Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 46 (11.11.1926)
- Date
- 1926-11-11
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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11. November 1926. Personalien. Leopold Großberg ^,^7- Budapest, 5. November. Das thoratreue Judentum hat einen schweren Ver- :^st zu beklagen. Leopold Großberg ist in Budal-\ft nach einem schweren, langen Leiden im Alter von Jahren frühzeitig seiner Familie, seiner Gemeinde :i d der jüdischen Publizistik entrissen worden. Leopold Ewßberg war der Begründer und langjährige Herausg' ier der „Allgemeinen Jüdischen Zeitung" in Buüa- \;L Die Gründung dieser Zeitung vor ungefähr 2! Zatzi'm mai» eine NIMM Lat, m mne Dies Die r jie tägliche jüdische Zeitung, die in orthodoxer Ntch-! ug geführt wurde und die m der Person von Leopold (2 Roßberg einen orthodoxen Schriftleiter hatte. Die ö: thodoxie in Altungarn, die in den Siebzigerjahren des origen Jahrhunderts einen heroischen Kamps um ihre J.sistenz führen mußte, hat die Bedeutung der Presse ir.t eigensten Interesse erkennen müssen. Mehrere d utschsprachige und ungarische Zeitungen hatten in! üherer Zeit abwechselnd im Dienste der Orthodoxie o standen. Der Umstand, daß die Redakteure dieser Mutungen selbst im praktischen Leben nicht auf dem ühibcn des gesetzestreuen Judentums standen, tat der!.i.iralischen Wirkung dieser Blättetr Abbruch. Leopold t.oßbcrg war der erste orthodoxe Jude, der seine jour- N'listische Begabung, sein reiches jüdisches Wissen, s,-:nen persönlichen Mut und nicht zuletzt auch seinen [un&eji kaufmännischen Sinn auf die Gründung einer Orthodoxen Tageszeitung konzentrierte. Der große 2Uurf gelang dem tatkräftigen Manne. Die „Allgemeine s üdliche Zeitung" war der mutige Bote der Idee der t Llbständigkeit der Orthodoxie unter den breiten Schich-;:n der thoratreuen Massen Altungarns. Die zerrütte- > ,i Verhältnisse nach dem Kriege, die staatlichen Ver- : iderungen haben zur Einstellung zur „Allgemeinen Jüdischen Zeitung" geführt. Erst vor drei Jahren hat!'.ij MliMv (BrogßciQ intitDiifiin mm. Den mim - mn BsrhülMlssen Rechnung zu tragen uns ein Wocheni -alt in ungarischer Sprache unter dem Namen „Zsido :'jsag" zu gründen. Leider mußte er sich schon vor einiger Zeit vou der aktiven Leitung dieser neuen Zeitung in-! (ge gefährlicher Erkrankung zurückziehen. Leopold Eroßberg war aber nicht nur auf dem Gebiete der Publi- ' stik tätig. Biel Zeit und Energie widmete er der Lö-; ng des Erziehungsproblems, besonders die materielle : >d geistige, Lage der Jeschiwoth beschäftigte ihn zeit- > beiis. Er hat mit voller Kraft gearbeitet, um das mal'rielle und geistige Niveau zu heben und überhaupt das n schnrvohproblem aus dem kümmerlichen Dasein der Einzelausgabe einiger Kleingemeinden zu einem Landes- "i voblem der ungarischen Orthodoxie zu gestalten. Sein "ufs Allgemeine gerichteter Blick blieb, auch nicht, was i i Ungarn fast eine Seltenheit darstellt, bei den Landes- - lenzen stehen. In seinem heroischen Kampfe für die O rthodoxie erblickte er in der orthodoxen Weltbewegung i r Aguda einen wertvollen Bundesgenossen. Er nahm i;;t der denkwürdigen Kenessio Gedaulo der Aguda teil und voll Begeisterung und Tatendrang verließ er den S chauplatz der Dokumentierung ungeahnter orthodoxer Kräfte, die in Hunderten begeisterten, den verschiedensten leiden Schichten angehörenden orthodoxen Juden 1 Wummerte. Von seinen neuen Plänen konnte er aber i-wiUr. ttichts mshr psrw!rkltchsn. ' '-n iü^rfchss üsrhsn zwang ihn zu crbfoluisr ÄrbsiisslN- \ Mung. Der Tod, der langsam an ihn heranschlich,; löste ihn von den Qualen, die ein arbeitsamer, fleißiger ' lensch infolge dauernder Arbeitsunfähigkeit empfinden mßte. Die