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Der Israelit · 1926-09-02 · Heft 36 (2.9.1926) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 36 (2.9.1926)
Date
1926-09-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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I)r.3$ Mt Die Perle von Aegypten. Die^ wundersame Geschichte einer jüdischeü Tochter. Von S. Jzchav. A 7 (Fortsetzung). XXI, ... ' Wilder Dürm fegte .über die Erde, knickte die mächtigen. Zedern,''trug riesige. Berge ab und häufte neue an,, rv.arfMenschen und Völker gegen- und durcheinander, jagte zerstörend und verheerend über Menschsnglück nnb Sfwmvn bn Aossnung starben uriD oervarven im Kelche. In den Parten des mar o k.k a r^if ch e n Palast e s in Kairo blühten die AkazixN und Dattelpalmen ^viermal, als wäre nichts geschehen. Und im Hause, waltete die „Fürstin von Marokko", betreut von ihren Freundinnen, Hhütet von ihren Dienerinnen, angebetet und ängeschwärmt an mondhellen Abenden und mit Harfenspiel als „die Perle von Aegytzt e n " besungen von Dichtern und Sängern und -ritterlichen Verehrern, die vom Schlosse selbst mit dem kategorischen Hinweise, der Herr sei nicht Ju Hause, ferngehalten wurden.. ", Man erzählte sich allerhand Märchen in den Bars der Europäer wie in den arabischen Bazars von der Schönheit und den Tugenden der neuen Herrin, man zeigte ihr Bild und ihre königliche Gestalt an der Lichtwand in den Theatern, wie sie zwischen Blumenbeeten, sinnend den Kopf in dis ZSktM sHlsuksn Hände tzestüßt,!n die Fern^ schaute.' Lourisien wurde von den Führern auf dem Wege zu den Pyramiden und der Sphinx beim. Palaste des Fürsten von Marokko ein ZeichMWMenWaWMWtehenWkeiben und die Mauern bewundern möchten, hinter denen die schönste aller Frauen, die herrlichste aller > Perlen ihres Herrn und Schützers harre, der glorreiche Schlachten schlage -— für. sie, nur für sie, < daß er ihrer würdig werde. Je weniger sie sich zeigte: um so mehr wuchs das Interesse für sie. Zeitungen beschrieben ihre Reize und ihre Engelsgüte, suchten auch die Hülle über ihrer Herkunft und Geschichte mit Kombinationen zmMften, aus denen Reisele, weün sie sie alle zi^MsM bekommen hätte, erfahren konnte. sierin oder Tscherk^ssisi sei, daß si^H^Wsöne Sklavin aus PersienMMeit würde uMRMliches mehr. Reisele beschäUM von all dem nuWines, der R am e.denibxMEWbomtasiDbM.MMschsn 'gSgÄStt, ,, % 1.6 P Wußten sie alle um Den TraumMevMndheit? War das alles immer noch Traum und die Menschen, die draußen um ihres Auges einen Blick buhlten, warben, sangen, nurMMsÜMenden -Gestalten, die ihre Träume üevD^^WH Milka, die nach außen meMrhaWWHRolle der Hofdame spielte — maß Feige schwMr fiel — und unbewacht, frei und-ünbefangen Md bar aller Distanz, Freundin der Freundin blieMsuchte ftlar und nüchtern aus dem'AraümlandHn die lWirklichkeit zu führen. - .; . „Die Menschen-Hier hängen^drm MonMnach. Das macht der. tiefblaue Himmel? die heißbrsitende Erde, der' sinnbestrickende Glänz des RilMer in die^ geheimmsvolleWeiteeröffnete schweKende in den Arbeitsstätten drs Lebens und ihre Äugest sind visionär nach innen gerichtet. Die Einhseimischen aber spüren das Blut in sich so heiß, wie den Wüstensand und ihre. Gefühlefinden raW und spontan Ausdruck. Sie schauen zu Dir Und beten Dich an, je seltener sie Dich zu Gesicht bekommen, wie eine' heilige Erscheinung und nennen Dich die Perle, womit ihnen das Schönste und Köstlichste gesagt ist, die „Perle von Aegyst- Diese Erklärung nahm dem Ganzen wenig von seinem