Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 9 (1.3.1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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’/*/ i ‘li'rT* Btt ftB®HB lim ^/'i Rothschilds. Vorbemerkung: In einer des Insel-' Verlags würdigen, reich mit Pörträts und sonstigen Abbildungen geschmückten Ausgabe ist ein Buch über Rothschilds erschienen (E g o n C ä.s a r Conte C o r t i: DerAufstieg desHauses Rothschild 1 770 —1830. Mit 24 Bildtafeln und einem Faksimile. Im Insel-Verlag zu Leipzig 19 2 7.) ES verspricht im Vorwort: „So sollen hier lediglich Tatsachen rein sachlich zu einem Gesamtbilde gefügt werden". Referent muß nach zweimaliger Lektüre zu seinem Bedauern gestehen, daß er weder den Eindruck gewonnen hat, daß hier lediglich Tatsachen geboten werden, Noch daß der höchst interessante Gegenstand rein sachlich behandelt worden ist. So geschickt und ausdauernd fleißig auch hier zum ersten Mal das weitschichtige, großenteils bisher vergrabene Material zusammengetragen worden ist. — allerdings haben weder Rothschilds, noch London Archive dafür geöffnet — so ist doch der Standpunkt, von dem aus es verarbeitet worden tst, nicht genügend objektiv, sondern vielfach einseitig und befangen. Außerdem ist es nicht Aufgabe einer geschichtlichen Darstellung, zur Ergänzung der Charakterschilderung ihrer Helden mit selbstsicherer Miene vage Vermutungen nahezu als Gewißheit hinzustellen. Es ist hart, deutlich aussprechen zu müssen, daß C o r t i oft unfrei in seinem Stoff, fügen wir hinzu, auch in seiner Haut stecken geblieben ist, anstatt losgelöst über seinem Stoffe zu schreiben und sich seiner Juden gegenüber etwas spröden Haut zu entäußern. Wir hegen den dringenden Wunsch, daß der angekündigte zweite Band, allenfalls auch eine neue Auflage dieses ersten, den erwähnten Beanstandungen, deren detaillierte Grundlagen wir dem Verfasser gerne Mitteilen wollen, Rechnung trägt. Die nachstehende Betrachtung versucht, in knappen Umrissen zu verdeutlichen, wie einerseits C o r t i die Rothschilds sieht und wie andererseits das Studium der ruhig abwägenden, edel gestalteten Biographie Meyer Amschel von Rothschilds von Christian Berghoesffer, (Frankfurt a. M. Englert u. Schlosser, 1 9 2 3) und eigene Beobachtung des Verfassers dieser Zeilen die Rothschilds erscheinen lassen. 1. Me Corti die Rothschilds sieht. Keine Jdealmenfchen, diese Rothschilds. Man muß sie nur mufiertf von Alt bis Jung, von Meyer Amschel bis zum Nesthäkchen James — alle derselbe Typ, in allen der gleiche Drang nach Gelderwerb. Nicht e i n Unternehmen, nicht eine Handlung von Belang, in denen das nicht der vorherrschende Zug gewesen wäre. Gleichgültig, was es auch sein mochte: ob mächtige und schließlich sogar ausschlaggebende Hilfeleistung in Engladns und seiner Alliierten Kampf gegen Napoleon. Oder weise Ratschläge und ihre. Durchführung zur Sanierung zerrütteter österreichischer Finanzen. Oder ihre weitgehenden Bemühungen für die Emanzipation der Frankfurter Juden. Stets das selbstsichere eigene Interesse im Vordergrund, ursprüngliche uttö wirkliche Triebfeder.- Alles andere: Staatsinteresse, Freude an der Ehre, dafür wirken zu dürfen, Anhänglichkeit an ihre unterdrückten Frankfurter oder russischen Glaubensgenossen nur vorgeschützte Höflichkeitsfloskeln, nur bewußte, klug berechnete Tusche und Färbung. Man muß hellsichtig sein, muß Gedanken lesen, Ungeschehenes erraten, Ungeschriebenes vorzaubern können, um hinter die Larve zu schauen. Sie sind eine Weltmacht, ja freilich und unbestreitbar. Eine Weltmacht sogar von „geradezu unerhörtem Einfluß". Kein europäischer Staat von Rang kann ohne ihren Beistand auskommen. Sie beherrschen den Kontinent. Sie rasten nicht, um sich immer weiter vorzudrängen. Sie werden dabei zuweilen angegriffen, angeschwärzt von Frankfurter lieben Kollegen z. B. Warum auch nicht? Sie sind doch aus jener Raste „von der manche einen Hang' zu Wucher und Ausbeutung haben", gegen die die Christen „eine angeborene Antipathie" haben. Man hält Metter U i ch, den geistig bedeutenden österreichischen Staatskanzler, zuweilen ein Stück Herrscher von Europa, für ihren Gönner und Freund? Er tat nur so, er hatte „insgeheim manches Mißtrauen und aristokratischen Stolz gegenüber den jüdischen Emporkömmlingen". Allerdings: er drückt sich verschiedentlich in Eingaben an Kaiser Franz erheblich anders aUs, aber was will für einen Psychologen die Offenbarung von Anschauungen gegenüber den heimlich waltenden Untergründen derselben bedeuten? Gut Purim, gut Purim, GroD und Klein! Was