Orthodoxie Ungarns hat in imposanter Weise i rem publizistischen Borkämpfer die letzte Ehre erwiesen. . ie Rabbiner Sußmann, Steif und Groß sowie sein tester Sohn haben in ergreifenden Worten dem > chmerze seiner Gemeinde und seiner Familie Ausdruck 'geben. Oberschwester Marianne klein n"S7. Mainz, 31. Oft. Am rw, an dem die rmotjom Tode der Mutter Sarah hlte, wie Abraham sie betrauert und beweinet hatte, , ,ied eine würdige 712, Oberschwester Marianne . ein von einem Leben, das ausschließlich der opferwilsten Hingabe an ihre Mitmenschen gewidmet war. Ob er schweflet Marianne war 28 Jahre als Schwester! nm n VHs? . ,re Tättakeil als solche zu schildern, wie es den Tütchen entspräche, würden Worte zu gering sein. Nicht Sein, daß sie jeden von den Vielen durch ihre un-; rsiegbare Güte, durch ihre fürstliche geistvolle Erschei-; mg, durch ihre vorbildliche Hilfsbereitschaft gepaart; It edler Liebe, zum Verehrer hatte, bewunderte auch ade und Nichtjude, Arzt und Laie ihr außergewöhnlich o-oßes Wissen und Können auf dem Gebiete der Krankenpflege. Die Größe der Aufopferung für ihre Mitmenf.hen bewies sie mit 8er letzten besonders schweren Pflegel.:e sie erfolgreich noch zu Ende führte, die aber ihr durch Ansteckung den Tod brachte. Die Tragik dieses so erschütternden Endes betrauern nicht nur die Ihrigen, mit - men sie in seltenster Liebe stets verbunden war, sondern .-ach weite Kreise der jüdischen und nichtjüdischen Oeffenti'chkeit. Oberschwester Marianne wurde am 31. Oktober??ben Frau Toni Lehmann zu mn? gebracht, so daß zwei nebeneinander die ewige Ruhe fanden. Die Verstorbene war in Urspringen (Unterfranken) gel-ären und bewahrte in tiefsinniger Frömmigkeit den ullWiMn Ml ihrer Ellern. mwir Der Israelit Otkenfoos (Mittelsranken), 2. Nov. Am 2. Tagasion B i 711210 verstarb im Krankenhause zu Nürnberg, wo sie Heilung von ihrem Gallensteinleiden suchte, infolge Herzschwäche Frau Agathe Sommer ich von hier un Alter von 49 Jahren. Ihr Leichenbegängnis, welches in Nürnberg stattfand, gab ein Zeichen ihrer Beliebtheit in hiesiger Gemeinde, denn es harten fast alle Bewohner unserer Stadt eine Bertretung nach Nürnberg geschickt, um oer beliebten, gegen jedermann freundlichen Frau die letzte Ehre zu bezeugen. Frau Sommerich verdiente auch diese Eyrung in vollem Maße nicht nur von den Ortsbewohnern, sondern von allen, die mit ihr im Verkehr gestanden haben. Ganz besonders zeichnete sie sich durch wlit'ütätigdslt gegen ilirmtz, sowie durch inon Mk itZMMLwlMWl- AEi/hfült MÜ Liebenswurdigkell aus. Möge '"o dem Witwer und den xuwern sowie den zahlreichen Geschwistern der Verblichenen seinen Trost senden. rrasarv Gedern, 1. Nov. Am °p nno feierte die hiesige Synagogengemeinde den Tag der 60jährigen Wiederkehr der Einweihung ihres Gotteshauses. In der festlich geschmückten Synagoge sprach Freitag Abend Herr Lehrer Bauer zu seiner Gemeinde, während am tub? -Morgen Herr Provinzialrabbiner Dr. Hirschseld, Gießen, in sehr zu Herzen gehender Predigt auf die Bedeutung des Tages hinwies und auf die wechselseitigen Beziehungen von Synagoge und Haus aufmerksam machte. Die Feier wurde von mehreren Gesangsoorträgen des Synagogen- Männerchors umrahmt. Letzterer wurde bei Einweihung der Synagoge gegründet und wirkt feit dieser Zeit ununterbrochen. Jaffa, 23. Okt. Wilhelm Groß, seit 38 Jahren ein Vorkämpfer für die wirtschaftliche Hebung des jüdischen Jischuw in Palästina, beging am 20. Oktober seinen 7 0, Geburtstag. Vermischtes. Amsterdam. 5. 