmischen Räten der Länder zusammengesetzte allweltliche Rabbinische Rat — das Plenum —7 solle 120 Mitglieder zählen; die Verteilung obliege der Organisations- Kommission. Das Plenum wählt einen Ausschuß von 36 Mitgliedern, dieser eine Exekutive von 8 Rabbinen. An der Spitze der Exekutive, die einen stabilen Sitz haben solle, werde voraussichtlich der Wilnaer Raw, Rabbi Chajim Oser Grodsensky, stehen (die Versammlung bereitet dem allverehrten Gaon eine minutenlange stürmische Ovation). Das Ehrenpräsidium des Rabbimfchen Rates besteht aus dem Chofez Chajim, dem Czortkower und dem Gerer Rabbi. (Stürmischer Beifall.) In die Exekutive entsenden Kongreßpolen 2 Mitglieder, die Kressen, Litauen, Galizien, Tschechoslowakei, Rumänien und Deutschland je ein Mitglied. Ist bei Beschlüssen die Exekutive nicht einstimmig, so ist auf Antrag von 3 Mitgliedern die Ansicht des Ehrenpräsidiums einzuholen. Zwischen zwei Kenessiaus gedaulaus soll der Ausschuß viermal, das Plenum zweimal, davon einmal 6 Monate vor der Kenessio Gedaulo, abwechselnd in verschiedenen Ländern, tagen. Die Exekutive solle alle drei Monate zusammentreten. Weber die Proklamationen des Rabbinischen Rates und die Beschlüsse betreffend Chissuk ha daß machte der Redner vorbereitende Mitteilungen; letztere sollen am anderen Tage im Wortlaute bekanntgegeben werden, die Proklamationen nach der Kenessio Gedaulo. Am Schlüsse teilte der Referent mit, daß der Rabbinische Rat in der Marannenfrage zu dem Beschlüsse gekommen fei, daß die Marannen als G er im ohne weiteres ausgenommen werden könnten. Die Resolution betr. A g u n 0 t h ist an anderer Stelle wiedergegeben. Der Eindruck des Schapiro'schen Referats ist schwer zu schildern; ein holländischer Teilnehmer faßte die Empfindungen der Höver, die hier ein Stückchen der Verwirklichung des rrrEM NDV8-122 12'vsnr? ahnten, in die Worte zusammen: fv» j'y2" und es war ein yatwi das sich aller Brust entrang. Thoraworte auf der kenessio Gedaulo. •an'jjta pi traana irrya 'nai Machen wir uns klein, dann sind wir auch in ihren Augen, in denen der Thorafeinde, klein wie Fliegen. Darum kein Pessimismus, keine Mutlosigkeit. (Aus Palästinadebatte). -via,in .*jxnini ’nw» o'eppo Ich hasse alle Paragraphen und liebe Deine Thora. (Aus Debatte über § 4). «mv ■tf’pnn D’p’isn ibpVpwa flwws j’N’tr» vn naitPina •a'trbv o’Rxr Damals — da entzündete man sich für Erez Jisroel und zündete weiter, von Berg zu Berg, bis die ganze Gola eine Flamme war. Seitdem aber später das falsche, irreführende Feuer für Palästina aufkam, bleibt nichts anderes übrig, als die berufenen, verant. tö 0 etlichen Führer, die mim ’ivm nxjtin, damit zu betrauen, daß sie uns den Weg zurZ eigenen Arbeit in und für '* zeigen. (Aus der Debatte über die Jewish Agency, im Namen des Radsiner Rebbe). •pt6 nnatn n»pmsn’i ans mn Das wilde Tier, von dem die Mischna spricht, heißt nisnv Wenn die moderne Wissenschaft (tot) erdgebunden bleibt lpu!» rrrato, dann verwandelt sich dieser Gottesfunken, das Licht des Wissens, in Gift, ist eine mn, die wild um sich beißt und reißt. (Allgem. Debatte über Kulturfragen). ■ns'rai ’ra icn nirr Der Sabbat ist ein Zeichen 'zwischen Gott und Israel. Wie der Jude zum Sabbat steht, ist bezeichnend für sein Verhältnis zu Gott. (Aus dem Sabbatreferat). Kleines Feuilleton. Bemerkungen zu den viN'70'Tagen. Wir befinden uns augenblicklich mitten in den pn die mit den i-urv^o enden. Im Hinblick auf die unerhörten Geschehnisse in Erez Jisroel werden diese Tage sicherlich im ganzen Golus mit schmerzlichen Gefühlen begangen und reichlicher als sonst werden unsere Tränen fließen, wenn wir des unschuldigen Blutes gedenken. mit dem der geheiligte Boden im Lande unserer Väter getränft worden ist. Aber ehe wir die besonders für diese Zeit vorgeschriebenen Buß- und Bittgebete himmelan schicken, haben wir wohl vorher die Pflicht, uns mit dem Inhalte derselben bekannt zu machen, damit wir vor Gott nicht aussprechen, was den Tatsachen widerspricht. Und das geschieht wirklich schon gleich am ersten ain'^rnImge in den und c-'aiv'. die nach Tagesanbruch den pan sprechen, der mit den Worten mxi»a rinn» beginnt. In der zweiten Strophe lautet der Schlußvers: i-'ia opyra ww tu rua „Schütze doch seine Stämme, wenn sie flehen in der Nacht!" Sie ändern das Schlußwort Wa am besten in S”ns „mit Macht". Ebenso kann in der letzten Strophe statt des rp-^a ein m>nj?»3 eingesetzt werden. Der Dichter dieses inhaltlich wie sprachlich ausgezeichneten Poems lebte noch in der guten, alten Zeit, da man sich in der Nacht zum ersten Bußtage schon um Mitternacht versammelte, um zunächst mxn ppn zu veranstalten und gleich darauf die nwia zu beten, die dann natürlich längst vor Tagesanbruch beendet waren. Es ist nun aber vieles anders geworden in dieser neuen Zeit, und darum sind in den betreffenden Gemeinden diese Aenderungen notwendig geworden. Ehemals war es auch Gebrauch, zehn Tage von den nin'i-v unter Fasten zu begehen, und viele Bußgebete nahmen auf diesen Umstand bezug. Wer aber nicht fastet, darf m der nwdv des 5. Tages — mp'p« - die vorletzte Strophe, die mit t=n& onpiebeginnt, nicht beten; dasselbe gilt für die Strophe D'asni D'nöx uaas? *psi> in der nn'Vo, deren Anfang 'N'v -psias lautet, wo diese am m'a-w gebetet wird. Es verdient (vohl hervorgehoben zu werden, daß der N'twn amn. für den ersten nin'^v-Tag die obengenannten *np»ft« - nn'^v - ausgenommen hat, weil er noch heute vielfach als allgemeiner Festtag gilt. Ruhelehrer V. Wolfs- Aurich. (Wir geben die Aeußerungen unseres ehrwürdigen Mit-