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Der Israelit · 1925-12-10 · Heft 50 (10.12.1925) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 50 (10.12.1925)
Date
1925-12-10
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 50 Seite 17 Dezember 1925 Der Israelit Korrespondenzes! «• nacMlawn Rei«tz. Keine Antwort. D a r m st a d t, 24. November. Wie bekannt, hielt Staatspräsident Ullrich in Worms gelegentlich der Tagung des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten eine Begrüßungsrede, in der er das Judentum gegen die deutschvölkischen Angriffe in Schutz nahm und den Antisemitismus eine Schmach des deutschen Volkes nannte. Die deutschnationale Fraktion des hessischen Landtags richtete an den Staatspräsidenten eine Reihe voll Anfragen, in denen die Rede des Präsidenten als eine Verächtlichmachung des Deutschtums hingestellt wurdet Staatspräsident Ulrich lehnt es nun in einer Regiersingsantwort i ab, auf die deutschnationalen Anfratzenu Antwort zu erteilen. Tagunc; des rheimsch-tvestfälischen Nabbineru .. oebaiides. . Köln, 25. November. Am 18. d. Mts. tagte hier in der Rheinlandloge der Rheinisch-westfälische Nab b-i-n e r v e r b a n d. Zum wissenschaftlichen Teil sprach Jacob-Dortmund über: „Marciott' und der moderne Sturm gegen das alte Testament." Cr zeigte die Schwächen dieses Angriffes und die Aussichten seines Zusammenbruches. Norden -Elberfeld hielt einen Vortrag über: „Die Akzente zu dem Text der zehn Bundesworte, eine mafsoretische Betrachtung". Eschelbacher -Düsseldorf referierte über: „Die Tokanoth von Uscha", deren Entstehen er aus der verheerenden Wirkung des zusammengebrochenen Bar Kochba-Aufstandes aufgefaßt wissen wollte. R ose n t h a l-Köln brachte manches aus dem Leben des M ach a r i l, dessen 500. Todestag bevorsteht. David-Bochum sprach über: „Die Stellung des Rabbiners", und N e u m a r k-Duisburg: „Aus der sozialen Arbeit des Rabbiners". Man klagte darüber, daß noch nicht überall, die Rabbiner zu den Sitzungen der Körperschaften eingeladen werden, und daß es noch Gemeinden gibt, die ihrem Rabbiner trotz mehrjähriger, erfolgreicher Arbeit noch nicht das Definitivum gegeben haben. Die Unhaltbarkeit dieses Zustandes auch für die Stellung des Rabbiners nach außen, wurde einstimmig zum Ausdruck gebracht .Zur -sozialen Arbeit habe der Staat die Rab- Es ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesetzuchen Charakters auf ihre / 7 Zuverlässigkeit zu prüfen. T~ ZüCKERKIRANKE AJeuronat^ Gebäcke ‘ von allen Autoritäten empfohlen MAGENKRANKE I Rodenbach’S Grahambroi NÄHRMITTELFABRIK FRIEDRICH GÜNTHER Verkauf Heimes weg 8—12 - Hansa 3862 u.795 sowie in den Filialen der Brotu. Keksfabrik Osthaien G. m. b. H. 11 j; ■ fäsei? iür Reise, Jagd9 Sport und Theater | ■t h u n ' e r r e i . c’ h t e r A u s w a h 1 ■ | eee Beratung und. Besichtigung ohne Kaufzwang 090 11 Scfiiesidty - Süpefilcin §.m. b. %. I Telefon Hansa 2208 Kaiserplatz 17 S Feldsfecher biner verpflichtet, indem er sie durch das Gesetz zum Mitglied des Jugendamtes gemacht hat. Cs sei Ausgabe nicht nur der Rabbinerseminare, in den Lehrplan auch Vorlesungen über soziale Arbeit aufzunehmen, sondern auch einer in Betracht kommenden Zentrale die bereits amtierenden Rabbiner zu einem Kursus über soziale Arbeit einzuladen. Itttgavit. Die Jubiläumsfeier'ichkeiten in B' dapest Budapest, 22. November. Die Feierlichkeiten aus Anlatz des 125jährigen Bestandes der Pester Israelitischen Religionsgemeinde begannen am Sonnabend, den 21. November, mit der Einweihung des neugegründeten „Veth Hamidrasch", das im Hofe der Großen Synagoge in der Rombachstraße