9Jod’ Die Pekidim und Slrmafolim der 8U&&&K lu Pilsen M'tML in yilen mit» „Die von den zerren Varuch und Menki Zimmer in ^ürlh für Erez jisroel eingegangenen Spenden können erst in dem nächsten Spendenverzeichnis ausgeführt werden, da die jüngste Veröffentlichung bereits pro 1. Jgnuar 1926 abgeschlossen wurde, das Fürther Spender»- verzeichnis sich jedoch bis 1. Juni 1926 erstreckt. kiel, 1. Nov. Zu der Notiz aus Kiel in Nr. 44 unseres Blattes, worin der Vorstand der dortigen Israelitischen Gemeinde von Sammlungen für angebliche Gemeindeinstitutionen warnt, wird uns von privater Seite mitgeteilt, daß diese Warnung das dortige Beshamedrasch oer Ostjuden nicht betrifft, das keine Gemeindeinstitution ist, in dem täglich gebetet und gelernt wird und das weitgehendste Unterstützung verdient. Alzenau (Afr.), 10. Nov. Am 19., 20. und 21. November a. c. gehen hier die Feierlichkeiten aus Anlaß des hundertjährigen Bestehens der Synagoge, verbunden mit dem 25jüyrigen Ortsjubiläum des Herrn Lehrer B. Wechsler vor sich. Aus dem Programm ist zu ersehen, daß u. a. Samstag, 20. November Festgottesdienst mit Predigt des Herrn Distrikts - Rabbiner Dr. Raphael Breuer, Afchaffenburg, stattfindet; abends 8 Uhr: Hestkommer5 im fcaale des Gasthauses zum Fränkischen yos fJiitier) unier Mumkuncj des verstärkten Salon- Orches^rü mmranm Älzimau. samie nortifler Bor eine. Im teOMDö ]M$mülüQ HD M MID Dkl M MlllWli Feier im Saale des Fränkischen Hof der Synagogenmor der Israelitischen Religionsg-esellschaft Frankfurt a. M. unter persönlicher Leitung seines Dirigenten Herrn Max Reumann singen. Sprechsaal. Sokolow in Leipzig. Sehr geehrter Herr Redakteur! Da der Bericht in der letzten Nummer der „Rundschau" eine unrichtige Vorstellung über die Rede erwecken kann, die un,er Rabbiner, Herr Dr. Carlebach, auf dringenden Wunsch des Synagogenvorstandes gehalten hat, so teile ich Ihnen ergebenst mit, was ich als Ohrenzcuge, der ganz und gar in der Gedankenwelt der Aguda wurzelt, gehört habe. Ich habe dabei kein L-L17LS jje,, als USa^rf^eii: tragen. Erkann keine Rede davon sein, daß der Rabbiner etwa gesagt habe, Herr Sokolow wolle so wie seinerzeit der „Rosa) Jeschiwa Sc-fer" das jüdische Volk vor der Assimilation bewahren und in seine Heimat zurückzuführen. Der Redner hat vielmehr seine Worte mit einer Ansprache eingeleitet, die nach einem Bericht des mn n.v oer Ehasiam Szaufer anläßlich einer Emanzipationsfeier in Preßburg gehalten hat, in welcher der weltberühmte Gaon trotz der Anwesenheit nichtjüdischer Hörer auf die Befürchtung aufmerksam gemacht hat, daß man unter den glücklicheren Verhältnissen daran pergessen könne, daß nicht Ungarn, sondern Erez Jisroel die eigentliche Heimat aller Juden sei. Im Anschluß an die Worte des Wochenabschnittes „ein Fremdling und ein Ansässiger bin ich in Eurer Mitte" sagte dann der Rabbiner, daß wir alle so denken müßten, daß wir aber leider immer dann, wenn uns im Golus die Sonne des Glückes lächelt, uns in erster Linie als Einheimische betrachten und die Tatsache unseres „Fremdseins" ver- MlsAN MDlylkN, _Nr. 46 Seite 18 Seidenu.Garn-Handelsges.m.b.H. 47 Bleidensfraße 47 (früher: Grosse Eschenheimerstrasse 3) SPEZIALHAUS in Näh- und Slick-Seiden Handarbeits-Garnen jeder Art Es sei nun ein unbestreitbares Verdienst des Zionismus. üus itzm auch jeirte prinzipiellen Gegner zugestehen mimen,, Birnau (Manien MianMi stavl nelani im& ddp allen Dmgen in solche Kreise getragen zu haben, die, weil jie der Tradition entfremdet waren und die Bitte um Heimkehr nach Zion aus ihren Gebeten gestrichen haben, auch gedanklich jede Bezieyung zur eigentlichen Heimat des jüdischen Volkes verloren hatten. Der Redner hat dann nicht etwa gesagt, daß alle mit Erez Jisroel verbundenen, also vor allem die thoratreuen ^uden mit Liebe und Ehrfurcht aus den großen zionistiicyen Führer schauen, sondern hat unter ausdrücklicher Vetonung dessen, daß wir, die wir in der Erfüllung der wauroy unsere