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Der Israelit · 1929-09-19 · Heft 38 (19.9.1929) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 38 (19.9.1929)
Date
1929-09-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
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19: September 1929 Der I s r o « l # I Nr. 38. ©«Üe 9 Zur Scftaffpfaffenuorfuftvung »synagogatev OTtusife“ Zwei Meister der jüdischen Musik. Israel Aleyer Iaphel. (1818—1892.) - K. M. Japhet wurde im Jahre 1818 zu Kassel geboren, besuchte dort »nachdem er die Schule verlassen-, das von M. Büdinger gelei-telte Lehrerseminar, bestand, in feinem 17. Jahve die Lehrerprüfung, trat dann in die Deutsche Schule zu Gudensbe-rg! als Lehrer ein und richtete auf Veranlassung von Rabbi Mvrdchai Wetzlar den Synagogen-gesang ein. Zugleich besuchte er die Talmuds orl-esungen des Rabbiners und bildete sich untre dessen Leitung weiter im hebräischen. Wissen aus. Nach einigen Jahren gründete er iw Wolfhagen eine Lehranstalt, die er nach wieb>srum drei Jahrennach Kassel verlegte. Im Jahre 1853 wurde er dann nach Frankfurt a. M. berufen, um indie daselbst zu gründende Schuleals Lehrer ernzutreten. Hier unterrichtete er bis acht Tage vor seinem Tode (10. November 1892). Mit der Abfassung einer hebräischen und deutschen Fibel begann er seine schriftstellerische Tätigkeit, sein schulgrammatisches Work rmrr zwei Teile, fand den Beifall der Fachgenossen und wurde in vielen Plätzen eingesührt, seine man die ins Deutsche übertragen und mit vielen Erklärungen versehen -ist, ist ein geschütztes Familienbuch geworden und hat viel zur Hebung der Pefsachfeier in den. Familien b ei-getragen. Außerdem war Japhet Bersasser vieler wissenschaftlicher Abhandlungen, die sich durch Feinheit des Stils und Gediegenheit des Inhalts auszeichnen. So groß wie sein Wissen und seine pädagogische Tüchtigkeit, war auch seine Bescheidenheit und die Lauterkeit seines Charakters; er genoß die ungeteilte Liebe seiner Kollegen, Schüler und aller, die ihnkannten. Japhet veröffentlichte auch Synagogengesänge unter dem Titel „Schire Jeschurun". Der Generalmusikdirektor Dv. Louis Spohr erachtet dieselben als „korrekt in der Harmonie und einfach in der Modulation". Ignatz Lachner zollt Japhet „aufrichtige Bewunderung" und empfiehlt die Gesänge -als „ganz vorzüglich". Nach Musikdirektor Georg Goltermann zeichnen sich die Japhet'schen Kompositionen durch. „gute Stimmführung" aus. Am 13. November 1892 wurde Japhet unter großer Beteiligung zur letzten Ruhe gebettet. Nathan Iacob Sühfind.' (1831—1915.) „Wer könnte -ermessen die Macht des Gesanges! Wer die wunderbare Kraft, die der Schöpfer dem Tone und besonders der Menschenstimme über das menschliche Herz verliehenhat. Denn sie, die M-enschenstiimme, ist eine besondere Gabe des Himmels." Mit dieser schönen Himmelsgabe war Oberkantor Nathan Jacob Süßkmd ganz besonders -begnadet. Geboren 1831 in Wolostn (Rußland) besuchte er, zum Jünglingherangereift, die dortige Jeschi-wa, um sich -talmudische Kenntnisse anzueignen. Ms er sich für Men Lebensberus entscheiden sollte und sich bei ihm ganz besondere Stimmittel zeigten, beschloß er, den rühmlichst bekannten Wilnaer Ehasan Schicke Feinsinger auszusuchen-. Dieser war überwältigt. von Süßkinds gewaltigen- Stimmitteln und nahm ihn unter die M'schaureri-m aus. Er hatte nundie beste