erbaut worden ist. In Anerkennung der Verdienste des Präsidenten wurde das Beth Hamidrasch, das als eine Hochschule des Talmud-Studiums gedacht ist, „Alexander Lederer-Schule" benannt. Um 7 Uhr abends gab es eine Festversammlung des zentralen Studentenhilfskomitees und am Sonntagnachmittag begannen die Beratungen des Israelitischen Frauenkongresses im Leopoldstädter Kasino. Am Sonntagmorgen wurden in allen Schulen der Pester Israelitischen Gemeinde Gedenkfeiern veranstaltet. Die Pester Israelitische Religionsgemeinde hat aus Anlaß der Jubiläumsfeierlichkeiten ein Gedenkbuch herausgegeben, das geschichtliche Rückblicke enthält. 4tel«n. Vom Gemeindeleben in Lodz. Lodz, 29. Nov. Zu Beginn der Sitzung der Gemeindeverwaltungen am letzten Sonntag wurde die zweite Abstimmung über die gep.ante Subvention von hunderttausend Zloty für eine M i k w o in der Zachodnastraße vorgenommen. Die Agudavertreter sind aus bekannten Gründen gegen vie Subventionierung von Seiten der Gemeinde. In der Abstimmung erklären sich für die Subvention das Rabbinat, die Unparteiischen, me Zionisten, einschließlich des Misrachi. Dagegen stimmen die Aguda, der Bund und die Volristen. Die Subvention wird mit Stimmenmehrheit abgelehnt. Herr Joseph Wodislawski erklärt darauf seinen Austritt aus der Agudafraktion und die Bildung einer Fraktion der G e r e r C h a s s i d i m. Ferner wird vom Präsidenten Dr. R o s e n b l a t t beantragt, sämtliche Subventionen auf ein Viertel der bisherigen Beträge zu reduzieren. Ausgenommen sollen die Arbeiterinstitution bleiben, die die ganzen, bisherigen Beträge erhalten. Die Vot..,,en verlangen, daß auch die Subvention für die Leih- und Sparkasse nicht verkleinert werde. H o f f m a n n , Zionist, sagt: Nachdem die Mikwo und wahrscheinlich auch andere religiöse Institutionen nicht subventioniert werden, dürften die anderen Bewilligungen nicht reduziert werden. Es gibt noch eine lebhafte Debatte über die Unterstützung der einzelnen Schulen. Die Dinge sind sehr verwickelt. Zur Ceklärung der Stellung der Aguda sei folgendes bemerkt. Die Aguda bildet in der Lodzer Khilahstube die größte Fraktion und muß trotzdem andauernd gegen Vergewaltigungen von Seiten der Machthaber kämpfen. Mit der bewilligten Subvention kann sich die Aguda angesichts des ganzen Komplexes von unerfüllten Forderungen nicht avfinden. Es hat sich die Notwendigkeit heraus gestellt, innerhalb der Aguda kleinere Fraktionen zu bilden, damit aus diesen Gruppen die einzelne Kommission mehr beschickt werden und auf diese Weise die religiösen Forderungen zur höheren Geltung gebracht werden können. So entstanden jetzt die Unterfraktionen der „Sochatschower Chassidim", der „Gerer Chassidim" usw., wobei das Programm der Aguda bei all den Unterfraktionen ein einheitliches bleibt. Daß in der Gegenpresse die Sache so dargcstellt wird, als würde die Aguda in sich zerfallen, ändert an dem wahren Tatbestand nichts. Was die Subvention für die Mikwo betrifft, so fei zur Klärung der Situation folgendes gesagt. Auf der ersten Sitzung wurden die Deputierten mit dem Vorschlag überrumpelt, eine Mikwo in einer entlegenen Gasse mit 5000 Zl. zu unterstützen, wogegen gewiß keiner etwas einzuwenden hatte. Der Pferdefuß kam hinterher. Auf der gleichen Sitzung wurden mit den Stimmen der Unparteilichen Anträge angenommen zur Unterstützung aller freien Schulen und Institutionen, während für Chedarim und religiöse Institutionen kein Groschen bewilligt wurde Die Agudafraktion verließ den Saal. Um die Aguda in eine prekäre Lage zu bringen, hat man nun den Zuschuß für die Mikwo auf 10 Zloty erhöht. Aber auch dieses mußte die Aguda strikte ablehnen, denn der ^reis für dieses Entgegenkommen bestand doch in einer Kapitulation. So kam es in tzer letzten Sitzung zu der von der Aguda durchgeführten Ablehnung auch dieser Subvention. Es kommt noch hinzu, daß die betreffende Mikwo nur als Konkurrenz gedacht ist, gegen die von der Orthodoxie auf der Dlugogasse erhaltene Mikwo gedacht ist, die anerkanntermaßen die beste von Lodz ist und auf der Hö.