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Der Israelit · 1928-05-03 · Heft 18 (3.5.1928) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 18 (3.5.1928)
Date
1928-05-03
Page
– (sequence 15)
Language
German
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jkJ lo ^affHKX :&*2SRflEUT Aus der Geschichte der Samson Raphael-Hirsch-Schule.^ Aus kleinen Anfängen ist die Schule hervorgegangen. Am 1. April 1853 wurde sie mit 84 Schülern, 59 Knaben und 25 Mädchen, in dem für Schulzwecke umgebauten Haufe Schützenstraße 14 eröffnet. Die Neugründung hatte es verstanden, in kurzer Zeit das Vertrauen der in Betracht kommenden Kreise zu gewinnen. Im Jahre 1863 wurde durch Ankauf des Nachbarhauses, Rechneigrabenstraße 3, die Möglichkeit gewonnen, das zu eng gewordene ursprüngliche Schulgebäude zu erweitern, einmal dadurch, daß 1864 die Mädchenklassen in den Erweiterungsbau gelegt werden konnten,, dann aber auch insofern, daß das Schulwerk durch einen zu dem erworbenen Hause gehörigen Garten in den Besitz eines großen Spielplatzes kam. Vis zum Jahre 1866 — bedeutsam als das Jahr der Einverleibung Frankfurts in Preußen und damit einer einschneidenden Veränderung im Frankfurter Schulwesen — war die Schülerzahl bereits auf 289 gestiegen. Die Unterrichtsanstalt für Knaben und Mädchen, bisher der Aufsicht der gemischten Kirchen- und Schulkommission der freien Stadt Frankfurt in allen Beziehungen unterworfen (Protokoll des Großen Rats der freien Stadt Frankfurt vom 2. Dezember 1852), wurde durch Erlaß des preußischen Königlichen Kultusministeriums vom 25. Juni 1867 als Realschule zweiter Ordnung anerkannt. Als preußische höhere Schule hatte sie sich nach ihrer inneren Verfassung den preußsichen höheren Schulen anzugleichen, was sich in der Aenderung des Lehrplans, in der Vermehrung der Klassen und in der Verlegung des Schuljahranfangs auf . den Herbst auswirkte. Die Knabenschule zählte drei Vorschul- und sieben Realklassen. Um die Berechtigung zum Einjährig-Freiwilligendienst zu erlangen, war das Bestehen einer Prüfung nach Absolvierung von sechs Realklassen und der darauffolgende einjährige Besuch der Prima (oberste Klasse) notwendig. Im Jahre 1887 wurde die siebte Realklasse eingezogen, da alle anderen preußischen Realschulen zweiter Ordnung nur sechs Klassen führten. Die Mädchenschule war nach mancherlei Umwandlungen neunklassig (ohne die Selekta) geworden, die erste Klasse mit zweijährigem Lehrgang. Im Jahre 1877 erfolgte der erste Direktorwechsel. Vis dahin war der unvergeßliche Gründer neben der eine ganze Manneskrast in Anspruch nehmenden Verwaltung des Rabbinats, neben seiner ungemein ersprießlichen vielseitigen literarischen Tätigkeit gleichzeitig der geniale Leiter des aufblühenden Schulorganismus gewesen. *) Bei dem durch das Schuljubiläum in aller Wett hervorgerufenen Interesse für die Realschule der Israelitischen Religionsgesellschaft bringen wir hier für diejenigen Leser, die die Festschrift nicht besitzen, einen Auszug aus der an der Spitze der Schrift veröffentlichten Chronik. Außer der Chronik und einem Aufsätze über „die jüdische höhere Schule" sind in der Festschrift sechs wissenschaftlich und literarisch hochwertige Beiträge enthalten, neben Akten- und Bildermaterial. Die Festschrift ist beim Her mon- Verlag, Frankfurt a. M. und in allen Buchhandlungen zum Preise von Mk.' 6.— zu beziehen. Sein vom Geiste des großen Vaters erfüllter Sohn, Dr. Mendel Hirsch, übernahm 1876 die Führung der Anstalt als stellvertretender Direktor, ein Jahr später die endgültige Leitung. Für die ständig wachsende Schülerzahl waren die Schulräume zu klein geworden. Durch eine hochherzige Schenkung von Freiherrn und Freifrau Wilhelm Karl von Rothschild, sowie durch weitere Beiträge von Gemeindemitgliedern wurde es möglich, das stattliche Gebäude zu errichten, in dem -die Anstalt seit 21. Dezember 1881 ihre bleibende Heimstätte hat. Inzwischen war auch im inneren Leben manche Veränderung vor sich gegangen. 1878 war die Bezeichnung: „zweiter Ordnung" weggefallen, die Knabenanstalt zu einer Realschule schlechthin geworden. Der Beginn des Schuljahres war 1879 wieder auf, Ostern gelegt worden. Sowohl die Realals auch die Mädchenschule wurden durch die Umgestaltung der Lehrpläne in ihrer Entwicklung stark beeinflußt. Am 31. Dezember 1888 beschloß der Vater desUnterrichtswerkes der Israelitischen Religionsgesellschaft, der große Rabbiner Samson Raphael Hirsch s. A., sein gottgesegnetes Leben, und nach 23jähriger, der Anstalt zum Heile und Segen gereichender Tätigkeit, wurde der Schulgemeinde ihr zweiter Direktor, der geistvolle Sohn, des Gründers und Organisators, Dr. Mendel Hirsch s. A., am 28. März 1900 entrissen. Am 22. April 1901 wurde der dritte Direktor, Dr. Gerson Lange, in sein. Amt eingesührt. In den ersten Jahren seiner Amtszeit, am 27. April 1903, konnte die Schule die