Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 40 (7.10.1927)
- Date
- 1927-10-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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MM " - c 1 i“‘T v '-"■' ^^*V *-^rl ' % A 5 ftuilkton- Beilage ßr.4« Feuerzeichen. Gin Hyetto-Noman von S. Schachnowitz. (Fortsetzung.) Rabbi Schmuel Schotten hatte eine schlaflose WK «8W. Sie SUI Bl? Wll? §?», M es, die uns übel wollten und es nicht genug sein ließen, mit Axt und Schwert, mit Gesetz und Bestimmung gegen uns vorzugehen, sondern sich auch noch an unsere Seele, an unsere heilige Thora herarrrvaaten, sie beleidigten und oerstiirn- .».)»»»« ■jtMiiiuiliJteiii sie eetetatjjceit em® oet|teii«i melten. Was hatte dieser Mann, Eisenmenger Nannten sie ihn, davon, in fremden 'Besitz eistzudringen, in unseren alten heiligen Büchern herumzustöbern und das Gotteswort zu fälschen und es gegen uns wie spitze Pfeile zu kehren? Wie Wer ® ödöj in Din MD mr MlWliM aussehen konnte! Und — Rabbi Schmuel zitterte wie im Fieber — einer der unsrigen sollte ihm dabei -Helsen!? Es dünkte ihm schwere Sünde, von einem jiifcijd^en fXRenjdjen^ unb wäre es der oerwvrfeWe, so schlecht zu denken. Vielleicht hatte Dowid Grünhut Geschäfte mit dem Professor, vielleicht wirklich nur harmlose Unterhaltung, vielleicht gar . . . Wer konnte in die Urgründe einer jüdischen Neschomoh sehen, die oft auch im Nnkon noch lmchtst? Er klammerte sich förmlich an den Gedanken, daß Grünhut —, das konnte Schnapper nicht wissen, — möglicherweise den vielmögenden Eisenmenger besuche, um mit ihm zu rechten, ihn zu belehren, seine Jrrtümer aufzühellen. Schlimrmm zu mxhMn. Ws? js m ZllSo UUÖ Z5° lehrt wie ein Rabbi, selbst ein Künder des GoLteswortes ... Er sah im Halbschlummer ein Gesicht. Mit Vater Jakob war er am Flusse Jabok und rang mit Dom Enggl. MiD?asHskkls?llng NU?D8 Ü5ben. Der Engel hatte Schwert und Dolch und die Augen eines Mordbuben, dann warf er, da er die Gewalt als nutzlos einsah, das Eisen aus der Hanb. schwang ein Buch unb mü ben ruhigen Äugen eines Gelehrten überlegen und herausfordernd zu Jakob und zu ihm hm. Im Gelehrten mit der großen Germanenbibel in der Hand erkannte er sofort Johannes Andreas Eisenmenger, obwohl er ihn nie von Angesicht qu Angesicht ge^e^en ijatte. 2Ber aber war der Manu van früher, mit den drohenden Augen und dem gezückten Dolche? Er schrak auf und rieb sich die Augen wach. Wie Jakob nun wieder einmal nicht nur vom Mörderdolche, sondern auch vom Buche des Gelehrten bedroht roar, war ihrn ganz klar. In He'beft^rg faß her Hof um Hystph Wer kannte seine und seiner . Leute Gesinnung? Und dort saß auch, fast im Hofe des Königs, Haman, Johannes Andreas Eisenmenger, zu jeder Zeit bereit. seine Anklage auszubreiten. Die Gefährlichkeit feiner Schriften roar allbekannt^ fT Zutritt zum König, bevor die jüdische Delegation AU ihm gelangte, dann war ihr der Weg erschwert, wenn nicht gänzlich versperrt. Daß so ein kluger, erfahrener Mann, wie Ahron Oppenheim nicht daran gedacht hatte? Aber V9V JomE'ppur konnten bk Geschenke nicht fertiggestellt fein, die Deputation nicht abgehen. Alles war für diese Zeit vorbereitet und die Audienz angemeldet. Man mußte, wenn nicht, alles verloren sein sollte. Eisenmenger so lange im Schach hatte». Am Ende war SS vielleicht ein Fingerzeig, vom Himrstel, daß ihne^^ nachts GränhM in den, Weg gelaufen wür, daß Schnapper ihm von ZmntzlllZ AeZichnnaen mm ^roMfor mäöltsl