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Der Israelit · 1925-08-13 · Heft 33 (13.8.1925) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 33 (13.8.1925)
Date
1925-08-13
Page
– (sequence 13)
Language
German
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13. August 1925 Frankfurter Berichte. Aus den Sitzungen des Gemeinderats der Synagogengemeinde „Israelitische Religionsgrsellschaft". Der Gemeinderat hat trotz der Ferien und der sommerlichen Jahreszeit auch während des Monats Juli vier Sitzungen abgehalten, die allerdings zum größten Teile einem und demselben Gegenstand, dem künftigen Schicksale der schon zum Schmerzenskinds der Gemeinde gewordenen alten Synagogengebäude in der Schützen st raße gewidmet waren. Man darf annehmen, daß das Ergebnis dieser Beratungen sich nunmehr als endgültig erweisen wird. Hiernach verzichtet die Gemeinde auf die ihr zustehenden Kauf- und Vorkaufsrechte auf jene Gebäude, wogegen die zu ihren Gunsten eingetragene Hypothek zurückbezahlt und von dem Besitzer die durch Depothinterlegung gesicherte Verpflichtung übernommen wird, die Front des Synagogengebäudes bis zum Parterresockel niederzulegen, dem Ganzen das Aussehen eines Profanbaues zu geben und trotzdem durch Eintragung einer Dienstbarkeit ins Grundbuch die Sicherheit dafür zu gewähren, daß auch das umgebaute Synagogengebäude niemals zu unwürdigen Zwecken verwendet wird. Nachdem, wie bereits früher an dieser Stelle dargelegt, angesichts des baulichen Zustandes der Gebäude von einer Ausübung des Kaufrechtes ohne schwerste finanzielle Belastung nicht hätte die Rede sein können, glaubt die Gemeindeverwaltung durch den jetzt geschlossenen Vertrag sowohl den idealen wie den materiellen Interessen der Gemeinde in der nach Lage der Sache denkbar vollkommensten Art und Weise Rechnung getragen zu haben. So erfolgte denn die Annahme der vorgeschlagenen Abmachung im Gemeinderat fast einstimmig. Wie immer waren auch die Tagesordnungen der' Julisitzungen außerdem mit einer Reihe von Interpellationen belastet, die mehr oder minder bedeutungsvollen Vorgängen im Gemeindeleben galten. So trat z. B. Unzufriedenheit damit zu Tage, daß im Zusammenhang mit den Urlaubsgewährungen die Gemeinde an einem der letzten Sabbate ganz ohne Kantor dastand und daß auch sonst die Heranziehung von Privatpersonen zu den kantoralen Obliegenheiten auch am Sabbat in stärkerem Umfange stattfindet, als es bei einem so großen Gotteshause trotz der dankenswerten Leistungen der herangezogenen crm -Vsoangemessen erscheint. Dem Vorstand wird vorgeworfen, daß er den Beamten gegenüber sich in dieser Hinsicht allzu nachgiebig und entgegenkommend zeige. Die Arbeiten der im Juni gemäß dem letzten Berichte geschaffenen Sonderkommissionen haben durch die Reisezeit eine Unterbrechung gefunden und dürften wohl jetzt wieder mit neuer Energie ausgenommen werden. Wie der Vorstand mitteilte hat das zweite Vierteljahr mit einem Fehlbeträge von 15 000. Mark (gegen den Voranschlag von 17 000 Mark) abgeschlossen; die Finanzlage stellt sich auch im laufenden Vierteljahr leider keineswegs freundlicher dar, so daß es großer Anstrengungen der leistungsfähigen Steuerzahler bedürfen wird, wenn am Ende des Jahres das Gleichgewicht des Budgets hergestellt sein soll. Emanuel Schwarzschild yxi Worte des Gedenkens zur 100. Wiederkehr feines Geburtstages (Rausch Chaudesch Ellul). Auf der Ehrentafel, die die Vorhalle der Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft zum ewigen Andenken an die 11 Gründer dieses epochalen Werkes schmückt, dürfte der Name Emanuel Schwarschild y'ST, seit dessen Geburt Rausch Chaudesch