Traumhaften. „Glaubst Du daran," fragte Reisele, „daß Träume Vorbedeutung haben, Schicksal anzeigen?" „Ich bin Rationalistin," sagte Milka kurz, etwas hart. „Wus ist das?" „Der Rationalist glaubt nur das,, was er sieht, denkt konkret, verweist alles Traumgebilde ins Reich der Fabel, sieht die Natur nach harten ewigen Gesetzen walten und im Leben eine Summe von Zufälligkeiten". Reisele überlegte, strengte sich an, dieses Neue UllD MM III W llllsMöhWM. „Und mein Weg?" fragte sie unsicher, „der Weg von der litauischen Schneiderbude in den goldenen Sessel in einem marokkanischen Palaste zchKair.ch ist das' eine Entwicklung nach bestimmten natürlichen Gesetzen?" „Eiste Kette von Zufällen," sagte Milka leichthin. „Ewig und ehern sind die Gesetze der Natur, wie beispielsweise die, nach denen uns die Erde ihre Kraft gibt. Unser Leben jedoch ist stets eine Geschichte von Zufälligkeiten. Auch das ist Natur, Natur des Lebens, und man braucht dabei nicht an Wunder zu glauben." „Die Ausreise, die Meeresfahrten, Abdul el Bechers der Krieg, der Märchenzauber hier, all dieses kein Wunder, all dieses eine natürliche Sache?" „Ein Wunder nur, wenn wir im Nebel der Erinnerungen das klare Auge für die Konturen b~ Msi vkNiMsi: Die Dinge felBft lviö ihre Verknüpfung spielen sich »och gänz klarem realem Programm ab. Die Romane, vom.Leben geschaffen, sind ganz realistisch, so, daß sich das eine aus dem anderen ganz naturgemäß ergibt. Auch unserer. Wir wollten auswandern, nichts natürlicher als das. Das wollen alle im Osten. Und noch natürlicher ist es, daß Mädchen ohne Schutz und Erfahrung dabei in schlechte Hände fallen. Wunder wäre es gewesen, wenn wir heil und -sicher das Ziel erreicht hätten. Weiter: Du, mit besonderer, blendender Schönheit und Anmut — ja es ist so — Begabt, lenkst das Auge eines Fürsten, der zugleich edler Mensch ist, auf Dich, wir bleiben im Pfuhl und kämpfen, ich die kampfgewohnte auch für die andere. Was ist dabei Widernatürliches? Du kommst als Herrin ins Schloß und wir heften uns in unserer Hilflosigkeit an Deine Rockschöße, bleiben schutzsuchend in. Deinem Schatten. Aus unglücklichen umMMkn Ulw -gllfalliflkeilan. Danen Dölksrisösn genau sv nntsrworfsn ist, wie Erngekkeben, en^ steht Krieg, der Deinen Herrn weitweg führt. Es bleiben Dir dadurch fürs erste seelische Konflikte erspart, und Du kannst, ja mußt ungehemcht die Herrin spitz len. Jede andere Entrbicklung wäre wider die Natur." „Du bist grausam, Milka." „Weil ich Dir den Traum verscheuche, das Romankonzept verderbe? Es ist aber besser, Du siehst die Dinge mit wachen Augen.; Es kann morgen schon die Umwälzung kommen und Umstellung erheischen. Und. „Sch lafwKnd ler stürzen bei weckendem Geräusch in die" Tiefe. Darum erwache, Reisele, erwache, Prinzessin von Marokko, siehe die Dinge, Äie sie s i n d, Ptzrle Aegyptens!" : ■ - „Du spottest meiner?!" -f..v „Durchaus nicht. Du bist die Perle, Mrum leuchte, nicht nur wie Blendeschein: b i st Fürstin, .darum lerne h err s ch en, ech t und wi r kl i ch. Man muß mit klaren Augen und wachen Sin- Mydasse rn,wasmanspielt, tragenMas einem -öäs' Leben aufbürdet, im Güten wie im7BäseN." Ms Reisete^sinnend schwieg, nahm Milka ein kleines Büchlein aus der Tasche. „Siehe, mein Tagebuch, darin schrieb ich all die Ereignisse in ihrer Verkettung genau auf, damit sie später kein Nebel traumhaft verschleiere. Ich liebe das Träumen nicht. Hier die Eintragungen aus der ukrainischen Zeit, hier getrennt die Einzeichnungen aus den Tagen des Kampfes gegen die