Gedenkfeier ihres 50jährigen Bestehens begehen. Mit einem Bestände von 6 Real- und 3 Vorschulklassen, mit 9 Klassen der Höheren Mädchenschule und einer Selekta, mit 24 Lehrkräften und 12 Hilfslehrkräften, mit 359 Schülern und 258 Schülerinnen treten die Unterrichtsanstalten in die Berichtszeit ein. Die 1901 erfolgte Gleichstellung aller 9 stufigen höheren Knabenschulen war für unsere Schule von weittragender Bedeutung. Der Novembererlaß 1900 erleichterte den Eltern außerordentlich die Wahl der Schulart, da das Reifezeugnis jeder höheren neunstufigen Schule zum Studium auf den Hochschulen und zur Ablegung jeder Staatsprüfung — von kleinen Einschränkungen abgesehen — berechtigte. Der vorzeitige Uebergang auf eine Gymnasial- oder Realgymnasialanstalt war damit unnötig geworden. Es war dadurch Eltern die Möglichkeit gegeben, ihre Söhne bis zur Obersekundareife in der jüdischen Schule zu belassen und ihnen so eine gründlichere und tiefere religiöse Bildung zu vermitteln, als es auf einer anderen Schulart geschehen konnte. Mit Beginn des Schuljahres 1904-05 wurde dazu noch eine Fortbildungsklasse für die aus unserer Prima mit dem Zeugnis der Einjährig-Freiwilligenberechtigung abgehenden Schüler eröffnet. Abiturienten einer Nichtvollanstalt, im Alter von 15—16 Jahren, besitzen in der Regel noch nicht die genügende geistige Reife, um sich nach dem Verlassen der Schule aus eigenem Antrieb erfolgreich weiter zu bilden. Die Erkenntnis des dreifachen Bedürfnisses, das Fortbildungsstreben nach der idealen Seite hin zu beeinflussen, die praktische Berufsausbildung damit in Einklang zu bringen und die Kenntnisse in den religiösen Disziplinen zu erweitern und zu vertiefen, hatte zu dieser Neueinrichtung geführt, die segensreich der religiösen Fortbildung und der Fachausbildung diente ,bis sie durch andere Einrichtungen, besonders durch Ausbau der Thora-Lehranstalt „Jeschiwa" entbehrlich war. Den Reformbestrebungen im Gebiete der neueren Sprachen war man auf unserer Anstalt in der Weise gerecht geworden, daß man auf der Unterstufe die Reform gründlich und streng durchführte, dann neben einer gediegenen Unterweisung in der Grammatik die Einführung in das Geistes- und Kulturleben der Franzosen und Engländer an der Hand der Lektüre pflegte. Man ging von der lebendigen Sprache, vom gesprochenen Worte aus. Es wurde von Anfang an mit den Kindern in der fremden Sprache geredet. Auch die Phonetik wurde für die Zwecke des Schulunterrichtes stark herangezogen. Auf gute Aussprache und den mündlichen und schriftlichen Gebrauch der fremden Sprache wurde großes Gewicht gelegt. Zu Ostern des Jahres 1906-07 treten Ausbildungskurse für jüdische Lehrerinnen ins Leben. Mit Genehmigung des Kultusministers konnte solchen Besucherinnen, welche die allgemeine Lehrerinnenprüfung abgelegt hatten, auf Grund eines vor den Kurslehrern abgelegten Examens ein Zeugnis über ihre Befähigung, Religionsunterricht zu erteilen, ausgestellt werden. Der Lehrplan dieser Kurse war so gehalten, daß auch junge Mädchen, die nicht die Absicht hatten, den Lehrerinnenberuf zu ergreifen, an ihnen teilnehmen konnten. (Schluß folgt.) Die Woche. Vereinigung ehemaliger Schüler und Schülerinnen der „Samson Raphael Hirsch-Schule". Die aus Anlaß des Iubiläumsfestes gegründete „Vereinigung ehemaliger Schüler und Schülerinnen der Samson Raphael Hirsch-Schule" versendet ein Rundschreiben, in dem die Gründung der Vereinigung mitgeteilt wird. Der Jahresbeitrag wurde auf Mk. 3.—, für Mitglieder unter 20 Jahren auf Mk. 1.50 festgesetzt, wobei die Erwartung gehegt wird, daß Mitglieder, die dazu in der Lage sind, freiwillig höhere Beiträge leisten. Die Bereinigung hat den Zweck, die Interessen der Schule zu fördern, das Zusammengehörigkeitsgefühl der ehemaligen Schüler und Schülerinnen wachzuhalten und zu stärken. Sie soll ihren Mitgliedern manch frohe, gesellige Stunde verschaffen, alte Beziehungen erneuern helfen , und von Zeit zu Zeit Zusammenkünfte einzelner Jahrgänge veranlassen. Die den Mitgliedern regelmäßig zugehenden „Mitteilungen" werden den Zusammenhang lebendig erhalten. Der Verein gedenkt — nach Art anderer Schulvereine — mit seinen Ueberschüssen das geistige und körperliche Wohl der Jugend sowie dm Ausbau der Schule zu fördern, wobei an Unterstützung durch Lehrmittel, Vervollständigung der Schulbibliothek, Schülerspeisung, Landheim, Freiplätze usw, gedacht wird. Vachklänge zur Schulfeier. Man schreibt uns aus Mainz: „Es dürfte interessieren, daß den Jubiläumsfeierlichkeiten der Samson Raphael Hirsch-Schule auch fünf Brüder beigewohnt haben — darunter zwei im Auslande wohnende Herren — die sämtlich noch unter dem Direktorat von S. R. Hirsch b"rt die Schule besuchten. Der älteste steht rrw im 77., der jüngste dieser „Schüler", die alle fünf n-nan sind, im 70. Lebensjahr. Der

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