Ellul 100 Jahre verflossen sjnd, eigentlich ebenfalls verzeichnet sein. Denn auch er hat an der Wiege der Religionsgesellschast gestanden, und es ist ein reiner Zufall — er war noch Nicht Bürger, und konnte, nach damaligen Gesetzen an keiner Rechtshandlung teilnehmen —, daß nicht auch fein Name zur ewigen Erinnerung medergelegt ist. Einer allbekannten Frankfurter Familie entsprossen, fanden schon in frühster Kindheit das Vorbild und die Lehren des Vaters in seinem Gemüte lebhaften Widerklang. Dieser — Selig Schwarzschild — ein angesehener, ihorakundiger Frankfurter Kaufmann, setzte seinen Stolz darein, den Knaben zu einem wackeren Jehudr zu erziehen. Die heutige Zeit hat keine Ahnung, was vor 100 Jahren es bedeutete, das überlieferte Judentum seinen Kindern zu übermitteln. Die Reform war auf der Höhe ihrer Macht. Schule und Kanzel sorgten dafür, jeden Keim des strenggläubigen Judentums zu ersticken, so daß jemand, der noch religiös lebte, einfach für verrückt erklärt wurde. Emanuel Schwarzschild erzählte selbst wft, daß kein in Frankfurt geborener Jugendgenosse von ihm vorhanden war, der noch legte, und daß, als er einst bei einer Einladung Fleischspeisen, welche trefe waren, zurückwies, man ihm zart andeutete, man zweifle an seinem Verstände. Tiefe Genugtuung schwellte sein Herz, als es dem .Häuflein der Treugebliebenen gelang, Samson Raphael Hirsch an seine Spitze zu berufen und, von diesem geweckt, auf dem harten Boden der Frankfurter Gemeinde die ersten Keimblüten emporzusprießen begannen. Er hatte das Glück, die junge Gemeinde wachsen und blühen zu sehen. Zeit seines Lebens hat er ihr seine besten Kräfte an ragender Stelle gewidmet.- Bei allen Amtshandlungen und Beratungen, die der Gründung der Religionsgefell- D e r I s r a e 1 i t schaft vorausgingen, war er, neben dem Rabbiner, die leitende Kraft, und die meisten Eingaben an den Senat, die gesetzgebenden Körperschaften entstammten zum größten Teile seiner Feder. * Viele Jahrzehnte hat er fernerhin an der Spitze der Verwaltung gestanden, und seiner Umsicht, seiner klugen und tatkräftigen Führung verdankt die Religionsgesellschaft nicht zum kleinsten Maße ihr Aufblühen. Was diese Gemeinde heute an bedeutenden Institutionen besitzt: Real- und Volksschule, Kaschruth-Einrichtungen, Friedhof, Spital usw>, in hervorragendem Maße hat er bei deren Gründung mitgewirkt. Aber auch über den engen Kreis feiner Gemeinde hinaus, war er für den Aufbau des gesetzestreuen Lebens tätig, so hat er an der Gründung der freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums mitgewirkt und viele Jahre als Vorsitzender diese wichtige Organisation belebt und gefördert. Es ist ein besonderes Verdienst von Emanuel Schwarzschild, daß er noch an der Schwelle fernes Lebens, die Geschichte der Israelitischen Religionsgesellschaft niedergeschrieben hat, und es ist zu wünschen, daß dieses Werk, das seiner Zeit nur als Manuskript gedruckt wurde, weiteren Kreisen zugänglich gemacht wird. Die Liebe, die Emanuel Schwarzschild im Leben mit wärmsten Dank empfing, ist ihm.weit über das Grab gefolgt, gewährt nicht nur von seiner Gemeinde, sondern von der ganzen deutschen gesetzestreuen Judenheit, die in ihm einen ihrer besten Söhne aller Zeit ehren wird. Frankfurt a. M. Joseph Bender. Ein Achtziger. Herr Jsaac Mainz begeht diesen Sabbat njn 's seinen achtzigsten Geburtstag. Herr Mainz, unserer Vesten einer, ragt aus der guten alten Zeit zu uns herüber, mit seinem reichen Wissen, seinem nipnx und all den v-övvi mr»»» die das jüdische Altfrankfurt auszerchnete. Er hat eine Generation gehen und kommen sehen und ist mit all den Entwickelungen, die