-e der Technik und Hygiene steht. Das ist die Wahrheit über die Kämpfe in Lodz. Alles, was die Gegenpartei über inneren Zerfall und Einheiisstörung der Aguda schreibt, ist Einstellung. Der spsnische Diktator gegen jüdische Bürgerrechte. L o n d o n , 26. November. „Daily Expreß" veröffentlicht eine Erklärung des Generals Primo de Rivera, des Oberhauptes des spanischen Direktoriums, wonach ein Jude nicht Bürger Spaniens werden könne, es fei denn, daß er, zum katholischen Glauben übertreten. In Spanien leben Juden als Kaufleute und Bankiers, sie sind aber alle Angehörige eines ausländischen Staates. Lhii«a. Alte und neue jüdische Gemeinden in China. Shanghai, 6. November. Ueber die Juden in China gelangen von Zeit zu Zeit mehr oder minder romantisch aufgeputzte Nachrichten an die Öffentlichkeit, die sehr häufig nichts weiter sind als eLsefrüchte aus mehr oder minder veralteten Reisebeschreibungen. In Wriklichkeit muß man, wenn man von chinesischen Juden spricht, eine sehr scharfe Grenzlinie ziehen zwischen demjenigen Teil des ungeheuren chinesischen Reiches, der durch die westeuropäische, insbesondere englische Kolonisation, vollkommen europäisiert ist, und den kaum erschlossenen inneren chinesischen Geoieten, die nur selten von Reisenden, am wenigsten von Zeitungskorrefpondenten, ausgesucht werden. Leider ist nun allerdings von den jüdischen Gemeinden weder aus den einen noch aus den anderen Gebieten besonders viel Erfreuliches zu melden. Wurzelechte Jüdischkeit, aufgebaut auf dem eifrigen Studium der Thora ist auch innerhalb der größeren Gemeinden kaum anzutreffen. Es ist mehr oder minder Gefühls-Judentum, zusammengesetzt aus halbvergessenen Familien-Traditionen, Stammesgefühl und modernen Religionsbüchern, und zutage treten im größeren oder geringeren Interesse für Wohltätigkeit, lüdische Geschichte und Zionismus, was das geistige Element im öffentlichen Leben ausmacht. Dabei konzentrieren sich die Juden, von denen eine große Zahl bedeutende Geschäftsleute sind und hohe soziale Stellungen einnehmen, in den größeren Städten. Selbst eine religiöse altjüdische Gemeinde wie die in Hongkong geht zusehends zurück, hauptsächlich infolge der Abwanderung nach Shanghai. Noch vor 25 Jahren hat Baron Jaob Sasson in Hongkong zum Andenken an seine Mutter dort eine Pracht- Synagoge, Ohel Leah, errichtet, in der heut e kaum ein Minjan zusammenzubringen ist. Einen gewissen Aufschwung nimmt neben Shanghai Singapore. Neuerdings yat man zur Rottung der Roste alter chinesischer Judengemeinden in den inneren Gebieten des Reiches, z. B. in K a i f e n g f u , wo einige hundert Juden leben sollen, eine „Gesellschaft zur Rettung der chinesischen Juden" ins Loben ge. rufen. Ein Vertreter dieser Gesellschaft, Mr. jjonw, unternimmt jetz eine Propaganda-Reise nach Amerika, um dort finanzielle Hilfe zu erlangen. Es gilt vor allem, jenen Resten von Judon-Gomoindon, die seit hundert Jahren ohne geistiges Oberhaupt sind, einen Rabbiner zu verschaffen. Wie man hört, findet die Mission Mr. Hornes Anklang, und es haben sich auch agudistische Kreise in New Port zur Förderung des Unternehmens zur Verfügung. gestellt.

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