SDan konnte ihn nad) fatbetberg zu Eisenmenger schicken. „Es gibt welche, die sich ihre Welt in einer Weile erwerben", dachte er mit einem Worte des Talmuds und war glücklich, frei des schweren Verdachtes gegen einen jüdischen Mengen, in aller Arüft ^ein Üager verladen zü können. Gleich nach dem Morgongottesdienste und nachdem Rabbi Schotten sein Mischnapensum in der Klaus vorgetragen hatte, begab er sich zu Ahron Oppenheim. Und eins Stunde später saßen 9 |ll C ( 4 l< < «( « ii sie zu Dritt, neben den beiden auch Dowid Grünhut, im hintersten Gemache des Oppenheimfchen Hauses an der Brücke hinter geschlossenen Türen und bei tief heruntergelassenen Vorhängen. — — Kurz nachdem Rabbi Schmuel gegangen war. nojp m DBimaf an m AnßMM Dos Rabbihauses. Es war ein jüdisches Klopfen, leise und bedächtig. Trotzdem erschrak Elsbe — so wurde Elischewa, das einzige Kind Rabbi Schmuels, der Trost und die Stütze seines Lebens nach dem frühen Tode seiner Gattin, vom SSHifSamt—M ln ft ftütz-n, ünäügeN-fte. ten Besuches. Das Klopfen war ihr mcht fremd, löste freudige Ahnungen aus, und als auf die Frage: „Wer da?" die Antwort kam: „Oeffne, Geliebte, ich bin es, Arje Löb," klopfte ihr Herz TflTt ößrßar: , „ . Sie öffnete erst die Türe zum Nebengemach, wo die alte Hanna, die treue Dienerin seit ihrer Kindheit, bei der Morgenarbeit war, sodann die Außentüre. Ueber die Schwelle tänzelte ein junger Mensch, eine geschmeidige Gestalt, der die etwaK OK WfU? «nb tvflfc Uaööltracht nichts von der Jugendlichkeit und Elastizität nahm. Die Augen lachten in einem vollen, gesunden, bartumrahmten Gesichte. Elsbes zartes Gesicht bedeckte ein leichtes Rot, ihr zierlicher Körper bebte unruhig, ihre Stimme klang holdselig erregt, rme &er gitternd?!tW plötzlich «NZSschlAZ^NrN Saite. „Du hier, Arje Löb, so plötzlich und unerwartet?" Und damit er diese Frage nicht falsch deutete, fügt? ft? hmga; „Es bvch nichts ^östs pasftrt, daß Du den weiten Weg von Posen hierher machen mußtest?" „Rein, liebste Elsbe, es ist nichts gerade MttMMM 8M8kN8e Z8Ok: Mk gkU n dem Vütök? Ist e? noch in der Klaus?" „Er hat schlecht geschlafen, ich hörte ihn nachts oft im Zimmer auf- und abgehen und mit seinen eigenen Gedanken und Sorgen sprechen. Er ist früh fort und sagte, er werde heute später denn s?lM lllW Mttsk köMMM" „Was beunruhigt ihtt iussönderlich?" „Ich weiß nicht, ich fragte auch nicht. Habe es von der Mutter, sie ruhe in Frieden, daß man sich in Männersachen nicht einmische, und gar wenn es große Dinge der Gemeinde sind." Sir je ßöb ^tanb still unb fo^ ben Dust iljrer Stimme em. Sie war seine ihm nach Recht und Gesetz und mit dem Segen beider Väter angelobie Braut. Er, der Sohn des letzten Oberrabbiners, Rabbi Schmuel Krakauer, und sie die einzige Tochter Nabbi Schottens, gehörten zueinander. bevor noch Ihre Herzen für einander entt brannten, das wußten alle. Als Rabbi Schmuel am kalten Kislewtage vom Sterbebette Rabbi Krakauers nach dessen letztem Atemzuge sich weinend abwandte, umarmte er Arje Löb und nannte tt>n nacf) bem Willen des toten rmü Gottes feinen Sohn, womit der heiße stille Traum zweier junger Menschen, um den die ganze Gemeinde längst wußte, zur Wahrheit geworden war. Aber es hatte noch weite Wege bis zur vollen Erfüllung.. Die harte Vestimmung des Gesetzes, der ^JMenfMMgkett" ermöglichte eine Vermählung und HausTrün- ÄMg ist der Wischen Gasse nur, wenn durch; Schließung eines Hauses neuer Platz geschaffen' mar. Mar