Frankfurt und das jüdische Leben der Stadt gemeinsam haben, so eng verquickt, daß er wohl heute zu den besten Kennern der jüngeren Geschichte der Frankfurter Judenheit gehören dürfte. Gestützt auf ein nie versagendes Gedächtnis, erzählt er in größter Geistesfrische gut und gern von den eigenen Erlebnissen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, wo er, wie sein um drei Jahre älterer Bruder, Herr Michael Mainz '"i. an aller sozialen jüdischen Arbeit mitraten und mittaten durfte. Von Natur aus friedlich und versöhnlich, hatte er sich von politischen und religiösen Kämpfen ferngehalten. Sein Sinn war stets auf Erhalten und Wohltun gerichtet. Möge ihm ein heiterer Lebensabend bestimmt fein. «rny* Rausch Chaudesch-Feier der Agudas Jisroel-Jugendgruppe. Bekanntlich wurden auf der Würzburger Tagung auf unseren Vorschlag hin die Jugendgruppen Deutschlands verpflichtet, an jedem Rausch Chaudesch Erez-Jisroel- Abende zu veranstalten. Die erste dieser Veranstaltungen in unserer Gruppe wird s. G. w. am Rausch- Chaudesch Ellul, und zwar Mittwoch, den 19. August, ' abends 8% Uhr, in der Aula der Realschule der Israelitischen Religionsgesellschaft stattsinden. Thema: Referat und Aussprache über „Erez Jisroel und Agudas Jisroel". Wir bitten um recht zahlreichen Besuch. Gäste — Damen und Herren — sind herzlich willkommen! Aulim und Vaumm in Erez Jisroel. (Vortrag von Dr. Robert Weiß -Wien.) Bei Gelegenheit eines kurzen Aufenthaltes in Frankfurt a.p M. gab Herr Dr. Robert Weiß, Wien, den Mitgliedern der Frankfurter Orts- und Jugendgruppe der Agudas Jisroel Gelegenheit, fein in Würzburg mit Begeisteung ausgenommenes, an anderer Stelle besprochenes Referat „Aulrm und Baunrm in Erez Jisroel" zu hören. Trotz der tropischen Hitze und trotz der durch die Kürze der Vorbereitungszeit leider bedingten lückenhaften Popaganda hatte sich eine große Schar meist jugendlicher Agudisten im Volksbildungsheim eingefunden, die mit Aufmerksamkeit den begeisterten und tiefschürfenden Ausführungen des Referenten folgte, der sich schnell das Herz seiner Zuhörer eroberte. Das ausgezeichnete Referat wurde mit.stürmischem Beifall ausgenommen. In der Diskussion stießen sich die Meinungen zuweilen hart im Raume. Herr Jakob Herzberg verlieh den bekannten Anklagen und Vorwürfen der Zionisten gegen Agudas Jisroel beredten Ausdruck. Im Einzelnen wurden feine Argumente und Behauptungen mit der durch die vorgerückte Stunde gebotenen Gedrängtheit, aber mit Entschiedenheit und Ueberzeugungskraft von Herrn Dr- Weiß zurückgewiesen. - Herr Dr. Robert Weiß wird in Bälde nach Erez Jisroel übersiedeln, um die Leitung einer wirtschaftlichen Informationsstelle der Agudas Jisroel zu übernehmen. Wir Frankfurter Agudisten wünschen, daß wir recht oft Gelegenheit haben, die Sachkenntnis und den Rat unseres Freundes für unsere Erez Jisroel-Arbeit in Anspruch zu nehmen und erwidern aus ganzem Herzen den Äbfchiedsgruß, den er uns zurief: a-wn-a nixinn^ Agudo-Esra Turnkurs. Der Kurs hat nach den Ferien wieder ordnungsgemäß begonnen. Er findet jeden Montag abend ]/29 Uhr pünkt l i ch in der Aula der Realschule der I. R. G. statt. (Es ist eine Verlegung auf Mittwoch geplant.) Die Leitung liegt in den bewährten Händen des Turnlehrers Friede. Der Kurs kostet monatlich zirka Mk. 1.