Gelegenheit, bei Feinsinger das Chafonus zu erlernen. Er zeichnete sich vor allenanderen M'fchaurerim durch reiche Phantasie, leichte Au-ssafsung und sniusikalifche Begabung aus. Feinsinger ließ sich oft von Süßkind vertreten, und er betete in der Wilnaer Synagoge mit den M'fchaurerim vor. Dsr Steifoil war immer sehr groß. Nebenbei setzte Süßkmd in Wilna seine talmudifche-n Studien fort und nahm Unterricht bet Wilnaer Gesang« und Musiklehrern, um sich für das Kantorfcrch gründlich vorzubereiten. Wie viele seiner Landsleute, fühlte er den Drang in sich, in Deutschland ferne Kenntnisse zu erweitern und zu vertiefen, und so ging er nach Hamburg, wo man Verständnis für seine großen musikaLlischen Fähigkeiten hatte. Nachdem er zunächst in Altona Anstellunggesunden hatte, wurde er -in Hamburg als Oberkan-tor beim- Synagogenoerband -angestellt. Hier eröffnete sich ihm ein weiteres Arbeitsfeld, und seine Bemühungen um die kantorale Ausgestaltung des Gottesdienstes fandenungeteilte Bewunderung. Seine Stimmittel nahmen an Umfang zu und fein« Phantasie wurde reicher. Vollkommen mit der Synag-ogengesangsliteratur vrstraut, suchte -er sinngemäße Abwechslung in Chor zu schaffen, so -daß sich die Besucher viel zahlreicher einstellten und durch die Andacht Süßkinds zu Mott emporgehoben fühlten. Mit seinen Leistungen steigerte sich auch sein Ansehen in Gemeinde 3a die Oorfufiningen am 24. SeptemSee v. 21. Oktober ist dec Liatritt frei und Stadt. Wie Anton Rubmstein zu seiner Schwester, die Gesangslehrerin in Odessa war, so oft er bei ihr zu Besuch weilte, sagte „Schicke deine Schüler in den Tempel, daß sie den Bachmannhören, um zu lernen, wie man singen soll", so schickte der Hamburger Theaterdirekbor Pollini seine Opernsänger nach der Synagoge, um von Süßtind singen zu lernen.- Pollmi selbst besuchte öfter das Gotteshaus, um sich an -den hervorragendenstimmlichen Leistungen des Hamburger Chasonu-s zu ergötzen. Den Lockungen, sich dem weltlichen Gesänge zu widmen, widerstand Süßkind aufs festeste, denn er blieb seinme Motto: „Mein Sieg und Sang ist Gott" treu, ihm, dem Schöpfer des Alls, wollte er feine Fähigkeiten widmen. Und seinem steten .Streben, dm Gottesdienst nach jeder Richtung zu oeredlen, war auch ein volles Gelingen beschieden. . Am 31. Dezember 1906, nach fast 40jähriger Amtstätigkeit, legte Süßkmd sein ihm Viebgewordenes Amt nieder, um an feinem Lebensabend der wohlverdienten Ruhe zu pflegen. Ein Festabend im Logenher-m gab Kunde davon-, wie sehr SüßkinÄ beli-ebt und geachtet bei seiner Gemeinde war. Zum Andenken wurde ihm eine künstlerisch ausgeführbe Adresse in gepunzber Ledermappe überreicht, di-e auf der Vorderseite das Bild der Synagogetrug. Am Schluffe der Tafel sanger selbst mehrere Lieder, welche bewiesen, daß die Jahrzehnte spurlos an feiger seltenen StiÜtme. vorübergegangne waren. Acht Jahr-e erfreute sich nach -der Altmeister der jüdischen Kän-t-oven Deutschlands -der wohloerdienite Ruhe; dann schloß er nach einer -längeren Krankheit seine Augen zum ewigen- Schlaf. Schallplalken-Aeberkragmig durch den Frankfurter Rundfunk am 17. September. Usber Bedeutung und künstlerischen- Wert unserer synagogalen Gesänge ist vielerorts schon oft gesprochen und geschriebenworden. Eine Erkenntnis aber scheint als Kriterium der fundierten Möglichkeit aller Ansichten immer wiederzukehren: der Wische Gebetsg-esang -ist schon seiner Struktur nach in -der Beziehung zum Künstlerischen so gestellt-, wie überhaupt jüdische Religion sich i-m Gebet gestaltet. Einerseits letzte Bindungin die Gemeinschaft, andererseits (beinahe einsame) Erhebung der verzückten Seele. Die musikalisch prätentionslose Art hat den Charakter -des synagogalen- Gesanges in di-e Sphäre erhoben, in -der die künstlerischen Intentionen bereits wieder durch ihren Urgrund, den religiös-kultischen- Aus-- druck aufgelöst sind. Und dies ebenmacht das Intensive und Ergreifende unseres synagogalen- Gesanges aus. Drum ist es auch ganz gleich, ob wir dabei an- Gebete des Bittens (wie Un'sane taukef, Kol ni-dre), der Erhebung (wie Kaddisch, Jaale, Kiddusch) oder der Freude (wie Halle-l, L'cho daud-i, Uw'nucho jaumar) denken; auch ganz gleich, ob es sich hierbei um r-eine oder bearbeitete traditionelle Melodien oder um neu erfundene handelt. Immer erscheinendieselbenmit lebendiger Stärke ins Hymnische gesteigert. Wesentlich und wichtig ist jedoch die Tatsache, daß das Gebet des Chasans nicht nur gehört -und mittelbar empfunden, sondern durch die Kraft der Melodie und ihrer Darstellung unmittelbar vom Hörer erlebt wird, als ob es fein eigenes Gebet märe. Aber auch losgelöst vom Gotteshaus wirkendiese Gesänge in ihrer reinen Menschlichkeit keineswegs schwächer, so daß sie verdienen, in weitesten Kreisenbekannt zu werden. Aus diesem.Grunde ist es (trotz anfänglicher Bedenken wegen der Profanierung) -begrüßenswert, daß große Grammophongesellschaften wie Electrola, Grammophon, Homoeord u. a. eine beträchtliche Anzahl synagogaler Gesänge auf Schallplatten heran sgegeben haben. Für die Aufnahme dieser Gesänge sind ganz hervorragende Chasanim wie Rosenblatt, Sirota, Gordon u. a. herangezogen worden. So besteht heute sowohl für dasjüdische als auch für das -interessierte nichtjüdische Publikum die Möglichkeit, teils bekannt«, teils weniger verbreitete Nigunim -in gesanglich hochqualifizierter und charakteristischer, intensivster Interpretation sich nahe zu bringen. Nicht zuletzt ist as aber auch ein Gewinn t insofern-, als diese bedeutende Form wie nichts sonst geeignet ist, das Verständnis für -den jüdischen- Geist -in aller Welt zu fördern. Neben den synagogalen Gesängen fehlen nicht die jiddischen Leder und Gesänge, die sich schon seit langem großer Beliebtheit erfreuen. Diese durchlaufen in ihren Stimmungen und Inhalten- -die ganze Skala zwischen naiv fröhlicher Welterfassung und mystischer Gottergebenheit. Schon dadurchallein sind die Jargonlieder von großem kulturellen Interesse. Sie werdennicht aufhören, von dem ewigen Schmerz -und der ewigen- Freude unserer östlichen Glaubensbrüder zu -erzählen. Die am 17. September durchden Frankfurter Rundfunk verbreitete Schallplatben-Uebertragung synagogaler Musik und Gesänge hat, wie aus zahlreichen Zuschriften unseres Leserkreises zu ersehen ist, großen- Anklang gesunden. Erich- J-tor Kahn«. A bringt jedem mühelos die Möglich- Fm fflJK B BBB B Heit zur Weiterbildung auf jedem I ■ gewünschten Gebiet sowie an Unterhaltung, für jeden Geschmack das Richtige - Ihre Stimmung für die kommenden hohen Feiertage wird gehoben durch die weihevollen syltagegaleii Gesänge der ersten Kantoren, aufgenommen auf die in jedem einschläg- Geschäft erhältlichen SCHALLPLATTEN

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