Hur $ Don ioD Do? DamittsKNrPzDLir eine Vakanz entstanden, dann stritten gar viele um die geöffnete Türe, und das Lös entschied, allwo keine verwandtschaftlichen Anwärter den Platz gleich füllten. ZildetN mußte Arje Löb nach eigenern unb l «d ffliP «' < *" r * beider Vater Willen erst noch für Jahre nach Posen gehen, um sich in dem von Rabbi Scheftel, dem großen Sohn des großen Scheloh, gegründeten Lehrhause im Studium zu vervollkommnen. Und Elsbe wartete fromm und geduldsam, wie ernsteNiS Nabbl Akibas tugerrbfames JVeib. , —! o I ------ Sie wünschte nicht wie diese, daß der Geliebte für weitere zwölf Jahre, von dannen gehe. Nein, so stark war sie nicht. Aber sein plötzliches Erscheinen erschreckte sie. War etwas nicht in Ordnung in der jüdischen Welt, daß er so unge- [äüfflj P«K NW, fsW; ft i$3 chlllss Bl; Augen nieder bei dem Gedanken, die Sehnsucht nach ihr habe ihn hierhergetrieben und er könnte der Schmeichelei, von ihr heraufbeschworen, Worte geben. „Es ist nichts. Liebste." beteuerte er. „Und Bamil ZU mc(?{!m Sälen Sief) afifjarmfi: Sin großer Mann und Gelehrter lebte seit Jahr und Tag in Gefangenschaft, von den Tartaren entührt, an Russen weitergegeben, ein Mann, der die ganze mündliche und schriftliche, offeine und üfWüm Mro moiftort unD in Mmmigkoit an die der „Sechsunddreihig" heranreicht. Man sagt, er könnte, wollte er nur, mit dem göttlichen Namen, wie sein Urvater, der hohe Rabbi B e - z a l e l L ö w, mit diesem einen Golem schuf unb ihm Leben einhauchte, ^eine Ketten ^»renc^en^ feine Bezwinger töten unD sich Den Weg in Dle,äv Freiheit bahnen. Aber er wies es von sich, sich zum eigenen Nutzen der ihm gegebenen Schlüssel der Kabbalah zu bedienen. So saß er unter ihnen, lebte mit ihnen lange Jahre, ohne etwas onberes zu genießen als Avilch, bxe er jrc^. jefber gemolken und Kräuter, Die er M selber auf Dem Felde sammelte. Wenn er in der Steppe bei den Herden war, schaute er in den offenen Himmel und studierte die Kabbalah, wenn er mit ihnen ins Felb ritt, bewegten fi<S feine Rippen unablässig im Studium Des Gesetzes. Am Sabbat und an Feiertagen ging ein Licht vom Gesichte dieses Mannes aus, daß sich keiner in seine Nähe wagte. Sie lernten es mählich, einen mmm in JDm in Mn. Don M Mion unD fürchteten, aber ahne hohes Lösegeld gaben sie ihn nicht frei. Kaufleute, die aus der Gegend nach Posen kamen, überbrachten es. Es wurden Gelder gesammelt, aber sie reichten nicht hin." „Und es schmachtet der große Mann noch in perSefanamfiaffTr MM? (Mjoi Mimmo in inniger Teilnahme. „Nein, es fanden sich gute Menschen, die sich bei Geldgebern mit Leib und Leben für die zur Auslösung nötige große Summe verbürgten, um dem Rabbi die Mklykit gü kkksnfkn, m Wkitt nnn in CMn in Posen M-o seine Größe und Frömmigkeit übertrifft alles, was man von ihm üörte. Aber die edlen Männer sind in größter Bedrängnis, werden es vielleicht mit ihrem Leben büßen plüffen^ wenn der Termin da Mh noch nicht aufgeDrachi ist." Man beschloß daher, einen Sendboten nach der Stadt und Mutter der jüdischen Gemeinden, nach Frankfurt, zu schicken, und ich dachte ..." Er hielt still, aber seine auf Elsbe ruherrden Alltzkn mschkn Lkitkk, mW fit ütrftanü: E r nahm die Aufgabe auf sich, da es ihn unwiderstehlich nach Frankfurt zog, zu ihr . . . „Der Vater wird sich freuen, Dich hier zu sehen", sagte sie einfach. „Unb wir werben, so ich schon hskf HM, llllH über unsere Sache sprechen/' (Fortsetzung folgt.)