einzige Rettung erblicken und deshalb aus reiigiuien Bedenken der zionistischen Bewegung noch fern bleiven müssen; dennoch die Anwesenheit dieses von yundertlausenüen jüdischer Brüder geliebten und vereyrten Mannes in unserer Synagoge begrüßt und gesagt, daß wir gerade in der Tatsache, öay er die orthodoxe Synagoge ausgesucht hat, ein Bekenntnis zur Tradition erblicken. Mit einem Appell, für das Gottesgesetz die Wiedererlangung des heuigen Landes zu erstreben, schloß die Rede. Bernhard Oppenheimer. (Wir können nicht verhehlen, daß die synagogale Begrüßung eines Mannes wie Sokolow, der zu den entschiedensten Leugnern und Verächtern der religiösen Grunduberzeugungen des jüdischen Volkes gehört, in DM irnmm Heilen Der Dereßestreuon 3uDonöoit lem haften Unwillen hervorgerufen hat. Auf Liefe Weife wirL man die Jugend nicht zum Bekennermut erziehen können. Red.) Frankfurter Berichte. Simonette Jeidel n"$?• Eine wahre rpnx alten Schlages ging von uns im Älter von 82 Jahren mit Frau Simonette Jeidel. Ein edles Reis am alten Stamm, so trat Simonette Jeidel, eine Tochter des allbekannten Rabbi Binjomin Niederhofheim r'STf eine Enkeltochter des Rabbi Beer Dan uno Urenkelin des Rabbi Löb Emmerich i>"s: an die Seite eines ebenso frommen Mannes aus altem Frankfurter ä)ause ins Pflichtenleben der Frau und Mutter. Und wie hatte sie in sonnigen wie in düsteren Tagen alle die ihr aus Abstammung und Tradition erwachsenen Pflichten und Aufgaben als jüdische Frau und Mutter so mustergültig erfüllt und gelüst, rr>n 'i ns-p nws- In einem jahrzehntelangen Witwendasein siel zum größten Teil die Lüst und Äel'nntwortung der Kindererziehung ihr zu. Und man dais mit den Äorten des^'n mrr -Liedes sagen: mm n>u iap. Wenn deute Söhne lder ältere ist der belllumi Mm K9 Mkl CMlllW m •ÖQD MsiMll);niji qv.i? ’st um tu? Mutter Kad'üisch sagen, wenn hier Töchter trauern, deren eine im heiligsten atler Brruse — als Lehrerin — mit soviel Liebe und Aufopferung läng ist, und die andere als "treue Lebensgefahrnn -einem Manne zur Leite stand, der im gleichen Veruse segensvoll wirkte, so ist hier ras Wort angeoracht: Dnii>v -»-.»iw so liegt in dresem Wesen und Wirken der Kinder die schönste Lobrede, die man am Grabe einer Mutter halten kann. Möge ihr fv-sr den Kindern beistehen und mögen sich die Enkelkmder am Andenken der Großmutter emporrankeu wie junger Wein an der festen Mauer zu den Hohen jüdischer Lebenc-pslicht und Lebensarbeit. .Y'arm. Von der A?azzos-Herstellung. Das Problem der Mazzos-Fabrikation hat in der letzten Zeit die Verwaltungskörperschaften beider hiesiger Gemeinden stark beschäftigt. Die „Israelitische Religionsarbeitete trt Ben lebten ^a^rerr £>ei ö-er Herstellung der Mazzö's mit' 'etnem ''DefW' von" mehreren tausend Mark trotz erhöhter Preise, weil die besonderen religiösen Anforderungen den Betrieb stark verteuern und die maschmellen Einrichtungen veraltet sind. In besserer Lage befindet sich die Israelitische Gemeinde, die ihr Backhaus für Mk. 2.500 verpachtet hat, also noch etwas an dem Betrieb verdient. Jedoch find auch hier die Gemeindevertreier unzufrieden mit dem geringen Pachterträgnis. Man will die technischen Einrichtungen durch neue Kapitalinvestitionen verbessern und alsdann die Pachtsumme entsprechend hinaufsetzen. Vortrag in der Jüdischen Irauenvereinigung. Von der Jüdischen Frauenveretnigung wird uns geschrieben: Der für vorigen Sonntag angesagte und im letzten Augenblicke wegen anderweitiger Besetzung des Saales abgesagte Vortrag in der Jüdischen Frauenvereinigung findet diesen Sonntag den 14. Nov em der statt. Es spricht Herr Redakteur S. Schachn o w i tz über das Thema: „Rabbenu Gerschom und sein Ttnissttll siis m MA öfv jMWn MM," Mit Sisstm