soll des Tages Losung sein? Sie sei: - „Bei Euren Purimspenden Gebt unserem Hort mit vollen Händen“. Hort für jüd. Mädchen Postscheck: Frau H. Best hoff Nr. 51113 Schlau sind die Rothschilds! Ihrem Stammvater wird das schon in den Nekrolog geschrieben, und ein vollgerüttelt Maß dieser Schlauheit wird jedem der fünf Söhne zuteil, mit Gradunterschieden freilich. Mit ihren devoten, zuweilen kräftig von klingender Münze unterstützten Liebes¬ und Ehrerbietungsbezeugungen wissen sie Minister, Könige und deren Vertraute zu umgarnen. Und sie rücken nie deutlich und unumwunden mit der Sprache heraus, man weiß in kritischen Zeiten nie so recht, woran man bei ihnen hält. Sind sie alliiert oder napoleonisch, legitim oder freiheitlich gesinnt? Sie jonglieren und schwenken nach zwei Seiten, Verderbens mit keinem. — Man meint manchmal, Üneigennützigkeit und Edelmut habe sie wirklich vorübergehend gepackt, Salomon schließt mit dem preußischen Staat einmal eine Anleihe zu für jenen so vorteilhaften Bedingungen ab, daß sogar seine eigenen Brüder keineswegs entzückt sind. Der König von Preußen erkennt warm an, daß „der Baron Salomon von Rothschild solches im Interests des preußischen Staates, als eien Ehrensache seines Hauses cchgeschfosten hat". Wie kurzsichtig! Rothschilds,ein Geschäft als Ehrensache? „Unter Normalen Verhältnissen hätte Salomon das Geschäft wahrscheinlich (!) zu einem sehr gewinnbringenden gestalten können." Man muß sich eben nicht düpieren lassen, muß das Ungeborene, das vielleicht noch. Gebvrenwerdende wahrnehmen, existierende Verhältnisse allenfalls ausschalteN können, um diese Rothschilds, denen man mit einem gewissen Unbehagen Treue, natürlich „einträgliche Treue" gegen den Landgrafen von Hessen nicht absprechen kann, zu erkennen. Geldraffer sind sie alle. — 2. Wie andere die Rothschilds sehen. Meyer A m s ch e l Rot h s ch i l d , der Gründer des Wetthaüftzs, ivär ein altgläubiger Jude. Strengste Rechtlichkeit war ihm daher selbstverständliche religiös gebotene Pflicht. Er wußte und vergaß nie: Die erste Frage bei der Rechenschaftsforderung im Jenseits ist die nach der Redlichkeit in Handel und Wandel. Er erfüllte die Pflicht der Rechtlichkeit unter allen Umständen, ohne Bedenken und ohne Schwanken. Dem Prunk und Pomp war er abhold, erlaubten Lebensgenüssen zugetan. Ein kluger/scharfer Blick für das augenblicklich Notwendige, Vorteilhafte und Gewinnbringende muß ihm zu eigen gewesen sein. Nicht minder die Gabe, im Rahmen seines jüdischen Gesetzes, das ein Lebensgesetz und kein bloßes Tempelgesetz ist, die Wege zu finden, aüf denen diese Vorteile und Gewinne zu erreichen waren. Aber das Geld beherrschte ihn nicht, unterjochte ihn nicht, war ihm nicht Selbstzweck, sondern nur erlaubtes und gewährtes Mittel zu höheren Zwecken. Seine allgemeine Bildung war wie die der meisten Juden der damaligen eingepferchten Ghettozeit nicht mustergültig. Aber er besaß in hohem Maße geistige Interessen an dem, was unseres, jüdischen Daseins Krone und Zier ist: an der unermüdlichen Vertiefung in sein religiöses Schrifttum, um daraus das Gerüst für den Bau seiner Lebensgestaltung zu zimmern. Das war seine höchste Freude, sein Halt, seine Erquickung, sein Hinblick und Aufblick in der zermürbenden Tagesarbeit. Demzulieb gesellte er sich Schriftgelehrte von Rang. Er hielt, wie gesagt, was er von ihnen und mit ihnen erfuhr. Nicht nur im Gefchäftsgebahren, nein, auch seinen Nebenmenschen gegenüber. Wohltun, ohne Unterschied der Konfession, war ihm Herzensbedürfnis. Je mehr er erwarb, um so mehr steigerte sich dieser Drang, um so mehr betätigte er ihn. (Schluß folgt.) Die Woche. Versammlung des Preußischen Landesverbandes gesehestreuer Synagogengemeinden. Vor einem geladenen Kreise von Mitgliedern der Synagogengemeinde „Israelitische Religionsgesellschaft" sprach am Sonntag abend im Hörsaal Friedberger Anlage der Vorsitzende des Hallberstädter Landesverbandes, Herr Rabbiner Dr. Isaak Auerbach aus Halberstadt über die Entwicklung und die Tätigkeit des Verbandes. In einem großangelegten Referat schilderte der Vortragende die Entstehungsgeschichte und die. bisher mit Erfolg bearbeiteten Tätigkeitsgebiete des Verbaneds, dem zur Zeit 171 preußische Gemeinden ange hören. Der Verband ist gleich dem Berliner Landesverband seitens der Staatsregierung, zwar,,n)cht M.juM,^wohl Mer.dL^facto, anerkannt und hat W FyWchlöMnen..ÄßverMn M'-b&fm Jahr aus Staatsmitteln Mk. 45Mv— zur Äersügung -stellest küstnen. Danebeir hat der Verband aus .eigenen Mltt'n, wobei neben den Steüerbeiträgen der Gemein-