— Um allgemeine rege Teilnahme wird gebeteH. Nr. 33 Seite 13 Jüdischer Liederabend. Es wird noch einmal auf den jüdischen Liederabend des Herrn Sakaschansky, der Samstag abend 9 Uhr im kleinen Säalbau stattfindet, hingewiefen. Sakaschansky, Meister des jüdischen Gesanges, hat in Zürich und München große Erfolge erzielt. Frau Taube Simon f. A. In schlichter Zurückgezogenheit verbrachte Frau Taube Simon s. A., die Gattin der noch in unvergeßlicher Erinnerung stehenden knorrigen Handwerker¬ und Lamdon-Gestalt aus alter Zeit, Moses Simon f. A., ihr Dasein, und streute doch reiche Saaten des Guten aus. Mildtätigkeit war ihr Pflicht, Selbstverständlichkeit und Lebensbedürfnis, ihr letztes Stück Brot teilte sie in allen Zeiten mit den Armen, deren nicht wenige ihre gastliche Schwelle beträten, und feuerte andere zu gleichem Tun an. Dem Lärm der Welt war sie nicht geneigt, dem Ruhm der Oeffentlichkeit abhold. Aber an Wegzehrung in die Ewigkeit nahm sie mit und konnte dem Herrscher der Ewigkeit, in die sie nun nach schmerzhaftem Weilen in der Zeitlichkeit eingegangen ist, präsentieren, was rauschendes Lob und laute Anerkennung weit überwiegt: ein Bündel voll goldener Mizwaus. Möge der Eltern Andenken den Kindern und Kindeskindern zum Segen und Ansporn werden. Vereinskalender. Verein Mekor Chajim. Samstag morgen nach Schul Dinim. — mittags 1274 Uhr in der Frauensynagoge der Klaus nm 'S' Herr Professor Weyl. — nachmittags 4 Uhr im Vereinslokale „Mikro", Herr Dr. W. Hosm ann. — eine Stunde vor Nacht, im Hörsaal, «Midrasch", Herr Saul Munk. Sonntag nach Schul „Mizwas Hafchem" (auch Mittwoch), Herr Red. S. Sch achn ow itz. — vorm. 974 Uhr (auch Dienstag eine Stunde vor Mincho) im Vereinslokale «Gemoro"; Herr Dajan Posen. — Montag bis einfchl.Fr ei tag nach SchulMischna. — abends 7 Uhr (auch Mittwoch) Gemoro; Herr Rabb. Dr. Jos. Breuer. — abends 8% Uhr (auch Donnerstag) Gemoro; Herr Dr. El. Posen. Jahrzeits-Stiftungen: Samstag, 15. August. Leopold Löb-Stiftung. Mittwoch, 19. August. Jsac Bier-Stiftung. Agudas Jisroel-Jugendgruppe. Sonntag, 8 Uhr vormittags. „Gemoro": Herr Leop. Oppen heim er. — 2 Uhr nachm., „Mischna": Herr Jacob Landau (ebenso Samstag 6 Uhr abends). — 9Uhr abends „Lektüre": Herr Dr. Abt. Montag, 7-9 Uhr abends. „Gemoro für Fortgeschrittene"; (auch Donnerstag) Herr Hirschberg, Hegelstraße 13. — Uhr, (gemeinsam mit der Esra) Turnkursus. — 7a9 Uhr Dinim Herr G. Schn erb. — 9 Uhr Gemoro Herr Holpern. Dienstag, 729 Uh c abends (auch Donnerstag), «Gemoro"; Herr Dr. Willy Hofmann (auch Samstag 3 Uhr). — 3U9 „Gemoro" Herr S ch nerb. Mittwoch, 7s9Uhr abends, Zwanglose Aussprache — 729Uhr«Dinim für Fortgeschrittene": Herr G. Sch nerb (ebenso Samstag 5 Uhr). Donnerstag abend 7-9 Uhr (auch Sabbat 4 Uhr) ..Sugiaus": Herr L. Kurzweil. — 7s9 Uhr Besprechung verschiedener Themen. Samstag, 10 Uhr morgens, «Gemoro": Herr Dr. Posen, Am Tiergarten 42. — 10 Uhr, „Kizzur Schulchan Aruch" für Ansänger, Herr Louis Kahn. — 11 Uhr .Tnach"; Herr Dr. Hosmann. Eschenheimer Anlage 1.-12 Uhr. „Mischna" für Fortgeschrittene Herr Lehrer Hirschberg. — 7-3 Uhr, „Sidro"; Herr Holpern. — 7-7 Uhr. «Mischna für Anfänger"; Herr G. Sch nerb. Agudas Jisroel Alädchengruppe. Montag, 7a9 Uhr Einführung in die Gebetordnung, Frl. B. Katz. — 9 Uhr abends. „Newiim", Herr Lehrer Unna. Dienstag, abends 7-9 Uhr, .Dinim", Herr Dr. Weg er. Mittwoch, abends 7-9 Uhr, zweiter Heimabend. Hünauerlandstratze 17. Donnerstag, abends 7-9 Uhr, .19 Briese". Samstag, y2u Uhr «Tillim" Herr Louis Kahn. — 11 Uhr jvinH Herr H. Frank^nthal. — 4 Uhr rnuv Herr Lehrer Hirfchberg^ Liwjalh Lhen-Verein. Samstag, von nun ab regelmäßig nach Mincho (57^) im Hörsaale Friedberger-Anlage «Midraschvortrag". Herr Red. S. Schachnowttz. Gebetzeiten.?rtn naw Freitag Abend 7,05 Samstagmorgen 7.45 Samstag nachmittag 5.— Samstag abend 8.35 lVochengottesdienst: Ulorgens 6.15 Nachmittags 7.— Tefilin-Legen am Morgen 4.10

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