Gemeinheit im Hause der Frau Hempel in Buenos Aires. Siehe, in schlafloser Nacht schrieb ich hier: „Mensch, s o ist das Leben. Finde dich ab, Oder häng' dich auf — — — Ein Drittes gibt es nicht — — —" Und am zweiten Tag schrieb ich darunter: „Da der zweite Weg ein Sichabfinden mit dem Tode.voraussetzt, so ziehe ich ein solches mit betrt Sieben nor ---“ rrtöub {o ieöe ic£> heule," fügte Milka hinzu, „als Hofdame bei der Fürstin von Marokko, und ich lebe dieses Leben ganz, wirklich, ganz ernst, Hässana neigt den Kopf vor mir und die Eunuchen hinter dem Garten fallen zur Erde, wenn ich mich mit meiner Herrin zeige." „Und Du hast Gefallen an diesem Scheinleben?" „Es ist kein Schein, es ist so in Ordnung. Wir müssen uns dem Leben ganz unterordnen, wo es n'jcht unseren Kampf herausfordert." „Und später, wenn der Prinz kommt und die Stunde der Entscheidung für mich da ist?" „Dann wirst Du Dein Herz befragen und nach seinem. Diktate handeln." „Du bist gut, Milka, und hart, frei und gebunden zugleich, gebunden an Ansichten und Grundsätze, die wir nicht kennen, kampfesmutig UNd ergeben. Wie. wenn msin Syevß gegen hte üt ß 11 fl i fl n , däs was mich Vater Und Muster gelehrt, gegen Gott?" „Was das Herz spricht, ist immer Stimme Gottes." „Dann wäre alles erlaubt, was das Herz gelüstet?" „Ganz so ist das nicht gemeint. Aber ich sagte schon,, ich sehe die religiösen Schrm * " —‘ gehoben, wo ein Herz zum Herzen schlä Reisele war glücklich, daß diese Fr nicht auf Entscheidung drängte. (Fortsetzung; Pflastersteine mit hebräischer Inschri ^Mir^lHn^in der Brunner „Jüd. Bolkss- ."„Es,., war.mir leider nicht, oder richtiger nvu, vtzrgönnt'gewesen, die erste jüdische Stadt Palästinas, Tel-Awiw, .in ihrer ganzen Pracht und Herrlichkeit zu Hm»WSM kMWkK QtöDt M trotz Mss Eyarallers und ihrer graUtSdtischLn MMtt. jüdisches Gepräge: Straßen xn\b d^^sche Narrten und Aufschriften, Geschäftshäuser 'haben hebräische Firmentafeln, im Rathaus wirb' ,hebräisch amtiert, die Unterrichtssprache in den Schulen ist hebräisch und auch im Theater wird hebräisch gespiell,. gesungen und vielleicht auch — getanzt. Mit anbcren -'SBorten: Tel-Awiw ist eine jüdische Stadt, mit der kein'e andere Stadt in Europa verglichen werben kann. Eine, einzige Ausnahme bildet — Brünn. In dieser Stadt ist von „Jüdischkeit" wenig zu spüren, hingegen kann sich Brünn rühmen, in einer Beziehung Tel-Awiw zu übertreffen. In Brünn tragen manche Pflastersteine hebräische Inschriften, was in Tel-Awiw sicherlich nicht der Fall ist. Üm Mißverständnissen vorzubeugen, bemerke ich ausdrücklich, daß ich diese Zeilen kurz vor Tischo-beaw schreibe, also in einer Zeit, die sich für unpassende Witze und nicht gut angebrachte Scherze nicht eignet. Im Uebrigen kann sich ja jeder Brünner von der Wahrheit meiner hier gewachten Angabe persönlich überzeugen. Die Pflastersteine mit ihrer hebräischen Inschrift sind auf dem Glacis zu sehen, unweit (links) vom Schweden-Denkmal. Ich will auch bei dieser Gelegenheit verraten, daß die mehrfach erwähnten Pflastersteine nichts anderes sind, als — ehemalige Grabsteine eines jüdischen Friedhofes. Trotz der ungünstigen Witterung ist es mir gelungen, einige Worte zu entziffern. Beim Anblick dieser ganz und gar deplazierten jüdischen Grabsteine mußte ich mir die Frage vorlegen: Wie ist es möglich, daß diese höchst traurige Tatsache — ich sah nur zwei solcher Steine mit hebräischer Inschrift, sicherlich dürfte es ihrer noch mehrere geben —

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